Ironie des Schicksals

von Dumai
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Elijah Mikaelson Hayley Marshall Marcel Gerard Niklaus Mikaelson OC (Own Character) Rebekah Mikaelson
02.11.2014
20.04.2015
19
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So, nachdem ich mittlerweile schon so viele tolle Geschichten gelesen habe, in denen OC Charaktere vorkommen, habe auch ich mich dazu entschlossen, es mal mit einem OC Charakter zu versuchen. Hat mich doch schon eine Weile sehr gereizt ;)
Ich hoffe, dass ihr meine Idee mögt und würde mich über Feedback aller Art sehr freuen!

Viel Spaß beim Lesen!

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Es war ein wundervoller Herbsttag in New Orleans. Die Blätter der Bäume in der Allee hatten sich schon stark orange verfärbt und doch schien die Sonne ihren Elan vom Sommer noch nicht verloren zu haben. Die Vögel sangen verträumt ihre Lieder und genossen die letzten noch etwas wärmeren Tage, bevor schließlich der Winter einkehren würde.
Auf den Straßen herrschte reger Betrieb, was nicht zuletzt an dem in regelmäßigen Abständen auftretenden Hupenkonzert erkennbar war.
Völlig in sich gekehrt beobachte eine junge Frau all diese Dinge, während sie mit einer wärmenden Tasse Tee vor ihrem Fenster stand. Ihre leicht zitternden Hände fest darum geklammert. Bei genauerem Hinsehen wurde einem klar, dass sie in keiner guten Stimmung war.
Ihr schulterlanges kastanienbraunes Haar war sehr zerzaust und deutete auf eine weitere schlaflose Nacht. Die sonst so schön aussehenden Locken hatten seit geraumer Zeit gänzlich ihren sonst so natürlichen Glanz verloren.
Seit Tagen war sie nicht aus dem Haus gegangen. Wozu auch? Erst vor einigen Wochen hatte sie ihren Job im Büro verloren und obwohl sie sich stets darum bemühte etwas Neues zu finden, gab man ihr einfach keine Chance. Sie konnte einfach nicht verstehen wieso. Sie hatte bisher nur eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen und obwohl sie der Ansicht war, dass der Chef dort ihr gar nicht abgeneigt gewesen war, hatte sie seitdem nichts mehr von der Firma gehört. Trotz der Versicherung, dass man sich auf jeden Fall bei ihr melden würde.
Es war doch wirklich zum Haare raufen. Ihr Leben ging momentan nur noch den Bach runter.
Als ob das mit der Arbeitslosigkeit nicht schon schlimm genug wäre, hatte sie kurz davor auch noch ihren Freund verloren. So sehr sie auch versuchte den Hass auf Sascha aufrechtzuerhalten, musste sie doch zähneknirschend zugeben, dass sie ihn unheimlich vermisste. Das war schließlich auch normal oder nicht? Immerhin waren sie fast zwei Jahre zusammen gewesen. Sie hatte von Anfang an ein komisches Gefühl in der Magengrube gehabt und doch hatte sie sich auf diesen Mann eingelassen. Er war einfach so unheimlich zuvorkommend, nett und scheinbar vernünftig gewesen. Noch nie hatte sie jemanden kennengelernt, der so anders war, aber in einem positiven Sinne. Sie hatten so viele Gemeinsamkeiten gehabt und wenn sie ehrlich zu sich war, hatte sie sehr gehofft, dass sie ihre Zukunft für immer mit Sascha verbringen würde und doch hatte er sie am Ende so dermaßen enttäuscht. Das typische Klischee… Nach all der schönen Zeit, hatte er sie betrogen und leider hatte sie ihn dabei auch noch erwischen müssen. Zum Glück aber nicht in ihrem, sondern in seinem Bett. Sie hatte ihm erst kurz vor diesem Vorfall vorgeschlagen gehabt, zusammenzuziehen, jedoch hatte er sie stets auf später vertröstet. Wenigstens wusste sie jetzt auch wieso.
