Schreckensgeister

von Arzani92
GeschichteHumor, Übernatürlich / P12
Marco der Phoenix Puma D. Ace / Gol D. Ace Thatch
01.11.2014
01.11.2014
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Der Wind strich durch die abgestorbenen Bäume und raschelte durch die wenigen Blätter, die noch an den knorrigen Ästen hingen. Der Himmel war in einem dunklen Blau gehüllt und nur der runde Mond erhellte den Weg, auf dem sich drei Figuren bewegten. Sie diskutierten wild miteinander, soviel konnte Espirí erkennen.
Der Geist lachte sich ins Fäustchen, weil ihm die Menschen so unglaublich ahnungslos vorkamen. Selten verirrten sich noch Personen auf die Insel, die sein Zuhause war und viel zu selten waren die Bedingungen für ein klein wenig Schabernack so perfekt wie heute. Der helle Mond, die dunkle Nacht, der nahende Winter. Als hätte ihm jemand ein Geschenk gemacht. Doch davor mussten die Menschen das Schloss betreten, das sich etwas entfernt imposant zur Schau stellte.
Schon lange wohnte niemand mehr in dem alten Gemäuer, zumindest niemand lebendes. Er selbst natürlich und sein große Schwester Fantasmia. Da Mia meist kein Interesse daran hatte Unfug anzustellen war das Leben als Geist nicht wirklich interessant, aber er wusste, er würde sie schon davon überzeugen heute über ihren nichtvorhandenen Schatten zu springen. Auch sie wiederstand selten der Verlockung von schreienden, sich ängstigenden Menschen, wenn sie ihnen auf einem Silbertablett serviert wurden.
Wieder verzog sich sein Mund zu einem fiesen Grinsen und mit einem Huschen, das erneut die Blätter, die auf dem Boden lagen, umeinander wirbeln lies, verschwand er in Richtung seines wunderbaren Heims. Er hatte viele Ideen, die eine besser als die andere. Sollte er einfach nur die Rüstungen klappern lassen und Türen knallen? Oder durch die Gemälde preschen und die Männer erschrecken? Nein, heute würde er die Waffen auspacken, denn diese kamen viel zu selten zum Zuge!
Zum Glück dauerte es noch ein Weilchen, bis die ahnungslosen Gestalten beim Schloss ankamen. Es reichte ihm auf jeden Fall als Vorbereitungszeit und die brauchte er, um das zu realisieren, was er vorhatte. Er hoffte wirklich Mia zog mit ihm mit.

„Könnte bitte einer, wenigsten EINER von euch ein bisschen Licht machen?“, schimpfte der Mann mit den braunen Haaren, die zu einer interessant geformten Tolle hergerichtet waren. Schon seit einer guten halben Stunde stapften die drei Männer nun den langgezogenen, schmalen Weg entlang und Thatch reichte es einfach. Ihm war kalt, seine Hose triefte vor Schlamm und zudem sah er nichts. Dabei liefen zwei Feuerteufelsfruchtmenschen neben ihm. Zwei verdammte Männer, die im Handumdrehen Licht spenden konnten, wenn sie wollten. Aber nein, sie grinsten sich lieber einen Ast ab, anstatt mit dem Finger zu schnippen und eine Flamme zu erzeugen. Warum war er nochmal mitgekommen? Ach ja, weil es Pops Wunsch gewesen war, dass sie die Insel auskundschafteten. Es ließ den Kommandanten erneut grummeln. Er wollte nicht mehr!
„Stell dich nicht so an. Man könnte fast meinen, du hast Angst im Dunkeln.“, grinste Ace vor sich hin, der seine schlanken Arme lässig hinter seinem Kopf verschränkt hatte und mit einem frechen Lächeln auf den Lippen seine Umgebung genau musterte. Ihm schien die Unternehmung sichtlich Spaß zu machen.
„Ich habe keine Angst im Dunkeln. Ich sehe einfach nur nic…“ In diesem Moment raschelten die Blätter geräuschvoll ein Stück weit hinter ihnen und mit einer schnellen Bewegung zuckte der Kopf des braunhaarigen Mannes zu dem Geräuschpegel herum. Seine Augen wurden ein Stück weit größer, konnten allerdings nichts erkennen. „Was war das?“
„Der Wind, Thatch. Der Wind.“, kam es monoton von Marco, dem Dritten in der Runde. Seine Augenbraue hob sich ein kleines Stück weit, als er die leicht panische Reaktion seines Freundes sah und obwohl es wirklich schwierig war, den Phönix zu einer Gefühlsregung zu bekommen, konnte auch er sich sein Grinsen nicht verkneifen, während Ace es sich natürlich nicht nehmen ließ Thatch schallend auszulachen. Sein Gelächter flog durch die bläulich schimmernde Nacht und ließ den Schrecken, den der Kommandant gehabt hatte wirklich lächerlich wirken. Als er sich beruhigt hatte, stimmte er ein kleines Liedchen an, dass Thatch einen roten Schimmer auf die Wangen zauberte, den allerdings dank der Dunkelheit keiner sehen konnte.
„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Thatchilein, Thatchilein. Wer hat Angst vorm schwarzen Mann, unser Thatchilein!“
„Könntest du bitte damit aufhören, Feuerteufel?“, war die erboste Reaktion vom Kommandant der 4. Division, doch natürlich hatte es keinen Erfolg. Umso mehr er sich gegen das Lied sträubte umso lauter und schiefer kam es aus Ace' Mund, solange, bis Marco dazwischen ging und ihn stoppte. Wobei das eher aufgrund der katastrophalen Tonlage Ace' geschah und weniger dem Leid Thatchs zuschulden war. Nichtsdestotrotz freute sich dieser darauf endlich bei dem vermaledeitem Schloss anzukommen. Hatte er schon erwähnt, dass er keine Lust mehr hatte?

