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KurzgeschichteRomanze / P18 Slash
31.10.2014
31.10.2014
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© by Sitala Helki

Dies ist die Fortsetzung zu ›Grenzenlos‹.



Wann war ich das letzte Mal so dermaßen nervös? Ich kann mich nicht erinnern. Einzig die Tatsache, dass es Simon offenbar nicht anders geht, tröstet mich ein wenig.
Die Siegerehrung des Tanzturniers ist keine Stunde her. Uns hat dort nichts mehr gehalten. Ich bin ja mal gespannt, wie viele Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in ein paar Wochen bei uns eintreffen, denn sowohl Simon als auch ich sind alles andere als gemächlich gefahren.
Ich weiß noch, wie ich mich anfangs gegen ein eigenes Auto mit Handgas gewehrt habe. Meine Behinderung wird mir dadurch immer wieder brutal vor Augen geführt. Mittlerweile bin ich froh, dass Simon so penetrant war. Auf diese Weise bin ich definitiv unabhängiger.
Simon.
Ich seufze.
Ich liebe diesen Mann mit jeder Faser meines Körpers und frage mich immer wieder aufs Neue, was ihn noch bei mir hält. Ich, der Typ, der ihn seit über einem Jahr unentwegt von sich gestoßen und beschimpft hat, dessen Körper zunehmend unattraktiver wird.

Leise fluchend bückt sich Simon, weil ihm gerade zum dritten Mal der Schlüssel heruntergefallen ist. Ich schmunzle unwillkürlich.
Als er endlich die Haustür aufgeschlossen hat, grinst er triumphierend. Jetzt müssen wir nur noch in unsere Wohnung kommen.
Offenbar hat er den Dreh nun raus, denn das Schloss der Wohnungstür schafft er beim ersten Versuch.
Mein Herz rast, als ich an ihm vorbeifahre. Oh Mann! Wir werden gleich Sex haben! Das erste Mal seit über einem Jahr, seit dem Unfall.
Ich zucke zusammen, als die Tür laut ins Schloss knallt.
»’Tschuldigung«, murmelt Simon und sieht mich ein wenig verloren an. Immer wieder streicht er durch seine Haare. Ein weiteres Anzeichen für seine Nervosität. Alles in mir kribbelt. Ich weiß nicht so recht, was ich machen soll. Er offenbar auch nicht. Super Kombination!
Vielleicht hätte ich vorher mit Dr. Richards darüber sprechen sollen.
Seit etwa einem Vierteljahr gehe ich zu einem Seelenklempner. Obwohl Dr. Richards es lieber hat, wenn man ihn ›Psychologischer Psychotherapeut‹ nennt, denn das ist seine korrekte Bezeichnung als Traumaexperte.
Nachdem ich meinem Physiotherapeuten ständig die Ohren vollgeheult habe, hat der mich dann schließlich davon überzeugt, dass ein Gespräch mit jemandem, der etwas von der Sache versteht, nicht schaden könne.
Und nun gehe ich also einmal wöchentlich zur Therapie. Simon weiß nichts davon. Irgendwie hat es sich nicht ergeben. Anfangs war es mir peinlich, obwohl ich rational betrachtet weiß, dass es das nicht muss. Später habe ich den richtigen Moment verpasst.

Einen Tag nach meiner ersten Sitzung kam Simon mit dieser Schnapsidee mit dem Tanzen. Ich fühlte mich ein wenig überrannt, aber ich wollte ihn endlich wieder einmal glücklich sehen. Also hatte ich zugestimmt.
Das war echt übel. Zu viele alte Wunden wurden aufgerissen und die folgende Therapiestunde habe ich durchgehend mit Heulen verbracht. Ich dachte ja, ich hätte das Weinen seit dem Unfall verlernt, aber der Typ schafft es, die richtigen Knöpfe zu drücken. Und er hat recht, wenn er meint, ich müsse es allmählich mal verarbeiten.
Die Idee, meinem Freund eine Freude zu machen, indem ich ihn wieder tanzen lasse, fand er sofort gut. Meine Ausführung nicht ganz so, denn er ist eher dafür, immer ehrlich zueinander zu sein. Aber ich finde, die Überraschung war es wert. Simon sieht auch nicht so aus, als sei er sonderlich verärgert darüber.


