Der Schöne und das Biest

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
04.11.2014
02.09.2015
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,,Louis! Komm her und hilf mir mal bitte!!", dröhnte die Stimme seines Vaters aus der Backstube und schlaftrunken torkelte dieser mit Schlaf in den Augen zu seinem Vater. ,,J-Ja, warte..." Müde und noch nicht ganz wach nahm er das große Blech mit rohen Brezeln in die Hände und schob es rasch in den Offen. Er klappte die Tür des Ofens zu und sah seinem Vater nach, der in Windeseile in Richtung Theke hastete. Auf dem Boden hinterließ der alte Mann eine Mehlspur und Louis musste grinsen. Typisch sein Vater eben und er ging, mit den Händen in den Hosentaschen, seinem Vater hinterher. Er schnappte aus dem Gespräch etwas mit der heutigen Hochzeit auf.  Emilia und Noel aus dem Dorf würden heute den heiligen Bund der Ehe eingehen und sich das Ja-Wort geben. Der Kunde war niemand anderes als die junge, völlig überdrehte Tochter des Bürgermeisters, Marie. ,,Louis! Wie geht's dir denn an diesem schönen Morgen?", platze es aus ihr heraus als sie sein müdes Gesicht sah. Er konnte sie nicht ausstehen. Generell konnte er einige wenige aus dem Dorf nicht ausstehen. ,,Hallo Marie, ich schätze gut und dir?" - ,,Auch gut! Sag mal... magst du nicht mit mir nachher dem Brautpaar alles Gute wünschen?" Ihre Augen leuchteten und nervös trat sie von einem Fuß auf den anderen, gespannt seine Antwort zu hören. "Du... ich ehm... ich habe Josephine versprochen, mit ihr in die" - ,,Oh! Wie schade! Ich dachte, du möchtest mit mir zum Brautpaar gehen..." Sie beugte sich weit über die Theke und ihre Brüste schienen fast aus ihrer Korsage raus zu hüpfen. ,,Es gibt sogar einen Sektempfang, stell dir vor! Und Abends spielt der örtliche Musikverein ein paar Lieder, zu denen sich gut tanzen lässt..." Marie zwinkerte ihm zu und rappelte sich wieder zu normaler Größe auf. //Widerlich...//, dachte sich Louis, nickte erst mit dem Kopf und schüttelte ihn dann heftig. ,,Versprochen ist nun mal versprochen, tut mir lei-" Ehe er noch etwas sagen konnte, haute ihm der Vater mit dem Ellbogen so arg in die Rippen, dass ihm Hören und Sehen verging. Mit einer Hand auf der Theke gestützt hustete er eine zeitlang. ,,Mein Sohn würde sehr gerne mit dir abends tanzen, Madame Marie!" Er beugte sich etwas über die Theke und wisperte Marie zu: ,,Du kennst doch Louis, er ist ein schüchterner junger Mann!" Ein gellendes Lachen erhellte den Raum, das jedem eine Gänsehaut verursacht hätte. Allmählich legte sich der Husten wieder und Louis sah seinen Vater wütend an. ,,Das freut mich zu hören! Oh, schon so spät! Komm bitte um 19:45 zum Brunnen, dort treffen wir uns!" Sie zwinkerte abermals Louis zu und bedankte sich bei seinem Vater für das Laib Brot. Ihre blonden Haare quollen unter einem violetten Hut hervor, der über und über mit Blumen beschmückt war. Ihr kurzes Kleid war ebenfalls violett und übersät mit schwarzer Spitze. Die Korsage verursachte eine Wirkung, die den meisten Männern wohlbekannt war. Ihre recht kleinen Brüste sahen darin viel zu rießig aus, doch das kümmerten Louis nicht. Marie trug außerdem viel zu viel Schminke und prahlte bei den Scharen von Männern und Frauen, wo sie ihre Kleidung und das neue Parfum her hatte, wie toll sie doch reiten konnte und wie schön Paris doch bei Nacht wäre. In ihren fliederfarbenen Ballerina sah sie fast so aus, als würde sie gleich eine Aufführung im Theater hinlegen. Alleine. Ohne Zuschauer. Auf einer lausigen Bühne mit keinem anderen Darsteller. Sie konnte einfach weder lachen noch singen oder überhaupt lustig sein. ,,Was sollte das denn eben werden?!", fuhr Louis seinen Vater an, der genauso wütend schien wie er selbst es war. ,,Marie ist eine Schönheit und du willst lieber mit dieser... Josephine in der Bücherei rumhängen?" - ,,Marie ist keine Schönheit, sie braucht literweise Schminke um ihre Visage zu überdecken, damit man ihren miesen Charakter nicht erkennt!" Sein Vater erhob die Hand um ihm eine zu klatschen, doch Louis bückte sich rasch und hechtete zur Tür. ,,Stell dir doch nur vor, wie reich du wärst! Wir müssten nicht mehr als Bäcker arbeiten! Wir könnten uns auch mal in Paris entspannen und Froschschenkel essen!" Doch von alldem kriegte Louis nichts mehr mit. Er rannte in Richtung Bibliothek.