Die Rüstungen klapperten, als er in einer enormen Geschwindigkeit durch die Flure schoss und seine Schwester suchte. Sie war nicht in ihrem Zimmer, also dem Raum, den sie zu ihrem Zimmer auserkoren hatte und auch in den sonst üblichen Räumen, die sie benutzten, konnte er sie nicht finden. Wo konnte sie nur sein? Doch nicht etwa in der Küche?
Ein Geist hielt sich so gut wie nie in der Küche auf, denn da man nichts mehr essen konnte war der Raum, in dem dieses zubereitet wurde, eigentlich eher eine Erinnerung an das, was man verloren hatte. Trotzdem ging man manchmal auch dahin. Er würde es probieren, denn er brauchte auch die Küchenmesser für sein Vorhaben.
„Mia?“, schallte es durch den dunklen und sehr steril wirkenden Raum. Seit Jahren war er hier nicht mehr gewesen, doch trotzdem wusste Espirí genau wo alles war. Im Messerblock verstaubten die großen, wirklich scharfen Küchenmesser, in der Schublade war der Haufen an normalen Buttermessern. Er wollte sie alle einsetzen.
„Mia? Mia? Mia?“, rief er erneut. Wo war sie nur?
„Ich bin hier!“, schallte es etwas leiser aus einer Ecke und mit einem Fingerschnipsen ließ der Geist die Lampe aufleuchten. Es war wirklich praktisch die elektrischen Spannungen zu einem kleinen Teil beherrschen zu können. Zwar brauchten sie kein Licht um zu sehen, aber es war reine Gewohnheit. Zudem ihr perlweißer Körper dann immer so schön schimmerte und er wusste, dass er seine Schwester so eher für sein Vorhaben begeistern konnte. Sie mochte alles was schön war und er war schön, wenn das Licht durch ihn durchschien.
„Was machst du denn da?“, kam die verdutzte Frage, als er sah, dass seine große Schwester vor einem Tablett schwebte, dass aufrecht an der Wand lehnte. In ihrer Hand war eine Schere, was wohlweißlich komisch war, denn was wollte ein Geist mit einer Schere?
„Haare schneiden.“, kam es prompt als Antwort und wie als würde Espirí verstehen nickte er. Ach ja, Mia halt. Es brachte zwar nichts, also absolut nicht, denn wenn sich ein Wesen, wie er und sie es waren, die Haare schnitt, war es, als hätte jemand die Luft geschnitten, aber das hielt das etwas eitle Mädchen nicht davon ab es immer wieder zu probieren. Sie hatten viel aus ihrem alten Leben mitgenommen und es als Geister zur Gewohnheit gemacht, auch wenn sie sich an ihre Zeit als lebende Menschen schon lange nicht mehr erinnern konnten. Mia hatte definitiv immer auf ihr Aussehen geachtet und liebte hübsche Dinge. Sie konnte es sich aber auch erlauben, irgendwie. Sie war ja auch hübsch. Etwas blass um die Nasenspitze herum, aber hübsch. Zumindest für einen Geist.
„Wir bekommen Besuch. Ich will die Waffen auspacken. Machst du mit?“
Seine Stimme war äußerst schmeichelnd, aber er konnte die Vorfreude nicht verbergen. Er hoffte so sehr auf die Unterstützung seiner Schwester.
„Ich weiß nicht … ich mach mich doch grade fertig.“
„Bitte Mia. Bitte, bitte, bitte.“, maulte er noch ein bisschen und rückte noch mehr in das funkelnde Licht, damit sie ihn besser sehen konnte.
„Aber …“
„Bitte? Wir hatten schon so lange keinen Besuch mehr … komm schon. Es wird lustig.“ breitete er vor ihr aus, dann grinste er. „Sie sind auch männlich … und hübsch anzusehen.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Ohne dich ist es langweilig!“
„Du bist so schlimm, Espirí.“, kam es lachend von ihr, während ihr Blick über seinen schimmernden Körper wanderte, dann nickte sie jedoch. Freudig schnellte der junge Geist in die Höhe und tanzte einmal im Kreis.
„Du bist die beste Schwester der Geisterwelt!“

