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Blutrote Lilie

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
31.10.2014
12.12.2014
14
100.556
7
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31.10.2014 8.377
 
Kapitel VII.


"Scheiße!" Sauer schlug Rex auf das Lenkrad seines Wagens ein. Vor wenigen Minuten hatte er einen Anruf vom Boss erhalten. Er sollte sofort zu ihr kommen. "Das kann nichts Gutes bedeuten", sagte er zu Skin, der mit ihm zusammen zu dem unliebsamen Termin fuhr. "Wenn bei Gina das Wort sofort fällt, dann ist die Kacke am dampfen."
"Warte es doch erstmal ab. Vielleicht ist das nur wieder einer ihrer Psychotricks. ... Willst du die anderen beiden nicht abholen?"
"Nein. Walker geht nicht ans Telefon und Shock ... Du kennst ihn ja. Ehrlich Skin. Dieser Freak macht mir langsam echt Angst."
Skin schmunzelte leicht. "Nicht nur dir, alter Freund. Dieser Spinner läuft bald selbst nur noch auf Batterie. Bestimmt schließt er sich jede Nacht an ein Ladegerät." Rex grinste und brachte seinen Wagen am Straßenrand neben Ginas Establishment zum Halten.
Skin konnte ihn immer aufmuntern. Leider hielt seine gute Laune nicht lange an. Nicht, nachdem er die Eingangstür des Clubs im Visier hatte. "Dann mal in die Höhle der Löwin", grunzte Rex.
"Soll ich hier warten?" Rex dachte kurz über Skins Frage nach.
"Nein. Komm lieber mit." Mit ihm an seiner Seite fühlte er sich etwas sicherer. Dieser Schlange konnte man nicht trauen.
Diesmal musste Rex noch nicht mal anklopfen. Ihnen wurde sofort die Tür geöffnet, kaum dass sie aus dem Auto gestiegen waren. Ein Umstand, den Rex noch misstrauischer werden ließ.
Der Club war heute Abend nicht gut besucht. Nur drei Kerle teilten sich den Platz an der Bar. Sie waren umringt von Frauen, die sich ihnen willig anboten. Leise Musik trällerte aus den Boxen und der Barkeeper spülte gelangweilt ein paar dreckige Gläser. "Ah! Meine treue Nummer zwei! Und du hast gleich einen deiner Jungs dabei. Das kommt mir sehr gelegen. Die anderen zwei sind verhindert?" Mit einem süßlichen Lächeln kam ihr Boss eilig auf sie zu. Kein gutes Zeichen. Und wieder kam es Rex so vor, als wüsste sie mehr als er. Als würde sie etwas vor ihm verheimlichen.
Ihm gefiel Ginas arrogantes Auftreten nicht, und auch wenn er aufpassen musste was er in der Gegenwart seines Bosses sagte und tat, einen bissigen Unterton konnte er sich nicht verkneifen, als er ihr antwortete. "Keine Ahnung. Sie müssen sich nicht bei mir an- oder abmelden."
"Tja. Da sieht man mal wieder, dass du deine Leute nicht im Griff hast und wie ahnungslos du doch in Wahrheit bist", erwiderte sie giftig und bestätigte Rex' Befürchtungen. Er schluckte hart. Mehrmals. Dieses Flittchen wusste doch wohl nicht tatsächlich Bescheid über ihren Plan? Das konnte eigentlich nicht sein. Niemand wusste davon. Nur er und Skin. Es war ihr Plan, den sie vor keiner Menschenseele ausgeplaudert hatten. Was war hier nur los?
Angespannt ballte Rex seine Hände zu Fäusten. Auch Skin, der direkt an seiner Seite stand, versteifte sich und ließ seine Muskeln spielen. "Was meinst du damit Boss?", fragte er möglichst beherrscht. Es brachte gar nichts jetzt auszurasten. Gina war umgeben von ihren Leuten. Dagegen hatten sie beide keine Chance. Sollte es hier und jetzt eskalieren, hatten Skin und er die Arschkarte in diesem Spiel gezogen. Und wer weiß? Vielleicht war diese Schlampe ja nur darauf aus, dass Rex einen Fehler begann, und sie ihn um die Ecke bringen lassen konnte.
Doch falls ja, dann anscheinend nicht jetzt. Einer von ihren Männern trat an sie heran und legte ihr einen dünnen Mantel über die Schultern. "Wisst ihr was? Das solltet ihr besser selbst in Erfahrung bringen. Leo? Bring uns doch bitte zu Rex' zwei kleinen Freunden, ja?" Ginas Blick bohrte sich in Rex'. Das klang gar nicht gut! Überhaupt nicht.