»Komm her«, strecke ich meine Hand nach ihm aus. Als er bei mir ist, ziehe ich ihn auf meinen Schoß. Simon lacht. So schön.
Dann küsst er mich. Endlich!
Ich seufze und fahre blind in Richtung Schlafzimmer.
»Hm, daran könnte ich mich gewöhnen«, flüstert Simon an meinen Lippen. »Ich lass mich künftig einfach immer durch die Gegend fahren.«
Als er dank meiner Unachtsamkeit mit den Beinen den Türrahmen streift, revidiert er seine Meinung sofort wieder. »Aua! Na, das üben wir aber noch!«

An unserem Bett angekommen, steht er auf und hebt mich hinüber. Etwas, das ich sonst überhaupt nicht mag. Ich hasse es, von jemandem abhängig zu sein. Aber jetzt, in diesem Moment, ist es einfach nur eine liebevolle Geste. Das merke selbst ich.
Dr. Richards hat mir klar gemacht, dass nicht jedes Hilfsangebot aus Mitleid heraus geboren wird, sondern oftmals lediglich nett gemeint ist; oder im Fall von Simon in seiner Liebe begründet ist.
»Was würden Sie denn im umgekehrten Fall tun? Ich denke, Sie täten auch alles, um dem Mann, den Sie lieben, das Leben so unkompliziert wie möglich zu gestalten.« Natürlich hat er recht. Schwer ist es dennoch.


Ich ziehe mich ans Kopfende, setze mich hin. Simon schiebt den Rollstuhl an die Seite. Diese Geste wirkt so natürlich und ich begreife, dass es das auch für ihn ist. Er hat akzeptiert, dass das Ding ein Teil von mir ist. Im Gegensatz zu mir. Ich kämpfe immer noch dagegen an. Sehe das Ungetüm als Feind, statt als Helfer.
Jetzt dreht er sich zu mir, löst die Fliege um seinen Hals und knöpft das Hemd auf. Dabei lässt er mich keine Sekunde aus den Augen. Der Stoff rutscht von seinen Armen. Himmel sieht mein Freund heiß aus! Wie konnte ich nur ein Jahr auf diesen Körper, diesen Anblick verzichten? Dass er die letzten Monate seine Energie beim Sport herausgelassen hat, sieht man ihm eindeutig an.
Das war sicher eine gesündere Art, die überschüssige Kraft zu kanalisieren, als ständig schlechte Laune zu verbreiten und einen Streit nach dem anderen vom Zaun brechen zu wollen, wie ich es getan habe.

Ich lecke mir über die Lippen und Simon schnappt nach Luft. »Mach das noch mal«, fordert er heiser.
»Was? Das?«, wiederhole ich meine Geste. Simon knurrt und stürzt sich regelrecht auf mich, setzt sich auf meinen Schoß und küsst mich ungestüm.
Ich quietsche überrascht auf, schlinge meine Arme um ihn.
Keuchend löst er sich von mir. »Entschuldige. Ich sollte vielleicht erst duschen. Ich bin ganz verschwitzt.«
»Den Teufel wirst du tun!« Ich verstärke meinen Griff. »Wir können hinterher zusammen duschen.«
»Wir?« Das Leuchten in seinen Augen gefällt mir. Das Thema ›Bad‹ und ›Körperhygiene‹ ist auch etwas, das wir seit meinem Unfall sehr nüchtern und medizinisch angegangen sind. Seitdem ich den Dreh heraushabe, bewältige ich eigentlich alles alleine und Simon lässt mich. Wenn ich aber daran denke, wie gern wir früher zu zweit geduscht haben ...
Wieder küsst er mich stürmisch, seine Zunge kämpft regelrecht mit meiner. Seine Hände gleiten unter mein T-Shirt und ich stöhne lang gezogen. Simon zerrt mir ungeduldig das Shirt über den Kopf, presst stöhnend erneut seine Lippen auf meine. Wie oft haben wir uns in den letzten Monaten geküsst? Zu selten. Viel zu selten. Schon gar nicht auf diese Weise. Wie blöd war ich eigentlich?