Daria schüttelte angewidert den Kopf. Wenn sie an die Szene dachte, die sich leider unwiderruflich in ihrem Kopf festgebrannt hatte, wurde ihr fast schon wieder schlecht. Wie er sie angesehen hatte. Seine Augen waren so voller Reue gewesen und doch hatte er es getan. Sascha hatte sie angefleht ihm zu vergeben und ihr versichert, dass ihm diese fremde Frau in seinem Bett nichts bedeutete. Er hatte sie unentwegt versucht anzurufen und ihr unzählige Nachrichten geschickt, um sie zu bitten, ihm noch einmal zu verzeihen. Er hatte ihr so oft versichert, dass es ihm unglaublich leid tat und einmal hatte er ihr sogar eine Nachricht auf ihre Mailbox gesprochen, nachdem sie ihn ein weiteres Mal weggedrückt hatte, in der er den Tränen nah gewesen war. Das hatte Daria sofort gehört. Noch nie hatte sich seine Stimme so gebrochen und verletzt angehört.
Die junge Frau hatte es einfach nicht fassen können, dass er es tatsächlich wagte auf die Tränendrüse zu drücken. Wer war es denn, der ihre Beziehung aus freien Stücken beendet hatte? Sie oder Sascha? Er hatte von Anfang an gewusst, dass sie bei so etwas sehr empfindlich war, aber wer war das nicht? Sascha hatte gewusst, dass fremdgehen für sie eins der Dinge war, die eine Beziehung ohne Diskussion beendeten. Egal, wie viel Zeit man zuvor miteinander verbracht hatte. Dieses Risiko hatte er ohne nachzudenken auf sich genommen und das hatte er jetzt davon. Wieso hatte Daria aber das Gefühl, dass sie mehr litt als er?
Egal, sie durfte jetzt nicht schwach werden. Auf keinen Fall. Zum Glück wurden seine Entschuldigungsversuche in der letzten Zeit immer weniger und mittlerweile hatte sie schon seit drei Tagen nichts mehr von ihm gehört. Hatte er es womöglich endlich aufgegeben? Sie hoffte es inständig, denn langsam fing es wirklich an zu nerven. Sie wollte ihn einfach so schnell wie möglich vergessen, auch wenn das einfacher gesagt als getan war.
Darias blau-grüne Augen schlossen sich für einen kurzen Moment und sie seufzte unschlüssig. So sehr sie sich auch jemanden wünschte, der immer für sie da war und mit dem sie ihr restliches Leben teilen wollte, hatte sie einen Entschluss gefasst. Vermutlich total bescheuert, aber momentan brauchte sie einfach etwas, woran sie sich festklammern konnte. Nie mehr einen Mann. Sie war es so leid immer wieder aufs Neue verletzt zu werden. Männer sind scheiße, wiederholte sie immer und immer wieder in ihren Gedanken. Vielleicht glaubte sie ja selbst irgendwann daran. Natürlich war ihr bewusst, dass man das nicht verallgemeinern konnte, aber trotz allem nahm sie sich nun vor, für längere Zeit keinen Mann mehr in ihr Leben zu lassen. Davon musste sie sich jetzt einige Zeit erst einmal distanzieren. Das war sowieso besser für ihre Nerven und ihre Gesundheit. Das Singleleben hatte schließlich auch sehr viele gute Seiten.

Damit sie nicht vollends in ihrer Gedankenwelt versank, beschloss die mittelgroße Frau erst einmal zu duschen, damit sie an etwas anderes dachte.
Daria war eine schlanke Frau und Anfang August fünfundzwanzig geworden. Sie lebte schon seit fünf Jahren hier in New Orleans in ihrer kleinen drei Zimmer Wohnung. Mehr brauchte sie nicht und konnte sie sich sowieso nicht leisten. Der Stadtteil in dem sie lebte lag etwas außerhalb vom Zentrum und doch war sie innerhalb von wenigen Minuten mitten im Geschehen. Für ihren Geschmack genau richtig, denn wenn sie im Zentrum der Stadt leben würde, wäre ihr das viel zu laut, mal ganz zu schweigen von den viel höheren Kosten.
Nachdem Daria heiß und ausgiebig geduscht hatte, griff sie nach dem weißen Badetusch am Waschbecken und schlang es sich eng um den Körper. Nachdem sie ihren beschlagenen Spiegel wieder freigewischt hatte, musterte sie sich nachdenklich. Sie musste sich eingestehen, dass sie wirklich schlimm aussah. Auf Grund des wenigen Schlafs in den letzten Wochen, wirkten ihre Augen leer und ausdruckslos. Ihr ganzes Gesicht wirkte müde und erschlafft.
Naja, wenigstens fühlte sie sich nach ihrer ausgiebigen Dusche jetzt schon viel wohler in ihrer eigenen Haut.