Rex und Skin wurden zusammen mit ihrem Boss in einem protzigen BMW zu Walkers Wohnung kutschiert. Mit gemischten Gefühlen schaute Rex auf das fast schon lächerlich, idyllisch gelegene Haus Walkers. Dieser Trunkenbold lebte wie ein langweiliger Vorstadt-Daddy. Seine Kinder allerdings, die standen in Reih und Glied einsortiert in einem Schnapsregal. "Bitte aussteigen die Herren." Gina stieg als erste aus, die beiden folgten ihr misstrauisch.
Hier lief irgendeine kranke Scheiße ab, das wurde Rex immer deutlicher. Denn wieso sonst bemühte sich der Boss selbst zu Walkers Wohnung zu fahren, nur um Skin und ihm etwas zu zeigen? Ganz sicher nicht, um mit den dreien einen guten Scotch zu trinken. Was also war hier so interessant, dass diese Schlampe selbst ihre kostbaren Designerschuhe in Walkers verranzte Bude setzte?
Drinnen in der Wohnung roch es unangenehm nach Alkohol und irgendwie süßlich, was Rex' Unwohlsein noch verstärkte. Außerdem war es stockdunkel hier. Das einzige Licht kam aus der Richtung des Wohnzimmers, wo sich der ganze Zauber abzuspielen schien.
Ginas Männer hatten sich im Flur versammelt. Eine beachtliche Anzahl von ihnen. Anscheinend waren sie schon vorher hier gewesen. Sie standen im schmalen Flur und wirkten wie eine Armee beschissener Film-Bodyguards. 'Oder einem Tötungskommando', schoss es Rex in den Sinn.
"Nach euch." Der Boss hielt ihre Hand einladend ausgestreckt und Rex schob sich wohl oder übel an ihr vorbei, sehr darauf bedacht, Ginas Männer nicht aus den Augen zu lassen. Doch keiner von ihnen sah so aus, als wolle er ihm hinterrücks in den Rücken schießen.
Je näher Rex dem Zimmer kam, in das Gina gedeutet hatte, wurde der Alkoholgeruch immer stärker und vermischte sich mit diesem anderen widerlichen Geruch, von dem Rex hoffte, er würde von einem toten Tier stammen. Jedoch wurde er sich mit jedem weiteren Schritt sicherer, woher die Quelle dieser beiden Gerüche stammte: Hier ging es nicht darum, ihm oder Skin Angst zu machen, oder die um die Ecke zu bringen. Hier ging es um was ganz anderes. Etwas, das Rex die Galle hochkommen ließ. Denn, wie er es sich schon gedacht hatte: Die beiden widerlichen Gerüche kamen von Walker.
Skin betrat vor ihm die Szenerie, beschaute etwas auf dem Boden und blieb kopfschüttelnd stehen. Rex trat neben ihn und starrte auf einen mehr als toten Walker nieder. "Ach du Scheiße!" Besser hätte Rex es nicht sagen können. "Wer war das?!", fragte Skin donnernd und zeigte auf Walkers Leichnam.
"Meine Hände sind rein", trällerte ihr Boss und stolzierte nun ebenfalls ins Wohnzimmer. Sie spazierte um Walkers leblosen Körper herum und blieb mit einem schäbigen Grinsen im Gesicht zwischen den hier aufgestellten Lampen stehen.
"Fuck! Welcher Gestörte macht denn so was?!", presste Rex sauer hervor. Der Anblick vor ihm hätte ihn fast würgen lassen. Mit den Flaschenhälsen voran, hatte jemand Walker lauter Glasflaschen in den Rachen gestopft. Andere lagen um seinen Kopf herum verteilt. Der Alkohollache um seinen Kopf nach zu urteilen, waren die Flaschen vorher alle gefüllt gewesen.
"Er muss erstickt sein", schlussfolgerte Skin und hockte sich vor den Leichnam.
"Entweder das, oder er konnte den Hals mal wieder nicht voll genug bekommen." Gina begann über ihren eigenen 'Witz' schallend zu lachen. Diese arrogante Schlampe! Einer seiner Männer lag hier, tot und auf verstörende Weise zur Schau gestellt, und sie war noch zu Scherzen aufgelegt! Walker mag ein versoffener Drecksack gewesen sein, aber das hatte er nicht verdient!
Wütend schlug Rex gegen die kleine Kommode, die rechts neben ihm stand. "Wer zum scheiß-verkackten Geier war das?!", brüllte er und presste seine Kiefer aufeinander.
"Ich hatte gehofft, dass du mir das sagen kannst", wisperte Gina und legte ihren Kopf schief.
"Woher soll ich das wissen?!", plärrte er die Blondine sauer an. Irgendwann war auch seine Beherrschung mal zu Ende.
"Hätte ja sein können." Sie zuckte unschuldig mit den Schultern. "Dann fahren wir eben weiter zu Mr. Shocker. Möglicherweise kann er dazu beitragen" sie schnickte mit ihrem Zeigefinger gegen einen Lampenschirm "etwas Licht ins Dunkle zu bringen." Lässig schritt sie an ihm und Skin vorbei, sichtlich unbeeindruckt von Walkers Leichnam, und steckte sich eine Zigarette an, bevor sie sich auf den Weg nach draußen machte. Klackernd entfernten sich ihre Schritte, wobei man hörte sie Anweisungen bellen hörte, die sie ihrem Fahrer Leo zufauchte.
Arrogante Ziege! Und was sollte jetzt denn aus Walker werden? "Wir können Walker doch nicht einfach so liegen lassen!" Rex schaute sich seinen ehemaligen Kumpel an. Das hatte er wirklich nicht verdient.
"Das erledigen meine Leute schon", rief Gina ihnen lapidar zu. "Kommt jetzt! Ich habe nicht ewig Zeit."
Skin packte Rex am Arm und zog ihn aus dem Wohnzimmer, da er sich immer noch nicht vom Fleck bewegte. "Wir können hier nichts mehr tun."
Wütend riss Rex sich von seinem Kumpel los. "Nichts mehr tun?! Ich will diese Mistsau, die das getan hat!" Rex brüllte und deutete mit ausgestrecktem Finger in das Wohnzimmer. Er konnte nicht fassen, dass einer seiner Männer einfach so um die Ecke gebracht worden war. Egal wie besoffen Walker oftmals gewesen war, mit ihm war niemals zu spaßen gewesen. Er konnte kräftig zuschlagen, selbst noch nach einer so großen Menge Hochprozentigen, die andere schon längst aus den Latschen gekippt hätte.
"Rex! Das werden wir schon herausfinden. Beruhige dich."
"Beruhigen?!"
War Skin erst noch beherrscht gewesen, schnappte er sich Rex nun am Kragen und drückte ihn gegen die Wand. "Bleib, verdammt noch mal, ruhig!" Rex wusste, dass Skin recht hatte. Deshalb nahm er sich zusammen und nickte, auch wenn es ihm nicht gefiel. "Gut. Kluge Entscheidung." Skin ließ ihn los und ging voran.
Noch einmal betrachtete Rex Walker, und prägte sich seinen Anblick genau ein. "Das wird mir der Schweinehund büßen, der dir das angetan hat. Das verspreche ich dir Walker."


Skin saß schon im Wagen, als Rex sich endlich im Türrahmen blicken ließ. Langsam ging er die Treppe hinab, wobei er ihn genau beobachte. Rex sah mitgenommen aus. Das veränderte so einiges. Vielleicht beschleunigte es sogar die Dinge, auf die er wartete. "Was werden wir bei Shock finden?", fragte er den Boss, ließ Rex dabei weiterhin nicht aus den Augen. "Das, was ich erwarte?"
"Was erwartest du denn?", wurde er von Gina gefragt.
"Einen riesen Haufen Scheiße."
"Da könntest du Recht behalten, mein lieber Skin", antwortete ihm Gina. "Doch es könnte uns helfen, die Dinge zu beschleunigen."
"Du liest meine Gedanken, Boss", flüsterte Skin und rieb sich das Kinn. Er könnte sich mal wieder rasieren.
Gina lachte humorlos und zog an ihrer Zigarette, ehe sie ihm zuzwinkerte und den Rest des Glimmstängels aus dem offenen Fensters warf. "Du hast die Adresse?"
"Ja. Darf ich erfahren, wieso ich sie herausfinden sollte?"
Gina lächelte vielsagend. "Das wirst du gleich sehen." Skin überlief es heiß. Wie schön sie doch war. So eiskalt und unbezwingbar. Eine Frau, die ihm voll und ganz gewachsen war.