Nein, keine Selbstvorwürfe, ich weiß. Die Phase des Abkapselns ist ganz normal, habe ich gelernt. Man muss sich nur rechtzeitig dem Partner wieder öffnen. Nun, das tue ich gerade.
Ich halte mich an ihm fest, um mich stärker an ihn zu drängen. Seine Haut, ich muss sie spüren.
»Simon ...« Ich beiße mir auf die Unterlippe und er lässt ein wenig von mir ab, streichelt meinen Oberkörper.
»Du bist so schön«, flüstert er. Noch immer weiß er, dass ich besonders an den Seiten empfindlich bin. Eine Gänsehaut überzieht mich, als er hauchzart über die Haut kratzt.
Ich schüttle den Kopf. Mein Körper hat abgebaut. Von ›begehrenswert‹ kann mal nicht mehr die Rede sein.
»André, sieh mich an«, fordert er rau. Ich schlucke. Sein Blick ist ernst. Er greift nach meinem Kinn und hält es fest. »Du bist schön. Du bist der schönste und erotischste Mann, der mir je untergekommen ist.«
Ich weiß, dass er lügt. Wir beide wissen es. Trotzdem hört es sich schön an.
»André! Hör auf, an dir zu zweifeln.« Tue ich nicht. Ich bin nur realistisch.
Simon gibt einen resignierten Laut von sich und greift nach meiner Hand.
»Glaubst du ernsthaft, das hier ...«, presst er meine Hand in seinen Schritt und stöhnt. Holla, ist der hart! Simon keucht, bevor er weiterspricht. »... würde passieren, wenn ich dich nicht mehr scharf fände?«
Ich zucke mit den Schultern. Schließlich sind wir Männer und ich weiß noch, dass es früher nie viel gebraucht hat, um Simon anzuheizen. Wahrscheinlich stellt er sich einfach vor, hier mit jemand Gesundem rumzumachen. Mit viel Glück denkt er dabei an mich, wie ich früher war.
»Was kann ich tun, um dich davon zu überzeugen, dass dem so ist?« Auch darauf habe ich keine Antwort.
Simon lehnt seine Stirn an meine und beginnt, sein Becken rhythmisch zu bewegen. Das fühlt sich merkwürdig an, ungewohnt. Ich spüre es durchaus, aber es ist anders als früher. Alles ist anders als früher.

»Ich sag dir mal was«, flüstert er in mein Ohr. »Jedes einzelne Mal, als ich mir in den letzten Monaten unter der Dusche einen runtergeholt habe, habe ich nur an dich gedacht. Ich habe mir gewünscht, du würdest hereinkommen, zu mir. Ich habe mich sogar in deinen Duschstuhl gesetzt und mir vorgestellt, wie es wäre, wir säßen zusammen darin.« Simon küsst die empfindliche Haut hinter meinem Ohr. Ich seufze. Er weiß genau, was er tun muss, um mich willenlos zu machen.
Ich packe seine Hüften und presse ihn stärker auf mich. Viel lieber würde ich ihm mein Becken entgegendrücken.
Ich bin nicht blöd. Ich weiß, dass er sich regelmäßig selbst befriedigt. Hätte ich vielleicht auch tun sollen. Das war wohl ein weiterer Grund für meine aufgestauten Frustrationen.