Mit einem Knarzen öffnete sich das eiserne Tor, das in das Innere des alten Schlosses führte. Es wirkte von außen ziemlich verwittert und der Efeu rankte an den dunkelschwarzen Steinen empor. Kein Licht drang durch die Fenster nach außen und es war ziemlich klar, dass das Gebäude schon seit Jahren nicht mehr bewohnt war.
„Was meint ihr, ob es da wohl Gespenster drin gibt?“, feixte Ace, der sich dann doch erbarmt hatte eine kleine Flamme zu erzeugen, die munter auf seiner Handfläche hin- und herflackerte. Mit einem neugierigen Blick schaute er sich in der dunklen Eingangshalle um, die sie alle grade betreten hatten.
„Es ist immer noch die Grandline. Hier kann alles passieren.“, war die sehr nüchterne Antwort von Marco, der sich ebenso wie sein Freund umschaute, jedoch weniger neugierig und mehr gelangweilt. Nur Thatch zeigte eine etwas skeptischere Miene, wobei nicht klar war, ob das dem Gerede über Gespenster zuschulden war oder dem allgemeinen Vorherrschen an Staubflusen, die nicht zu übersehen waren.
„Wenn es Gespenster geben würde, dann würde es hier nicht so aussehen. Keiner hält das in so einem Drecksloch aus!“ Er rümpfte nochmal überdeutlich die Nase und schüttelte sich dann leicht. Pirat hin oder her, er hielt etwas von Ordnung. „Was will Pops überhaupt von dieser Insel? Hier ist doch nichts.“
„Anscheinend soll hier eine ziemlich alte Karte sein, womit hier doch etwas wäre.“ erwiderte Marco, gab Thatch aber insgeheim Recht. Der Staub stieg ihm jetzt schon in die Nase und er konnte ein Niesen nur schwer unterdrücken.
„Zumindest kommt uns schon niemand in die Quere, wenn hier niemand ist.“, lachte Ace und zuckte dann kurz zusammen, als ein normales Buttermesser gradewegs an ihm vorbeiflog. Fast hätte er es nicht bemerkt, da es trotz seiner Flamme immer noch sehr dunkel in dem voluminösen Eingangsbereich war. Interessiert schaute er das Besteckstück an, das nun unscheinbar auf dem alten Teppichboden lag. „Huch. Wo kam das denn her?“ Dann erschien ein riesen Grinsen auf seinem Gesicht. Seine Augen funkelten regelrecht. „Wow, vielleicht gibt es hier ja doch Gespenster.“
Es war seine unübersehbare Freude, die Marco schmunzeln und Thatch sich an die Stirn fassen ließ. Dieser Junge war echt nicht normal.

„Sag mal Mia, was war das denn?“, schnauzte Espirí seine Schwester an. Diese hatte das Buttermesser geworfen und man konnte deutlich erkennen, dass sie am liebsten auch die anderen Waffen schon losgeschickt hätte. Sie bebte vor Zorn.
„Die haben unser Schloss als Drecksloch bezeichnet! Was fällt diesen Idioten überhaupt ein?“, wütete sie, „außerdem wollen sie unsere Karte und dieser schwarzhaarige Mensch da freut sich, dass es Geister gibt UND er sieht auch noch viel zu gut aus!“
„Öhm …“ Kurz wusste der Geist nicht, was er auf die Schimpftirade antworten sollte, dann kam das erste aus seinem Mund, was ihm in den Sinn kam. „Seit wann stört es dich, wenn jemand gut aussieht?“
„Seitdem der Typ ein Mensch ist und dementsprechend sicherlich nicht mit mir ausgeht!“
Die Antwort ließ den Jüngeren seufzen. Verstehe einer die Frauen.

„Meinst du das Ding ist von der Decke gefallen?“ rätselte Ace und schaute dabei Marco an, als müsste er wissen, warum eben ein Messer an ihm vorbeigesaust war. Nicht, dass es den Feuerteufel ernsthaft ängstigen oder stören würde. Hätte es ihn getroffen, wäre nicht mehr passiert als eben, seiner Mera Mera no Mi sei Dank.
„Wenn dann vom Kronleuchter.“ funkte Thatch dazwischen, der inzwischen die Arme vor der Brust verschränkt darauf hoffte, dass sie schleunigst wieder umdrehen würden. Das kam allerdings gar nicht in Frage, da ein Befehl von Pops eben ein Befehl war und so sehr es der Kommandant auch wollte, er sich niemals gegen einen Befehl von seinem Kapitän wiedersetzen würde.
„Vielleicht hat es ja auch in der Decke gesteckt und ist jetzt eben zufällig runtergefallen.“
Es war ein eher schäbiger Versuch von dem blonden Phönix das eben passierte zu erklären und genau so wurde er von seinen zwei Freunden auch angeschaut. Entschuldigend zuckte er mit den Schultern. Er wusste es ja auch nicht.
„Ich finde die Idee, dass es Gespenster sind immer noch am besten!“, kam es grinsend von Ace und beendete somit die Diskussion, denn eigentlich war es ja auch egal. Ob nun Gespenster oder Zufall, viel passiert war ja nicht und sie mussten nur die Karte finden, damit sie wieder gehen konnten.
„Wir schauen uns jetzt einfach mal um und wenn wir die mysteriösen Gespenster finden, können wir sie ja fragen, ob sie wissen, wo die Karte ist.“, kam es ziemlich rational von dem Blonden, der absolut keine Lust auf eine Diskussion hatte. Es zog, denn gegen sein Argument konnte wahrlich keiner wiedersprechen.

„Wo haben wir eigentlich diese doofe Karte?“, fragte Mia ihren Bruder. Inzwischen hatte sich das Geistermädchen wieder beruhigt und beobachtete die drei Gestalten, die sich nun weiter ins Innere wagten. Das Messer hatten sie kurz beobachtet und dann einfach eingesteckt. Was für Idioten. Das waren ihre Sachen und sie würde sich ihr Eigentum auf jeden Fall wiederholen. Sie schenkte Menschen doch nichts. Auch kein einfaches Buttermesser.
„Öhm … öhm … auf dem Dachboden?“
Espirís Aussage klang mehr nach einer Frage, als nach einer Antwort und am liebsten hätte sich das Mädchen den Kopf gegen irgendetwas gehauen, was allerdings schon seit Jahrzehnten nicht mehr funktionierte.
„Die ist ganz sicher NICHT auf dem Dachboden. Wo hast du die Karte hin, Espirí?“, zischte sie inzwischen etwas lauter. So langsam brachte ihr kleiner Bruder sie auf die Palme. Diese Karte war wertvoll und selbst wenn sie es nicht gewesen wäre, hätte Mia sie niemals diesen dreckigen Männern überlassen. Von diesen war sie jetzt schon genervt. Was suchten die auch in ihrem Haus?
„Jetzt bleib mal locker, Mia. Wir haben jetzt einfach ein bisschen Spaß, packen die restlichen Waffen aus und dann sind die drei schneller weg als du schauen kannst. Wie sollen sie die Karte finden, wenn wir noch nicht mal wissen wo sie ist?“
Grinsend musterte der junge Geist das perlweiße Scheinwesen und stupste sie dann spielerisch in die Seite. Am Anfang schlug sie noch nach ihm, doch nach und nach taute Mia wieder auf und die Wut in ihrem Inneren verpuffte.
„Okay … aber den Schwarzhaarigen bekomme ich!“, feixte sie schief grinsend. Ihre Augen blitzten dabei erwartungsvoll. Unwillkürlich hatte der Geist das Gefühl, dass seine Schwester auf den Menschen stand. Aber das konnte ihm auch egal sein.
„Alles klar, alles klar. Dann mal an die Arbeit.“