Auf halber Höhe des Marktplatzes, nahe dem Brunnen, hörte er Getrampel von Pferden hinter sich und er wusste, zu wem dies gehörte. Wütend auf seinen Vater und zornig auf den Mann, der ihn gerade rief, drehte er sich um und sah auf einem pechschwarzen Ross Damian. Damian war ein großgewachsener Gauner,  Weiberheld und im ganzen Dorf als Spieler und Säufer verrufen. ,,Na, Louis? Wieder auf dem Weg zum Leseratten-Wettbewerb? Oder hast du dich doch dazu bekehrt, Frauen zu nageln?" Ein johlendes Gekreische ging durch die Menge und Damians Freunde klopften sich auf die Schenkel, sie schüttelten sich gerade nur zu vor Lachen. ,,Halt den Mund! Immerhin muss ich mein Gehänge nicht in alles stecken, was zwei Beine und Oberweite hat!" Voller Zorn sah er in Damians hellbraune Augen. Seine Schokoladenbraunen Haare waren zu einer Mähne gekämmt, wenn nicht sogar gestriegelt. Selbst wenn er den Mund hielt und nichts sagte, konnte man seinen gelben Zähne sehen... und riechen. ,,Große Worte für jemanden, der noch nie eine Frau gebumst hat!" Wieder ein jaulendes Lachen von allen Seiten. Louis hatte auf Damian keinen Bock mehr und kehrte ihm den Rücken zu. Es fühlte sich an, als ob er an den Blicken, die seinen Rücken durchbohrten, aufgespießt würde und nackt auf einem Servierteller lag. um ihn bloß zustellen. Er hörte noch eine fiese Bemerkung und war dann, so schnell ihn seine Beine auch trugen, außer Hörweite. Verärgert maulte er Damian nach und bemerkte erst jetzt, dass er unmittelbar vor der Bücherei stand. Die Sonne stand mittlerweile höher und es läutete zu 9:00 Uhr morgens. ,, ...ouis!" Er drehte sich kurz um und sah Josephine herbei hetzen, mit 7 Büchern unterm Arm. ,, ...Louis... b-bleib ste... stehen..." Völlig außer Atem und mit Schweißperlen auf der Stirn blieb eine junge Frau vor ihm stehen und schaute ihn durch ein paar verwirte Haarsträhnen, die ihr im Gesicht klebten, an. Sie war fast so groß wie er und eine Schönheit, wie sie im Buche steht: lange, gewellte braune Haare, lindgrüne Augen und einen gesunden Teint, anders als Marie. Auch trug Josephine keine Schminke oder Korsagen, bei denen man um Haaresbreite die Nippel sehen konnte. Heute trug sie ihre Haare zu einem lockeren Dutt und ihr Kleid war voller Staub. Es war ein blaues aus Leinen, ärmellos und hörte knapp über dem Boden auf. Sie trug ein weites, weißes Hemd mit Trompetenärmeln und Sommersprossen zierten ihr Gesicht. Josephine war die Tochter der Reitmeisterin Madame Clara. Die Schönheit hatte sie von Clara und diese Schönheit begann gerade zu taumeln und eines der dicken Bücher fiel zu Boden. Louis hielt seine Hände an die Bücher gepresst und verhinderte damit, dass sie runterfielen. Dann hob er rasch das eine auf und warf Josephine ein Lächeln zu. Sie war seine einzige und beste Freundin. Ihr machte es nichts aus, dass er nicht auf Frauen stehe, sie hatte sogar gemeint, dass das die Freundschaft noch stärke. Was sie allerdings damit meinte, wäre damals in keinem Buch zu finden gewesen. ,,Tut mir leid, Jose...", begann er zu stammeln doch sie schnitt ihm das Wort ab: ,,Ich rufe dir nach und du rennst einfach weiter! Ich habe mir Sorgen gemacht weil du nicht beim Wirt erschienen bist, wo wir sogar noch