Dr. Richards hat nicht schlecht geguckt, als ich ihm sagte, dass ich mich seit dem Unfall nicht mehr selbst angefasst habe.
»Warum das denn?«
»Ich habe keine Lust mehr«, war meine erste Antwort gewesen. Aber das hat er nicht gelten lassen und damit natürlich recht gehabt. Die richtige Antwort war vielmehr: »Ich habe Angst.« Und die hatte ich. Nein, die habe ich immer noch.
Angst davor, dass es anders ist. Nicht mehr befriedigend. Angst, meinen eigenen Körper wieder als etwas Sexuelles anzunehmen, wo ich doch für meinen eigenen Anblick nur Abscheu empfinde.
Als ich Dr. Richards vor zwei Wochen eröffnete, dass ich wieder mit Simon schlafen wolle, war das Einzige, was er dazu sagte: »Tun Sie sich selbst und Ihrem Partner einen Gefallen und lernen Sie erst wieder zu masturbieren und sich selbst anzunehmen.« Und er gab mir eine Hausaufgabe auf: Bis zu unserer nächsten Sitzung sollte ich mich selbst befriedigen oder es zumindest versuchen.
Das war wirklich merkwürdig. Ich hatte gewartet, bis Simon zum Tanztraining weggegangen war. Mechanisch fing ich an, an mir herumzuschrubbeln. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber genau so war es. Gebracht hat es nichts außer Frustration. Es fühlte sich anders an, als früher. Das hat mich ziemlich erschreckt.
Dr. Richards ließ das Argument nicht gelten und wiederholte seine Aufgabe. »Haben Sie denn Erektionsprobleme? Soll Ihnen ein Kollege etwas verordnen?«
Ich glaube, ich war in meinem Leben noch nie so verlegen und habe nur mechanisch den Kopf geschüttelt. »Ne, das geht schon.«
»Gut. Vermutlich müssen Sie lernen, dass Ihre Sexualität jetzt anders ist. Das ist jedoch nicht mehr mein Fachgebiet. Aber wenn Sie weiterhin Probleme haben: Ich kenne einen guten Sexualtherapeuten, der sich auf solche Fälle wie den Ihren spezialisiert hat. Allerdings empfehle ich Ihnen, dies mit Ihrem Partner gemeinsam anzugehen.«
Noch jemanden, der meint, mein verkorkstes Seelenleben therapieren zu müssen? Nein, das wollte ich ganz sicher nicht. Also ging ich die Sache bei der nächsten Gelegenheit wieder an.

Ich hatte Simon beobachtet, als er noch leicht feucht aus der Dusche kam und sich abtrocknete. Als er nackt vor seinem Kleiderschrank stand, seine Trainingsklamotten einpackte und ich diesen perfekten Körper und das Spiel der Muskeln betrachtete, meldete sich mein Schwanz mit einer Vehemenz, die mich ziemlich überraschte. Ich war reichlich nervös. Einerseits wollte ich ihn weiter beobachten. Andererseits wollte ich alleine sein.
Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, fuhr ich ins Bad. Unter dem warmen Wasser der Dusche ließ ich mich treiben. Und ja, es war anders als früher. Die reine Mechanik reichte nicht aus, aber zusammen mit meinem Kopfkino erlebte ich einen Orgasmus der Extraklasse. Okay, es war der erste seit Langem. Da überrascht einen die Intensität vielleicht. Es war nicht so wie früher, aber schlechter war es auch nicht.

Das war am Dienstag gewesen. Den Mittwoch war ich ziemlich verwirrt und am Donnerstag, als ich Simon da im Flur stehen sah, spürte ich, wie urplötzlich ein Knoten geplatzt war: Ich war - auf gut deutsch - einfach nur geil auf meinen Freund!
Ich wusste, dass er zum Training musste, aber das interessierte meine von den Toten wiederauferstandene Libido einen Dreck.
Kaum war er weg, holte ich mir wieder einen runter. Okay, nicht nur einmal. Genauso am Freitag und auch heute Morgen. Ich glaube, ich habe seit meiner Jugend nicht mehr so oft an einem Tag masturbiert. Aber ich hatte schließlich Nachholbedarf und außerdem war es ja für einen guten Zweck.
Nämlich für genau das hier.

