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Mein Vater, seine Kollegen und Ich

GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Gunnar Jensen Hale Caesar Lee Christmas Toll Road Yin Yang
26.10.2014
15.04.2018
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26.10.2014 1.495
 
Ich sah mich suchend um. Es liefen viele Leute kreuz und quer durch die Halle. Einige begrüßten Passagiere, die mit mir im Flugzeug saßen, doch es war weit und breit keine Spur von meinem Vater zu sehen.

Zuerst dachte ich nicht weiter darüber nach, weil es konnte ja sein, dass er sich verspätete wegen des Verkehrs. Doch als ich nach einer Stunde immer noch kein vertrautes Gesicht vernahm, wurde ich wütend. Sonst war er auch immer zur Stelle gewesen, wenn er mich vom Flughafen abholen sollte!

Ich schulterte meine Reisetasche und lief in Richtung Ausgang. Währenddessen kramte ich mein Handy hervor, um ihn anzurufen. Doch am anderen Ende der Leitung, meldete sich nur die Mailbox zu Wort.

"Na toll!", schimpfte ich und sah mich draußen nach einem Fahrplan um. Der Flughafen lag nämlich 19 km westlich von New Orleans!

*****

Als ich endlich einen Fahrplan gefunden hatte, der zu einem Airportexpress gehörte, der jede Stunde einmal nach New Orleans und zurück fuhr, beschloss ich mit diesem zu fahren, denn mir blieb ja schließlich nichts anderes übrig.

Mein Vater saß bestimmt mit seinem Kollegen bei Tool im Studio und tranken ein Bier nach dem anderen. Ich würde ihm schon meine Meinung geigen, wenn ich angekommen war! Da konnte er Gift drauf nehmen!

*****

Nachdem der Bus am Rande von New Orleans einrollte, musste ich auf die U-Bahn umsteigen, um zu meinem gewünschten Ziel zu kommen. Es war mittlerweile schon dunkel geworden und mir wurde etwas mulmig, so ganz allein im Dunkeln umherzustolzieren.

Der Bahnsteig im Untergrund von New Orleans war wie ausgestorben. Es zogen nur einige Penner ihre Runden, auf der Suche nach einem passenden Schlafplatz. Einer von ihnen hatte es sich schon auf einer Bank gemütlich gemacht und schnarchte seelenruhig vor sich hin.

Je länger ich hier unten stand, desto mehr Angst bekam ich. Es war wirklich etwas gruselig, so ganz allein, als junge Frau, hier stehen zu müssen. Mir lief ein Schauer über den Rücken und sofort verdrängte ich die schrecklichen Bilder vor meinem inneren Auge, was mir hier alles wiederfahren könnte.  

Eine leichte Brise umspielte meine Nase und endlich kam der erlösende Luftzug, der immer mehr zunahm. Ich atmete erleichtert aus, als die U-Bahn letztendlich einfuhr und ich in einen Wagon Platz nahm.

*****

Die U-Bahn hielt. Ich erhob mich von meinem Sitz, dessen Lederbezug schon an einigen Stellen aufgerissen war. Fast eine halbe Stunde hatte ich diesen in Beschlag gehabt, da es eine ziemlich lange Strecke war, bis ich das Viertel erreicht hatte, wo sich Tools Tattoostudio befand.

Ich verließ den Untergrund, indem ich die Treppe emporstieg, um in der Cleary Avenue herauszukommen, wie es auf einem Wegweiserschild stand. Oben angekommen, schaute ich mich um und versuchte mich irgendwie zu orientieren. Es war ziemlich schwierig, sich bei Dunkelheit in einer fast fremden Stadt zurechtzufinden.

Ein leises Knurren entfloh meiner Kehle. Ich war stinksauer und ich konnte es nicht erwarten, es meinem Vater spüren zu lassen! Ich holte mein Handy erneut hervor und versuchte nochmals ihn zu erreichen. Vergebens! Es meldete sich wieder nur die Mailbox zu Wort.

Warum zum Teufel ging er denn nicht an sein Handy? Ich könnte entführt werden und der Kidnapper könnte ihm nicht mal mitteilen, dass er Lösegeld verlangte! Es war zum aus der Haut fahren!

Es brachte nichts, sich weiter darüber aufzuregen, weil ich es sowieso nicht ändern konnte. Stattdessen setzte ich meinen Weg fort und lief auf gut Glück in irgendeine Richtung. Vielleicht fand ich dort hin, obwohl ich mich nur wage an den Weg erinnern konnte, da ich früher öfters hier gewesen war.

*****

Je weiter ich lief, desto schwerer wurde meine Reisetasche. Zumindest hatte ich das Gefühl, da meine Schulter langsam anfing zu schmerzen. Es war ein stechender, unangenehmer Schmerz und die Wut in meinem Bauch ließ nicht ab. Sie entflammte jedes Mal aufs Neue!

//Es hätte alles so entspannt sein können, aber nein! Der feine Herr musste natürlich vergessen seine Tochter am Flughafen abzuholen!// Aufgebracht bohrte sich dieser Gedanke durch mein Gehirn, während ich gequält weiter lief.

*****

Immer weiter zog sich der Weg durch die dunklen Straßen von New Orleans. Ein Geräusch, das aus irgendeiner unheimlichen Seitengasse kam, ließ mich zusammenzucken. Doch zu meiner Erleichterung, war es nur eine streunende Katze, die umher strich.

