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Beyond the sunset

von oldi
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Dr. John Watson Inspektor Lestrade Mary Morstan Mycroft Holmes Sherlock Holmes
03.11.2014
06.07.2015
3
7.748
7
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20 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
06.07.2015 2.319
 
Ihr wunderbaren Leser!
Es tut mir so so so leid, dass diese Story so lange brach gelegen hat.
Ich hatte nicht viel Zeit zum Schreiben in den letzten Monaten und dann bin ich in ein neues Fandom gestolpert, für das ich sehr viel geschrieben habe und habe deshalb diese Story eine Weile schwer vernachlässigt.
Jetzt geht es aber weiter.
Ich hoffe, ich schaffe es jetzt wieder regelmäßiger, zu posten.

Danke für eure Geduld und eure Kommentare! :)
Und danke an die neuen Leser (wo kommen diese ganzen Favo-Einträge plötzlich her? Willkommen an Board!) und an alle, die meine Stories empfohlen haben! :)

So. Neues Kapitel. Leider etwas kürzer als sonst.
Kleines warning: Sehr eindeutige sexuelle Andeutungen incoming.
Viel Spaß! :)
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Kapitel 3 – Der seltsame Fall der Lady Myrthle (III)

Das Appartement 221b hatte sich wieder einmal in das reinste Schlachtfeld verwandelt. Überall lagen Berge von beschriebenem Papier herum und Holmes hatte sein altes Moriarty-Netzwerk von der Wand in Watsons ehemaligem Zimmer gerissen, um neue Fäden im Fall Myrthle spinnen zu können. Während Holmes, der gegen das Chaos völlig immun war, nachdenklich an seiner Pfeife saugte und vor der improvisierten Pinnwand auf und ab lief, saß Watson in seinem alten Sessel versunken da und rieb sich über die müden Augen. Es war weit nach Mitternacht.

„Du sagst also, sie hatte keine sichtbaren Verletzungen, richtig?“
„Keine einzige. Nicht einmal Hautspuren unter ihren Nägeln.“
„Das schließt einen Kampf aus.“
„Offensichtlich. Es sei denn, sie hat sich nicht gewehrt.“
„Unwahrscheinlich. Es widerspräche der menschlichen Natur, sich bei einem Angriff gar nicht zu wehren.“
„Es sei denn, sie kannte den Angreifer und dachte, es ginge keine Gefahr von ihm aus.“
Watson schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht.“
„Deine Vorstellungskraft lässt wie üblich zu wünschen übrig.“
„Vielleicht ist sie auch einfach nur ins Wasser gefallen.“
„Niemand fällt einfach so ins Wasser.“
„Betrunkene tun so etwas.“
Holmes hielt inne und zog an seiner Pfeife.
„Jemand hat sie gestoßen. Jemand, den sie kannte und dem sie nicht ausgewichen ist, weil sie dachte, er würde ihr nichts antun wollen.“
„Was, wenn es gar kein Mord war?“
Holmes schnaubte, beugte sich zu Watson und bließ ihm Rauch ins Gesicht, was dieser mit einem missbilligenden Husten quittierte. „John, du glaubst doch nicht wirklich, dass Lord Myrthle einfach Glück hatte, dass eine passende Leiche zur Hand war.“
Watson seufzte nur, wedelte den Rauch von sich und stand auf.
„Was immer es ist, ich kann dir nicht helfen, es durch medizinischen Sachverstand zu lösen. Wenn sie nicht verletzt war…“
„Kann sie immer noch zuvor vergiftet worden sein!“
„Ich dachte du seist sicher, dass jemand sie gestoßen hat.“
„Ich bin nicht sicher, ich halte es nur für äußerst wahrscheinlich.“
Watson schloss die Augen, senkte den Kopf und seufzte.
„Eine Vergiftung ließe sich jetzt nicht mehr nachweisen. Nicht einmal, wenn du sie wieder ausgraben ließest.“
„Um zu wissen, wer sie getötet hat, müssen wir also zuerst ihren Mörder finden.“
„Das könnte sich schwierig gestalten, da wir nicht einmal wissen, wer sie war.“
„Was sagst du zu Gift?“
„Verfärbungen an den Zähnen, der Haut? Solche, die nicht zu einer Ertrunkenen passen?“
„Nein.“
„Das macht Gift unwahrscheinlicher, aber ausschließen lässt es sich dennoch nicht. Die Themse könnte die Spuren fortgewaschen haben. Wasserleichen verfärben sich. Ich kann dir nicht sagen, ob Gift eine mögliche Todesursache gewesen sein kann.“
„Also müssen wir noch einmal zum Anfang. Wir müssen wissen, wer sie war.“
Watson schnaubte und langte nach seinem Hut, den er auf seinem alten Bett abgelegt hatte. „Wie dem auch sei. Ich kann dir damit nicht helfen.“
Holmes wandte den Kopf von seinen an die Wand gepinnten Notizen ab und sah Watson an. „Natürlich. Wir haben den Fall zusammen begonnen, also…“
„Ich habe morgen Patienten. Du weiß schon? Bei meiner richtigen Arbeit?“
Holmes hob die Brauen, schmunzelte und nickte dann, um sich wieder abzuwenden.
„Sicher. Gute Nacht, Doktor.“
Watson stand mit verschränkten Armen im Türrahmen und schüttelte den Kopf.
„Das ist alles?“
Holmes seufzte, drehte sich aber nicht wieder zu ihm um.
„Wenn du nicht darüber reden willst, dass du Lady Myrthles Flucht mit der deiner Ehefrau vergleichst, dich deshalb wieder einmal selbst hasst und den Hass auf mich projizierst? Ja, dann wäre das für heute alles, Watson.“
Eine Weile stand Watson im Türrahmen, die Zähne zusammen gebissen, der Kiefer angespannt, und zögerte. Dann schluckte er alles herunter, wie er es sich zur Angewohnheit gemacht hatte, setzte seinen Zylinder auf und wandte sich zum Gehen.
„Gute Nacht, Holmes.“

