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Wenn du ganz nah bei mir bist

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Frieda Goldmann Thorsten Stubbe / Torte
01.11.2014
01.11.2014
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Frieda schlug ihre Augen auf und sah sich anschließend verwundert um. Sie wusste weder wo sie sich befand, noch was in der letzten Nacht geschehen war. Eigentlich war sie mit Sprotte verabredet gewesen, denn die beiden hatten Halloween gemeinsam feiern wollen, aber sie konnte sich daran erinnern, dass sie sich früh voneinander verabschiedet hatten.

Sie war anscheinend in einem Hotelzimmer, und  die Uhr zeigte, dass es schon Mittag war. Schnell stand sie auf und suchte nach ihrer Jeans, die sie aber nicht finden konnte. „Oh man“, murmelte sie und fuhr sich durch die braunen Haare.

Am liebsten wäre sie so schnell wie möglich aus diesem fremden Zimmer verschwunden, doch ohne ihre Hose konnte sie schlecht gehen und daher suchte sie schon beinahe verzweifelt.

Soweit sie sich erinnerte, war sie schon ziemlich betrunken gewesen, als Sprotte sich von ihr verabschiedet hatte.

Doch sie wollte noch nicht heim fahren, und ihre Sorgen einfach weiterhin vergessen. Seufzend dachte sie an den vergangenen Nachmittag zurück. Sie war gemeinsam mit Wilma im Einkaufszentrum gewesen und da waren ihnen ausgerechnet Willi und seine neuste Eroberung über den Weg gelaufen.

Normalerweise redete sie sich ein, dass es ihr nichts ausmachte. Schließlich waren sie schon seit über einem halben Jahr getrennt, aber immer wenn sie ihn mit einer anderen sah, wurde sie noch trauriger und da hatten sie und Sprotte beschlossen an Halloween auszugehen.

Das Zimmer  war modern eingerichtet und gab keine Hinweise, wer dort lebte. Vermutlich war es  sowieso das Beste, wenn sie die Person nicht kannte. Immer noch nach ihrer Hose suchend, entdeckte sie eine Tür, die anscheinend zu einem Badezimmer führte.

Dennoch traute sie sich nicht, dort nach ihrer Jeans zu suchen, denn auf eine Begegnung mit dem Bewohner des Zimmers wollte sie sowieso verzichten. Auf einmal hörte sie einen das vertraute Klingeln ihres Handys und sie fluchte leise, denn es kam natürlich aus dem angrenzenden Badezimmer.

Sie hörte wie jemand die Tür aufschloss und wenige Sekunden später stand er halbnackt vor ihr und dieses Mal fluchte sie laut. Torte reichte ihr lächelnd das Handy und sie konnte ihn nur fassungslos ansehen.

„Du müsstest doch in Dänemark sein“, rief sie schon beinahe entsetzt und ganz plötzlich fielen ihr die Ereignisse der Nacht wieder ein.

Kaum war Sprotte gegangen, war  er neben ihr gesessen und sie hatten viel geredet, viel getrunken und anscheinend am Ende in seinem Hotelzimmer gelandet.

Er sah sie verwirrt an und das Klingeln ihres Handys riss sie aus ihren Gedanken. Hastig nahm sie es in die Hand und sagte:“Hallo, wer ist dran?“ Es war Sprotte, die sich unglaublich große Sorgen gemacht hatte und schon drei Mal versucht hatte anzurufen.

„Wo steckst du? Du hast dich nicht mehr gemeldet und ich dachte schon dir wäre etwas passiert. Mach das bitte nie wieder“,  meinte Sprotte und sie klang mehr erleichtert als wütend.

„Alles in Ordnung“, beruhigte Frieda ihre beste Freundin und beendete dann rasch das Gespräch, denn  Torte stand immer noch neben ihr und hatte sie die ganze Zeit angeschaut.

Frieda konnte sich immer noch nicht an alle Einzelheiten erinnern und sah ihn ziemlich hilflos an. Sie hatte nicht damit gerechnet ihm über den Weg zu laufen, denn seit er mit seinen Eltern in Dänemark lebte, hatten sie nicht viel von ihm gehört.

Nur Trude und Steve besuchten ihn jeden Sommer, aber zwischen ihr und ihm war seit dem Abschied während des Schullandheims Funkstille gewesen. Er war so freundlich und ging zurück ins Badezimmer um ihre Jeans zu holen, die sie wortlos anzog.

Auch er zog sich etwas über und fragte dann vorsichtig:“Sollen wir unten einen Kaffee trinken?“Sie war immer noch zu überrascht über die Begegnung um klar denken zu können  und sie nickte vorsichtig.  

Während sie gemeinsam das Zimmer verließen, warf sie ihm einen Blick zu. In den letzten Jahren hatte er sich äußerlich sehr verändert und fast nichts erinnerte mehr an den Torte, den sie mal gekannt hatte.

Er sah gut aus, das musste sie zugeben, aber wenn er lächelte sah er ein bisschen wie früher aus. Kaum saßen sie an einem Tisch, fragte sie leise:“Gestern Nacht? Ich war sehr betrunken oder?“Er nickte und lächelte ein wenig.

„Du hast ziemlich viel von Willi erzählt. Du warst ganz schön wütend. Außerdem hätte ich dich in dem Zustand nie alleine nach Hause fahren lassen können.“

Frieda wusste nicht was sie antworten sollte. Sie wollte nicht, dass er Willi von ihren Gefühlen erzählte, sie wollte nicht dass Torte ein schlechtes Bild von ihr im Kopf hatte und am meisten fürchtete sie sich davor, was  sie vielleicht alles in ihrem Zustand getan und gesagt hatte.