Nachdem sie ihre Haare geföhnt und gebürstet hatte, wirkten sie schon gleich wieder viel glänzender und voluminöser. In ihrer eng anliegenden Jeans und ihrem leichten Pullover ging es ihr auch gleich schon wieder viel besser. Für ihren Geschmack verbrachte sie seit sie arbeitslos war einfach viel zu viel Zeit in ihrer Jogginghose, da sie kaum das Haus verließ. Sie hatte bisher einfach kaum Motivation gehabt, um ihre Wohnung zu verlassen. Daran musste sie schleunigst etwas ändern, legte sie sich nun selbst auf.
Letztendlich, nachdem sie sich auch noch etwas Make-Up aufgetragen hatte, schnappte sie sich ihre Lederjacke und ihre Wohnungsschlüssel und verließ endlich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ihre eigenen vier Wände.
Kurze Zeit verharrte sie, als ihr die frische und doch schon recht kühle Luft ins Gesicht schlug. Sie musste doch zugeben, dass sie das ziemlich vermisst hatte. Einfach diese Freiheit. Zum Glück musste sie heute dringend einkaufen, weil sie kaum noch etwas im Kühlschrank hatte, sonst hätte sie sehr wahrscheinlich wieder keinen Fuß vor die Tür gesetzt.

Nach einer gemütlichen Runde durch den nächstgelegenen Supermarkt und mit einer gut gefüllten Einkaufstasche, machte sie sich langsam wieder auf den Weg zurück zu ihrer Wohnung. Für den Anfang wollte sie es nicht übertreiben und doch hatte sie sozusagen wieder Blut geleckt. Daria wollte morgen auf jeden Fall wieder raus gehen, nur wusste sie noch nicht so recht, was sie tun sollte. Wie dem auch sei, ihr würde schon etwas einfallen.
Als sie schließlich die lange Allee kurz vor ihrer Wohnung erreichte, war es schon fast komplett dunkel. Die hohen Laubbäume links und rechts vom Weg wogten ruhig im Wind und das Rauschen der noch wenigen übrigen Blätter wirkte sehr beruhigend auf Daria. Obwohl es Freitagabend war, hatte sie auf ihrem Weg kaum jemanden angetroffen. Das war schon etwas seltsam, dachte sie.

Plötzlich hörte sie neben sich etwas rascheln und es kam ihr so vor, als hätte sie zudem jemanden schwach seufzen hören. Irritiert blieb Daria stehen und sah sich suchend um, jedoch konnte sie niemanden ausmachen. So verweilte sie einige Sekunden und lauschte angestrengt in die Dunkelheit, doch sie hörte nichts mehr. Hatte sie sich das nur eingebildet? Verdammt, wieso war diese Allee auch so schlecht beleuchtet? Vielleicht hätte sie anderenfalls die Ursache des Geräusches wahrnehmen können.
Gerade wollte sie eilig weitergehen, weil sie sich jetzt schon etwas unwohl fühlte, doch da war es wieder. Diesmal kein Rascheln, aber ein Seufzen. Um einiges lauter und es klang sehr schmerzerfüllt.
„Hallo?“, fragte sie verunsichert hinein in die Dunkelheit. Keine Antwort.
Suchend sah Daria sich erneut um und hoffte, dass sonst noch irgendjemand in der Nähe war, doch sie war ganz allein. Langsam aber sicher bekam sie es mit der Angst zu tun und sie hätte sich sicherer gefühlt, wenn sie ihr Schweizer Taschenmesser dabei gehabt hätte, was sie sich vor einigen Jahren als Souvenir in Bern gekauft hatte.
Jemand hustete und diesmal war Daria sich ganz sicher. Sie konnte das Husten sogar einer männlichen Person zuordnen. Es kam von links. Auf einmal fiel ihr Blick auf den Baum dort und wenn sie ihre Augen richtig angestrengt zusammenkniff, sah sie einen verschwommenen Umriss, der sich dort anlehnte.
„Hallo? Brauchen Sie Hilfe?“, wollte Daria wissen und erklärte sich umgehend danach für blöd, da diese Frage ziemlich unsinnig war, nachdem was sie eben vernommen hatte.
Zunächst schien sie wie gelähmt zu sein, doch dann besann sie sich endlich wieder und näherte sich der Silhouette. Zunächst noch zaghaft, doch dann trug sie schlussendlich die Neugier immer weiter vorwärts und die Kontrolle ihrer Füße lag nun nicht mehr in ihrer Hand. Es fühlte sich an wie ein Sog, dem sie nichts mehr entgegen setzen konnte. Vorsichtig ging sie nun unmittelbar vor der Person, die dort am Baum lehnte, in die Knie.