„Wo sollen wir denn bitte in diesem ewig großem Haus zu suchen anfangen?“, kam es etwas maulend von Thatch. Dieser zeigte deutlich seinen Unmut gegenüber der Suchaktion, was Marco zwar verstehen, aber eben auch nicht ändern konnte. Nun waren sie schon mal hier und würden diese Karte auch finden.
„Wie wärs wenn wir auf dem Dachboden suchen?“, lachte Ace, der gut gelaunt wie er war, spitzbübisch grinsend hinter jedem Schrank und jeder Kommode nachschaute. Marco wusste nicht, ob er ernsthaft nach der Karte suchte, oder doch hoffte ein Gespenst zu entdecken.
„Diese dumme Karte wird bestimmt NICHT auf dem Dachboden sein!“, schnauzte ihn auch schon sein ehemaliger Kommandant an. Dieser wedelte etwas arg hektisch mit der Hand und versuchte die Spinnweben, in die er eben gefasst hatte wieder wegzubekommen. Marco entschied sich in diese Unterredung nicht mit einzusteigen, sondern sich lieber an dem Anblick zu erfreuen, wie Thatch mit einer Spinne im Haar aussah. Er hatte das kleine schwarze Tier nämlich noch nicht bemerkt.
„Dann halt nicht.“, maulte auch schon der Feuerteufel zurück und verzog keine Miene, obwohl Marco an seinem Ausdruck erkennen konnte, dass auch er soeben die Spinne entdeckt hatte. „Suchen wir halt hier!“
Mit Ruck zog er wahllos eine Türe auf und im nächsten Moment sauste eine Axt an ihm vorbei, die wirklich knapp an seinem Kopf vorbei schrammte und sicher ein paar seiner Haarsträhnen erwischt hätte, hätte ihm eine Axt eben etwas ausgemacht. Doch so blieb die schwere Waffe in der gegenüberliegenden Wand stecken, etwa drei Zentimeter von Thatchs Gesicht entfernt.
„Ich glaube, da will jemand nicht, dass man in das Zimmer geht.“, schmunzelte Marco, der sich die Axt kurz besah und dann durch den Türrahmen in den Raum schielte aus dem eben diese angeflogen kam. Es war ein typisches Schlafzimmer mit einem Himmelbett, einer Kommode, Schrank und Schminktisch.
„Vielleicht wollte ein gekränkter Ehemann auch nur den potenziellen Liebhaber seiner Frau ermorden.“, war der lapidare Kommentar von Thatch, der kurz die Stirn gerunzelt hatte, ansonsten aber weder erschrocken war, noch mit der Wimper gezuckt hatte, obwohl die Waffe ihm auch den Kopf hätte abhauen können, wäre er anders gestanden.
„Warum hab ich dann die Axt abbekommen und nicht du?“, war die wohlüberlegte Frage Ace', der im nächsten Moment seinen Kopf einzog, damit Thatch ihn mit seinem Schlag nicht erwischen konnte.

„Was sind denn das bitte für Menschen?“
Mia schaute immer noch verdutzt den drei Männern hinterher, die noch nicht mal ansatzweise Furcht zeigten, obwohl sie eben eine Axt attackiert hatte. Eigentlich hatte sie nicht vorgehabt so nah an dem Schwarzhaarigen vorbei zu werfen, aber sie war noch nie gut im Zielen gewesen. Auch wenn ihm das ja nicht viel auszumachen schien.
„Keine Ahnung, aber der Schwarzhaarige meinte auch, dass die Karte auf dem Dachboden sein könnte. Lass uns doch mal kurz dort schauen.“, kommentierte Espirí, der inzwischen ernsthaft überlegte, wo er dieses verfluchte Pergament verlegt hatte. Jedoch wurde er sofort nach diesem Vorschlag wütend von seiner Schwester gemustert, die die Arme in die Seite stemmte.
„Spinnst du? Sogar der Braunhaarige meinte, dass sie DA wohl nicht ist. Ein Mensch hat mehr Grips als mein 1243 Jahre alter Bruder. Ich fass es nicht.“, erboste sie sich lautstark und stach kurzerhand mit ihrem Finger in Espirís Brust. „Ich will diese Menschen schreien hören. Wo sind die Schwerter?“
„Da wo sie immer sind?“, kam die Gegenantwort.
Noch bevor Mia darauf etwas erwidern konnte ertönte ein lauthalser Schrei, der eindeutig von ihren Besuchern kam. Er ließ den jungen Geist grinsen.
„Sie schreien doch schon!“

