Bioshock Continuum I - Renaissance Teil 1 - Grausiges Erwachen

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
05.11.2014
14.11.2014
3
3.244
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.11.2014 1.097
 
Die Welt um Robin war dunkel.
Seine Augen waren zwar geschlossen, aber er konnte die Dunkelheit, die ihn umgab, förmlich spüren.
Angst stieg in ihm auf. Wo war er? Warum fühlte er sich so schwach? Warum traute er sich nicht, die Augen zu öffnen? Unzählige Fragen schossen ihm durch den Kopf, doch sein Geist ließ ihm keine Zeit, auch nur im Ansatz nach Antworten zu suchen. Wie eine bedrohliche Wolke vernebelten die Fragen seinen Verstand, während sich die Furcht immer weiter in ihm ausbreitete.
Robin spürte, dass er kurz davor war, in Panik zu geraten, weshalb er mit letzter Willenskraft all seinen Mut zusammen nahm und begleitet von einem stummen Schrei die Augen aufriss.
Und plötzlich war alles ganz still.
Robin lehnte an etwas, wusste jedoch nicht, um was es sich handelte. Er blickte nach vorne und stellte fest, dass sich etwa zehn Zentimeter vor seinem Gesicht eine beschlagene Glasscheibe befand, deren Ränder vereist waren.
Erst jetzt spürte er die Kälte, die von seinem ganzen Körper Besitz ergriffen hatte. Es kam ihm vor, als stehe er in einer Gefrierkammer. Robin versuchte, mit seinem rechten Arm das Glas zu erreichen, wodurch er bemerkte, dass er in einem engen, abgeschlossenen Kasten eingesperrt war.
Es kam ihm fast wie ein Sarg vor und er  fühlte, wie sein Herz bei dem Gedanken einen Satz machte. Er konnte seinen erhöhten Puls und die Schweißtropfen auf seiner Stirn deutlich spüren. Das Pochen an seiner Schläfe war fast unerträglich. Er schloss die Augen und atmete so langsam und gefasst er nur konnte.
"Ganz ruhig, Robin. Alles unter Kontrolle", sprach er sich selbst Mut zu.
Dann öffnete er die Augen wieder und wischte über das Glas, das sich erstaunlich warm anfühlte. Als er den Arm wieder wegnahm, stellte er fest, dass das Eis zu schmelzen begonnen hatte. Er blickte durch sein kleines Fenster, sah aber nichts als eine dunkle Wand, an der sich hin und wieder das Licht einer flackernden Lampe abzeichnete.
Robin rieb sich über die Stirn und trocknete seine schweißnasse Hand so gut es ging an seiner Jeans ab. Er wollte gerade nachforschen, warum es auf einmal so warm um ihn wurde, als ihn ein lautes Zischen zusammenschrecken ließ.
Einzelne Lichtstrahlen schimmerten durch kleine Spalten an der Front seines Gefängnisses hindurch, während die kalte Luft nach außen hin entwich.
Robin wusste noch immer nicht, was hier eigentlich vor sich ging, aber die Möglichkeit, dass er gleich frei sein würde, beruhigte ihn spürbar.
Nach einer gefühlten Ewigkeit glitt die Tür vor ihm zur Seite weg und er konnte den Raum, in dem er sich befand, genauer betrachten.
Zunächst wollte er jedoch aus seinem Metallsarg entkommen. Seine Muskeln fühlten sich an, als er hätte er sie jahrelang nicht benutzt. Doch woher sollte er wissen, dass es nicht Jahrzehnte gewesen waren?
Robin griff nach der Kante seines Gefängnisses und nutzte alle Kraft, die er aufbringen konnte, um sich heraus zu hieven.
Fast augenblicklich presste er seine linke Hand an den Kopf, um das fast schon schlagartige Pochen an seiner Schläfe überhaupt nur irgendwie ertragen zu können.
