Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schulkombat

GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
05.11.2014
27.07.2015
4
6.165
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.11.2014 1.705
 
Langsam ging der Junge hinter dem Direktor her. Als sie schließlich vor dem Klassenzimmer standen, drehte der Erwachsene sich um und sagte: „So, hier ist deine neue Klasse, Tomas. Ich habe den Lehrer schon über dich informiert. Geh einfach rein und such dir einen Platz.“ Während der Direktor sich entfernte, klopfte Tomas Vrbada an die Holztür und trat, nachdem er ein „Herein!“ gehört hatte, durch diese.

Der Lehrer blickte ihn einen Moment verwirrt an, dann meinte er: „Ah, Tomas Vrbada, richtig? Such dir einen Platz, die Stunde ist sowieso gleich vorbei.“ An die Klasse gewandt fuhr er fort: „Das ist unser neuer Mitschüler, von dem ich euch erzählt habe. Ich hoffe, ihr werdet ihn mit Respekt behandeln, damit er sich bei uns wohlfühlt.“ Aus dem allgemeinen Gemurmel waren Dinge wie „Klar.“ oder „Kein Problem, Mr. Chi.“ zu hören. Kaum hatte Tomas einen freien Platz gefunden, klingelte auch schon die Schulglocke und der Lehrer ging aus dem Klassenzimmer. Einige Augenblicke herrschte Stille, dann konnte man aus einer der hinteren Reihen einen Jungen hören: „Na, endlich ist der alte Sack weg. Der geht mir auf den Geist mit seinem Gefasel über chemische Zusammenhänge.“ „Johnny, hör auf damit. Das ist ja ein toller erster Eindruck, echt jetzt.“ zischte ein Mädchen. Ohne etwas zu erwidern, ging der Junge nach vorne an Tomas Platz und dieser fragte sich, wieso der Kerl vor ihm eine Sonnenbrille trug, obwohl es draußen wie aus Kübeln schüttete. „Ach was, ich bin sicher unser  Tomboy versteht das, oder?“ Nervös sagte der neue Schüler: „Ja, klar. Kein Problem.“ „Na also. Gut, wir sehen uns bestimmt nachher noch in der Mensa. Und Sub, bis später, ja?“ Der Junge nickte Tomas Sitznachbarn zu und machte sich davon. Das Mädchen von vorhin lief ihm hinterher und Tomas wollte ihnen gerade folgen, da wurde er von seinem Tischnachbarn unterbrochen, der sich nun räusperte und sagte: „Okay, du erwartest sicher, dass ich dich in der Schule rumführe, aber ich bin nicht dein Fremdenführer, klar? Mir reichst, wenn du die wichtigsten Leute der Klasse kennst, damit du nicht schon am ersten Tag im Krankenhaus landest. Ich bin übrigens Kuai Liang.“ Er stand auf und bedeutete Tomas mit einer Handbewegung ihm zu folgen. Nach ein paar Minuten waren sie schließlich in der Mensa angelangt. Der Duft von Nudeln und Tomaten stieg Tomas in die Nase und mit einem Magenknurren stellte er sich mit einem Tablett in die lange Schlange, nur um von Kuai weggerissen zu werden. „Was ist denn los, Mann?“ rief er entrüstet. Sein Sitznachbar deutete auf eine Gruppe von Schülern, welche gerade durch den Mensaeingang kam. „Das wirst du gleich miterleben. Mit Kano ist nicht zu spaßen.“