*

Fassungslos lehnte sich Rex gegen die Wand hinter ihm. Er hielt die Augen geschlossen und musste erstmal durchatmen. 'Wer tut so was?' Mit vielem hätte er gerechnet, nur nicht mir so etwas! Walker hatte schon ... verstörend ausgesehen. Doch Shock! Nein. Der, der das getan hatte, war genauso ein Irrer wie es sein Kumpan hier einst gewesen war.
"Nun Rex? Eine Vermutung wer das getan haben könnte?" Sein Boss stellte sich neben ihn. Er konnte das süßliche Parfum riechen, das sie immer trug. Ihm wurde übel. Noch übler, als es ihm sowieso schon war.
"Irgendein Irrer! Was weiß ich?!" Rex wagte es nicht, seine Augen zu öffnen und lehnte sich weiterhin schwankend an die Wand. Er hatte schon viel gesehen, gerade Shocks 'Arbeit' konnte einem die Galle hochkommen lassen. Aber das?!
"Kleiner Tipp meinerseits?"
"Willst du mich verarschen Boss?" Das konnte nicht ihr Ernst sein! Was wusste diese Schlampe denn noch alles? Und woher wusste sie, dass zwei seiner Männer tot waren, noch bevor er es gewusst hatte?
"Nicht im Geringsten. Aber ich mag kleine Rätsel." Die Kuh hatte Nerven! Ständig machte sie Scherze! Angesichts dessen, was noch von Shock über war, war das einfach nur pervers! Konnte diese eiskalte Schlampe nicht mal damit aufhören? "Auf Shocks Stirn, oder besser gesagt, was davon noch übrig ist, hat der Mörder einen Hinweis hinterlassen." Einen Hinweis?! "Wie in einem Sherlock Holmes Roman! Richtig aufregend." Oh diese ...
"Fuck!"
"Ach bitte Rex! Ich dachte, du willst herausfinden wer das getan hat. Dann schnapp dir den Hinweis und löse das Rätsel um den düsteren Mörder, der deine Männer auf dem Gewissen hat."
Rex atmete tief ein, öffnete die Augen, sah Shocks Überreste und schloss sie wieder. Er wollte sich seinen gegrillten Kumpel nicht noch mal anschauen! Und erst recht nicht wollte er die wenigen Schritte auf das Bett zugehen und dem entstellten Körper Shocks einen dämlichen Hinweis von der Stirn zupfen! "Skin? Kannst du ..."
"So ist's brav. Die Drecksarbeit immer dem Personal überlassen", griff ihn sein Boss unterschwellig an. Rex schwieg. Ihm war jetzt vollends zum Kotzen zumute. Und das sollte was heißen.
"Ich schau nach." Er hörte Skins schwere Stiefel auf dem Holzboden, die kurz danach wieder anhielten. Etwas knisterte leise, dann kam Skin auf ihn zu. "Ein Zeitungsartikel. Von diesen Schwuchteln, die wir vor einiger Zeit am Wickel hatten." Rex öffnete seine Augen wieder, darauf bedacht, ja nicht auf das Bett zu schauen. "Einer hat überlebt, steht hier. Wusstest du das?"
"Nein." Woher auch? Es war ihm egal gewesen. Er hatte noch nicht mal gewusst, dass einer von diesen Schwuchteln gestorben war.
"Ah! Ich liebe gute Ermittlungsarbeit!", lachte Gina und überflog den Artikel interessiert. "Das war ... Oh! Vor genau einem Jahr. Wie poetisch."
"Was soll das?" Rex kapierte so langsam gar nichts mehr.
"Ist das nicht klar?", fragte Gina ruhig. Doch dann änderte sich ihre Gemütslage schlagartig. Sie packte Rex im Nacken, schleifte ihn mit einer beachtlichen Kraft ans Bett, wo Shocks Überreste lagen und zwang ihn, seinen ehemaligen Kumpan anzusehen. "Du dämlicher Bastard! Einer der beiden hat überlebt! Was ist daran nicht zu kapieren?! Die dreckige Schwuchtel plant einen Rachefeldzug gegen dich und deine kleinen Freunde." Rachefeldzug?! "Ich will, dass du das regelst und diese kleine Tucke aus dem Weg schaffst, verstanden?"
"Ja ..." Rex Mageninhalt wollte raus. Und zwar dringend.
"Gut. Denn diese Scheiße, dir ihr da veranstaltet habt, die kann ganz schnell auf mich zurückfallen, jetzt da ihr für mich arbeitet. Außerdem scheint dieser Rächer zu wissen wer ihr seid, und auch wo er euch finden kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er oder die Bullen auf mich aufmerksam werden. Und das kann ich mir nicht leisten! Und du erst recht nicht, REX!"
"Auf dich? Aber da waren wir doch noch gar nicht ..."
"DAS IST SCHEIßEGAL! IHR GEHÖRT ZU MIR! ALSO WIRD MAN ÜBELALL SAGEN, MEINE MÄNNER SIND UNFÄHIG UND LASSEN SICH VON KLEINEN SCHWUCHTELN UMLEGEN!" Gina atmete aufgebracht und drückte ihre Lippen gegen Rex' Ohr. Ihre Stimme nahm einen gefährlich leisen Tonfall an, als sie fortfuhr. "Und wie ich das hier so sehe, hat der kleine Arschficker mehr Eier in der Hose als du." Gina stieß Rex vor sich, der sich geradeso abfangen konnte, um nicht auf Shocks Leichnam zu fallen.
Das war zu viel für Rex' Magen. Geräuschvoll erbrach er sich neben dem Bett.
Angewidert verzog sein Boss den Mund und wandte sich an Skin. "Bringt mir den Kerl, der das veranstalten hat. Lebend und an einem Stück."
"Geht klar."
"Und schaff Rex hier raus, bevor er mir noch meine guten Stiletto vollkotzt."
Rex wurde von Skin auf die Beine gezogen. "Komm mit. Hauen wir ab."
"Das war keine Glanzleistung von mir", sagte Rex, als sie draußen außer Hörweite waren.
"Nicht wirklich."
"Scheiße."
"Das biegen wir wieder hin." Rex bezweifelte dies. "Du hast den Boss gehört. Wir müssen diesen Typen finden."
"Nein." Trotz seinem Gekotze lief Rex' Hirn auf Hochtouren. "Der Mistkerl wird zu uns kommen. Da bin ich mir sicher."
"Vielleicht. Aber ich weiß wo er wohnt."
Erstaunt sah Rex seinen Kumpel an. "Woher weißt du das?"
"Ich weiß so gut wie alles", grinste Skin und zündete sich eine Zigarette an. "Holen wir ihn uns und rücken unseren Ruf wieder zurecht."
Rex begann leise zu lachen. Das waren doch endlich mal gute Neuigkeiten an diesem mehr als beschissenen Tag!

***

Noch im Halbschlaf lag Dale auf dem Rücken und konnte durch seine geschlossenen Augenlidern erkennen, dass draußen die Sonne schien. Zufrieden seufzte er auf und fing an zu kichern. Etwas kitzelte ihn an seinen Kniekehlen. Nein. Nicht etwas. "Adam?"
"Hm?"
"Was tust du da?"
"Dunch gismm."
Lachend streckte Dale seine Muskeln. "Ich kann dich nicht verstehen. Komm unter der Decke raus und hör auf dich darunter zu verstecken, dass klappt eh nicht. Dazu bist du viel zu groß und zu schwer." Unter der Decke brummte es bloß dumpf. Dale fing an zu grinsen, blinzelte sich den Schlaf aus den Augen und schaute vor sich. Die Bettdecke wölbte sich verdächtig und Adam, der darunter auf Tauschstation ging, begann Dales Haut mit seinen Lippen zu necken.
Dale biss sich auf seine Unterlippe, stöhnte leise und genoss die zärtliche Behandlung seines Freundes. Der war gerade geschickt dabei, sich weiter nach oben vorzuarbeiten. Adam saugte an seinen Leisten, tauchte mit der Zunge in Dales Bauchnabel, züngelte über seinen Bauch hinauf zu seiner Brust und knabberte an den schon längst erhärteten Brustwarzen. Vertraute Hände streichelten gekonnt über seine empfindlichsten Stellen und hinterließen eine Gänsehaut auf seiner Haut.
Es dauerte nicht lang, da lugte Adams dunkler Haarschopf unter der Decke hervor. Dale vergrub seine Finger in den dichten Haaren und kraulte sanft die Kopfhaut. Grinsend kam nun auch das Gesicht seines Freundes zum Vorschein. "Und? Endlich wach?"
"Mehr als das." Dales Stimme klang heißer.
"Ich spüre es", wisperte sein Babe, tauchte erneut ab und umschloss Dales wachsende Männlichkeit.
"Oh Adam ...!" Dale bog den Rücken durch und stöhnte haltlos. "Lass mich nie wieder los …"
Abb. -07.1-