Holmes schlief nicht mehr in dieser Nacht, sondern besah alle Fakten von neuem und versuchte, das Puzzle zusammen zu setzen. Ihm fehlte ein entscheidendes Teil: Die Identität der Toten. Er würde also Lestrade aufsuchen müssen, um zu erfahren, welche Personen vor sechs Monaten im Gebiet Whitechapel als vermisst gemeldet wurden. Dass sie eine Dirne gewesen war, dessen war Holmes sich sicher: Ihre Kleidung hatte Bände gesprochen. Dennoch konnte sie Familie gehabt haben oder Bekannte, die sie vielleicht vermisst gemeldet hatten. Seitdem der Ripper umgegangen war, wurde das Verschwinden von Personen nur noch selten einfach ignoriert. Viele im Viertel glaubten, er laufe noch immer frei herum und kooperierten ausnahmsweise mit der Polizei. Wenn er also die Liste der Vermissten bekäme, müsste er nur herausfinden, welche der Damen es gewesen war. Er würde diejenigen aufsuchen, die ihr Verschwinden gemeldet hatten und sie nach dem Aussehen der Vermissten fragen. Stimmte es halbwegs mit dem Überein, was Holmes über die Tote wusste, hatte er sein Opfer gefunden. Und von ihrem Bekanntenkreis würde es – da war der Detektiv sich sicher – nicht mehr weit sein zu ihrem Mörder. Er sah auf die Uhr und stellte fest, dass es zu früh war, um Lestrade aufzusuchen, also ging er ins Bett. Schlafen jedoch konnte er nicht. Das Bett fühlte sich zu leer an.

Die Praxis war überfüllt an diesem Morgen. Obwohl Watson gehofft hatte, die Erkältungswelle sei endlich vorbei, saß im Wartezimmer auch am Mittag noch immer ein Dutzend Patienten und hustete so vor sich hin. Also hörte er sie ab, hörte sich ihr Wehklagen an, maß Fieber und schickte sie allesamt zum Apotheker und zurück ins Bett. Es war schon weit nach sechs Uhr am Abend, als das letzte Husten schließlich verklungen war und er seinen Kittel ablegte und die müden Glieder streckte. Froh, dass der Tag endlich vorbei war, nahm er seinen Mantel von der Garderobe, beschloss, den Papierkram auf einen anderen Tag zu verschieben, an dem ihm weniger Bakterien um die Ohren schossen, schaltete das Licht aus und wandte sich zum Gehen. Als er einen Schatten im Türrahmen stehen sah, schrak er kurz zusammen. „Bitte kommen sie morgen wieder. In dringenden Fällen suchen sie das Spital auf.“