Der Junge namens Kano hatte offensichtlich einen gewissen Ruf innerhalb der Schule, denn die meisten Schüler boten ihm und seinen Freunden sofort an, sie vorzulassen. Und diejenigen, die ihn nicht vorbei ließen, wurden kurzerhand beiseite gestoßen, so das Kanos Gang die ersten an der Essensausgabe waren. „Scheint, als herrschten hier raue Sitten.“ sagte Tomas tonlos und stellte sich erneut an. Nachdem er sein Essen bekommen hatte, folgte er Kuai an einen Tisch, an dem auch das Mädchen und der Junge von vorhin saßen, sowie drei weitere Jungs. „So, guten Appetit, Neuer.“ meinte Kuai grinsend und griff nach einer Gabel. „Danke, euch auch.“ Während des Essens betrachtete Tomas die restlichen Schüler am Tisch: Der Junge namens Johnny trug auch hier seine Sonnenbrille, sowie ein T-Shirt mit dem Aufdruck You got CAGED! Neben ihm saß das Mädchen, welches die blonden Haare zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden hatte. Dazu trug sie ein kurzärmliges schwarzes T-Shirt mit einer braunen Lederjacke. Der Junge links von Kuai trug eine schwarze Baseballcap zusammen mit einem blauweißen Shirt. Direkt gegenüber von Tomas saß ein Junge, der ein rotes T-Shirt trug und dessen Gesicht chinesische Züge aufwies. Sein Essen hatte er noch gar nicht angerührt, stattdessen war er in ein Gespräch mit dem letzten Jungen am Tisch vertieft: Dieser trug braune Hosen und eine schwarze Weste, auf die ein silberner Drache gestickt war. Gerade wollte Tomas sie fragen, wieso sie nichts aßen, da schlug Johnny mit der flachen Hand auf den Tisch, was einen lauten Knall zur Folge hatte, der sie fast von den Stühlen purzeln ließ. „Man, Johnny, was soll denn das? Fast hätte ich meine Spaghetti auf den Tisch gereihert.“  „Ist doch egal, Liu. Mir ist nur gerade eingefallen, dass ich mir meinen Stundenplan noch gar nicht angeschaut habe.“ „Und deswegen machst du so einen Lärm? Wir haben doch alle die gleichen Stundenpläne.“ Rasch kramte Lius Freund einen zerknitterten Zettel hervor, auf den in die obere Ecke Kung Lao gekritzelt worden war. „Okay, mal sehen. Erst mal ne Doppelstunde Bio bei Mr. Tsung, dann Mathe bei Mr. Havik und zum Schluss Musik bei Mr. Rain?!“ Kung Laos Stimme wurde immer wütender. „Das ist ja wohl ein schlechter Witz. Drei der schlimmsten Lehrer an einem Tag. Kann mich bitte jemand erschießen?“ „Kein Problem, wenn du unbedingt willst.“ antwortete der Junge mit der Baseballcap und holte eine Pistole hervor. Die Augen der anderen weiteten sich vor Schreck. „Scheiße, Stryker. Tu sofort die Knarre weg! Sag mal, hast du sie noch alle?“ „Okay, okay. Kommt mal wieder runter, die ist doch nicht echt. Nur ne Schreckschusspistole. Hab ich von meinem Alten.“ „Nur weil dein Vater Polizist ist, heißt das nicht, dass du Waffen in die Schule mitbringen darfst, du Idiot.“ wies Kung Lao ihn zurecht. „Hast ja recht. Das nächste Mal benutzte ich sie erst, wenn Kano wieder Ärger macht, okay?“ Grimmig nickte Kung Lao und wartete darauf, das Stryker die Waffe verschwinden ließ. Aufgeregt sah er sich um, aber sie hatten noch mal Glück gehabt: Niemand hatte etwas bemerkt. Erleichtert ließ er sich in seinen Stuhl fallen.

Nachdem sie alle aufgegessen hatten, machte sich der Großteil wieder auf den Weg in den Unterricht. Tomas wollte auch aufstehen, aber Johnny stieß ihn in den Stuhl zurück. „Chill mal, man. Wir haben jetzt erst mal ne Freistunde.“ Das blonde Mädchen verdrehte genervt die Augen. „Echt jetzt, Johnny. Lass dem Neuen mal für ne Sekunde in Ruhe, okay?“ Dann blickte sie Tomas an und meinte: „Los komm, lassen wir Johnny in Ruhe schmollen, während ich dir die restlichen Leute der Klasse vorstelle, ja?“ Schulterzuckend stand Tomas auf und ging mit ihr mit.