Vor ihr saß ein Mann, der ungefähr Anfang oder Mitte dreißig sein musste, und umschlang mit seinen Armen seine Brust. Er bebte und verzog sein Gesicht voller Schmerz zu einer Grimasse, was unter anderen Umständen durchaus witzig ausgesehen hätte.
Daria erkannte nicht auf den ersten Blick, was ihn dazu veranlasste, aber es legten sich sofort Sorgenfalten auf ihre Stirn. Ihre Angst fiel jedoch nun komplett von ihr ab. Trugen unehrliche Menschen einen Anzug mit Krawatte? Sie glaubte es kaum oder zumindest stellte sie sich gefährliche Menschen anders vor. Der Mann vor ihr hatte seine blaue Krawatte etwas gelöst und sein rabenschwarzes Haar klebte ihm vom Schweiß an der Stirn.
Auf einmal fiel ihr Blick auf sein Hemd. Dadurch, dass es blütenweiß war, erkannte sie nun beim genaueren Hinsehen, dass sich dort, wo sein Sakko über dem Hemd anfing, ein immer größer werdender Blutfleck befand. Durch das schwarze Sakko war ihr das zunächst nicht aufgefallen, da es den größten Teil des Blutes verdeckte. Entsetzt ließ sie ihre Einkaufstasche fallen und schlug sich die Hände vor den Mund. Verdammt, dafür hatte sie jetzt keine Zeit, sie musste einen Krankenwagen rufen und zwar schnell.
Dieser eine, aber doch sehr alarmierende Gedanke brachte sie zurück aus ihrer Schreckstarre. Mit nun sehr zitternden Händen versuchte sie ihr Handy aus ihrer Handtasche zu kramen, was unter diesen Umständen schwieriger war, als angenommen. Endlich hatte sie es geschafft und wollte die Nummer des Notrufs wählen, als eine raue Hand ihr Handgelenk packte und ihre Aufmerksamkeit nun nicht mehr ihrem Handy galt.
„Keinen Krankenwagen, das… brauche ich nicht“, stöhnte der Mann und sah sie flehend an.
„Was? So viel Blut wie Sie verlieren sind Sie in wenigen Minuten tot, wenn ich keinen Notruf absetze“, erwiderte Daria schockiert und starrte dem Mann nun direkt in die dunklen Augen.
Plötzlich traf es sie wie ein Schlag. War dieser Kerl vielleicht doch ein Krimineller? Vielleicht aus dem Knast ausgebrochen? Hatte er eine Bank überfallen? Das machte alles aber irgendwie keinen Sinn. Vor allem wieso trug man einen Anzug wenn man gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen war? Aber eine andere Erklärung fand sie nicht in ihren sich überschlagenden Gedanken. Wieso sonst sollte er sie darum bitten, dass sie keinen Krankenwagen rief?
„Hören Sie, keine Ahnung, was mit Ihnen passiert ist, aber das überleben Sie nicht mehr lang und ich werde mich nicht wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machen“, erklärte sie ihm eindringlich und hoffte, dass sie ihn damit zur Vernunft bringen konnte.
Sie konnte es sich nicht erklären, aber irgendwie hatte er etwas an sich, was vertrauenswürdig wirkte. Klar hatte sie daran gedacht, ob dieser Kerl vielleicht irgendein geflohener Straftäter war, aber wirklich daran glauben tat sie nicht. Seine Augen musterten sie immer noch sehr wachsam und sie kam nicht darum herum festzustellen, dass diese verdammt schön waren, auch wenn sie von Sorge und Schmerz getrübt waren. Himmel, Daria, konzentriere dich!, ermahnte sie sich selbst.
„Bitte, vertrauen Sie mir. Ich… komme schon klar“, sagte der Verletzte mit so einer ruhigen und festen Stimme, wie er nur konnte. Das klang trotzdem keineswegs überzeugend oder gar zufriedenstellend.
Im Inneren kämpfte Daria unentwegt mit sich selbst. Was sollte sie nur tun? Was hieß hier, sie solle ihm vertrauen? Sie hatte kein Medizinstudium absolviert und doch wusste sie, dass ihm nur noch wenige Minuten blieben bei solch einem hohen Blutverlust. War er den völlig verrückt? Oh mein Gott, wollte er vielleicht sogar sterben?, fuhr es ihr nun durch den Kopf. Aber wieso? Ein Mann wie er, brachte sich doch nicht um. Dazu sah er doch einfach viel zu gut aus. Oh Mist, bleib sachlich, Daria, wies sie sich erneut zurecht.