Der Schatten bewegte sich und Watsons Augen, die sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, erkannten die Gestalt. „Was willst du hier?“
„Ich habe sie gefunden.“
„Wen?“
„Das Opfer. Ihr Name war Amelia Jones.“
Watson schaltete das Licht wieder ein, weil es ihm lächerlich vorkam, sich im Dunkeln zu unterhalten und Holmes blinzelte irritiert.
„Und das musstest du mir unbedingt heute noch erzählen?“
„Ich dachte, du wüsstest es gerne.“
„Tja, wie wir wissen, irrst auch du dich gelegentlich.“
Holmes legte den Kopf schief und schmunzelte.
„Du bist also immer noch wütend.“
„Ich bin nicht…wütend!“
„Sondern?“
„Es ist nichts. Ich bin erschöpft. Das war ein langer Tag und ich würde gern früh zu Bett gehen. Wenn du mich also entschuldigen würdest?“
„Nein.“
„Was willst du?“
„Rede mit mir, John.“
Watson schüttelte den Kopf. „Wozu? Du hast doch offenbar schon deduziert, wie ich mich fühle.“
„Ich habe also Recht.“
Watson seufzte und blickte zu Boden.
„Vielleicht.“
„Du weißt, dass es schwachsinnig ist, diesen Fall mit Mary zu vergleichen?“
„Ist es das? Ist es nicht so, dass Mary meinetwegen ihr Leben aufgeben musste? Dass sie meinetwegen ihren Tod vortäuschen wird?“
„Sie wird ihren Tod vortäuschen?“
„Das hat sie vor, ja.“
„Raffiniert.“
Watson schnaubte wütend und schüttelte den Kopf.
„Das ist alles, was dir dazu einfällt, dass die Frau, deren Leben du zerstört hast, so tun muss, als sei sie gestorben?“
„Deren Leben ich zerstört habe? Ich habe rein gar nichts zerstört. Das warst du selbst.“
„Wirklich, Sherlock? Findest du nicht, dass zu so etwas zwei gehören?“
„Ich war nicht verheiratet.“
„Aber es war dir sehr wohl bewusst, dass ich es war.“
„Und dir nicht?“
„Ich weise die Schuld nicht von mir! Ich sage nur, dass ich es nicht allein war.“
„Darf ich dich daran erinnern, dass ich – und das mehr als einmal – versucht habe, dich wegzuschicken, damals? Ich habe versucht, aus deinem Leben zu verschwinden, aber du hast mich nicht gelassen.“
„Du wolltest dich Moriarty zum Fraß vorwerfen! Du wolltest dich umbringen!“
„Es hätte das Problem gelöst!“
„Das hätte es nicht! Ich war doch längst verliebt in dich!“
Holmes öffnete den Mund um etwas zu sagen und schloss ihn dann wieder. Watson hatte es noch nie laut gesagt. Keiner von ihnen hatte es je bewusst laut ausgesprochen. Watsons Gesicht lief leicht rosa an und er schaffte es nicht, Holmes in die fragenden Augen zu sehen. Nach einigen Sekunden des Schweigens jedoch hatte zumindest Holmes sich wieder gesammelt.
„Das ist nicht meine Schuld. Und deine ist es auch nicht.“
„Natürlich ist es das. Ich hätte dich nicht wiedersehen dürfen, nach allem.“
„Richtig. Dann wäre ich jetzt allerdings tot. Wenn es das ist, was du wolltest, verstehe ich nicht, wieso du mich nicht einfach in Ruhe gelassen hast.“
„Denkst du wirklich, ich hätte das gewollt?“
„Damals nicht, aber jetzt vielleicht.“
„Ich kann nicht glauben, dass du immer noch an meinen Gefühlen zweifelst!“
„Und ich kann nicht glauben, dass du nach beinahe einem Jahr wieder von vorne anfängst. Wir hatten über Mary gesprochen. Ich habe dir die Wahl gelassen. Mehrfach. Du musst dich mit mir nicht weiter abgeben. Du kannst gern allein in deinem Selbsthass ertrinken.“
Watson schüttelte den Kopf und atmete zitternd aus.
„Es tut mir leid. Ich habe das doch nicht so gemeint.“
„Doch, das hast du. Du wirst nie aufhören zu glauben, dass wir etwas Schändliches tun und ich glaube, ich habe nicht länger die Geduld, so zu tun, als sei mir das egal.“
„Was willst du damit sagen?“
„Dass du dich entscheiden musst, was du willst. Endgültig.“
„Sherlock, ich…“
„Du musst das nicht sofort tun. Wir haben die Dinge damals überstürzt. Du warst nicht soweit. Schließ das alte Kapitel ab und überleg‘ dir, ob du für ein neues bereit bist. Wenn nicht, dann hör auf, mit mir zu spielen. Ich kann auf dieses ewige Hin und Her verzichten. Mein Verständnis ist aufgebraucht.“
„Du willst das hier beenden?“
„Nein. Aber ich gebe dich frei, wenn du es so willst.“
„Das will ich nicht.“
Holmes schmunzelte bitter.
„Du weißt, dass ich Dinge nicht einfach so glaube. Beweis es mir.“
Sie sahen sich einige Sekunden in die Augen und etwas in Watsons Verstand rastete ein. Er realisierte, wie unsinnig sein Verhalten war. Er konnte die Vergangenheit nicht ändern und wenn er ehrlich war, wollte er das auch gar nicht. Er fühlte sich bloß noch immer so, als müsste er unglücklich sein, weil er Mary das Leben so schwer gemacht hatte. Aber er war es nicht. Er hatte bloß Angst. Die Spannung, die zwischen ihm und Holmes schwebte, war es, die ihm mehr Angst machte, als alles andere. Das Unbekannte. Er hatte Angst, dass er, wenn er das Alte losließ, dem Neuen nicht mehr entkommen konnte. Es war an Zeit, sich zu entscheiden, ob Neugierde oder Angst überwogen.
Holmes wandte sich inzwischen ab, wollte gehen, als Watson sein Handgelenk packte und ihn festhielt.
„Warte.“
„Was denn?“
„Du hast recht. Ich habe das alles immer noch nicht losgelassen.“
„Ich weiß das ich Recht habe.“ Holmes versuchte, sich loszureißen.
„Aber ich will das hier.“
„Das dachte ich auch, aber du änderst offenbar ständig deine Meinung.“
Watson atmete tief durch, schluckte seine Angst und seufzte.
„Vielleicht sollte ich meine Meinung auf einigen Gebieten auch endlich ändern.“
„Könntest du dich bitte weniger kryptisch ausdrücken? Dein Hang zur Melodramatik in alle Ehren, aber…“
„Halt die Klappe.“