Seine Kopfschmerzen waren mittlerweile fast unerträglich geworden, weshalb er sich mit den Fingern über die Augen rieb. Robin zögerte kurz. Was war mit ihm los? Er erinnerte sich zwar noch an seinen Namen, Robin Dirge, aber alles andere lag hinter einer dicken Nebelwand. Er wusste, dass da noch mehr war, aber er konnte beim besten Willen nicht sagen, um was es sich handelte.
Robin torkelte durch den Raum direkt auf eine große Tür mit einem Rad an Stelle eines Griffes zu, über der ein leuchtendes „Exit“-Schild angebracht war. Auch wenn seine Sicht noch etwas verschwommen war, so konnte er an den Wänden weitere Kammern wie seine erkennen, die jedoch alle leer standen.
Robin betrachtete neugierig die Cryokammern und fragte sich, wie lange er wohl eingefroren war. Als er die Schäden an einigen der Maschinen bemerkte, war er erfreut, dass seine Kammer nicht zu den zerstörten Geräten gehörte. Wieso wusste er eigentlich, was eine Cryokammer ist? Anstatt Antworten zu finden, sammelte er nur mehr und mehr Fragen. Robin spürte ein Stechen in seiner Stirn und rieb sich mit den Händen übers Gesicht. Alles in allem war er jedoch froh, dass er sich überhaupt an etwas anderes als seinen Namen erinnern konnte.
Er meinte, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass man nach dem Cryoschlaf oftmals an temporärer Amnesie litt. Es konnte aber auch gut sein, dass sich sein Geist das nur zusammenreimte, um ihn zu beruhigen. Robin zuckte mit den Schultern und hoffte auf das Beste.
Er betrachtete sein Spiegelbild in einem der Fenster der Cryokammern und staunte nicht schlecht. Normalerweise behauptete man ja immer, dass man schlimmer aussah als man sich fühlte, doch als er in die Reflektion seines Gesichts blickte, musste er sich eingestehen, dass es sich dieses Mal umgekehrt verhielt.
Seine dunklen Haare waren zwar ein Stück weit zerzaust, aber das war aufgrund seiner Locken schon immer der Fall gewesen. In seinen blau-grauen Augen konnte Robin nicht die Spur von Müdigkeit erkennen, auch wenn ihm seine Kopfschmerzen ein anderes Bild zu vermitteln versuchten. Sein Bart schließlich sah aus wie immer, von der Länge her irgendwo zwischen Drei- und Sieben-Tage-Bart.
Robin wendete sich wieder von der Kammer ab und ging in Richtung Ausgang. Dort angekommen atmete er tief durch und machte sich daran, die Verriegelung zu öffnen.
Er drehte das etwas schwerfällige Rad bis zum Anschlag und drückte die massive Tür von sich weg.
Vor ihm lag ein Verbindungstunnel, der bis auf den Boden komplett aus Glas bestand und in etwa 50 Metern Entfernung mit einem Hochhaus verbunden war.
Robin ging ein paar Meter in den Glastunnel hinein und schaute sich um. Er brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass er komplett von Wasser umgeben war.
Er zuckte kurz und wartete, bis sich sein Blick wieder klärte.
„Ich erinnere mich!“, platzte es lauter, als er es geplant hatte, aus ihm heraus.
Er befand sich in Rapture, Andrew Ryans Unterwasser-Utopia.
Robin stellte sich direkt an die Wand des Übergangs und blickte nach draußen. Er konnte mehrere Hochhäuser erkennen, die mit leuchtenden Werbeschildern vollgepflastert waren.
Er wusste nicht, woran es lag, aber die Stadt kam ihm anders vor, als er sie in Erinnerung hatte, wobei er seinem Gedächtnis momentan nicht allzu sehr traute. Allerdings war er sich sicher, dass er noch nie in diesem Teil von Rapture gewesen war.
Wie war er hier her gekommen? Und wo genau war hier überhaupt? Er ging auf die Tür am anderen Ende des Tunnels zu und hoffte, dass er bald jemanden traf, der ihm weiter helfen konnte.
Review schreiben