Inzwischen ist Simon ein wenig an mir herabgerutscht und zerrt ungeduldig an meiner Hose, wirft sie zur Seite, als er es endlich schafft. Ich beobachte, wie er langsam meine Beine hinaufstreicht.
»Spürst du das?«, fragt er leise und sieht mich aufmerksam an.
Ich schüttle den Kopf. Meine Beine sind taub. Lediglich stärkeren Druck kann ich empfinden. Auch Kälte und Wärme merke ich nicht.
Simon schluckt. »Oh ... okay. Darf ich dich trotzdem anfassen?«
Mein Herz rast. »Wozu?«
»Weil ich dich gerne berühre. Du fühlst dich so toll an.«
Der spinnt doch! Aber gut. Wenn er meint.
»Okay«, hauche ich. Simon strahlt augenblicklich. Er mag das tatsächlich! Das ist unglaublich!
Immer wieder streichelt er meine Beine entlang, verteilt Küsse auf der Haut. Das ist ernsthaft obskur. Ich spüre es nicht, aber es zu sehen und zu wissen, wie es sich anfühlt - angefühlt hat - jagt Wellen der Erregung durch meinen Körper.
»Simon?« Ich schlucke. Mein Hals ist vollkommen ausgetrocknet.
»Hm?«
»Zieh dich aus. Bitte! Ich will dich sehen.«
Lächelnd steht er auf und dreht sich um. Kaum hat er den Knopf der Hose geöffnet, fällt sie auch schon herunter. Die Pants folgen und er präsentiert mir seinen wunderschönen, knackigen Hintern. Ich stütze mich ab, lehne mich weiter vor, streife seinen Oberschenkel.
»Komm her«, fordere ich rau. Ohne sich umzudrehen, kommt er näher. Ich schlinge meine Arme um ihn, küsse diesen verführerischen Hintern, ziehe ihn weiter zu mir.
Simon kichert leise.
»Auf den stehst du immer noch, was?«
»Siehst du doch«, erwidere ich und sauge leicht an seiner Haut. Seine Hand greift ungeniert nach meinem Schwanz. Ich zucke bei der Berührung zusammen. Das kam jetzt zum einen unerwartet und zum anderen ist es anders als in meiner Erinnerung.
»Oh ja«, raunt er. »Und ob ich das sehe.«
Simon gibt ein zischendes Geräusch von sich, als ich seine Erektion umfasse und ihn mit geübten Bewegungen stimuliere.
»André ... halt!«
Ich lasse mich nicht beirren und er scheint auch nicht wirklich zu wollen, dass ich aufhöre. Sein Schwanz zuckt und Simons Atem wird hektischer, bis er sich abrupt löst und sich umdreht.
»Stopp! André! Du machst mich fertig.« Er beugt sich zu mir herunter, küsst mich sanft. »Nicht so schnell. Ich möchte, dass wir das genießen.«
Wieder setzt er sich auf mich, greift nach meiner Erektion.
»Wie fühlt sich das an? Anders als früher?«
Ich nicke. »Ja, es ist ... ich kann es gar nicht wirklich beschreiben.«
»Ist es unangenehm?«
»Ganz bestimmt nicht«, grinse ich.
»Gut. Wollen wir doch mal sehen, wie sich das für dich anfühlt.« Er rutscht zwischen meine Beine und kurz darauf lässt er mich in seinen Mund gleiten. Ich kralle mich ins Laken und keuche. Ich glaube, er lacht. Zumindest vibriert es um meinen Schwanz herum. Mit geschlossenen Augen genieße ich die feuchte Wärme. Das ist einfach genial.
»Ja!«, stöhne ich lang gezogen, was bewirkt, dass er genau die gleiche Bewegung mit seiner Zunge immer und immer wieder wiederholt. Meine Bauchmuskeln spannen sich an. Wie gerne würde ich jetzt zustoßen können!
»Simon ...«
Er lässt von mir ab. Ich gebe einen frustrierten Laut von mir, doch er lacht nur leise. »Okay, das scheint ja auch noch in Ordnung zu sein. Wollen wir doch mal weitersehen.«
Kaum ist er wieder bei mir, greife ich nach ihm. Dieser Körper! Sein Rücken, der feste Hintern, Bauch, Oberkörper, dieser Schwanz! Stöhnend stößt er einige Male in meine Hand, die ihn umfasst.
»André, ich möchte mit dir schlafen«, flüstert er leise.
Ich schlucke. Okay, der nächste Schritt.
Ich greife zum Nachttisch und hole Kondome und Gleitgel hervor. Simons überraschter Blick lässt mich grinsen.
»Was ist denn?«, frage ich ein wenig scheinheilig.
»Ich dachte ... ist das Zeug nicht längst verfallen?«
»Davon gehe ich nicht aus. Schließlich habe ich es erst vor ein paar Tagen gekauft.«
Simon schnappt nach Luft. »Du hast das geplant?«
»Nicht direkt. Sagen wir mal: Gehofft, erträumt, gewünscht, ersehnt ...« Simons Lippen stoppen meine Aufzählung.
»Ich liebe dich«, flüstert er. »Sag mir, wenn etwas unangenehm ist, ja?«
Ich nicke. Die Anspannung kehrt mit einem Schlag zurück. Wie es wohl sein wird, wenn er in mir ist? So weit bin ich bei meinen Selbstversuchen nämlich noch nicht gegangen.