ausgemacht haben dass wir uns da für heute treffen!" Erst jetzt bemerkte sie, dass Louis die Bücher aufhob, die während ihrer Standpauke zu Boden gefallen waren. Zornig fiel er auf die Knie und wollte gerade ein Buch auf den Boden schmeißen, als er ihre warme Hand auf dem Rücken spürte. ,,Es war Damian, richtig?" Sie kniete sich zu ihm herunter und half ihm beim Aufheben ihrer ausgeliehenen Bücher. Er nickte nur und rappelte sich mühsam auf. Was für ein Tag! Erst Marie, dann Damian! Jetzt fehlte nur noch, dass die Bücherei geschlossen hatte. Dann wäre der Tag schon perfekt genug um sich wieder ins Bett zu legen. ,,So ein Idiot! War es wieder eine Wortkappelei oder ging es heftiger zu? Nun denn... komm, schreiten wir in unseren Palast!" Mit diesen Worten stellte sie sich wieder hin, drei Bücher unter dem Arm und ging mit Louis zu den großen Türen der Bibliothek. Von der anderen Seite des Marktplatzes her hörte man laute Musik und Jubelschreie. Es war das Brautpaar, dass auf einem edlem Schimmel durch ins Dorf zog. In all dem Trubel sah man einen violetten Papagei wild kreischen und, fast schon wahnsinnig, lachen.

Schnell stießen sie die Tür auf und eine Erleichterung machte sich um Louis' Herz breit. Der Geruch der abertausend Bücher und abertausenden Geschichten lag in der Luft, bereit, gelesen zu werden. Zu ihrer Linken saß, wie jeden Tag, Madame Prapúre. Sie war die Leiterin der kompletten Bücherei und verantwortlich für jedes alte Buch, das gegen eine neue Auflage ausgetauscht wird. ,,Guten Morgen Madame Prapúre! Gibt es neue Bücher? Oh warten Sie, hier sind ein paar!" Schnell legte Josephine die Bücher auf den hohen Tresen und hüpfte nervös von einem Fuß auf den anderen. ,,Guten Morgen ihr zwei! Oh, das sind aber viele Bücher... natürlich sind neue Bücher da! Wenn ihr sie einräumt, natürlich ordentlich und geordnet, schenke ich euch ein Buch!" Jose's Augen leuchteten vor Aufregung und schoss sie wie ein Pfeil vorbei an Louis, der die restlichen Bücher der alten Madame überreichte. Er hörte seinen Namen von weit her rufen und musste lachen. Das gefiel ihm so an Josephine. Sie war keine aufgedackelte Tusse, die sich durch die Gegend vögelte und mit Strapsen einkaufen geht. Sie war eine gebildete und sehr hinreißende Frau. Nicht falsch verstehen, sie sind Freunde, denn mehr wäre beidseitig auch nicht möglich! Als Louis im Lagerraum ankam, sauste ihm Josephine schon mit einem klapprigen Wagen entgegen, geradewegs auf die Treppe zu. Kurz vor ihr machte sie kehrt und packte ein paar Bücher. Dann setzte sie übermütig zum ersten Schritt auf die Treppe an und ehe man sich versah, war sie schon im ersten Stock und legte die Bücher sorgfältig auf einen weiteren Wagen. Dann rannte sie die Treppen runter und balancierte einen Schwung Bücher nach oben. Grinsend und mit Leidenschaft tat Louis ihr es nach und in wenigen Minuten hatten sie jede Menge an Büchern im ersten Stock der rießigen Bibliothek. Beide fuhren sie vorsichtig und diesmal mit weniger Elan zu einem großen, leerstehenden Regal und hielten davor an. ,,Ran ans Werk! Erst mal nach Titel ordnen! Du nimmst die, die von A bis L ... und ich die anderen!" Sie lächelte in sich hinein und Louis konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Es