„Macht sie weg, macht sie weg, macht sie WEG!“, kreischte Thatch, dem die Spinne, die bis vor Sekunden noch friedlich in seiner Tolle geschlummert hatte, nun übers Gesicht krabbelte. Der Schrei, den er losgelassen hatte dröhnte immer noch in Ace' Ohren und bevor irgendjemand etwas dagegen einwenden konnte schickte er eine Flamme los, die knapp an dem Gesicht seines Freundes vorbei zischte, jedoch die Spinne zu einem achtarmigen gegrillten Snack flambierte.
„Schon passiert!“
Wütend funkelte ihn Thatch an, sagte jedoch nichts, denn einerseits wusste er, dass bei dem Feuerteufel alle Hoffnung vergeblich war, zum anderen weil die Methode ja die gewünschte Wirkung erzielt hatte. Auch wenn der Kommandant es vorzog ohne Brandblasen im Gesicht rumzulaufen.

„Warum sind denn keine Schwerter in der Waffenkammer?“, fragte Mia etwas angenervt, nachdem sie kurzerhand in den Raum geschwebt war um die gewünschten Utensilien zu holen, die ihre Besucher endgültig zu Tode erschrecken sollten.
„Weil du der Meinung warst, du stattest die Rüstungen damit aus, damit diese hübscher aussehen.“
Espirí war seiner Schwester natürlich gefolgt und schmunzelte beim Anblick der vielen verschiedenen Folterinstrumente und scharfen Klingen, die es in dem Raum gab. Äxte, Dolche, Lanzen und auch der ein oder andere Morgenstern hing an den Wänden. Nur eben die Schwerter nicht.
„Oh … oh ja, stimmt.“, murmelte das Mädchen und schürzte dann die Lippen, weil sie ehrlich nicht wusste, ob sie jetzt alle Rüstungen nach den Schwertern absuchen sollte oder ob sie einfach ihren Plan änderte.
„Was sagst du dazu, wenn ich auf den Dachbo…“
„Nein.“, fiel ihm Mia sofort ins Wort, ohne ihn überhaupt anzusehen. Dann schnappte sie sich einen Dreizack, von dem Espirí noch nicht mal sicher war, ob er überhaupt in ihr Schloss gehörte. Aber wenn Mia es so wollte. Er steckte sich noch ein paar Dolche ein und folgte ihr dann. Wer hätte gedacht, dass seine Schwester so einen Ehrgeiz an den Tag legt? Sie fühlte sich wohl in ihrem Stolz gekränkt, weil eine Spinne effektiver gewesen war als sie. Aber den Geist störte es nicht. Er hatte schon seit Jahrzehnten nicht mehr so viel mit seiner Schwester zusammen gemacht.

„Können wir bitte auf dem Dachboden nachsehen?“, murrte Ace, nachdem sie nun auch hinter der fünften, sechsten und siebten Tür nichts gefunden hatten, was ansatzweiße nach einer Karte aussah. Stattdessen hatten sie noch diverse andere Schlafzimmer gefunden, Spinnen zuhauf, um einiges mehr Spinnweben und nochmal mehr anderen Kram, der ebenso typisch für ein altes Schloss war.
„Nei…“, kam es sofort von Thatch doch Marco unterbrach ihn. „Doch!“
„Waru…?“, wollte dieser wiedersprechen, doch wieder wurde er von dem Phönix unterbrochen.
„Weil die Karte ja wohl nicht hier unten ist und mir die Idee inzwischen gar nicht mehr so blöd vorkommt UND weil Ace dann endlich Ruhe gibt!“
„Hey …“, kam es auch schon empört von diesem, doch Marco winkte den Ausruf nur ab.
Ace hatte von Zimmer zu Zimmer immer wieder betont, dass er ja auf dem Dachboden nachsehen würde und war inzwischen seinen Freunden damit so auf den Geist gegangen, dass Marco schlicht und ergreifend nachgab, damit er entweder recht behielt oder eben nicht. Ihm war es egal, aber wenn er noch einmal von dem Jungen hören würde, dass er vermutete, dass vielleicht eventuell die Karte auf dem Dachboden war, dann würde er ihm eine runterhauen. Kameradschaft hin oder her.

„Das ist nicht denen ihr Ernst, oder?“, knurrte Mia, die wirklich Spaß daran gefunden hatte den Menschen zuzuschauen, wie sie von Zimmer zu Zimmer frustrierter wurden. Den Dreizack hatte sie immer noch in der Hand und wartete nur auf den richtigen Moment.
„Ich sag ja, sie ist auf dem Dachboden!“, kam die Gegenantwort von Espirí. Er fand den Schwarzhaarigen wirklich immer sympathischer. Ihm machte es fast schon nichts mehr aus, sollten sie die Karte wirklich finden, solange er Mia nur zeigen konnte, dass er Recht hatte. Er hätte ja schon längst auf dem Dachboden gesucht, hätte Mia ihn gelassen. Warum war sie eigentlich nicht so einsichtig, wie der Blonde? Aber sie streckte nur hochnäsig die Nase in die Luft und streckte ihm dann die Zunge raus.
„Ach, sei doch leise, Blödmann!“