Simon nimmt eine viel zu große Portion Gleitgel und lacht leise. »Ich fürchte, ich bin etwas aus der Übung.«
Er verreibt es zwischen seinen Händen und verteilt es sowohl auf seinem als auch meinem Schwanz. Noch so eine Spielart, die wir früher geliebt haben. Seufzend strecke ich meinen Kopf nach hinten.
»Huh«, entkommt es ihm und ich merke in dem Moment, was er meint. Ich habe das wärmende Gleitgel erwischt. Das hatte ich aus Neugier mitgenommen und ich muss sagen, dass ich das richtig gut finde. Diese Sensibilisierung ohne tatsächliche Überreizung ist eine ziemlich erregende Mischung.

Ich brumme wohlig und atme zischend ein, als er über das Gel pustet. Der Effekt verstärkt sich für einige Sekunden.
Er greift nach dem Kondom. »Sag mal ...« Simon zieht seine Unterlippe ein und sieht mich fragend an. »Du bist doch damals im Krankenhaus getestet worden ...«
Ich nicke. Ja, das hat man mir hinterher gesagt und auch, dass ich im Falle eines positiven Ergebnisses benachrichtigt würde. Das ist allerdings nicht geschehen.
»Ich ...« Er räuspert sich. »Ich habe mich auch testen lassen.«
Ich reiße meine Augen auf. »Soll das heißen, du willst ...?«
»Nur, wenn du auch willst. Wenn nicht, ist das vollkommen in Ordnung. Ich ...«
Ich zerre an seinen Armen. Simon verliert den Halt und fällt unsanft auf mich. »Vorsicht!«, lacht er.
Das ist mir gerade so egal. Ich sehe ihm in die Augen und in mir kribbelt es wie schon lange nicht mehr. »Natürlich will ich!«
Ohne eine Reaktion abzuwarten, küsse ich ihn, dränge meine Zunge in seinen Mund. »Mach schon!«, fordere ich atemlos.
Wieder richtet er sich auf, verteilt erneut Gleitgel auf uns. Wenn er weiter so verschwenderisch ist, müssen wir bald Nachschub besorgen. Ach, und wenn schon!
Ich schließe die Augen und genieße seine Hand und den Effekt des Gels. Er ruckelt herum, sucht offenbar noch nach der richtigen Position. Jetzt küsst er mich sanft und ich schlinge meine Arme um seinen Hals, erwarte das Gefühl von ihm in mir, aber nichts passiert.
»Was?!«, gebe ich unkontrolliert von mir, als es plötzlich eng um meinen Schwanz wird. Ich bin in ihm!
»Wie ...? Aber ...?«
Ich sehe Simons lustvollen Blick, als er sich in langsamem Rhythmus auf mir bewegt. Er kann doch nicht einfach ...
Seine Bewegungen werden schneller. Immer wieder lässt er mich tief in sich. Ich keuche. Sein Stöhnen dringt in jede Faser meines Körpers. Instinktiv greife ich nach seiner Erektion.
»André! Ja, oh bitte, ja!« Ich weiß, was ich tun muss. Mein Daumen kreist über den Übergang von seinem Schaft zur Eichel. Dort ist er am empfindlichsten. Simon feuert mich mit unartikulierten Worten an, verengt sich um mich.
Er sieht so schön aus, wie er sich völlig gehen lässt. Mit einem Stöhnen, tief aus seinem Innersten, lässt er los und ich war selten glücklicher, zu spüren, wie mein Freund auf mir kommt.

Er küsst mich hektisch, bewegt sich weiter. Wie früher. Er weiß noch immer ganz genau, wie er mich am gezieltesten um den Verstand bringt.
»Schneller«, fordere ich keuchend. Simon beschleunigt sein Tempo, spannt seine Muskeln an. Ja, verdammt! Ich packe seine Hüften, dirigiere ihn. Es fühlt sich beinahe so an, als stieße ich von mir aus in ihn. Mein Griff wird stärker. Die Anspannung steigert sich immer noch. Bitte! Ich will endlich ...
Simon richtet sich auf und urplötzlich überwältigt mich mein Orgasmus. Ich schreie, wimmere, stammele irgendetwas. Simons Bewegungen werden ruhiger, sanfter, lassen dieses Hochgefühl perfekt ausklingen.
Ich ziehe an ihm, will ihn in meinen Armen halten. Für immer.
»Simon. Das war ... Ich ...« Ich schlucke. Meine Atmung überschlägt sich. Ich finde nicht die passenden Worte, aber er versteht mich offenbar auch so.
»Ich auch«, nuschelt er an meinem Hals.


Nach einer gefühlten Ewigkeit rutsche ich aus ihm heraus. Simon legt sich neben mich, streichelt unablässig meinen Oberkörper.
»Du hast nichts verlernt«, flüstert er.
Ich grinse. »Du auch nicht. Im Gegenteil.«
Er richtet sich ein wenig auf und stützt seinen Kopf auf seiner Hand ab. »Dann war es okay für dich?«
Ich schüttle den Kopf und lächle ihn an. Sein Blick ist skeptisch.
»›Okay‹ ist definitiv das falsche Wort. Es war umwerfend, unbeschreiblich ... einfach nur ... geil!«
Simon lacht auf und sieht so glücklich aus. »Ja, das trifft es ganz gut. Wo hast du nur dieses Gel her? Das ist klasse!«
Ich grinse lediglich.

»Sag mal, Simon.« Ich beiße mir auf die Unterlippe. »Wieso ... also ... Ich hätte nicht gedacht, dass wir so herum ...«
Sein Blick ist überrascht. »Warum denn nicht? Ich war schon immer lieber Bottom, wenn du dich erinnerst.«
Ich schlucke und nicke. »Ja, schon. Aber ich dachte ...«
Simon haucht mir einen Kuss auf die Lippen. »Du dachtest, nur weil du nicht mehr laufen kannst, bist du jetzt automatisch in der passiven Rolle?«
Ich merke, wie ich rot anlaufe.
»Du bist süß«, findet Simon. »Aber ich finde, dass dieser Umstand nicht unser Sexualleben bestimmen sollte.«
Ich schließe die Augen und spüre, wie eine Träne sich aus dem Winkel in die Freiheit kämpft. Er hat ja so recht.
Er legt sich wieder hin und kuschelt sich an mich.
»Simon?«
»Hm?« Er gähnt.
Ich schlucke. Mein Herz rast. Ich habe noch nie darüber nachgedacht, aber gerade jetzt gibt es nichts, das ich lieber wollen würde.
»Willst du mich heiraten?«
Unsicher schaue ich ihn an. Er grinst mit geschlossenen Augen.
»Nichts lieber als das.«
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