Ice-Man-Challenge (ALS - Ice-Bucket-Challenge)

von Huelk
GeschichteHumor, Freundschaft / P12
Kimi Räikkönen Sebastian Vettel
31.10.2014
31.10.2014
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Hallo Ihr Lieben!
Zunächst einmal lieben Dank an Silvana für die Nominierung. Sonst hätte ich mich vielleicht nie getraut, hier mal etwas zu posten. Ich hoffe Ihr habt ein wenig Spaß mit meinem Beitrag zur ALS - Ice-Bucket-Challenge, den ich zu Kimi Räikkönen schreiben durfte.

Gastauftritte: Fernando Alonso, Mark Webber, Sebastian Vettel, Mark Arnall (Brendron Hartley, nur erwähnt)
Genre: Freundschaft (gewissermaßen), Humor

Disclimer: Der Inhalt dieses Beitrags ist natürlich rein fiktiv und hat mit der tatsächlichen Realität nichts zu tun. Ich kenne keine der auftretenden Personen wirklich, ich verdiene hiermit kein Geld und möchte keinem damit zu nahe treten.

Anmerkung: Es gibt zwar kein Pairing, aber wer mag darf gerne ein bisschen in Fernando und Mark interpretieren. Ich hoffe, dass die beiden Marks nicht allzu verwirrend sind. Mit Mark Arnall ist hier natürlich Kimis Physiotherapeut gemeint.

Meine Nominierung geht an Lurid Necromancer mit Zack Fair aus Final Fantasy.
Und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen und bin schon sehr gespannt, was Ihr davon haltet.





Ice-Man-Challenge



Spa, Belgien
Donnerstag, 21. August 2014


Als er das Klopfen vernahm, hatte der Finne nur einen Gedanken. Ihm ging durch den Kopf, dass es der Ältere diesmal geradezu darauf anlegte, dass er sich an ihm rächen würde. Dass er sich fürchterlich an ihm rächen würde, auch wenn er von der Rollenverteilung vielleicht gar nicht mal in der Position dafür war. Aber das war ganz egal. Zumindest ihm.
Er knurrte gereizt in der Hoffnung, dass man es durch die Tür auch gut hören konnte und drehte sich auf die Seite. Wenn er es sich gerade recht überlegte, dann hatte er seine frühere Wirkung irgendwie verloren. Er war sich ganz sicher, dass es vor fünf Jahren noch niemand gewagt hätte, ihn in diese Situation zu bringen.
Jedenfalls niemand seiner Fahrerkollegen. Bei seinem Freundeskreis daheim war er sich gleich weitaus weniger sicher. Die waren - gewissermaßen - seltsam. Aber er wusste schon, was er an ihnen hatte. Er wusste das zu schätzen und...

"Kimi, komm schon! Aus der Nummer kommst du sowieso nicht mehr raus!", hörte er Mark deutlich zu amüsiert rufen.
Klar kam er aus dieser Nummer nicht mehr raus, aber sein Freund und Trainer konnte ihm doch wohl wenigstens noch ein paar Minuten Zeit geben, um ausgiebig zu schmollen. Das war doch alles Kinderkram! Und diese elendige Nominierung hatte ja auch nur wieder von einem Kind kommen können!
Von einem großen Kind. Einem eigentlich erwachsenen Kind. Aber in vielerlei Hinsicht eben trotzdem Kind. Aber was hatte er auch anderes erwartet, als diese "Challenge" das Fahrerlager erreicht hatte? So gut hätte er Sebastian eigentlich kennen müssen.

"Kimi, ich werde nicht dein Training verschieben, falls du darauf spekulierst!", nahm Mark ihm dann auch noch diese Hoffnung. Dabei wäre es so einfach gewesen, diese "Verpflichtung" noch eine Weile hinauszuzögern, damit sie für die leidigen Übungen nicht mehr so viel Zeit hatten. Aber da musste er sich wohl eine andere Strategie überlegen.
Wie es aussah, würde das heute nicht gerade sein Tag werden, aber bitteschön. Auch wenn er kein Freund dieser, durch das Internet verbreiteten, Aktionen war würde er das Ganze jetzt einfach auf die übliche "Iceman-Art" durchziehen.
Jedenfalls war das der Plan. Er ahnte ja noch nicht, wie schief das gehen sollte. Wenn er das geahnt hätte, dann wäre er vermutlich trotz aller Überredungskünste seiner Freunde - wenn er sie denn so nennen wollte - stur im Bett liegen geblieben.