Als Ace den ersten Fuß auf die Treppe setzte flog ihm ein Dreizack entgegen. Rein aus Gewohnheit wich er der Waffe aus, obwohl er das nicht hätte müssen. Etwas irritiert blieb er stehen, drehte sich nach hinten um und blickte dann seine zwei Freunde, die noch nicht so weit gekommen waren wie er, fragend an.
„Also ein Dreizack gehört irgendwie nicht in ein Geisterschloss, oder?“
Marco hob die Waffe vom Boden auf und drehte sie in der Hand. Wie eine riesige Lanze schwang sie um seinen Körper herum, dann lehnte er sie achtlos gegen eine alte Vitrine. Er kämpfte einfach nicht mit Waffen und ein Dreizack war schon gar nicht sein Stil.
„Wahrscheinlich nicht, nein.“
„Steht dir aber!“, grinste Ace – was Marco die Augen verdrehen ließ - und drehte sich dann wieder um, um weiter die Treppen zu erklimmen. Weit kam er nicht, weil als nächstes ein Dolch an ihm vorbeiflog. Er beachtete ihn noch nicht mal. Auf der nächsten Stufe kam ein neuer Dolch, der seinen Arm streifte. Natürlich zischte nur sein Feuer, mehr passierte nicht. Beim nächsten Schritt kam eine ganze Salve an Dolchen. Drei flogen direkt durch ihn durch, zwei an ihm vorbei, ein sechster blieb in der Wand stecken. Diesen zog der Teufelsfruchtnutzer heraus und betrachtete ihn genau. Immer noch spitzbübisch grinsend steckte er ihn ein.
„Ich glaube wir sind richtig.“
Etwas irritiert schauten seine zwei Freunde ihn an, zuckten dann aber mit der Schulter und folgten Ace. Der Jungspund hatte wohl Recht. Umsonst würden sie wohl nicht wahllos herumfliegende Waffen angreifen. Wo auch immer dieser herkamen.

„Nein! Nein! Nein!“, fluchte Mia und raufte sich die Haare. „Ich glaub ich spinn! Da fliegen diese blöden Dolche doch wirklich durch den hindurch. Dabei ist er doch ein Mensch. Eine Mensch!“
Sie hatte, nachdem Espirí nur an dem Schwarzhaarigen vorbei geschmissen hatte und dieser sich immer noch nicht erschreckt hatte, einfach alle Dolche aus seiner Hand gerissen und in einer Salve geschmissen. Nun wusste sie, warum es ihm nichts ausmachte. Sie trafen ja auch einfach nicht. Hatte er eine Teufelsfrucht gegessen? Aber das waren doch nur alte Legenden. Zumindest damals zu ihrer Zeit als Lebende waren die Teufelsfrüchte Legenden gewesen.
„Vielleicht hätten wir doch das einfache Türklappern und aus den Gemälden hervorschießen machen sollten?“, fragte Espirí etwas planlos in den Raum. So richtig erklären konnte er es sich ja auch nicht. Aber inzwischen hatte er mit dem Thema schon abgeschlossen, auch wenn die Gelegenheit so schön gewesen war. Wer hätte auch gedacht, dass die Menschen aus Feuer bestanden? Zumindest der eine. Der junge Geist kam gar nicht auf die Idee, an eine Teufelsfrucht zu denken. Er hatte sich für so einen Kram noch nie interessiert.
„Ach, das ist doch bescheuert. Da mach ich mir einmal die Mühe und dann passiert sowas.“
„Lass uns lieber die Karte suchen!“
Ein Argument gegen das Mia nichts sagen konnte, auch wenn es ihr nicht passte.

„Ist das der Dachboden?“, fragte Thatch etwas skeptisch, als er die Luke sah, die über ihm thronte. Sie war einfach ein schwarzes Loch in der Decke, aus dem eine alt und nicht wirklich stabil aussehende Leiter ragte. Er war sich sicher, wenn er dort hochklettern würde, würde er sich das Genick brechen.
„Sieht so aus.“, kam es monoton von Marco, der schon wusste, was das Problem seines Freundes war. Ein kurzes Grinsen zog sich über seine Züge. Wie praktisch es war fliegen zu können.
„Na dann …“ kam es von dem Kommandant der 4. Division, „Alter vor Schönheit!“
Ein Kichern ertönte von Ace, doch Marco zuckte nur mit den Schultern und schon loderten blaue Flammen um seine Arme herum. Keine zwei Sekunden später war er in dem dunklen Loch verschwunden.
„Arg“, knurrte Thatch, der die Tatsache über Marcos Teufelsfrucht natürlich vergessen hatte und eigentlich vorgehabt hatte ihn zum Testen der Leiter hochzuschicken. „Spielverderber.“ Sein Blick schweifte zu Ace, doch dieser grinste immer noch sehr fies.
„Alter vor Schönheit, Thachilein, Alter vor Schönheit!“

Hektisch wühlte Mia in den Kisten herum, die auf dem Dachboden standen und auch Espirí war irgendwo in dem riesigen Raum verschwunden um nach dem Pergament zu suchen. Doch die Karte war nirgends zu finden und als sich ein blaues Feuer durch die Luke erhob wirbelte das Geistermädchen erschrocken herum.
Kurz stockte ihr der Atem, weil sie in ihrem Leben und auch in ihrem Ableben noch nie etwas gesehen hatte, was annähernd an die Farbe der Flammen, die um die Arme des Mannes wirbelten heran kam. Doch dann fing sie sich wieder und schnappte sich das Schwert, das sie vorsorglich mitgenommen hatte. Während sie ihrem Bruder zurief, dass er sich verdammt noch mal beeilen sollte die Karte zu finden, ging sie auf den Mann los.