Die beiden beschlossen das Thema zu wechseln und sie redeten über Tortes Rückkehr nach Deutschland und er erzählte ihr, dass er nach einer passenden Wohnung in der Stadt suchte, und solange in eben diesem Hotel lebte.

Er fragte nicht nach Willi, sondern nach ihrem Beruf, ob sie glücklich war und nach ihren Geschwistern. Ohne zu wissen weshalb, fühlte es sich gut an mit ihm zu reden. Es war als wäre er nie fort gewesen und Frieda lächelte die ganze Zeit.

Sie hatte nicht nach der letzten Nacht fragen müssen, denn er erzählte ihr so davon. „Du hast mich zuerst nicht erkannt“, sagte er lachend und fuhr dann fort:“Der Typ an der Bar meinte du wärst alleine und da ich nicht wusste, wo deine Wohnung ist, habe ich dir angeboten mit mir zu kommen. Du warst ziemlich müde, aber am Ende hast du ganz schön viel geredet. Ich glaube das hat dir gut getan. Es würde mich schwer wundern, wenn du noch viele Details von gestern wüsstest. Es war eine lange Nacht“.

Sie verbrachten den ganzen Tag miteinander und Frieda fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit glücklich. Sie hatte keine Ahnung woran das lag, aber Torte hatte etwas in ihr geweckt, das seit Willi sie verlassen hatte verschwunden gewesen war.

Torte konnte nicht verstehen aus welchem Grund Willi so eine tolle Frau verlassen hatte.

Sie war freundlich, hatte Humor und war unglaublich hübsch. Aber er hatte schon immer eine Schwäche für sie gehabt.

Lächelnd hörte er ihr zu und als er sich am Abend von ihr verabschiedete, hätte er sie am liebsten begleitet.

Sie hatte sich so verändert und dennoch war sie immer noch Frieda. Frieda, die ihn fassungslos ansah, als sie die Botschaft an ihrer Hauswand entdeckt hatte.
Frieda, die seine unzähligen Liebesbriefe bekommen hatte und dieselbe Frieda, die trotz eigener Probleme immer für ihre Freunde da gewesen war.

Er musste lachen als er an ihren Gesichtsausdruck dachte, als er aus dem Badezimmer getreten war.

Vermutlich hatte sie sich alles Mögliche ausgemalt und er fand es irgendwie amüsant.

„Hast du Lust morgen Abend mit mir zum Italiener zu gehen?“, hatte er sie gefragt, bevor sie lächelnd gegangen war.

Kaum war Frieda daheim, rief sie Sprotte an, die überrascht fragte:“Du hast aber nicht mit ihm geschlafen?“ Frieda entgegnete:“Natürlich nicht. Wir sind nur Freunde“.

Sprottes Antwort wirkte nicht sehr überzeugt, doch sie merkte, dass Frieda glücklicher klang wie sonst und daher fragte sie kein weiteres Mal.

Der Italiener in dem sie sich verabredet hatten, war an diesem Abend nicht so überfüllt wie sonst und Friedas Gesicht hellte sich auf, als sie Torte durch die Tür kommen sah.

Wir sind nur gute Freunde und ich mache mir keine Hoffnungen, redete sie sich ein und Torte sagte:“Du siehst heute sehr hübsch aus.“

„Danke“, antwortete Frieda und verschluckte sich an ihrer Cola.
„Alles in Ordnung?“, fragte Torte und sie nickte während sie nach Luft schnappte.

Der Abend war wunderschön und Torte konnte seine Augen nicht von seiner Begleiterin abwenden. Gemeinsam verließen sie das Restaurant und setzten sich auf eine Parkbank.

„Ist das nicht komisch?“, fragte Torte und Frieda sah ihn fragend an. „Wie viele Jahre war ich weg und habe immer nach der Richtigen gesucht und kaum bin ich ein paar Tage hier, treffe ich wieder dich“.

Seine Worte überraschten sie und sie konnte nicht antworten. „Ich weiß es ist vielleicht zu früh das zu sagen und noch dazu ist Willi mein Freund, aber ich kann es nicht für mich behalten. Wenn das zu viel für dich ist, dann kann ich das verstehen, aber seit ich dich an der Bar gesehen habe, ist es für mich zu spät gewesen.“

Er nahm vorsichtig Friedas Hand, die ihn fassungslos ansah, bevor sie sich langsam zu ihm beugte und ihn küsste. Jetzt war er überrascht, aber dann erwiderte er den Kuss und es fühlte sich so gut an, dass beide diesen Schritt nicht bereuten.

„Ich möchte es versuchen“, flüsterte Frieda leise und sie hoffte so sehr, dass es funktionieren würde.

Zwei Jahre später:

„Du darfst deine Augen öffnen“, sagte er und gab ihr einen Kuss. Sie schlug ihre Augen auf und sah sich um.  Sie befanden sich in einem Hotelzimmer und dann wurde ihr bewusst in welchem.

„Du hast daran noch gedacht?“, fragte sie lachend. Torte strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und antwortete:“ Jeden Tag muss ich daran denken und schließlich hat hier alles angefangen und hätte ich damals schon gewusst wie unglaublich glücklich du mich machen wirst, hätte ich dich auf der Stelle geheiratet und keine zwei Jahre gewartet.“
„Ich liebe dich“, antwortete Frieda und war in diesem Moment so glücklich wie nie zuvor.

https://www.youtube.com/watch?v=VMayN8JE6rs

Ich finde das Lied passt irgendwie gut dazu :))
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