Watson zog Holmes ruckartig an sich, schlag die Arme um ihn und senkte die Lippen auf die des Detektives. Er spürte, wie Holmes protestieren wollte, aber er ließ ihn nicht. Fordernd manövrierte er Holmes in Richtung Tür und löste eine Hand von ihm, um diese abzuschließen. Währenddessen wurden seine Küsse fordernder und seine Hände wanderten ohne jede Zurückhaltung von Holmes Gesicht hinab zu seinem Brustkorb und zerrten schließlich sein Hemd aus seiner Hose. Gerade als Watson sich endlich erlauben wollte, Holmes Körper abseits reiner Zärtlichkeit zu erforschen, schob dieser ihn von sich.

„Hast du neue Medikamente an dir ausprobiert?“
Watson lachte.
„Nein.“
„Bist du krank?“
„Nein.“
„Was soll das dann? Hast du den Verstand verloren?“
„Ich dachte, das ist es, was du willst.“
„Ich gratuliere dir zu deiner wachsenden Beobachtungsgabe, aber ich bin mir recht sicher, dass du es nicht willst.“
„Bist du das?“
„Wenn ich über dein Verhalten in den letzten Monaten nachdenke…ja.“
„Gib mir deine Hand.“
Holmes zögerte, also nahm Watson sie einfach und legte sie an seinen Hals.
„Fühlst du das?“
„Was?“
„Erhöhter Puls. Sieh dir meine Pupillen an.“
Holmes sah ihm in die Augen.
„Sie sind vergrößert, richtig?“
„Du bist noch nicht soweit.“
„Offensichtlich doch.“
„John.“ Holmes nahm seine Hände und hielt sie fest. „Nicht so. Nicht, weil du denkst, dass ich sonst gehe. Nicht nur, um mich zu halten.“
„Das ist nicht der Grund.“
„Bist du sicher?“
„Du würdest es sehen, würde ich lügen.“
Holmes zögerte, biss sich auf die Lippe.
„Gut. Wenn sie es sagen, Doktor.“
Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht, doch als Watson sich erneut zu einem Kuss vorbeugte, wich er aus.
„Nicht hier.“
„Bakerstreet?“
„Nicht heute Nacht.“
„Wieso nicht?“
„Wir haben einen Fall zu lösen.“
„Ist das dein Ernst?!“
„Ich bin eigentlich nur hergekommen, um dich abzuholen. Wir haben ein Verhör zu führen.“
Watson öffnete den Mund. Sprachlos.
Holmes ging indessen zur Tür, schloss sie auf und richtete seine Kleidung.
„Na los, Watson. Das Verbrechen wartet nicht.“
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Na, was sagt ihr? :)
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