"Herr Greev? Frühstück!" Rüde wurde Dale aus seinem herrlichen Traum geweckt. "Bitte sehr. Damit sie wieder zu Kräften kommen." Die rundliche Krankenschwester lächelte ihn freundlich an und eilte wieder hinaus zu dem nächsten Patienten, den sie aus wunderschönen Träumen reißen konnte.
"So ein Mist!" Grimmig starrte Dale auf die zwei Brötchenhälften, wegen denen er geweckt worden war. Dick mit Butter beschmiert und wahlweise mit Käse oder Marmelade belegt. Ihm wurde übel. Egal was er sich gestern noch vorgenommen hatte, diesen Fraß bekam er bestimmt nicht hinunter. Einzig vom Früchtetee genehmigte er sich einige Schlucke. Heiß aber fade rann er seiner Kehle hinunter. Da konnte man gleich heißes Spülwasser saufen!
Dales Gedanken kehrten zu seinem Traum zurück. Wie sollte er das überstehen? Ihn zerfraß die Sehnsucht und er wusste schon jetzt, dass er seine guten Vorsätze niemals würde einhalten können. Fast hätte er den Tee verschüttet, als er die Tasse wieder auf sein kleines Tischchen abstellte. Seine Hände zitterten. 'Ich muss hier raus!' Er brauchte dringend frische Luft um einen klaren Kopf zu bekommen. Und das konnte er hier im Krankenhaus nicht. Hier suchten ihn nur die Erinnerungen heim. Meist nicht die Schönen, wie eben. Es waren die Erlebnisse, die vor einem Jahr geschehen waren, die sich ihm immer wieder aufdrängten. Die Krankenhausatmosphäre war daran schuld. Wie konnten andere hier nur gesund werden?
Sicher kamen Laurel und Sky ihn bald besuchen, und brachten ihm seine Kleidung vorbei. Wenn er die hatte, hielt ihn hier nichts mehr. 'Vielleicht wäre es besser, ich esse wenigstens eine Hälfte des Brötchens.' So machten sich die beiden bestimmt sofort weniger Sorgen um ihn und gingen beruhigter nach Hause. 'Und vor allem eher.' Er wusste eben ganz genau, wie er seine Freunde manipulieren konnte. Kein Wunder. Mittlerweile hatte er genug Erfahrungen damit gemacht, wie man sich brav in Krankenhäusern verhielt und was man von ihm erwartete, dass einen die Ärzte und Schwestern in Ruhe ließen. Er musste jetzt ein braver Patient sein und das tun, was man ihm sagte. Und was die Schwestern beruhigte, beruhigte auch Laurel und Sky.
Entschlossen schnappte sich Dale eins der Brötchen und zwang es sich hinunter. Jetzt nur nicht kotzen!

*

Immer wieder dachte er an diesen Moment zurück. Diesen einen Moment, in dem seine ganze Welt zusammenbrach, wie ein Kartenhaus, das von einem Wirbelsturm erfasst wurde. Dieser Moment, in dem er erfahren hatte, dass Adam nicht überlebt hatte.
Dale spürte noch immer die Atemnot, die Verzweiflung und die Taubheit in seinen Glieder, die diese Nachricht bei ihm ausgelöst hatte. Es hatte ihm schier die Sinne geraubt. Wenn man so unter Schock stand, dann glaubte man zuerst keine Luft mehr zu bekommen, und im nächsten Moment möchte man nur noch schreien. Schreien und schreien und schreien, weil einem das Herz drohte in zwei zu reißen. Das konnte sich niemand vorstellen, der das noch nie erlebt hatte.
Er hielt es einfach nicht mehr aus. Er konnte nicht mehr, wollte dem allen nur noch entfliehen und nie wieder über das Vergangene nachdenken. Es ging ihm schlecht. Mehr als das. Er hatte jedes bisschen Kraft und jeden Lebenswillen verloren.
Mittlerweile schaffte er es kaum noch aus seinem Bett. Zur Physiotherapie ging er schon lange nicht mehr. Wozu überhaupt noch laufen können, wenn man sowieso nur im Bett lag? Bis auf seinen allabendlichen Gang zum Friedhof, den er gerade so packte, tat er doch nichts mehr anderes. Im Grunde wollte er doch eh viel lieber dort sein, bei ihm. Bei seinem Adam. Wieso dann nicht gleich für ewig zu ihm gehen?
'Ich habe in dieser Nacht meinen Partner verloren. Meinen Seelenpartner. Meine große Liebe. Warum sollte ich jetzt noch weiterleben wollen?'
Dales Sicht verschwamm, als er sich mit Adams Brief und seinem Lieblingsbild von ihm auf das Bett setzte. Kerzen brannten, leise Musik lief. So, wie es Adam immer gefallen hatte, wenn sie beide hier zusammen ... Dale schluchzte laut auf. Körperliche Schmerzen vergingen irgendwann, oder man gewöhnte sich an sie. Doch das, was seine Seele seit diesem furchtbaren Abend aushalten musste, war einfach zu viel für ihn. Es tat so weh! 'Nicht mehr lange', versprach er sich. Heute würde er es wagen. Endlich hatte er den Mut dazu, die Gleichgültigkeit gegenüber seinem Leben, die er brauchte, um sich die Rasierklinge anzusetzen.
Sie lang schon fein säuberlich neben ihm, genau wie die Flasche billigen Fusels, den er ganz hinten im Schrank gefunden hatte. Die hatte Laurel bei seiner Säuberungsaktion wohl übersehen. Der Schnaps schmeckte allerdings widerlich. Konnte Alkohol schlecht werden? Eigentlich war es doch gleichgültig. An einer Vergiftung durch altem Fusel starb er ganz sicher nicht. Vorher würde all sein Blut aus seinem Körper gepumpt sein.
Noch einmal trank er mehrere große Schlucke aus der Flasche, verzog das Gesicht ehe er sie neben sich auf das kleine Schränkchen stellte und las zum millionsten Mal den Brief durch. Er hoffte diesmal darin etwas zu finden, dass ihm irgendwie weiterhelfen konnte, doch da war nichts. Die tröstenden Worte seines Partners halfen nicht. Wie auch? "Es tut mir leid, Adam. Ich bin nicht so stark wie du. Ich kann nicht mehr ohne dich", schluchzte er, als er ihn ganz durchgelesen hatte und den Brief an sich drückte, während er das Foto anschaute, das schon ganz zerknittert auf seinem Kopfkissen lag. "Bitte verzeih mir." Der Brief segelte auf seinen Schoß, als er die Rasierklinge nahm. "Ich liebe dich, Adam. ... Noch nicht mal die Hölle kann mich jetzt noch aufhalten." Er setzte die Klinge an und schnitt. Er spürte es noch nicht mal. Lag es an dem Alkohol, oder daran, dass er schon so lange nichts mehr gespürt hatte? Nichts außer Wut, Trauer und Verzweiflung? Welchen Grund es auch immer hatte, was machte es noch für einen Unterschied?
Lautlos schaute er dem dunkelroten Blut zu, das aus seinen Adern quoll. Wie es an seinen Unterarm hinab rann und dicke Bahnen auf die helle Haut zeichnete. Zufrieden lehnte er sich zurück. "Gleich Adam. Gleich ist mein Körper genauso tot wie meine Seele." Ein letzter Blick auf Adams Gesicht, das ihn von vergangener Zeit her anlächelte, und dann senkten sich seine Lider. Sie waren plötzlich so schwer …
Dale schwebte. Er hatte das Gefühl diesem sinnlosen, einsamen Leben endlich zu entkommen. Und er war glücklich. Das erste Mal, seit jenem Abend, an dem er Adam verloren hatte, fühlte er dieses Gefühl. Er schwebte weiter empor, bis etwas vor ihm auftauchte. "Adam ...?" War er hier? Er öffnete die Augen. Er hätte mit allem Möglichen gerechnet. Mit Feuer, Wattewölkchen, von ihm aus auch einer blühenden Wiese. Aber nicht mit dem hier!
Laurel schwebte über ihm, schaute sorgenvoll und strich über seine Stirn. Was er sagte verstand er nicht. Sah nur die Lippenbewegungen. Wo war er? Noch im Bett? Dann war er noch gar nicht tot! Und wenn das so war, dann musste Laurel sofort von hier verschwinden! Niemand durfte ihn daran hindern, seinen letzten Weg zu gehen! "Geh ... Ich muss ... Adam ..." Das reden viel ihm schwer. Ebenso wie seine Augen offen zu halten. "Lass mich ..." Dale versuchte loszulassen. Sich von seinem tonnenschweren Körper zu lösen, der ihn an sein trostloses Leben heftete. Es half. Er versank und um ihn herum wurde es dunkel.
'Endlich ...'

