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Mein Vater, seine Kollegen und Ich

GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Gunnar Jensen Hale Caesar Lee Christmas Toll Road Yin Yang
26.10.2014
15.04.2018
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09.02.2015 1.577
 
"Hey Gunnar! Wie war das vorhin mit ‘Hey Süße?’ ?", fragte ich den Schweden und funkelte ihn böse an, um ihn aus seinen Gedanken zu holen. Er zog die Klinge seines Messers schon fast eine halbe Stunde lang ab.
Erschrocken sah der blonde Riese auf und sein Blick traf sich mit dem von Barney, der nichts Gutes verhieß. So zumindest hatte es den Anschein.

"Hast du etwa versucht, dich an meine Tochter ranzumachen?!", fragte er und zeigte mit dem Finger auf mich. Ich grinste und Gunnar hob abwehrend seine Hände. Die anderen hatten sogar aufgehört Messerwerfen zu spielen, um das Spektakel mit anzusehen. Der ein oder andere musste sich sogar ein Lachen verkneifen.

"Nein, natürlich nicht!", versuchte es der Schwede abzustreiten. Sein Blick folgte dessen meines Vaters, der sich von seinem Stuhl erhob und langsam auf ihn zukam. Gunnar stand ebenfalls auf und hielt weiterhin abwehrend seine großen Hände, mit denen er wie wild in der Gegend rumfuchtelte.

"Ich weiß nicht was du von mir willst, Barney! Ich hab sie nicht angerührt!", sagte er mit nervöser Stimme und setzte einen Schritt hinter den anderen. Mein Vater machte sogleich einen schnellen Satz nach vorne und schlug dem Riesen mit flacher Hand auf die linke Schulter. Dabei veränderte sich sein Gesichtsausdruck von böse zu amüsiert und fing an zu lachen.

"Ganz ruhig, Großer! Das war nur ein Witz! Aber da merkt man mal wieder, wie du bei der Sache bist, wenn du dein Messer schärfst. Aufmerksamkeit ist das A und O", gab ihm mein Vater zu wissen, wie einem Schulkind, dass während des Unterrichts nicht aufgepasst hatte.

Bei einem kleinen Gespräch zwischen Vater und Tochter, hatte ich ihm davon erzählt und er meinte, ich solle ihn drauf ansprechen, um zu sehen wie er drauf reagiert.  

*****

Es wurde immer später und meine Augen nahmen an Gewicht zu. Es kam mir vor, als hätte ich zwei Golfbälle in den Augenhöhlen stecken. Es schmerzte sogar, als ich auf die Uhr schaute. Die Zeiger standen mittlerweile schon auf 1:54 Uhr morgens. Demnach saß ich, wie ein Schluck Wasser in der Kurve, am Tisch und sah Lee und Tool gelangweilt dabei zu, wie sie sich ein erbittertes Duell lieferten. Doch ich sah in der ganzen Sache keinen Sinn. Was war so toll daran, ein Messer immer gegen dieses hässliche Holzschild zu werfen?

Yin, Ceasar und Toll hatten sich seit geraumer Zeit aus dem Staub gemacht, und nun waren nur noch drei der Expendables übrig.

"Können wir endlich gehen?" Ich wäre sehr dankbar dafür, auch endlich zu gehen, aber dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, als mein Vater schuldbewusst das Gesicht verzog, wusste ich, dass er mich ganz vergessen hat. Er war es eben nicht gewohnt, auf jemanden achten zu müssen.

*****

Ich wusste nicht wie spät es war, da ich durch einen Ruck aus meinem unruhigen Schlaf gerissen wurde. Wahrscheinlich war ich eingenickt, nachdem ich ins Auto gestiegen war, auf dem Weg zum Apartment meines Vaters.

"Hey Kleine! Steh auf und lass mich raus. Hinten zu sitzen ist mit meiner Körpergröße etwas ungünstig", vernahm ich Gunnars raue Stimme und spürte dabei, wie er mich piekte. Gunnar war mitgefahren, weil er übergangsweise bei Barney wohnte, da er aus seiner letzten Wohnung, wegen Ruhestörung, geschmissen wurde.

Langsam öffnete ich meine Augen und sah mich um. Mein Mund öffnete sich reflexartig und ein herzhaftes Gähnen dehnte meine Gesichtsmuskeln. Wie ein kleines Kind rieb ich mir den bereits vorhandenen Sand aus den Augen, bevor ich zum Türöffner griff und die Beifahrertür öffnete. Anschließend stieg ich aus, sodass der hochgewachsene Schwede nun auch aussteigen konnte. Er knurrte erleichtert, als er sich streckte. Mein Vater stand schon am Hauseingang und hielt die Tür, mit einem seiner Füße, auf.

"Nun kommt schon!", drängte er und packte meine Reisetasche, die auf einer der drei Stufen stand. Gunnar schlug die Autotür zu und folgte uns in den Hausflur.
Zwei Stockwerke höher blieb Barney stehen und öffnete die Tür zu seiner Wohnung.

Im Inneren sah ich mich erstmal um. Es schien noch immer die selbe Wohnung wie damals zu sein. Doch da kam sie mir irgendwie größer vor. Aber warum zerbrach ich mir da drüber überhaupt den Kopf? Ich wollte mich jetzt nur noch hinlegen und ins Land der Träume eintauchen.

"Gunnar, du schläfst im Wohnzimmer auf der Couch, solange Mellina hier ist", teilte der Boss dem großen blonden Riesen mit, als er meine Tasche in das kleine Zimmer, am Ende des Ganges, brachte. Dort hatte ich Früher auch immer genächtigt, als ich für ein paar Tage in der Stadt war. Die Einrichtung war noch immer die selbe: mein altes Bett, ein hölzender Schreibtisch und der passende Schrank dazu.