Lustlos setzte er sich auf und warf der Tür, hinter der Mark zu einer so unchristlichen Zeit aufzutauchen gewagt hatte, einen bitterbösen Blick zu. Der konnte sich noch auf einiges gefasst machen, so viel war sicher!
Er würde sich jetzt nicht hetzen. Er würde sich erst ins Badezimmer begeben und den Älteren noch ein wenig warten lassen. Er ließ auch die Tür zum Bad offen, damit sein Physio auch ja hören konnte, dass er gerade sehr beschäftigt war und natürlich geschah das alles betont langsam. Wenn er sich Marks entnervtes Gesicht gerade so vorstellte, dann war die Aussicht darauf, literweise mit Eiswasser übergossen zu werden gar nicht mehr so furchtbar.


Eine viertel Stunde hatte Kimi ihn warten lassen. Nicht lange genug für seinen Geschmack, aber da wollte er mal nicht so sein. Immerhin hatte nicht er seine Nominierung zu verantworten, sondern Sebastian. Das würde der auch noch zu spüren bekommen. Er konnte dem Deutschen ja schlecht alles durchgehen lassen.
"Machst du das mit Absicht?", wollte Mark ein bisschen grantig wissen und meinte damit sowohl die lange Wartezeit, zu der Kimi ihn genötigt hatte, als auch die Langsamkeit des Finnen, als sie den Flur entlang gingen.
"Ich weiß nicht was du meinst", antwortete Kimi ihm in gewohnter Gelassenheit. Er würde das jetzt einfach hinter sich bringen, dann hatte er wenigstens wieder seine Ruhe.
Auch wenn ihm die Tatsache, dass Sebastian nichts besseres zu tun hatte, als die Aktion auch noch filmen zu wollen, ein bisschen Magenschmerzen bereitete. Gab es denn noch nicht genug peinliche Youtube-Verbrechen von ihm? Und überhaupt, Sebastian hatte doch nicht mal einen Twitter-Account. Wie konnte er ihm da nur so in den Rücken fallen?

Mark ignorierte, dass Kimi seine Frage ignorierte. Gegenseitige Ignoranz war schon fast sowas wie ihr Bindeglied geworden, in all den Jahren, in denen Mark sein Physiotherapeut gewesen war. Immerhin ignorierte der Ältere alle Eigenschaften Kimis, an denen andere sich störten.
Schon seit der allerersten Saison konnte der Finne sich auf ihn verlassen. Wenn er daran dachte, wie lange das her war, kam er sich furchtbar alt vor. Das war jetzt dreizehn Jahre her. Damals hatte er nicht geglaubt, dass er es hier so lange aushalten würde und ohne seine zweijährige Auszeit hätte er sich gewiss nicht noch einmal dazu durchringen können.
So betrachtet war Mark ein toller Freund und Trainer. Er hatte eben nur einen Fehler.
Er unterstützte Sebastians bescheuerte Ideen.


Als Kimi den Jüngeren schon breit grinsend vor dem Hotel stehen sah, mit zwei Ice-Buckets bewaffnet, hätte der Finne ihm gerne den Hals umgedreht. Es gab Momente in denen er das Verlangen aufkommen spürte, ihm eine reinzuhauen, aber hatte er da nicht etwas vergessen?
Kimi beäugte gelassen die Eimer, Sebastian, Mark...
Mit stoischer Ruhe und einem leicht überlegenen Schmunzeln, dass an seinen Mundwinkeln zuckte, verschränkte Kimi die Arme vor der Brust und sah die beiden abwartend an. Entweder waren sie gerade beide so still, weil sie wussten, dass sie eine dritte Person vergessen hatten, die das Ganze für die verfluchte Internetgemeinde festhalten sollte oder es gab da noch einen Haken, von dem er bislang nichts ahnte.
"Dir mangelt es ganz offensichtlich an organisatorischem Talent", warf Kimi Sebastian vor und ging davon aus, dass der Deutsche wissen würde, worauf er hinaus wollte.
Dass Sebastian sich jetzt nicht verlegen im Nacken kratzte, sondern seinerseits grinste war nicht gerade ein gutes Zeichen, aber das würde er sich jetzt gewiss nicht anmerken lassen.
"Ist mir auch aufgefallen", sagte Sebastian und lächelte so siegesgewiss, dass Kimi aufpassen musste, nicht die Kontrolle über seine Mimik zu verlieren. "Eigentlich dachte ich, dass ich das unbedingt filmen muss, aber dann ist mir jemand viel besseres dafür eingefallen." Hatte Sebastian eigentlich schon immer dieses bösartige Blitzen in den blauen Augen gehabt?

Kimi musste sich arg überwinden, um dem Blick seines Freundes zur anderen Seite des kleinen Vorplatzes zu folgen.
'Oh nee, doch nicht der!'
Mit einem Seufzen und einer hochgezogenen Augenbraue, wandte Kimi sich wieder Sebastian zu.
"Du bist grausam", versetzte er den Jüngeren sichtlich um Beherrschung bemüht. Manchmal wurde das Bedürfnis danach, seine Faust zwischen Sebastians Augen zu befördern beinahe übermächtig. Das war nicht sehr freundschaftlich.
Sebastian versuchte ein Lachen zu unterdrücken, während er Kimis Augenrollen beobachtete, als sein kürzlich engagierter Kameramann dem Älteren mit einem viel zu freudigen "¡Hola!" zuwinkte.