Das Nächste das er mitbekam, war ein helles Licht. 'Ich habe es geschafft!' Er öffnete die Augen und ... Eine Deckenlampe strahlte ihr kaltes Licht auf ihn.
Konfus schaute er sich um. Weiße Wände, bestückt mit hässlichen Kunstdrucken. Weiße Vorhänge, ein Tisch mit zwei Stühlen vor einem schmucklosen Fenster. Er war in einem Krankenhaus! Völlig verzweifelt guckte er an sich hinab, sah seinen verbundenen Arm, die Infusionsnadel und die furchtbar weiße, sterile Bettwäsche in der er eingebettet lag. Direkt neben ihm, auf einem Stuhl, wachte Sky über ihn, der allerdings eingenickt war.
'Oh nein, nein, nein! Das darf nicht wahr sein!' Dale hätte schreien können, hätte er die Kraft dazu gehabt. So verließen nur feuchte Tränen seine Augen und er fing an leise zu schluchzen.
"Dale, du bist wach!" Sky, von den Lauten aufgeschreckt, setzte sich auf. "Du hast uns eine riesige Angst eingejagt!"
Obwohl Dale enttäuscht und sauer war, dass sie seinen Versuch, sich das Leben zu nehmen vereitelt hatten, konnte er nicht böse auf Sky sein. "Das wollte ich nicht", krächzte er und meinte damit nicht seinen Selbstmordversuch, sondern Sky, der fertig und müde aussah.
"Aber wieso hast du das dann gemacht?! Verflucht Dale! Wir sind doch immer für dich da! Rede mit uns, wenn dich was bedrückt!" Angst und Kummer lagen in dem Blick seines Freundes. Sky hatte es nicht verdient, wegen ihm so zu leiden. Ebensowenig wie Laurel. Das wurde ihm zum ersten Mal bewusst. Doch was sollte er machen? Er konnte sich doch nicht sein restliches Leben lang verstellen und auf glücklich machen, nur damit es seinen Freunden besser ging.
"Ich kann nicht mehr, Sky", sagte er deshalb und hoffte, dass er es verstehen würde. "Ich halte das nicht mehr aus. Wieso könnt ihr mich nicht einfach gehen lassen?"
"Weil wir dich lieben und du verdammt wichtig für uns bist", erwiderte Sky. "Und Adam würde uns das Fell über die Ohren ziehen, wenn wir dich sterben lassen würden. Er wollte, dass du lebst! Versteh das doch endlich!" Dale wusste nichts mehr darauf zu erwidern. Er schämte sich sogar ein Stück weit dafür, dass Sky sich dazu genötigt sah, es ihm nur so verdeutlichen zu können, wie wichtig ihnen die Freundschaft mit ihm war. "Laurel war total fertig." Skys Stimme wurde ganz leise und er senkte den Kopf. "Da war so viel Blut, Dale. Wir dachten, jetzt verlieren wir dich auch noch." Dale schloss die Augen. Das wollte er nicht hören! "Bitte versprich mit, dass du das nie wieder tust. Versprich es mir Dale, damit ich wieder ruhig schlafen kann."
Was hätte er darauf erwidern sollen? Die Wahrheit, dass er es ihm nicht versprechen wollte, weil er genau wusste, dass er dieses Versprechen nicht halten konnte, oder ihn belügen und seine Nerven beruhigen? "Es tut mir leid, Sky", sagte er schließlich und langte nach seiner Hand. "Aber hier hält mich nichts mehr." Dale war sich bewusst, was er seinem Freund damit antat. Aber er wollte ihn nicht belügen.
Das Gesicht seines Freundes verfinsterte sich. Feuchte Augen funkelten ihn enttäuscht an. "Du bist ein Feigling, Dale!", rief Sky wütend und stand auf. "Meinst du dadurch würdest du Ruhe finden? Was, wenn es nicht so ist? Vielleicht ist nach dem Tod ja gar nichts! Nur Leere?! Und wenn es wirklich eine Hölle oder einen Himmel gibt? Was, wenn du dort und Adam da ist? Was dann?"
"Dann macht es keinen großen Unterschied, ob ich lebe oder tot bin. Wir sind dann sowieso voneinander getrennt." Dale meinte die Worte so, wie er sie gesagt hatte. Ob lebend oder tot, für ihn war es die Hölle, von Adam getrennt zu sein.
"Scheiße Dale! Hast du überhaupt eine Ahnung, was du da redest?! Damit gewinnen diese Arschlöcher, die Adam und dir das angetan haben! Ist dir das überhaupt klar?!" Er pustete sauer die Luft durch seine Nase, senkte den Blick und schüttelte fassungslos den Kopf. "Das ist dir auch egal, oder?" Wieder erwiderte Dale nichts darauf, sondern studierte die Bettdecke auf seinen Beinen. "Du kannst mich mal!" Sky stürmte aus dem Krankenzimmer und schmiss die Tür zu. Kaum war er draußen, tat es Dale leid, was er zu ihm gesagt hatte. Und was er nicht zu ihm gesagt hatte.

'Das nächste Mal entschuldige ich mich bei ihm und werde mich in Zukunft davor hüten, ihm die Wahrheit zu sagen', schwor er sich. Sky und Laurel sollten sich keine Sorgen um ihn machen müssen. Das hatten sie nicht verdient.

