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Crossing the lines

GeschichteDrama / P16 / Gen
Christian Ozera Ibrahim "Abe" Mazur
03.11.2014
10.11.2014
2
1.530
 
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03.11.2014 487
 
Prolog

Hayley kauerte sich in den Eingang des Geschäfts und versuchte dem scharfen Wind so gut es ging zu entgehen, als sie die Schritte hörte. In der dunklen Gasse hallten sie wie Trommelschläge wieder. Hayley hielt den Atem an und hoffte, dass wer immer es auch war, an ihr vorbei gehen und sie nicht bemerken würde. Sie kauerte sich noch ein wenig mehr zusammen. Doch ohne Erfolg. Er blieb direkt vor ihr stehen und starrte sie aus hungrigen roten Augen an. Sie wusste nicht, warum genau sie sie als hungrig empfand – aber genauso war es. Als nächstes fiel ihr im schwachen Licht der Neonbeleuchtung die unnatürlich blasse Haut auf. Fast wie Kalk. In diesem Moment wusste sie, dass kein Mensch vor ihr stand, auch wenn sie sich nicht erklären konnte, wie das möglich war. Sie schluckte, doch ihre Kehle war trocken wie eine Wüste. Ihr Überlebensinstinkt reagierte dennoch. Irgendwie kam sie auf die Beine und unternahm einen Versuch, sich an ihm vorbei zu winden. Doch mit einer Bewegung, die so schnell war, dass sie sie nicht einmal sehen konnte, hatte das Wesen sie am Arm gepackt. Sie war so überrascht, dass kein Ton über ihre Lippen kam. Hände umklammerten ihre Kehle und hoben sie nach oben, so dass ihre Füße mehrere Zentimeter in der Luft baumelten.
Scheiße, sie hätte heute Nacht doch im Obdachlosenasyl übernachten sollen. Mit Mikes ekelhaften Annäherungsversuchen wäre sie schon irgendwie klar gekommen. Doch für Reue war es jetzt zu spät.
Reflexartig schnappte sie nach Luft, doch die Hände des Wesens lagen wie ein Schraubstock um ihren Hals. Panik kroch in ihr hoch, als sie merkte, wie ihre Augäpfel langsam aus ihren Höhlen quollen.
So fühlte es sich also an. Zu sterben.
Sie hatte sich das Ganze etwas bedeutungsvoller vorgestellt. Als einen Moment, in dem das Leben noch einmal an einem vorbeizog.
Aber die Wahrheit war, dass es in ihren ganzen zwanzig Jahren nichts gegeben hatte, dass von Bedeutung gewesen wäre.
Sie würde also sterben, wie sie gelebt hatte.
Nebel lag jetzt vor ihren Augen und die Welt wurde konturlos. Nur aus den Augenwinkeln nahm sie noch einen gelbroten Lichtschein war. Fast wie …
Feuer?
Das Wesen musste im selben Moment das Gleiche erkannt haben, denn es ließ sie fallen und sie schlug mit den Knien hart auf dem Pflaster auf. Sauerstoff schoss so hart in ihre Kehle, dass sie gar nicht mehr aufhören konnte zu husten.
Unter Tränenschleiern bekam sie gerade noch mit, wie ein hochgewachsener schlanker Mann das Wesen attackierte und es irgendwie in Brand steckte.
Die Schmerzensschreie dröhnten in ihren Ohren.
Mitleid empfand sie keines. Nur Erleichterung, dass es nicht ihre Schreie waren. In ihrer Welt war Mitleid ein Luxus, den man sich nur selten leisten konnte.
Sie wollte aufstehen und zu ihrem Retter laufen, doch um sie herum begann sich die Gasse zu drehen. Sie fiel und machte sich gedanklich auf einen erneuten harten Aufprall gefasst.
Doch nichts dergleichen geschah …
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