Warum?
Warum ausgerechnet Fernando Alonso? Kimi hatte nicht wirklich etwas gegen den Spanier, aber trotzdem! Warum?
Kimi störte sich wenig an dem Gerede, dass Fernando ihm überlegen war, dass er nur wegen ihm in dieser Saison nicht gerade Glanzleistungen vollbracht hatte, aber musste das hier sein? Er konnte wirklich mit dem Spanier arbeiten, sogar gut mit ihm auskommen, aber dieses breite, leicht provozierende und absolute gemeine Grinsen machten es Kimi gerade wirklich schwer, die Fassung zu bewahren.

Kimi seufzte noch einmal. Diesmal ergeben. "Das wirst du mir büßen", ließ er Sebastian wissen und brachte sich dann in Position. Je eher er das hinter sich hatte, desto besser.
Er atmete einmal tief durch und versuchte die anderen auszublenden, sich für das bitterkalte Wasser bereit zu machen. Er spannte sämtliche Muskeln an und wartete nur darauf, aber...
"Mach endlich!", knurrte er Sebastian ungeduldig an, bevor ihn das Eiswasser am ganzen Körper traf und ihn für den Bruchteil einer Sekunde vollkommen schockfrostete.
Nur jahrelanges und konsequentes Eisbaden in Finnland hatten dafür sorgen können, dass er kaum eine Miene verzog und fast regungslos stehen blieb, während er triefendnass doch ein wenig zu frieren begann.
Mark grinste, als hätte er sich gerade einen langjährigen Wunsch erfüllt und Sebastians Lachen hatte auch noch nie so gehässig geklungen. Kimi entschloss das mit Fassung zu tragen, nahm die Sonnenbrille, die am Kragen seines Shirts hing und setzte sie betont unbeeindruckt auf.

"Wow, wie ein echter Iceman", sagte Sebastian, als er Kimi auf die Schulter schlug.
"Das kannst du dir sparen", gab Kimi zurück. Nicht zornig oder beleidigt. Er betonte keins der Wörter. Es gab keinen Grund sich aufzuregen. Spätestens bei ihrer nächsten Partie Badminton würde er den Jüngeren dermaßen leiden lassen!
Dann konnte er sich ja jetzt wieder den wichtigen Dingen widmen, nun, wo der Kindergarten für ihn beendet war. Wenigstens würde ihm keiner vorwerfen können ein Spielverderber zu sein, obwohl ihn das auch wenig gekümmert hätte.



Als Kimi und die anderen schon längst gegangen waren, konnte Fernando es noch immer nicht lassen, sich über das kleine Zehn-Sekunden-Video zu amüsieren. Vielleicht war er wirklich ein bisschen gemein, aber wie oft würde er wohl in den Genuss kommen zu sehen, wie sein Teamkollege nass gemacht wurde?
Er blickte erst wieder auf, als Mark neben ihm erschien. Nicht Kimis Mark. Sein Mark, der nach der vergangenen Saison die Formel 1 verlassen hatte und nun doch erstaunlich oft Zeit fand, die Rennen zu besuchen. Manchmal fragte er sich wirklich, warum das so war.

"Wie oft wirst du dir das noch ansehen?", fragte Mark ihn und klang dabei schon fast ein bisschen vorwurfsvoll.
Fernando konnte sein breites Grinsen noch immer nicht vertreiben. "Sehr oft", antwortete er und die Schadenfreude war dabei unüberhörbar.
"Du bist ziemlich gemein", warf Mark ihm sogleich vor.
"Gemein? Auf welcher Seite stehst du eigentlich?", fragte der Spanier nur halb ernst gemeint.
Mark lachte nur in sich hinein. Wahrscheinlich würde Fernando ihm diese Frage nicht zum letzten Mal stellen, denn...
Als Fernando ein weiteres Mal auf das Display seines Smartphones blickte, legte Mark einen Arm um ihn und sagte: "Tja, und du bist der Nächste."

Mit einem Mal war das Grinsen aus Fernandos Gesicht verschwunden.
"Wie meinst du das?" Der Spanier sah seinen Freund ein bisschen entsetzt an.
Nun war es Mark, der lachte. "Naja, Brendon Hartley hat mich vor einer Woche nominiert und für irgendwen musste ich mich ja entscheiden."
"Und da ist dir niemand besseres eingefallen als ich?!", platzte es voller Empörung aus Fernando.
"Ach, komm schon. Als würde es einen Besseren als dich geben."
Der Australier wusste sehr genau, was der Jüngere hören wollte.

Manchmal bekam Fernando wirklich den Eindruck, dass Mark aus purer Berechnung handelte...
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