Einige Zeit danach schleppte Laurel einen Seelenklempner an, der sich um ihn 'kümmern' sollte. "Rede doch einfach nur mit ihm! Was soll da schon groß passieren?", redete er ständig auf Dale ein.
"Du hast sie ja nicht mehr alle! Ich brauche keinen Psychiater, um zu wissen, was mit mir nicht stimmt!"
"Darum geht es doch gar nicht! ... Dale! Warte doch!" Wütend war er in das kleine Badezimmer seines Krankenzimmers gestürmt und hatte sich dort verbarrikadiert, bis Laurel die Schnauze voll hatte und aus seinem Zimmer verschwunden war.
'Ein Psychiater! Für wen halten die sich eigentlich?' Danach reagierte Dale so gereizt auf das Thema, dass Laurel es dabei beließ, rang ihm jedoch das Versprechen ab, dass er sich meldete, sobald er wieder drohte depressiv zu werden. Das es ihm eigentlich tagein und tagaus schlecht ging, und er so gut wie immer depressiv war, versuchte er ihm nicht zu zeigen.
"Außerdem statte ich Kontrollbesuche bei dir ab! Gewöhne dich dran", schwor Laurel ihm, was er auch tatsächlich durchzog.
So vergingen die Tage. Dale schlief bis zum späten Nachmittag, bis Laurel oder Sky bei ihm vorbeikamen, trank und schluckte seine Schmerzpillen und machte sich hin und wieder über seinen alten Grasvorrat her. Abends zog er sich dann an, kaufte eine rote Lilie im Blumenladen gegenüber und marschierte zum Friedhof. "Ich wünschte, du könntest dich nicht so dermaßen auf Adams Erbe ausruhen. Etwas Arbeit würde dir sicher gut tun", tobte Laurel einmal, als er das Lotterleben von Dale langsam aber sicher satt hatte. "Du brauchst doch auch mal eine Perspektive in deinem Leben!"
"Die 'Perspektive in meinem Leben' gibt es nicht mehr!", hatte Dale ihm daraufhin entgegengeschleudert. "Außerdem warst du es doch, der mir Adams Erbe aufs Auge gedrückt hat!"
"Ja! Weil du sonst mittlerweile unter einer Brücke schlafen würdest! Ach nee, Verzeihung! Auf dem beschissenen Friedhof!" Daraufhin musste Dale grinsen. Ja. Wahrscheinlich hätte er auf dem Friedhof gehaust, wenn er keine Bleibe mehr gehabt hätte.
"Jetzt beruhigt euch doch mal!" Wie immer ging Sky dazwischen, wenn sich Laurel und Dale stritten. Doch so sehr sie sich auch bemühten, Dale ließ keinen von ihnen richtig an sich ran. Es war fast so, als wäre der alte Dale zusammen mit Adam gestorben und seine beiden Freunde konnten es sogar verstehen.


***

"Was ist den los mit dir? Immer noch wegen Dale?" Sky lenkte seinen Wagen geschickt durch den Berufsverkehr. Sie waren auf den Weg ins Krankenhaus um dort Dales Sachen vorbei zu bringen.
Laurel lächelte seinen Freund schmal an. "Nein. Bin nur noch ein wenig müde."
"Das wundert mich nicht. Du warst gestern wirklich lange in Dales Wohnung."
"Du weißt ja: Bis man dort was findet", lenkte Laurel ein.
"Hast du auch alles, oder soll ich noch mal vor einem Supermarkt halten?"
"Hab alles gefunden." 'Und noch so einiges mehr.' Laurel konnte es immer noch nicht richtig begreifen. Adam war zurück! Er hatte gestern mit ihm geredet, ihn berührt und all das durfte er Sky nicht erzählen. Das machte ihn fast wahnsinnig!
"Hoffentlich muss er nicht so lange dort bleiben. Am Ende wird er noch kränker als vorher."
Laurel runzelte nachdenklich seine Stirn. "Wieso? Es ging ihm gestern doch relativ gut."
"Ich meine wegen dieser beklemmenden Atmosphäre. Jedes Mal, wenn ich auch nur in die Nähe dieses Krankenhauses komme, muss ich an Adams Tod denken und an die furchtbaren Wochen dort. Dale geht es da bestimmt nicht anders."
"Ach so. ... Ja. Kann sein."
"Ist wirklich alles klar bei dir?" Sky bremste vor einer roten Ampel und schaute ihn skeptisch an.
"Ja! Natürlich!" 'Reiß dich zusammen!'
"Hör auf dir weiterhin Vorwürfe deswegen zu machen. Wir waren doch rechtzeitig da, um Dale aufzuhalten." Skys Hand fand seine und drückte fest zu. "Eventuell war das der Warnruf, den er brauchte. Das er glaubte Adam gehört zu haben, hat ihn selbst ganz schön erschrocken."
Laurels Nackenhärchen stellten sich auf. 'Das hat er sich nicht eingebildet. Adam war da gewesen.' Es fiel ihm immer schwerer Adams Geheimnis für sich zu behalten. Aber Sky hatte recht. Diese Begegnung, die Dale für ein Hirngespinst hielt, war wahrscheinlich das beste Mittel gewesen, um Dale die Augen zu öffnen. Noch ein Grund mehr, den Mund zu halten und so zu tun, als sei das gestern Abend niemals passiert. Er sollte es vergessen, und einfach froh darüber sein, dass er sich diesmal von Adam verabschieden konnte.
Im Krankenhaus angekommen, wurde es für Laurel jedoch noch viel schwieriger sich nicht zu verraten. Dale von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen war etwas ganz anderes, als seinem Freund die gestrige Begegnung zu verheimlichen. Er konnte sich nicht helfen, aber ... sah Dale nicht wieder schlechter aus als gestern? Sein Lächeln, als sie ihn begrüßten, sah gestellt aus. Und sein Blick war so leer und traurig wie noch vor zwei Tagen. 'Ganz ruhig! Das bildest du dir ein!' Sein Hirn gaukelte ihm das nur vor, damit er einen Vorwand hatte, Dale zu sagen, dass Adam ... 'Nein! Dale darf das nie erfahren!'
"Laurie?"
"Hm?" Plötzlich lag Skys Hand auf seiner Stirn.
"Fieber hast du nicht."
"Lass das!"
"Sorry", brummte Sky und packte weiter Dales Tasche aus.
"War nicht so gemeint", entschuldige Laurel sich bei seinem Freund und streichelte ihm über den Rücken. Er musste sich wirklich zusammennehmen!


