und "Ich liebe nur dich" - hör ich nicht zum ersten mal!

GeschichteHumor, Romanze / P18
29.10.2014
02.01.2019
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wie immer gehören alle Personen sich selbst, ist die Geschichte erfunden und niemand verdient Geld damit.
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Es ist halb 7 und das Essen ist fertig. Käsespätzle mit Salat. Die isst er doch so gerne. Und er wollte doch auch allerspätestens um 6 Uhr hier sein. Versprochen hat ers mir. ‚Ja Schatz…wirklich allerallerspätetestens um 6 Uhr bin ich dieses Mal da‘ – Die Worte hallen in meinem Kopf immer und immer wieder. Ich wurde sauer.

Also schnappte ich meine Jacke und meine Autoschlüssel und fuhr zum Tonstudio, indem Serum 114 ihr neues Album aufnahmen und die kommende Tour besprechen.

Die Parkplatzsuche in der Frankfurter Innenstadt wurde auch zur reinsten Zerreißprobe. Nachdem ich eine Mutter, die mir mit Ihrem Corsa den Parkplatz klaute beschimpfte und hoffe dass die Kinder niemals einen Ausbildungsplatz bekommen würden, stellte ich mich auf den Behindertenparkplatz. Sorry liebe humpelnden Männer und Frauen, das war ein Notfall.

Ich lief also ein, in das Tonstudio von Rookies & Kings um Nils zu suchen. Dieser war aber nicht da. Die Sekretärin am Empfang sagte mir, dass die Jungs schon vor einer Weile gegangen sind. Meine Wut schlug um in Enttäuschung.

Kein Nils, weit und breit. Und die Spätzle waren auch kalt. Kalte Spätzle – nie hätte ich gedacht, dass sie mir den Anlass geben über meine Beziehung und den Mann mit den wallnussbraunen Augen, den ich liebte, nachzudenken.

Ich stand also da. In dem Voyeur, wie ein Häufchen Elend. Eine raue Stimme riss mich aus meinen Gedanken „eh, bock n Bier trinken zu gehen?“. Philipp wars. Wir mochten uns nie so wirklich, nach dem Zusammentreffen auf der X-Mas-Tour als Serum 114 Vorband für Frei.Wild spielte.
Nach irgendeiner Show, an dem sich der Freiverzehr für mich gelohnt hatte, stieg ich in den falschen Nightliner ein. Philipp kam dazu, ich hielt mich für witzig, popelte aus meiner Hosentasche Kleingeld und warf es ihm mit den Worten „Philipp sing für mich“ zu. Er fand das nicht sonderlich lustig und sagte abfällig „was machen denn die ganzen Groupies hier im Bus!!“ …

Und jetzt zusammen ein Bier zu trinken…naja was solls. Eigentlich bin ich ne coole Socke. Wirklich! So cool, dass zu Hause nur kalte Spätzle auf mich warten.
„klar, warum auch nicht!?“. Wir gingen nach Sachsenhausen, redeten über Belangloses und setzten uns in einen Pub. Guinessbier – mag ich.

In dem Pub spielte eine Liveband, mit einer guten Anlage, was von Vorteil war, denn so musste ich mich nicht unterhalten und konnte meinen Gedanken nachhängen. Philipp redete. Aufgrund seines südtirolerischen Dialekts und dem steigenden Alkoholkonsum war mein akustisches Verständnis nicht sehr hoch. Trotzdem wurde ich gut erzogen, nickte brav und grinste dämlich. Als Philipp mich dann wohl fragte, ob wir gehen wollen, nickte ich immer noch und grinste weiter. Erst als er aufstand, schaute ich verdutzt und er lachte. Zack, das Eis wurde aufgrund meiner Schusseligkeit gebrochen.

Zusammen zu lachen ist der erste Schritt in die richtige Richtung.
Den Abend wollte ich noch nicht so enden lassen.

Philipp bot mir an, mich nach Hause zu bringen. Also ab ins nächste Taxi, wenn mans schon bezahlt bekommt, wäre man ja doof, das ganze auszuschlagen.

In Wiesbaden, an Nils Wohnung angekommen, hielt das Taxi. Da sein Auto nicht wie gewohnt auf dem Standstreifen parkte, wollte ich nicht alleine sein. Nicht nach dem Tag. Und nicht betrunken.

So fragte ich Philipp, ob er noch einmal mit hoch kommen würde. Er grinste schelmisch und ich rollte mit den Augen. War ja klar, dass er das in den falschen Hals bekommen hatte.

In der Wohnung war alles noch so, wie ich sie verlassen hatte. Die Spätzle auf dem Herd und der Tisch gedeckt. Mir versetzte das Ganze ein Stich ins Herz. Von Nils also keine Spur.

Philipp stand vor dem DVD Regal und suchte sich „Black Hawk Down“ aus. Klar, Klassiker. Hab ich schon hundertmal gesehen, es ist ein Männerfilm, ich mag keine theatralisch überspitzt dargestellten Kriegsfilme…aber hey, ich kann ja auch alleine einen Film nach meiner Wahl schauen. So ohne Gesellschaft. Mit einem Becher Eis. In Jogginhose. Ich schmunzelte…

Zwischen Krieg, Soldaten und abstürzenden Flugzeugen fielen mir irgendwann die Augen zu.

