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Hogsqueal auf Zahnjagd

KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12 / Gen
29.10.2014
29.10.2014
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Es dämmerte bereits, als eine kleine grünliche Gestalt durch die Büsche von Haus Nummer zehn raschelte. Er hatte sich für das normale Auge unsichtbar gemacht. Nur Menschen mit dem zweiten Gesicht konnten ihn jetzt erkennen. Leider machte ihn das nicht unhörbar, denn so sehr er sich auch bemühte mit seiner etwas pummeligen Gestalt war es nicht sehr leicht, still die Regenrinne hochzuklettern. Er hatte das kleine Mädchen den Tag über auf dem Spielplatz beobachtet und wusste also genau, dass sie heute das verloren hatte, was er so dringend brauchte.
Nach 5 Beulen und ein wenig Hundebellen, wegen des Lärms, hatte er das Dach erreicht und mühte sich nun vorsichtig die Ziegeln zu überqueren, um an das Dachfenster des Kinderzimmers zu kommen.
Es war glücklicherweise geöffnet, was ihm einen Stein vom Herz fallen ließ, denn ein solches Glück hatte er nicht immer, was eine Narbe an seiner Hand, wegen eines dummen Missgeschicks mit einem dieser Hochschiebe-Fenster, nur allzu deutlich erkennen ließ.
Sacht spähte er durch das Fenster. Drinnen war es beinahe komplett dunkel, bis auf ein kleines Nachtlicht, das neben der Tür in einer Steckdose steckte.
In einem rosa Himmelbett lag eine kleine blonde Gestalt. Sie bewegte sich nicht, also ging er davon aus, dass sie schlief.
Er schlüpfte durch die Öffnung ins Innere des Raumes. Leider rumpelte seine massige Gestalt etwas laut. Sofort blieb er wie erstarrt stehen und beobachtete die schlafende Gestalt im Bett, doch nichts rührte sich. Er schlich weiter auf das Bett zu, wobei er mit dem Fuß gegen etwas stieß, was laute Geräusche machte.
Diesmal bewegte sich der Deckenhaufen in dem Himmelbett.
Panisch sah er sich um, nach etwas was ihm Schutz bieten könnte. Seine Wahl viel auf das Puppenhaus. Er quetschte sich in die Küche und versuchte möglichst keine Geräusche zu machen. Rein aus reflex schloss er die Augen, ganz nach dem Motto, ich seh dich nicht, du siehst mich nicht.
Er begann im Kopf zu zählen. Eins.. Zwei.. Drei.. Vier.... . Als er gerade bei 30 ankam, hörte er eine verschlafene, glockenhelle Stimme neben sich. „Bist du die Zahnfee?“ Er wartete. Vielleicht meinte sie ja gar nicht ihn. Wer verwechselte einen grünlichen, fledermausohrigen, in zerrissenen Klamotten rumlaufenden Kobold mit einer blonden, Rosarüschenkleid tragenden, Zauberstab schwingenden Fee?
Auf einmal zupfte etwas an seinem zerschlissenen Mantel. Er zuckte zusammen und krachte mit dem Kopf gegen die Küchendecke des Puppenhauses.
Das blonde Mädchen hockte neben ihm und starrte ihn aus neugierigen grünen Augen an. „Sehe ich etwa aus wie die Zahnfee?“, fragte er mit seiner grunzenden Stimme, während er sich den Kopf rieb. Jetzt war er ja eh aufgeflogen, also was solls. „Ich weiß nicht, wie die Zahnfee aussieht, ich hab sie ja noch nie gesehen“, antwortete das Mädchen.
Er beobachtete sie. In seinem Kopf formte sich eine Idee.
„Dann darfst du dich geehrt fühlen, denn ich achte normalerweise darauf, dass niemand mich zu Gesicht bekommt.“  „Also bist du wirklich die Zahnfee?“, fragte sie und ihre Augen fingen an zu leuchten. „Ja, und ich bin gekommen um deinen Zahn mit zu nehmen“, grunzte er. Sofort sprang sie auf und rannte zu ihrem Bett, wühlte in den Kissen und förderte ein winziges lilanes Säckchen zu Tage, das sie triumphierend in die Höhe hielt, ihr Zahnlückenlächeln lächelnd.
Er schnappte es ihr aus der Hand und drehte sich zum Fenster. „Was ist mit meinem Geschenk?“. Verwirrt drehte er sich um. „Was für ein Geschenk?“. Nun war es an ihr verwirrt dreinzuschauen. „Na das Geschenk, das ich bekomme wenn du meine Zähne mitnimmst“, erklärte sie ungeduldig.
Das hatte er nicht bedacht. Was sollte er einem kleinen Mädchen denn schenken? Er hatte nichts. „Das macht der nächste“, versuchte er zu improvisieren. „Welcher nächste?“, fragte sie misstrauisch. „Na der Geschenkebringer. Wusstest du nicht das es viele und verschiedene von uns gibt?“. Sie schüttelte den Kopf. „Wir sind unterteilt in zwei Gruppen. Die Geschenkebringer und die Zahnholer. Die Zahnholer kommen zuerst, danach die Geschenkebringer. Ich bin froh kein Geschenkebringer zu sein, die sind nämlich unbeliebt, denn sie brauchen immer ewig lange und verspäten sich oft.“ Sie blickte ihn an. „Also bekomme ich erst später mein Geschenk?“, fragte sie etwas verunsichert. „Ja und jetzt muss ich gehen. Ich muss noch viele andere Kinder besuchen.“
Gerade wollte er aus dem Fenster klettern, da sprach sie wieder: „Kommst du mich mal besuchen?“.
Das brachte ihn aus dem Konzept. Wieso wollte sie sich mit ihm treffen? Er war ein Kobold. Sie sollte normalerweise Angst vor ihm haben. „Ich hab eine Babykatze zum Geburtstag bekommen. Sie heißt Kitty und ist ganz weiß“.
Miese Bestecherin, dachte er. „Ich werde es mir überlegen, aber jetzt muss ich wirklich gehen. Auf wiedersehen“.
„Gute Nacht Zahnfee“, gähnte das Mädchen.
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