Misstrauisch beäugte Dale seinen Kumpel Laurel. 'Was hat er denn?' Irgendwas war doch im Busch! 'Ob sie mich doch einweisen lassen wollen?' So weit würde Dale es nicht kommen lassen! Niemals! "Setzt euch doch. Auspacken kann ich nachher."
"Du? Nix da! Bleib du mal brav liegen und ruh dich aus", sagte Laurel und sah ihn streng an.
"Ich habe mich schon genug ausgeruht. Mir geht's schon viel besser."
"Schön zu hören, aber du bleibst liegen." Laurel konnte so nervig sein! Dale knirschte mit den Zähnen, ließ die zwei aber weiter auspacken. Er hatte sich schließlich etwas vorgenommen. Geduld war jetzt angesagt.
Als die Beiden endlich alles ausgepackt hatten, setzten sie sich zu ihm und redeten über lauter belangloses Zeug. Dinge, die Dale am Arsch vorbeigingen. "Müsst ihr denn gar nicht arbeiten?", fragte er sie schließlich.
"Ich habe mir frei genommen und Sky muss erst morgen Mittag wieder ausrücken."
"Ach so." 'So ein Mist!'
"Hast du es so eilig uns loszubekommen?", grinste Sky.
"Quatsch! Ich will euch nur nicht von irgendwas abhalten. Muss doch langweilig sein, bei mir zu hocken."
"Gar nicht!", wandte Laurel ein. "Wir würden auch über Nacht bleiben, wenn man uns ließe."
"Hab ich ein Glück." Dale zwang sich ein Lachen ab. Ein merkwürdiges Gefühl, nachdem er es so lange schon nicht mehr getan hatte.
"Hör mal ... Hast du dich schon entschieden? Wegen einer Therapie?"
"Sky!" Laurel bedachte seinen Freund mit einem sauren Blick, sah aber gleich danach neugierig zu Dale.
Das verwunderte Dale. War es sonst nicht immer anders herum? Sonst war Sky immer derjenige, der für ihn Partei ergriff. Heute war es anscheinend eher anders herum. Wieder beschlich ihn das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte. "Noch nicht", entgegnete Dale. "Und ihr? Wollt ihr mich immer noch dazu zwingen?" Er musste es einfach wissen.
"Nein! Niemand zwingt dich zu was. Dir geht's besser und du hast eingesehen, dass das so nicht weitergehen kann. Den Rest bekommen wir bestimmt auch noch hin." Laurel sah so überzeugt von seinen Worten aus, dass Dale prompt ein schlechtes Gewissen bekam.
"Weißt du jetzt, was genau auf dem Friedhof vorgefallen ist?", fragte ihn Sky und mopste sich das übriggebliebene Brötchen.
"Nein. Wenn ich daran zurückdenke könnte ich immer noch schwören Adams Stimme gehört zu haben. Und diese Sache mit der Krähe, die mir fast ins Gesicht geflogen ist und mich davon abhielt ..."
"Die Krähe!", fiel ihm Laurel ins Wort.
"Ja." Dale runzelte die Stirn. "Sie griff mich an ... Ach ich weiß auch nicht." Es hörte sich alles so verrückt an! Aber noch verrückter war Laurels Gesichtsausdruck gerade. Dale wurde das Gefühl nicht los, dass Laurel irgendwas beschäftigte.


Es war Adams Verdienst, dass Dales Selbstmordversuch schief gegangen war! Die Krähe, von der Dale immer wieder sprach, war bestimmt das Biest gewesen, dass bei Adam war. Warum war ihm das vorher noch nicht klar geworden? Adam hatte ein zweites Mal das Leben seines Partners gerettet und dieser wusste noch nicht mal was davon!
Laurel ging es immer mieser. Dieses Geheimnis lastete immer schwerer auf seiner Seele. "Falls ich total verrückt werde, besucht ihr mich dann immer noch?" Dale versuchte zu scherzen, aber Laurel konnte nicht drüber lachen. Im Gegenteil. Um seine feuchten Augen zu kaschieren umarmte er Dale ohne Vorwarnung und drückte ihm den versprochenen Kuss auf dir Stirn. "Was ist den mit dir los?", fragte Dale und erwiderte zögernd die Umarmung. Etwas, das für Laurel ein kleines Wunder war. Ein Zeichen, dass jetzt vielleicht doch alles gut werden könnte.
"Der war für dich. Für einen guten Start in ein neues, besseres Leben."
"Heulst du?"
'Ja!' "Nein." Laurel blieb an Dale gelehnt und versuchte wieder die Fassung zu gewinnen. Es war alles so unfair!
"Hey, Laurie. Ist doch alles gut." Dales Hände strichen sanft über seinen Rücken. Kaum zu fassen, aber jetzt musste Dale ihn schon beruhigen! Obwohl doch er derjenige sein müsste, der Dale aufbauen sollte.


"Es ist so unfair", flüsterte Laurel. Dale fragte nicht nach, was so unfair war. Das konnte er sich schon denken.
Er schluckte hart und ließ die Umarmung weiter zu. Schon ewig hatte er keinen Körperkontakt mehr zugelassen. Aber es fühlte sich gut an. Es war ungewohnt, einmal der Starke zu sein und jemand anderem Halt zu geben. "Laurie?"
"Ja?" Er schniefte und ließ ihn los.
"Du bist 'ne Heulsuse." Dale grinste.
"Danke!", begann Laurel zu lachen.
"Immer wieder gern." Er wischte über Laurels Wangen und sah seinen Freund intensiv an. "Ich wollte dir und Sky keinen Kummer bereiten. Das wollte ich zu keiner Zeit."
"Das wissen wir doch", entgegnete Sky und drückte sein Bein.
"Wenn ihr nicht wärt, dann ..."
"Wir sind aber da und bleiben es auch! Und jetzt fang du nicht auch noch an zu heulen!" Laurel schenkte ihm einen mütterlichen Blick, den er wirklich gut drauf hatte und schnappte sich den Rest von der Brötchenhälfte, die Sky noch über hatte.
"Hey!"
"Teil gefälligst, du Fresssack!"
Lächelnd schaute sich Dale seine beiden Freunde an. Vielleicht war es wirklich an der Zeit endlich umzudenken und sein Leben in den Griff zu bekommen. Vielleicht hatte der Phantom-Adam recht. Vielleicht war es sein Unterbewusstsein gewesen, dass zu ihm gesprochen hatte und ihm somit mitteilen wollte, dass es genug war. 'Aber vorher muss ich noch eins erledigen.' Zuerst musste er noch einmal auf den Friedhof. Musste sich die Stelle genauer anschauen, wo er geglaubt hatte, seinen Adam gesehen, beziehungsweise, gehört zu haben. Das musste er einfach tun, damit er wenigstens dieses Thema abschließen konnte.
Abb. -07.2-

***

Rex und Skin standen vor einem großen Altbau. "Hier wohnt die Schwuchtel also?"
"Jepp", bestätigte Skin.
"Was für ein riesiger Kasten!" Wie unfair das Leben doch war. Eine riesige Wohnung in einem reichen Schnösel-Viertel. Nicht, dass Rex hier wohnen wollte, ganz bestimmt nicht, doch der Bau hatte was. Wie konnte sich diese kleine Schwuchtel das nur leisten? "Kommen wir da überhaupt ungesehen rein?" Sicher war das Haus von oben bis unten mit Alarmanlagen ausgestattet.
"Natürlich. Aber nicht jetzt."
"Du willst noch warten?" Rex würde am liebsten auf der Stelle dort hineinstürmen, und dem kleinen Hinterlader das antun, was er mit Walker und Shock getan hatte.
"Das Vögelchen ist ausgeflogen. Liegt mit Erschöpfungszuständen im Krankenhaus." Das überraschte Rex.
"Dann ist unser Rächer doch nicht so taff wie erwartet."
"Sieht ganz danach aus." Rex fragte sich schon lange nicht mehr, von welchen Quellen Skin seine Infos bezog. Und vor allem, wieso so schnell. Manchmal dachte er, Skin beherberge in seinem kahlen Schädel einen Supercomputer, der ständig mit all seinen Informationsquellen in Kontakt stand.
"Und jetzt? Sollen wir ihn uns im Krankenhaus krallen?"
"Zu auffällig. Lass uns warten. Solange er da drin liegt, kann er uns nichts anhaben." Rex hasste es zu warten. Aber wenn Skin der Meinung war, dass es das Beste war, dann zweifelte er nicht daran. Im Moment war der rational denkende Teil seines Kumpels eher dafür gemacht, einen sicheren Plan auszuhecken. Rex war vor lauter Zorn dagegen überhaupt nicht fähig dazu. Er musste sich also in Geduld üben. Wie er das hasste!
"Dann machen wir ihn eben fertig wenn er entlassen wird. Diese kleine Mistratte." Rex startete seinen Wagen und fuhr los. Wenigstens hatte er so genügend Zeit, seinen eigenen kleinen Rachefeldzug zu planen. Ideen dafür hatte er allemal. "Und wie erfahren wir, wenn die Dame des Hauses wieder Zuhause ist?"
"Ich habe da jemanden, der mir Bescheid gibt, sobald Dale seinen Fuß aus der Tür setzt." Dale hieß er also.
"Dale ... Klingt schon so schwul."
Skin lachte bellend. "Schon einen Plan, was du mit ihm anstellst, wenn du ihn hast? Denk daran: Der Boss will ihn lebend."
"Ich werde so einiges mit ihm anstellen. Auftrag hin oder her." Es waren ja auch seine Männer gewesen, die diese Schwuchtel so bestialisch abgeschlachtet hatte. Selbst diese arrogante Tusse Gina würde es ihm nicht nehmen diesem Dale eine Lektion zu verpassen, die er niemals wieder vergessen würde. Darauf konnte diese kleine Ratte Gift nehmen!