"Geht klar, Chef!", rief Gunnar, mit nicht begeistertem Unterton hinterher, ehe er durch die Tür, die ins Wohnzimmer führte, verschwand.

*****

Ich wusste nicht wie spät es war, aber als ich meine Augen einen Spalt weit öffnete, merkte ich wie es schmerzte. Ich hatte definitiv nicht lange geschlafen, obwohl der Sonnenaufgang schon stattgefunden hatte. Aber wär das ein Wunder? Wir sind schließlich erst vor wenigen Stunden hier in der Wohnung angekommen. Ich fühlte mich wie gerädert. Ich zog mir die Bettdecke über den Kopf, um den Sonnenstrahlen, die sich alle irgendeinen Weg durch die Spalten des Rollos bahnten, der sich nicht mehr richtig schließen ließ.

Eigentlich hasste ich das, wenn so viel Licht am Morgen ins Zimmer drang. Aber mir war auch klar, das sich mein Vater nicht darum kümmerte. Er war die meiste Zeit auf Achse und knallte irgendwo auf der Welt Leute ab, die der CIA ein Dorn im Auge waren. Nicht auszudenken, wenn meine Schulkameraden darüber Bescheid wissen würden. Ich hab ihnen meistens erzählt, mein Vater sei ein vielbeschäftigter Geschäftsmann mit Anzug und so. Ich mein, im Gewissen Sinne ist er das auch, nur ohne Anzug. Ich kicherte, während ich darüber nachdachte und noch immer unter der Decke lag.

*****

Für eine Zeit verweilte ich noch in dieser Position, doch von der einen Sekunde auf die andere machte sich meine Blase bemerkbar. Doch irgendwie wollte ich nicht aufstehen. Es war so kuschelig hier im Bett, doch irgendwann wurde der Druck immer mehr und letztendlich musste ich da durch. Ich schlug die Decke beiseite und schwang meine Beine aus dem Bett. Ein Schauer rann mir über den Rücken, als meine nackten Füße den kalten Boden berührten.

"Brr", gab ich von mir und schlang die Arme um meinen Körper.

Ich öffnete die Tür und tapste auf Zehenspitzen hinaus, um niemanden aufzuwecken. Doch wie es schien war ich nicht die einzige die bereits wach war. Zigarrenrauch umspielte mein Riechorgan, der aus der Küche kam. Ein kurzer Blick hinein und meine Vermutung bestätigte sich. Mein Vater saß mit einer Tasse Kaffee am Tisch und zog genüsslich an seiner Zigarre. Mir war das ein Rätsel. Wie konnte man sich das schon so früh am Morgen geben? Ein gähnendes Guten Morgen war alles was ich in den Raum warf, ehe ich im Badezimmer verschwand, das gegenüber der Küche lag.

Barney wusste das ich nicht sehr gesprächig war am Morgen. Er akzeptierte es und stellte mir nicht irgendwelche dummen Fragen, so wie es zu Hause manchmal der Fall war. Meine Mutter war nicht diejenige, aber Tom. Er war jeden Morgen gut gelaunt, auch wenn es noch sehr früh war. In meiner Fantasie ging ich ihm des öfteren schon an die Gurgel. Aber in Realität stand ich einfach auf und ging zurück in mein Zimmer.

*****

Nachdem Besuch im Badezimmer zog ich mich erst mal wieder in mein Zimmer zurück. Auf dem Weg dort hin, fiel mein Blick durch die spaltbreit offene Tür zum Wohnzimmer. Ich warf kurz einen Blick über die Schulter, um mich zu vergewissern, dass niemand hinter mir stand. Dann schob ich die Tür mit der flachen Hand etwas mehr in den Raum hinein auf. Dort lag er. Der blonde Riese auf einer viel zu kleinen Couch. Es war ein Bild für Götter. Seine Füße hingen ca. 1 Meter über die Armlehne angewinkelt hinaus und diese Position schrie nicht gerade nach Bequemlichkeit.

Ich musste kichern, doch ein lauter, unvorhersehbarer Schnarcher seinerseits nahm dadurch Rache an meiner Neugier. Mein Körper fuhr zusammen, wodurch ich auch automatisch einen Satz nach hinten machte und auf meinen Allerwertesten landete. Aua...

//Das tat weh..//, dachte ich und richtete mich auf. Zum Glück schien es, als hätte Gunnar nichts mitbekommen. Erst als ein Schrei meinerseits den Raum erfüllte, schrak er auf und fiel vom Sofa.

„Wie? Wo? Was?“ Gunnar rieb sich die Augen und wusste nicht was los war.

Ich hingegen hätte fast einen Herzinfarkt erlitten.

"Sag mal, hast du sie noch alle, dich so anzuschleichen?!", keifte ich meinen Erzeuger schwer atmend an, der im Türrahmen mit seiner Zigarre stand. Sein Gesichtsausdruck war ernst wie immer. Aber das lag an der Lähmung, die er im linken unteren Bereich seines Gesichts hatte. Barney nahm einen genüsslichen Zug, ehe er seinen Stinkstummel aus dem Mund nahm, um mir eine Antwort zu geben.

"Tja, das ist eben mein Job", sagte er grinsend, ehe er sich an Gunnar wandte. "Komm schon Gunnar. Die Nacht ist vorbei!"

Mit diesen Worten machte mein Vater kehrt und ging zurück in die Küche. Ich tat es ihm nach. Jedoch ging ich zuerst in mein Zimmer, um mich umzuziehen, was ich schon die ganze Zeit machen wollte. Anschließend führte mich mein Weg ebenfalls in die Küche.
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