Am nächsten Morgen wachte ich durch Tassenklappern in der Wohnküche auf. Ich blinzelte gegen das helle Licht, versuchte mich zu Recht zu finden. Aha. In der Wolldecke eingemummelt lag ich da auf der Couch. Nils angelte sich eine Tasse für seinen Kaffee aus dem Schrank. Das erklärte das Klappern.

„gutenmorgen…woissnphilipp?“ – „Philipp?“ kam es als Antwort von meinem Freund. JA PHILIPP! …“ich glaub ich hab geträumt…“ – warum ihm auch alles auf die Nase binden. WO WAR ER EIGENTLICH GESTERN ZUM HENKER? Ich wollte keinen Streit anzetteln, ging ins Bad, erstmal duschen und mich fertig machen.

Es klopfte „Schatz ich muss los, die Band wartet…Markus steht schon mit dem Auto unten bis dann“ – und die Tür fiel ins Schloss. FICKDICKNILS! Keine Entschuldigung, nix. Was denkt der sich eigentlich!?

So räumte ich die Wohnung wieder auf, kippte diese verkackten Käsespätzle in den Biomüll und fühlte ein bisschen Freiheit in mir.

Da es Sonntag war, musste ich wieder in meine Wohnung, Zeug packen für eine Woche Berufsschule in Kassel. Also nachdem Nils Bude sauber war, fuhr ich zu mir. Warf meine Sachen in den Koffer und fuhr los. Ich war ganz froh, dass ich raus kam. Wollte aber auch keinen von meinen Kollegen und Mitschülern sehen.

Ich hatte keinen Bock auf die Erzählungen von den glücklichen Wochenenden der anderen. Sollten mich in Ruhe lassen. Wirklich. So verschanzte ich mich in meinem Einzelzimmer, hörte ein bisschen Musik, räumte meinen Koffer aus und machte die Hausaufgabe, für die ich ja eigentlich am Wochenende lange genug Zeit gehabt hätte.
Gegen 10 fiel ich ins Bett. Montags begann eine neue triste Woche.

Tag ein, Tag aus. Unterricht. Schlechter Kantinenfraß. Hausaufgaben. Joggen. Die Anrufe und Nachrichten von Nils wurden auch immer seltener. Er war beschäftigt. Klar, der Antiheld sollte kommen. Aber das hieß ja auch nicht, dass er zugleich zum Antifreund wird.

Die Woche verging. Ich musste mich langsam aufraffen um für die Klausuren zu lernen. Nils war mit seinem Musik-Krempel beschäftigt. Meistens sahen wir uns Freitag- und Samstagabend. Da zappten wir uns durch ‚Wer wird Millionär‘ und Alienberichte auf Ntv und schliefen gegen 10 Uhr ein. Kann es das gewesen sein? Ich bin doch erst 22! Ich sollte freitagabends um 10 Uhr im Bad stehen und mich hübsch machen, zum Feiern gehen. Nicht schlafen.

So hat sich langsam aber sicher ein elendiger Trott eingeschlichen. Mich hats genervt, als ich über mein Leben nachdachte. Mich hat Nils genervt. So richtig. Wir wollten doch heiraten, Kinder und Zusammenziehen. Jetzt surft er auf Facebook und schrieb mit irgendwelchen weiblichen „Fans“. „Das muss so“ sagte er. „UND WENN DIE NUTTE IN DEINEM BETT LIEGT UND DICH FICKT?!! MUSS DAS DANN AUCH SO??“ – „Ronja – benimm dich“

Ich wollte mich nicht mehr benehmen. Ich wollte nicht mehr diskutieren. Ich wollte ihn nicht mehr riechen und nicht mehr sehen.

Wo ist der coole Rocker hin? Der lässige Typ in den ich mich verliebte? Der mit seinem legeren Outfit, der zerrissenen Jeans und dem Hut? Wo sind die Funkelperlenaugen die mich anlachten, wenn er mich ansieht?

Das auf der Couch ist nicht mein Nils. Das ist ein möchtegern Schnösel. Ein arroganter Spießer, der auf der Suche nach Anerkennung ist. Ein Typ mit einem mächtigen Knacks am Ego…und mit kleinem Schwanz. So!

Ich schnappte meine Sachen, ich musste raus. Ich bekam keine Luft mehr und lies die Tür ins Schloss fallen. Mit einem gewaltigen Rums ging es mir auf einmal besser.
Rums! – Im Auto heulte ich wie ein Schlosshund. Es kam alles hoch. Die letzten Jahre. Immer stand ich an seiner Seite, ich fühlte mich vernachlässigt. Ich brauchte jemanden an meiner Seite. Nicht nur er. Ich war mit den Nerven fertig. So konnte es nicht mehr weiter gehen. Da war ich mir sicher…
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