Mein Tempo wurde jedoch unterbewusst von Schritt zu Schritt schneller, doch als ich um eine Ecke bog, erkannte ich in der Ferne ein Leuchtreklameschild, mit der Aufschrift 'Tattoos'.
Doch eines der 'O' flackere immer wieder auf. Es schnien kaputt zu sein.

Als ich dort angekommen war, hielt ich erstmal inne, um eine Verschnaufpause einzulegen.
Es war ein langer Weg gewesen, bis hier her. Meine Reisetasche hob ich von meiner Schulter und ließ sie unsanft auf dem Boden ab.

Das Tor, das zu einer alten Lagerhalle gehörte, wo sich im Inneren das Tattoostudio von Tool befand, war geschlossen. Doch genau in dem Moment, als ich daran dachte, öffnete sich plötzlich schwungvoll die Tür, die sich im Tor selber befand und eine hochgewachsene Gestalt kam heraus. Ich erschrak und blieb wie angewurzelt stehen.

*****

"Hey Süße! Hast dich wohl verlaufen, was?", fragte der Typ grinsend, als er mich von oben bis unten betrachtete. Ich jedoch reagierte nicht sofort, weil ich nachdachte wer er war.
Sein Gesicht kannte ich, doch sein Name fiel mir nicht ein. Aber er war auf alle Fälle irgendein hirnloser Kumpel von meinem Vater.

Als er mich nochmals fragte, antwortete ich ihm ohne meine Identität preiszugeben. "Nein, ich hab mich nicht verlaufen. Ich will zu deinem Boss!"

//Das war doch mal eine tolle Aussage!//, dachte ich mir und klopfte mir innerlich stolz auf die Schulter.

Plötzlich war er ganz verwirrt. Das merkte man schon an seiner Frage, die gerade über seine Lippen kam. "Wie? Was will ein kleines Mädchen wie du denn von Barney?"

Meine Ohren glaubten nicht richtig zu hören! Ich war zwar nicht allzu groß, aber das ließ doch nicht gleich darauf schließen, dass ich ein kleines Mädchen bin!

"Sag mal?! Du spinnst ja wohl! Sehe ich etwa aus wie ein kleines Mädchen?!", pflaumte ich den großen blonden Riesen lautstark an und stemmte meine Hände in die Hüften. "Und jetzt bring mich gefälligst zu deinem Boss! Ich hab einen wichtigen Termin bei ihm!"  

Der blonde Mann sah mich fassungslos an, bevor ein freches Grinsen seine Mundwinkel umspielten.  "Taffes Mädel", meinte er und öffnete die Tür, aus der er gekommen war.

*****

Ich packte meine Reisetasche am Griff und folgte dem Riesen ins Innere. Dieser jedoch lief mit seinen langen Beinen viel schneller als ich, und bevor ich überhaupt den Türrahmen erreicht hatte, durch den er gelaufen war, hörte ich schon seine tiefe und raue Stimme reden.
Er unterbrach regelrecht die Unterhaltungen der Anderen!

"Hey Barney. Da ist jemand für dich", meinte er und zeigte genau in dem Moment auf den Türrahmen, als ich dort über die Schwelle trat.

Mein Vater saß mit dem Rücken zur Tür und als er sich umdrehte, merkte ich sofort, wie sich sein entspannter, aber doch fragender Blick in den Oh Scheiße!- Gesichtsausdruck verwandelte. Er schlug beide Hände über dem Kopf zusammen und warf sogar den Stuhl um, auf dem er gesessen war, als er aufsprang und zu mir eilte. Das zeigte mir, dass er mich eiskalt vergessen hatte!

Ich reagierte schnell und verschränkte meine Arme vor der Brust, um eine gewisse Distanz aufzubauen. Etwas in meinem Kopf, wollte ihn nicht komplett an mich ranlassen, weil er einfach spüren sollte, dass ich stinksauer auf ihn war. Aber mein Herz wollte das nicht zulassen.

Seine väterliche Nähe gab mir den Rest und dagegen kam nicht mal die Wut an, die in meinem Inneren brodelte! Eine einsame Träne rollte über meine Wange, als ich die Verschränkung unter dem sanften Druck der Umarmung löste und meine Arme um seinen Taille schlang.

"Es tut mir leid, mein Engel." Er bedauerte es zutiefst, was man aus seiner Stimme heraushören konnte. Eigentlich war er ja ein kaltblüiger Killer, aber wenn es um mich ging, wurde er immer ganz schnell zum Softi.

*****

"Ich sag es immer wieder: Schwarz ist eben noch zu bunt!", warf Christmas lachend in die Runde, als wir uns an den Tisch zu den anderen gesetzt hatten. Der Große Blonde hatte auch Platz genommen, jedoch abseits von der Gruppe, wo er mit einem Schleifstein sein Messer schärfte.

Mein Vater stellte mir seine Kollegen alle nacheinander vor, weil er davon ausging, ich würde sie nach der langen Zeit nicht mehr kennen. Und damit hatte er sogar nicht ganz Unrecht.

"…und das ist Gunnar", sagte er zum Schluss und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

//Gunnar!//

In meinem Kopf schwirrte schon die ganze Zeit der Buchstabe 'G' umher, seitdem ich drüber nachdachte wer er war, doch mir kam immer nur Goofy in den Sinn. Ich wusste zwar nicht warum, aber der Gedanke daran ließ mich schmunzeln.
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