„Ich bin übrigens Sonya Blade und unser Klassenclown da drüben ist Johnny Cage. Eigentlich heißt er John Carlton, aber alle nennen ihn nur bei seinem Künstlernamen. Er redet dauernd davon ins Schauspielgeschäft einzusteigen, aber wenn du mich fragst, schafft ers höchstens in die Theater-AG.“ Tomas musste bei Sonyas letzter Bemerkung ungewollt grinsen, hörte jedoch auf damit, als er den Jungen namens Kano zusammen mit ein paar anderen Leuten an einem der Tische herumlungern sah. „Äh, Sonya? Bitte sag mir, das Kano nicht auch in unserer Klasse ist.“ Sonya schaute ihn mitfühlend an und sagte: „ Tut mir leid, aber Kano und sein Clan der schwarzen Drachen sind leider die Störenfriede Nummer Eins bei uns.“ Perplex erwiderte Tomas: „Sein…Clan?“
„Oh, klar. Du weißt das ja noch nicht. Kennst du die Serie Die Söhne des schwarzen Drachen?“
„Du meinst die Serie, wo ein Ninjameister ermordet wird und seine Schüler den Mörder finden wollen? Klar kenn ich die, aber ich verstehe nicht…“
„Nun, Kano und seine Kumpels sind Riesenfans dieser Serie und…na ja, haben ihre Gang eben nach ihr benannt.“ Neben Kano waren noch zwei weitere Schüler. „Die beiden neben ihm sind Kira…“ Ihr Finger deutete auf ein rothaariges Mädchen in einer Kombination aus Stoff und Leder. „Und Kabal.“ Sie zeigte auf einen muskulösen schwarzhaarigen Jungen, der einen langen Mantel trug und nun auf sie zukam. „Hey Neuer. Wir sind hier kein Kinosaal. Hör auf uns so anzustarren oder du kannst deine Zähne aus dem nächsten Mülleimer klauben, kapiert?“
„Verdammt, Kabal. Würde es dich umbringen, mal ein bisschen nett zu sein?“ fuhr ihn Sonya an. Grinsend antwortete Kabal: „Nun, umbringen nicht gerade, aber es entspräche einfach nicht meinem Charakter. Hähähä.“ Schneidend peitschte ein Befehl durch den Raum: „Kabal, das reicht jetzt. Wir wollen schließlich unsere Sonya nicht beängstigen, oder?“ Kira und Kabal lachten hämisch und der schwarzhaarige meinte nur: „ Nein, natürlich nicht, Kano.“ Zu Tomas meinte er: „ Und du halt dich von uns fern, sonst setzt es was.“ Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verschwand mit seinem „Clan“ aus der Mensa.

Sonya atmete hörbar aus: „Puh…Endlich sind sie weg. Na ja, wenigstens hast du jetzt gesehen, das ich nicht übertrieben habe.“ Tomas wirkte immer noch erschüttert: „Ja und jetzt weiß ich auch, wieso Stryker mit ner Knarre in die Schule kommt. Vielleicht sollte ich mir auch eine kaufen.“ In diesem Moment kam Johnny auf die beiden zu: „Oder du könntest einfach Hanzo um Hilfe bitten.“ „Ist der auch in unserer Klasse?“ „Klar, dahinten steht er.“ Johnny wies auf einen großgewachsenen Jugendlichen, welcher still in einer Ecke saß und in einem Buch las. „Er ist der beste Kämpfer an unserer Schule, sogar unser Sportlehrer hatte keine Chance gegen ihn.“ Kuai blickte wütend auf den Jungen hinüber: „Ja, ja, ich seh schon die Schlagzeilen: Hanzo Hasashi besiegt den Weltchampion.“ Er schüttelte den Kopf. „Was für ein Schwachsinn.“

Tomas überließ Kuai und Johnny ihrem Streit und schaute zu dem Jungen namens Hanzo. Er schien völlig in sein Buch vertieft zu sein, nur ab und zu warf er einen kurzen Blick zu einer Gruppe von drei Mädchen, die sich gerade daran machten, zu gehen. „Hey, Sonya. Wer sind die drei Mädchen da drüben?“ Mit einem Kopfnicken deutete er in die Richtung des Trios. „Oh, die. Die in blau heißt Kitana und die in grün Jade.“ Tomas nickte. „Und die in pink?“
„Das ist Mileena, Kitanas Zwillingsschwester. Oh, und bevor du auf dumme Gedanken kommst, mach dir keine Hoffnungen. Die drei sind in unserer Parallelklasse, also...“ Stryker ging zwischen die beiden. „Hey, ich störe ja wirklich nur ungern, aber wir sollten langsam los oder Mr. Tsung lädt uns alle zum Nachsitzen ein.“ „Oh Mist. Dann aber los.“

So schnell sie konnten, stürmte die Gruppe zum Biologieklassenzimmer, in der Hoffnung, es noch rechtzeitig zu schaffen. Doch das Glück war mit ihnen und sie konnten noch rechtzeitig in den Raum huschen. Tomas setzte sich neben Kuai und fragte sich, wie seine erste Unterrichtsstunde wohl ablaufen würde.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast