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Sanctuary – Window of Opportunity

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Helen Magnus Dr. Will Zimmerman Henry Foss Nikola Tesla
31.10.2014
08.01.2015
22
36.743
3
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31.10.2014 1.688
 
Prolog

„Man, ist das dunkel und stickig hier drin! Da ist ja sogar 'ne Hundehütte angenehmer!“ beschwerte sich der serbische Physiker, welcher seit mehreren Stunden seiner Freundin hinterher stapfte.

„Verdammt, nichts für ungut Tesla! Aber Sie gehen mir jetzt schon seit einer halben Ewigkeit auf den Zeiger! Ständig nörgeln Sie rum oder meckern am laufenden Band! … Ich halte das nicht mehr länger aus!“ warf der smarte Forensiker genervt ein, welcher ihm mit einem halben Meter Abstand, eisern und entschlossen, durch das unterirdische Ruinengewölbe folgte.
Ihm klebte aufgrund des tropischen Klimas und der Hitze, das kurze, braune Haar an der hellen Haut. Missmutig schob er sich die Brille auf der Nase zurecht und schulterte erneut den schweren Rucksack.

„Da muss ich Will rechtgeben! Keiner hat dich gebeten, mitzukommen! Du hast dich freiwillig dafür gemeldet, also musst du dich jetzt wohl oder übel damit abfinden, Nikola!“ schallte es von der hübschen, charismatischen Wissenschaftlerin, welche die nussbraune, lange Lockenmähne zu einem strengen Pferdeschwanz zusammengebunden hatte und in schwarze Wanderstiefel, Khaki-Shorts und einem dazu passenden Oberteil gekleidet war.
Sie hielt eine Taschenlampe in der einen und eine Karte in der anderen Hand.

„Genau! Außerdem ist es doch gar nicht mal so übel hier drin! Wenigstens ist es schön kühl! Und mit ein bisschen Farbe, Lampen und modischen Vorhängen…“, brachte sich der junge Technikspezialist, welcher das Werwolfgen in sich trug und dem Protegé beschwichtigend eine Hand auf die Schulter legte, aufmunternd mit ein.
„… Bleibt es immer noch ein modriges, finsteres Drecksloch!“ beendete das abnorme Genie erbost seinen Satz.

Helen Magnus, welche die Vorhut des Expeditionstrupps bildete, schüttelte amüsiert und sprachlos den Kopf.
Die resolute Dame mit der leicht gebräunten Haut und der ausgeprägten Wangenpartie, holte einen kleinen Kompass hervor und schaute mit der Taschenlampe, welche sie zwischen die Zähne nahm, auf das Pergamentstück.
Mit ihrem langgliedrigen, schlanken Finger, fuhr sie den Umriss eines eingezeichneten Weges nach und schaute sich dann, nach einem weiteren Blick auf das Gerät, ausführlich um.

„Ich hoffe, diese Eingeborenen haben uns mit der Karte nicht über den Tisch gezogen! Doc, das war doch 'ne verlässliche Quelle, oder? Denn meine Elektronik funktioniert hier unten leider nicht! Das heißt, wenns Probleme mit der Orientierung gibt, kann ich nichts tun!“ sprach Foss, fixierte seine Chefin interessiert und wartete bestätigend auf eine Antwort.
Völlig vertieft, ignorierte die Teratologin ihn und starrte nur weiterhin auf das Stück Papier.

„Magnus? … Das ist jetzt der Part, bei dem Sie sagen müssten: Ja, kein Problem! Die Karte ist zuverlässig, Henry! Mach dir keine Sorgen!“ fügte das Technikass wie selbstverständlich hinzu und beäugte die Unsterbliche unsicher.
„Wie weit ist es noch bis zur Grabkammer?“ fragte Zimmerman, welcher durch die Last des Gepäckstücks, die hinter ihnen liegende Anstrengung und den klimatischen Gegebenheiten, ebenfalls fix und fertig war und nun seine eisblauen Augen in die Richtung der Sanctuary-Leiterin schwenkte.
„Und ihr unterstellt mir, ICH würde NERVEN!?“ knurrte der Erfinder, zog die beiden Männer musternd, die Augenbrauen hoch, fuhr sich mit einer Hand durch das kurze, ebenholzschwarze Haar und trat neben die Kryptozoologin, welche abrupt stehen geblieben war.

„Helen?“
Er berührte vorsichtig ihre Schulter, was die Frau augenblicklich dazu veranlasste, ihre derzeit verwendeten Utensilien einzupacken, mit Ausnahme der Lichtquelle.
Dann bohrten sich ihre smaragdgrünen Augen, welche mit bernsteinfarbenen Sprenkeln versehen waren, anschließend in silbrig-glitzernde, aschgraue.
Zielstrebig und sich ihrer Sache sicher, ergriff sie autoritär und bestimmend das Wort:

„Laut der Karte, dürfte sich hinter dieser Weggabelung der Eingang zur Grabkammer befinden! Wir sind etliche Meter tief unter der Erde! Da ist es ganz klar, dass deine elektrischen Spielzeuge verrücktspielen, Henry!  Das hier ist ein riesiges Katakombensystem mit tausenden von Gängen, Winkeln und versteckten Türen! Es ist verzwickt, aber die Karte hat uns bisher immer richtig geführt, vertraut mir! Wir haben´s fast geschafft, Jungs! … Folgt mir!“
Der Werwolf und der Seelendoktor seufzten dankbar, die Erleichterung stand ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben, dann nickten sie ihrer Vorgesetzten wohlwollend und bereit zu.
Nikola murmelte ein kurzes, unverständliches Wort in Serbisch, dann schloss er sich den beiden Männern stillschweigend an.
Die autarke Brünette mit den britischen Wurzeln drehte sich um und ging tapfer den entsprechenden Weg entlang.
Wenige Minuten später hatten die Beteiligten ihr Ziel erreicht.

Dank Teslas intuitivem, durch die vampirischen Gene verstärkten und Wills Profiler-Gespürs, wichen sie zahlreichen, durch die Maya aufgestellten, uralten Speer- und Pfeilfallen aus und fanden schließlich einen geheimen, in einer Felswand versteckten Schalter, welcher eine dort eingelassene Tür öffnete.

„Unglaublich", entlockte es sich überwältigt und fasziniert der Kehle der Xenobiologin, welche sich nun in einer, mit einer Vielzahl an fremden Zeichen und Symbolen an den Wänden eingelassenen, exorbitanten Kammer widerfand.
Im Zentrum des größtenteils pompösen Grabmals, stand ein riesiger, steinerner Sarkophag.
„Ist nicht euer Ernst!? Krass“, äußerte sich Henry, welcher als letzter keuchend den Raum betrat und verblüfft seinen Blick durch die Gegend schweifen ließ.
„Kommt schon! Helft mir, ihn zu öffnen! Das Artefakt, muss darin sein!“ befahl die 159-Jährige, welche sich bereits mit ganzer Kraft gegen den massiven, schweren Deckel stemmte.
Das brilliante, physikalische Genie und der Geisteswissenschaftler, welche den Ort ebenfalls mit Ehrfurcht und großen Augen inspizierten, zögerten auch nur eine Sekunde länger und taten, wie ihnen aufgetragen wurde.
Mit vereinten Kräften, gab der Steindeckel schließlich nach und eröffnete den Blick auf einen uralten, staubigen, jedoch recht gut erhaltenen, in Stoff-, Seide- und Textilfetzen eingewickelten, toten Körper.

Doch das eigentlich Interessante, war der daneben befindliche Gegenstand:
Ein merkwürdig aussehender, steinerner Würfel mit kryptischen Inschriften auf den entsprechenden, kleineren Partien. Einige Hohlräume des Kubus, waren von unterschiedlicher Beschaffenheit und ähnelten keinem vergleichbaren, allseits bekannten Material.
Ungläubig starrten die Anwesenden in den Sarkophag.

„Ich hätte beinahe einen Pfeil in meinen Arsch bekommen! Wir sind stundenlang durch den Dschungel, die Hitze und diese dämliche Ruine gelaufen … und das alles nur für 'ne tote Mumie und einen Würfel? … Na toll! … Da wär ich doch lieber zu Hause geblieben und hätte dem Großen mit den Abnormen geholfen oder das System neu konfiguriert!“ entgegnete Foss enttäuscht und wandte sich ab.
„Sind Sie sich ganz sicher, dass es das ist? Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, was an dem Ding so toll sein soll?“ kam es von dem skeptisch dreinblickenden Protegé.
„Obwohl mir die folgenden Worte nicht leicht fallen, muss ich deinen Schoßhunden rechtgeben! …Die ganzen Strapazen nur für dieses generalüberholte, seltsame Objekt? Die hätten sich das Verstecken und die Fallen echt sparen können! Sowas würde ich nicht mal meiner Großmutter zum Geburtstag schenken, wenn ich noch eine hätte!“ rief der Vampir verächtlich.
Die Ursprungsblut-Trägerin lächelte, rollte dann mit den Augen, nahm den Würfel in die Hand und sagte in beharrlichem Tonfall:

„Na ja, das war nicht ohne Grund versteckt! Was es auch ist, wir sollten es genauer untersuchen! Laut den Einheimischen, geht von diesem Grabmal und der Ruinenstätte etwas Merkwürdiges aus! … Die Abnormenpopulation ist jedenfalls, seit über tausenden von Jahren, in diesem Gebiet gesunken und wer weiß, vielleicht liegt das ja an diesem Würfel! … Wir nehmen ihn mit! Die Leiche, lasse ich von einem zweiten Trupp abholen. Es ist geradezu erstaunlich und bemerkenswert, wie gut sie doch erhalten ist!  Vielleicht finde ich ja bei einer Obduktion raus, woran er oder sie gestorben ist. Lasst uns gehen!“

„Ja klar, als ob das kleine Ding für sowas verantwortlich ist! Sieht für mich eher wie ein unnötiger Briefbeschwerer oder ein Steinzeitspielzeug aus! Aber Sie sind der Chef! … Wow,  freu ich mich, wenn wir wieder aus diesem nasskalten, engen Loch draußen sind!“ meckerte der leicht klaustrophobische Seelsorger, zuckte mit den Schultern und setzte sich mit den anderen in Bewegung.
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Einen Tag später im Sanctuary…

„Hat Magnus nicht gesagt, Sie sollen das nicht anfassen!?“ rügte der pflichtbewusste, treue Forensiker den Serben, welcher sich in einem der Labore befand und an dem Maya-Würfel rumspielte.
Nikolas stahlgraue Augen hatten sich konzentriert auf das kleine, antike, mit kryptischen Inschriften und Symbolen versehene Objekt geheftet.
Mittlerweile hatte er es zum millionsten Mal gedreht und die verschieden, rauen Oberflächen akribisch mit dem Finger abgetastet.
„Ach komm schon!  Was ist denn dabei, wenn ich's mir mal genauer ansehe? Und überhaupt, das geht dich rein gar nicht an, Protegé! … Musst du nicht ganz dringend ein paar Akten ordnen oder jemandem die Minderwertigkeitskomplexe ausreden?“ stichelte er impertinent mit einem spitzbübischen Grinsen in die Richtung des jungen, schlanken Brillenträgers.
Er nippte genüsslich an seinem Glas Chardonnay, welches neben dem Kubus auf dem Tisch stand.  

„Oh,  so charmant und einfühlsam wie eh und je, unser lieber Graf Dracula! … Finger weg, verstanden!? Und hören Sie gefälligst auf, Magnus Weinkeller zu plündern! Alkohol hat doch eh keine Wirkung auf Sie! Sie sind ein gottverdammter und überaus lästiger Vampir!“ verteidigte sich Zimmerman .
Dann trat er mutig und in Rage, näher an den mit einem übermäßig hellen, porzellanfarbenen Teint gesegneten Mann mit den maskulinen, kühlen Zügen heran.
Eisblaue Augen bohrten sich wütend und mit einem aufloderndem Feuer, in aschgraue.
„Und wenn ich's nicht tue? … Was willst du schon dagegen machen? Mich an Helen verpetzen oder vielleicht in eine Gummizelle einsperren?“ legte der Erfinder provokant nach und zwinkerte frech.
Demonstrativ hielt er ihm den Würfel hin.
„Du willst ihn? Dann komm und hol ihn dir!“

Gerade als Will danach greifen und ihm den Gegenstand damit entreißen wollte, zog ihn der unsterbliche Vampir mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck weg.
Ein schallendes, überlegenes Lachen ertönte sogleich.
„Och, du musst schon ein wenig schneller sein, Jüngelchen!“ riet ihm der Physiker amüsiert.
„Mistkerl! Okay, jetzt reicht´s!“ schrie der Jüngere und stürzte sich augenblicklich mit einem Sprung auf sein Gegenüber.
Von der Reaktion des sonst so ruhigen, friedfertigen und stets gelassenen Mannes überrascht, strauchelte der Vampir und ging mit Zimmerman zu Boden.
Nur mit Mühe gelang es dem Serben, seine Verwandlung zu unterdrücken, während er weiterhin verzweifelt verhinderte, dass ihm das Artefakt entrissen wurde.
Plötzlich bewegte sich eines der integrierten, rauen, winzigen Steinfelder des Kubus.
Es drehte sich und rastete mit einem mechanischen Klicken, in einem der leer stehenden Hohlräume ein.
Auf einmal begannen sich die Symbole blau zu verfärben und leuchteten in einem grellen Licht auf.
Geblendet und perplex, verfolgten die beiden Erwachsenen das Spektakel.
„Was … hast du getan?“ zischte Tesla, bevor er und der Seelendoktor in einen gleisenden Lichtkegel gehüllt wurden…
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