***

So leise wie er konnte, zog sich Dale an. Wie gut das sein Zimmergenosse kaum mehr etwas mitbekam! Nur mit den Kleidern, die er am Leib trug, schlich er aus dem Krankenzimmer. Um den Rest seiner Sachen würde sich schon jemand von seinen beiden Freunden kümmern. Dessen war er sich sicher.
Draußen war es bereits stockdunkel und im Krankenhaus war es relativ ruhig. Dank seinem Aufenthalt im letzten Jahr hier, wusste Dale ganz genau, wie er am besten von hier verschwinden konnte. Er betrat das kleine Treppenhaus und eilte die vielen Stufen hinunter. Wie erwartet begegnete er niemanden. Falls jemand die Stockwerke wechseln musste, dann doch meist mit dem Fahrstuhl. Auf die Bequemlichkeit der Menschen war doch immer Verlass!
Unten angekommen, schlich er sich bis kurz vor den Empfang und wartete, bis die diensthabende Krankenschwester nach hinten verschwand. 'Jetzt aber schnell!' So schnell und so leise es ging, rannte Dale zum Ausgang.
'Geschafft!' Schnaubend gönnte er sich drei Straßen weiter eine kleine Pause zum Durchatmen. Es war kälter, als er gedacht hatte und kleine Wölkchen bildeten sich vor seinem Gesicht. Egal! Er hatte nur noch ein Ziel vor Augen. Den alten Friedhof, der praktischerweise gleich hier um die Ecke lag.
Zielstrebig machte er sich auf den Weg und bog bald schon auf den Kiesweg ein, der ihn zu Adams Grab führte. "Hey Babe. Da bin ich wieder." 'Und wieder habe ich die Lilie vergessen.' Nun, heute war es schließlich, wie das letzte Mal, eine Ausnahmesituation. Dale bückte sich nach der letzten noch verbliebenen Lilie und ließ sie in seinen Fingern hin und her drehen, bevor sie ihm aus der Hand glitt. Ein leises Geräusch hatte ihn aufschauen lassen. Neugierig zu erfahren, woher das Geräusch kam, hob er den Kopf und bekam geradeso mit, wie der Eingang der kleinen Gruft einen Spalt nach außen schwang. Ein Schauer lief ihm am Rücken hinab. 'Das habe ich mir nur eingebildet! Genau wie die Stimme, die nach Adam klang!' Sich fast schon sicher, dass das offene Grab nur seiner Einbildung entsprang, ging er festen Schrittes auf die helle Marmorplatte zu. Sein Herz schlug heftig und seine Hand zitterte, als er sie damit berührte und sie daraufhin nachgab. "Shit!" Dale stolperte rückwärts und wäre vor Schock beinahe die Stufen nach unten gestolpert. "Das kann nicht sein!" Die Gruft war tatsächlich offen!
Dales Körper begann heftig zu zittern und er ließ sich neben einem kleinen Strauch in die Hocke sinken, das offene Grab dabei die ganze Zeit fest im Blick. Entweder er drehte jetzt vollkommen durch, oder jemand hatte das Grab einfach geöffnet. Gab es hier schon mal Fälle von Grabschändung? Soweit er wusste, nicht. 'Oder war ich ...' Er schluckte. Hatte er etwa das letzte Mal etwas angestellt, konnte sich aber nicht mehr dran erinnern? 'Niemals!' Niemals hätte er die Tür zur Gruft geöffnet! Und sicher hätte er es auch gar nicht erst aufbekommen.
Mit wackeligen Knie kam er wieder auf die Beine, wollte erst nachschauen, ob darin alles in Ordnung war und niemand in dem kleinen Mausoleum randaliert hatte, entschied sich aber dagegen. Zu viel Angst hatte er davor, dass es wirklich so war.
Er starrte den schmalen, dunklen Spalt an, der ins Innere des Mausoleums führte. Dort lag die Liebe seines Lebens zur letzten Ruhe gebettet. Sein verfallenes Fleisch. Seine brüchigen Knochen. Das konnte er sich nicht anschauen! Er wollte noch nicht mal den Sarg darin stehen sehen. Ganz zu schweigen von den anderen Särgen, die schon seit Jahren darin standen. Zerfallen und zerbrochen ... Nein! Dale konnte dort nicht rein, um nachzuschauen, ob sein Babe dort noch unversehrt lag.
Er entschloss sich nach Hause zu gehen und Laurel anzurufen. Der würde zwar ausrasten, weil er einfach aus dem Krankenhaus geflohen war, aber das hier war eindeutig wichtiger, als ein Streit mit Laurel und Sky. Den Gedanken, dass Adams Überreste in irgendeiner Form geschändet, oder gar aus dem Sarg entnommen worden sein könnten, brachte seine Eingeweide zum brennen. Das würde er nicht überstehen. 'Dann können Laurie und Sky mich wirklich einweisen lassen', dachte er bitter und beschleunigte seine Schritte, um wieder nach Hause zu kommen.
Abb. -07.3-

***

Knurrend hob Rex den Hörer seines Telefons ab. Wie er es hasste, wenn er während eines Schläfchens geweckt wurde!
"Was?!", schleuderte er dem Anrufer entgegen.
/Das Vögelchen ist wieder ins Nest eingekehrt./ Eindeutig Skins Stimme.
"Jetzt schon?!" Rex versuchte die Uhrenanzeige seines Videorecorders zu entziffern. "Es ist fast ein Uhr Morgens!"
/Der kleine Schelm ist stiften gegangen. Er hat es offensichtlich sehr eilig mit seiner Rache./
"Scheiße! Und jetzt?"
/Wir treffen uns in einer Stunde vor seiner Wohnung. Vorher muss ich noch etwas erledigen./
"Okay Skin. Bis nachher." Böse grinsend knallte Rex den Hörer auf sein Telefon. "Jetzt hat es sich ausgemordet für dich, meine kleine Pussy." Mit einem Satz war er von der Couch aufgesprungen und ging zu dem kleinen Wandschrank in der Ecke. Dort nahm er sich sein Springmesser heraus und steckte es sich in die Hosentasche. Egal was sein Boss von ihm verlangt hatte, diese kleine Schwuchtel würde leiden müssen für das was er Walker und Shock angetan hatte. "Diesen Spaß wird mir niemand nehmen", grunzte er dunkel und verließ fest entschlossen und mit einer Menge Zorn in sich seine Wohnung.

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