„Und was schlagen Sie dann vor?“, wollte sie ratlos wissen und musterte entrüstet sein mittlerweile fast durchgehend rot gewordenes Hemd.
Der Mann lächelte schwach, wohl damit sie sich nicht so große Sorgen um ihn machte, doch es gelang ihm nicht. Nicht mal ansatzweise. Der Griff um ihr Handgelenk verstärkte sich etwas und sie sah ihm erneut in die Augen.
„Lass Sie mich einfach hier, Sie müssen sich nicht mit mir belasten. Mir geht es bald wieder besser, schätze ich.“
Daria traute ihren Ohren nicht. Wollte er sie verarschen oder was? Was war das nur für ein Verrückter? Der war doch lebensmüde!
„Sind Sie wahnsinnig? Ich werde Sie ganz sicher nicht hier in Ihrem Zustand zurücklassen! Ich… kann doch nicht… Ich…“, stammelte Daria völlig außer sich, bis der Fremde ihr zur Beruhigung seine freie Hand auf ihre Wange legte.
„Keine Sorge, alles wird gut“, versicherte er ihr und diesmal klang es sogar schon etwas mehr überzeugend.
„Aber wie?“, entgegnete Daria mit einer so leisen Stimme, dass sie sie selbst kaum hörte.
Seine doch recht intime Berührung überraschte sie sehr. Seine Hand an ihrer Wange fühlte sich so angenehm und nicht wie sie zunächst gedacht hatte falsch an. Es schien so selbstverständlich und normal zu sein. So, als ob sie diesen Mann schon seit einer Ewigkeit kennen würde. Obwohl seine Hand eiskalt war, was offensichtlich auf den hohen Blutverlust zurückzuführen war, fühlte sie sich wohl. Bei einem anderen Mann, hätte sie die Hand sofort weggeschlagen.
„Nun, ich will mich keinem aufdrängen, aber wenn Sie dann ein besseres Gewissen haben und Ihnen das nicht zu unangenehm ist, können Sie mich ja mit zu Ihnen nach Hause nehmen. Sobald es mir besser geht, bin ich natürlich wieder weg und Sie werden nie wieder etwas von mir hören. Ich verspreche es“, schlug er ihr vor, als er plötzlich seine Hände zurückzog und sie um seinen Magen schlang. Eine weitere Welle von Schmerzen schien ihn zu überrollen. Was hatte er bloß?
Daria musste erst gar nicht über das ob oder ob nicht nachdenken, denn ihre Entscheidung war schon nach dem Bruchteil einer Sekunde gefallen. Sie kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie gesehen, aber das spielte keine Rolle. Sie musste ihm helfen und wenn das die einzige Möglichkeit für sie war, das zu tun, dann tat sie es mehr als gerne. Fremder hin oder her, aus irgendeinem Grund, den sie sich selbst nicht erklären konnte, vertraute sie ihm und sie hatte nicht das Gefühl, dass er sie darin enttäuschen würde. Da kam ihr der letzte Satz des Mannes wieder in den Sinn. Wollte sie denn überhaupt, dass sie nie mehr etwas von ihm hörte? Aber würde er überhaupt so lange leben, dass sie ihn jemals wiedersehen würde nach diesem Vorfall? Irgendwie vertraute sie ihm aber, dass er es überstehen würde. Himmel, sie schweifte schon wieder ab.
„In Ordnung, das ist das mindeste, was ich tun kann. Kommen Sie, ich helfe Ihnen“, sagte sie und legte vorsichtig einen Arm um seine Hüfte, damit er sich zumindest etwas an ihr abstützen konnte beim Laufen. Er war um einiges größer und natürlich auch schwerer als sie, was sie jetzt deutlich merkte, aber sie merkte auch, dass es ihm ungemein half.
„Wie heißen Sie?“, wollte Sie unvermittelt wissen, woraufhin der Fremde ihr erneut kurz ins Gesicht sah. War das ein sanftes amüsiertes Lächeln, was kurz seine Lippen umspielte?
„Elijah“, antwortete der Verletzte trotz allem höflich.
„Okay, Elijah. Halten Sie sich ruhig an mir fest, das geht schon. Zu meiner Wohnung ist es nicht weit von hier, Sie schaffen das“, ermutigte sie ihn und dann setzte sich das ungleiche Paar in einem sehr schleppenden Tempo langsam in Bewegung.
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