machte Spaß hier mit Josephine zu sein. Nach etlichem Sortieren fiel sein Blick auf ein altes, fast verwestes Buch mit Goldlettern darauf. ,,Das alte Buch der Märchen... Frankreichs älteste Sagen und Legenden!" Er las den Titel laut vor und griff es sich. Zu seinem Erschrecken war es schwerer als es aussah und vorsichtig, fast schon zärtlich, klappte Louis das Inhaltsverzeichnis auf. Einige Seiten ragten lose heraus und er las einen Titel, den er noch nie gehört hatte: ,,Das Biest des Rosenpalastes..." Neugierig schlug er Seite 387 auf und begann zu lesen. So vertieft in dem Märchen wie er war, merkte er nicht, dass Josephine fertig war mit sortieren und einräumen der Bücher. Die Geschichte schien hier in der Nähe geschehen zu sein und war sowohl packend als auch traurig. Sie wurde nüchtern und hart erzählt, von einem jungen Mann, einem König, der nur Feste feierte und nie an sein hungerndes Volk dachte oder wie sein Land weiter leben sollte. Es kam eine böse Magierin und verzauberte ihn in ein hässliches, stinkendes und abscheuliches Monster, samt den Bewohnern des Schlosses. Die Angestellten wurden in Instrumente oder andere Sachen verwandelt. Der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn dieses Biest die Liebe seines Lebens küsst. Es existiert eine Rose, die mit der Zeit verblüht und wenn das letzte Rosenblatt abfällt, sterben alle Leute bzw Gegenstände im ganzen Schloss. Gepackt von dem Märchen verliebte Louis sich in die Geschichte. ,,LOUIS!" Erschrocken zuckt er zusammen und starrte in die Augen einer Frau... in die von Josephine. ,,Oh... habe ich die ganze Zeit gelesen? Das tut mir leid!", brachte er noch heraus ehe er einen leichten Klapps auf den Hinterkopf spürte. Er machte große Augen und sah zwischen Josephine und dem Buch hin und her. ,,Das tat weh.", sagte er in trockenen Ton und stand mühsam auf. Sein Blick gleitete am Regal hin und her, ehe er verstand, dass sie alleine es eingeräumt hatte. ,,Ich war so vertieft in dem Buch... es handelt von Märchen! Ich lese gerade eine Geschichte namens: Das Biest des Rosenpalastes! Es spielt bei uns in der Nähe!" Völlig erregt erzählte er ihr die Geschichte und schon kam Madame Prapúre hergelaufen. ,,Oh! Wie schön ihr das gemacht habt! Ihr habt euch ein Buch reichlich verdient!" - ,,Madame Prapúre, Joseph" - ,,Ja! Gott sei Dank hat mir Louis geholfen!", unterbrach sie seinen Satz. ,,Sehr schön! Ihr könnt euch jetzt eure Belohnung aussuchen..." Ihr Blick fiel auf das Buch, das Louis an seinen Körper presste. ,, ...Wobei ich mich korrigieren muss. Scheinbar hat Louis schon sein Buch gefunden..." Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und er nickte schnell. ,,Das Buch... ah ja, das ist ein edles Buch! Pass gut darauf auf. Hast du schon rein gelesen?" - ,,Ja, Madame! Natürlich! Ich finde das Märchen mit dem Biest so toll!" Sie grinste und rückte ihre Brille zurecht. ,,Ja. Da hast du recht. Schon gewusst, dass das Märchen auf einer Wahrheit beruht und da draußen immer noch ein Schloss wie dieses existiert? Mehr kann ich euch leider auch nicht erzählen, wobei ja jedes Märchen auf einer wahren Begebenheit beruht..."
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