Noch bevor Marco gelandet war, schoss ein Schwert auf ihn zu. Nur seiner langjährigen Erfahrung war es zuschulden, dass er sich instinktiv wegbewegte und so die scharfe Klinge an ihm vorbei schoss. Kurz runzelte der Phönix die Stirn, warum das Schwert in der Luft lag, als würde irgendjemand es halten, dann wischte ein erneuter Angriff wieder alle Gedanken aus ihm heraus. Geschickt wich er Hieb um Hieb aus, was allerdings gar nicht so schwer war, weil das Schwert zwar ein Schwert war, aber wohl nie gelernt hatte damit umzugehen. Er hatte schon gegen talentiertere Schwertkämpfer gekämpft und gewonnen. Vielleicht war eine Waffe ohne Führer einfach nicht so gut, wie mit jemandem, der sie führte? Er hatte keine Ahnung.
Einen Moment später erschien auch Thatch, der doch ohne Verletzungen auf dem Dachboden angekommen war. Nur eine Sprosse war unter seinen Füßen weggebrochen, aber er hatte sich schnell gefangen, war er doch ein Leben in der Takelage der Moby gewöhnt. Kurz brauchte er einen Moment, um zu registrieren, warum Marco hin und her zu tanzen schien, dann sah er das fliegende Schwert. Instinktiv wusste der braunhaarige Kommandant nicht, ob er lachen oder Angst haben sollte. Da Marco aber wirklich dämlich aussah, wie er einem herrenlosen Schwert auswich, entschied er sich für ersteres. Mit einem Grinsen drehte er sich zu der Luke und rief Ace etwas zu.
„Beeil dich, Feuerteufel. Marco kämpft gegen fliegende Schwerter.“
Flugs erschien der Angesprochene auch auf dem staubigen Dachgebälk und in der nächsten Sekunde stimmte er in das Lachen seines Freundes mit ein.

„Espirí hilf mir mal, verdammt“, kam es wütend von Mia, die immer noch versuchte den Blonden zu attackieren. Dieser war jedoch so geschickt, dass sie keine Chance hatte ihn auch nur ansatzweiße zu treffen. Sie hatte nie eine Ausbildung im Umgang mit einem Schwert genossen, sowas hatte sich zu ihrer Zeit nicht für eine Dame geschickt und es hatte sie auch ehrlich nicht interessiert. Alles was sie hier zeigte hatte sie sich selbst beigebracht und das war nicht genug um gegen den Menschen vor ihr anzukommen.
„Du hast doch gesagt ich soll die Karte suchen!“, kam es entrüstet von dem jungen Geist, der immer noch alle möglichen Sachen durchstöberte, aber nichts fand. Es nervte ihn, wenn Mia sich nicht entscheiden konnte, was genau sie nun von ihm wollte. Er war sich ziemlich sicher, dass alle Frauen so waren, weswegen er ein bisschen Nachsicht mit seiner Schwester hatte, aber bei Gott, sie gehörte in diesem Punkt definitiv zu den Schlimmeren!
„Ist doch egal, lass die Karte. Schnapp dir eine Waffe und hilf mir.“

„Wollt ihr die Karte suchen, während ich mich hier noch ein bisschen mit dem Schwert beschäftige?“, kam es etwas säuerlich von Marco, der es absolut nicht gerne sah, wenn er ausgelacht wurde. Vor allem nicht von Thatch und Ace. Diese grinsten immer noch über den Anblick, den ihr Freund abgab und erst nachdem Marco sie nochmal etwas heftiger dazu aufgefordet hatte, die blöde Karte zu suchen, machten sie sich auch dran.
Zumindest versuchten sie es, doch bevor Thatch überhaupt den ersten Karton angefasst hatte, flog schon ein weiterer Dolch an ihm vorbei. Irritiert drehte er sich um und sprang dann zur Seite, weil ein Morgenstern an ihm vorbei raste.
„Wooow“, kam es etwas erschrocken von ihm. Er warf nochmal einen Seitenblick zu Marco, der immer noch mit dem Schwert beschäftigt war. „warum kann ich mich nicht auch mit einem Schwert duellieren?“
Lachend schaute Ace zu seinem ehemaligen Kommandanten und zuckte dann mit den Schultern. Auch wenn Thatch sicher keine Antwort erwartet hatte, gab er ihm trotzdem eine.
„Bestimmt hat das Schloss keine mehr in Vorrat.“, lachte er und kratzte sich dann übertrieben am Kopf, als keine Sekunde später doch ein Schwert auf Thatch zuflog. „Okay vielleicht doch!“

Espirí hatte sich das übrige Schwert – ihre letzte verbleibende Waffe – geschnappt und den Braunhaarigen angegriffen. Er war schon immer gewiefter im Schwertkampf gewesen als seine Schwester und irgendwie vermutete er, dass dieser Mensch besser war als der Schwarzhaarige, zumindest was den Schwertkampf betraf. Er mochte es gute Kämpfe auszutragen und das Beste war, dass er schlicht und ergreifend nicht sterben konnte. Ihm konnte als eh nichts passieren.
Zu seiner Freunde zog der Mensch mit der ungewöhnlichen Frisur sogar tatsächlich ebenfalls ein Schwert und schlug geschickt zurück. Ein Grinsen zog sich auf Espirís Gesicht. Da hatte diese Nacht ja doch noch etwas Gutes an sich, wenn auch keine erschrockenen Menschen, so immerhin ein spannender Schwertkampf.

„Ich glaube mein Schwert ist besser als deins Marco.“, kam es lachend von Thatch, der sichtlich Freude an dem kleinen Kampf hatte. Geschickt parierte er die Schwerthiebe die doch sauber ausgeführt waren. Zwar fehlte es hier und da an Raffinesse und der Stil, den das Schwert hegte schien ihm schon wirklich veraltet, aber es machte Spaß und war für zwischendurch wirklich nett.
„Du bist ja auch der bessere Schwertkämpfer.“, kam es lapidar zurück, dann schaute Marco Ace an, der fasziniert das Schauspiel beobachtete. „Könntest du bitte suchen, Ace?“
Dieser zuckte kurz zusammen, weil er so versunken gewesen war, dann lachte er und drehte sich einmal im Kreis um sich den Raum genau anzusehen. Wenn er ein Geist wäre, wo würde er dann eine Karte verstecken? Sicher nicht in den Kisten, das wäre zu einfach und auch nicht in den Schubladen der alten Kommoden … eher …
Mit festem Schritt ging Ace auf eines der vielen Gemälde zu, die an der Wand lehnten. Nacheinander drehte er sie um und suchte die Rückseite der Bilder ab. Die ersten drei Untersuchungen verliefen ergebnislos, bei dem vierten jedoch kam ein freudiges „Wusst ichs doch!“ über seine Lippen. Er hatte ein Stück Pergament gefunden, dass er hastig entfaltete. Ein kurzer Blick bestätigte ihm, dass sie endlich gefunden hatten, was sie sichten.
„Ich hab sie!“

Fassungslos ließ Mia ihr Schwert fallen, das klappernd auf den staubigen Boden fiel und schaute den schwarzhaarigen Mann entgeistert an. Das konnte nicht wahr sein. Er hatte die Karte wirklich so schnell gefunden?
„Neeeeein“, heulte sie auf und deutete auch ihrem Bruder an, dass er den Kampf aufgeben konnte. Dieser kam der Aufforderung sofort nach und huschte zu seiner Schwester um sie zu beruhigen. Dicke Tränen kullerten über ihre weißen Wangen und immer wieder schluchzte sie. Ob aus Frustration oder aus Wut konnte Espirí nicht so genau feststellen.
„Ach komm, es ist doch nur eine Karte.“, flüsterte er sanft, während er aus dem Augenwinkel feststellte, dass die Menschen sich wieder auf den Rückweg machten. Doch das war erst mal Nebensache.
Es dauerte, bis Mia sich wieder beruhigte hatte, doch nach und nach versiegten ihre Tränen und nur noch trockene Schluchzer kamen aus ihrem Mund.
„Dabei hatten wir uns so viel Mühe geben … und erschrocken haben sie sich auch nicht.“, jammerte sie. Dann ballte sie ihre Hände zu Fäusten. „Und die Karte ist auch weg.“
Kurz lachte der junge Geist, dann erschien ein spitzbübisches Grinsen auf seinem Gesicht. Als der junge Mensch das Pergament gefunden hatte, war ihm wieder etwas eingefallen. Mit einem Huschen steuerte er ein weiteres Gemälde an, das etwas abseits lag und griff hinter den Rahmen. Dort zog er ein Papier hervor.
„Ist sie nicht. Sie haben nur eine Fälschung in der Hand. Hatte ich ganz vergessen, dass es die auch gab.“
Auf einmal trat wieder ein Funkeln in das Augen des Geistermädchens. Lachend umarmte sie ihren Bruder und tanzte kurz mit ihm im Zimmer herum. Dann grinste, endlich, auch sie wieder.
„Du bist genial!“

Schweigend liefen die drei Freunde den schmalen Weg wieder zurück, von dem sie auch gekommen waren. Immer wieder ließ Ace eine Flamme auf seiner Hand entstehen und ließ sie kurz darauf mit einem Schließen der Handflächen wieder verschwinden. In seinem Gesicht lag Enttäuschung.
„Müsstest du dich nicht freuen, das dumme Ding gefunden zu haben?“, fragte Marco ihn, während er ihm mit der Karte vor der Nase herum wedelte. Er verstand nicht, warum Ace so missmutig war.
„Ja, schon …“, kam es etwas gedrückt von ihm.
„Aber?“, warf Thatch fragend ein?
„Aber Gespenster hab ich trotzdem keine gesehen!“, maulte der junge Pirat und verzog dabei den Mund. Er war wirklich ein bisschen enttäuscht. Fliegende Waffen schön und gut, aber die beweisen trotzdem nicht die alten Legenden, dass es Gespenster gab. Dabei hatte er wirklich Hoffnung gehabt, nachdem das erste Buttermesser an ihm vorbei gesegelt war.
„Wahrscheinlich gibt es diese einfach nicht.“, kam es von Marco. Es tat ihm fast ja schon ein bisschen leid, dass Ace so traurig darüber war. Aber auch nur fast.
„Ach ja … ist auch egal. Dann halt nicht.“

„Sollen wir?“ fragte Mia ihren Bruder. Sie beobachteten die drei Männer, wie sie den Weg wieder zurückgingen.
„Klar!“

„Das nächste Mal viellei…“ kam es aus Ace' Mund und keine Sekunde später schrie er los, als ihm ein lautes „Buh“ in den Ohren hallte.


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Mein Wichtelbeitrag zum OnePiece-Wichteln "Happy Halloween" für Jiiyu. Boar hab ich mich schwergetan mit dieser Geschichte und es ist sicher auch nicht meine Beste. Ich hoffe ihr hattet trotzdem euren Spaß beim lesen.
Sie ist echt lang geworden und ich hoffe sie zieht sich nicht so beim Lesen, wie sie sich beim Schreiben gezogen hat. Aber naja ^^ jetzt ist sie fertig.

Ach ja die Vorgaben waren Ace als Charakter und Waffen, die wahllos Leute attakieren. ^^

By the way: Meine süßen kleinen Geistergeschwister Mia und Espirí kommen aus dem Spanischen:
el espíritu ist der Geist und el fantasma das (Schreck)gespenst.
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