Ich bin Mary

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P6
Mary
25.10.2014
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Mary? Ich bin Mary! Niemand anders kann das sein. Deswegen bin ich doch hier, ich bin einzig artig, niemand ist wie ich! Aus Pinselstrichen und Farben zusammen gemischt…
Manchmal frage ich mich, ob ich zerfließe wenn es regnet oder ob ich verwische wenn man mich berührt, aber hier regnet es nie und hier ist auch niemand der mich berühren könnte, denn ich bin einzig artig allein hier.
Keines der anderen Bilder kann so sein wie ich, so lebendig und real, aber was bringt es mir? Ich bin alleine in dieser verdrehten Welt aus düsteren Farben und grotesken Figuren.

Es gab eine kurze Zeit, da kam ein Junge in meine kleine Welt. Ich habe schon lange seinen Namen vergessen, aber nicht seine Augen. Sie strahlten Lebensfreude und Glück aus und ich konnte mich nicht an ihnen satt sehen. Er hatte eine wunderschöne gelbe Rose bei sich als er ankam. Lachend hatte er meine Hand genommen und gesagt, wir würden gemeinsam dieser Welt entfliehen, noch nie in meinem Leben hatte ich mich so echt gefühlt. Mit jeder Minute die ich mit ihm verbrachte, fühlte ich mich lebendiger und hoffte für immer mit ihm zusammen sein zu können, wenn es ein müsste würde ich mit ihm hier bleiben.

Aber je länger er bei mir blieb, desto matter wurde der Glanz in seinen Augen und seltener sein herzliches Lachen. Ich hörte ihn im Schlaf weinen. Was ich auch tat, es ging ihm immer schlechter und zum ersten Mal fühlte ich diesen stechenden Schmerz in meinem Inneren, obwohl ich nicht verletzt war. Um alles in der Welt wollte ich, dass er wieder Lachte. Also fasste ich einen Entschluss, ich würde ihn aus dieser Dimension heraus bringen, selbst wenn ich hier verweilen müsste. An diesem Morgen wollte ich ihn wecken und ihm sagen, dass es Rettung für ihn gab und dass er endlich zurück könnte, doch es sollte anscheinend nicht sein. Der einzige Wunsch den ich je für jemand anderen als mich selbst hatte, würde unerfüllt bleiben. Ich glaube ich hatte geschrien, viel geschrien. Ihn angefleht nicht zu gehen, nicht so! Wie ich versucht hatte seine Rose erneut zum Blühen zu bringen…  doch vergebens, sein Atem hatte gestoppt und das einst warme Herz in seiner Brust hatte aufgehört zu schlagen.

Tränen. Ich hatte geweint, mehr als ein Mensch es hätte tun können. Alles was mir von ihm blieb waren die Erinnerungen an ihn und die gemalte Rose, die er mir geschenkt hatte. Und die Gewissheit, dass er nur in dieser Welt geblieben war um mir Gesellschaft zu leisten. Es war meine Schuld gewesen.
Aber diese Galerie hat keine Gefühle und keine Wärme. Die Zeit verstrich, aber nichts veränderte sich. Die Jahre vergingen und ich hatte es aufgegeben sie zu zählen. Ich wollte das nicht mehr, ich hielt es nicht aus! Überall hingen die Erinnerungen in der Luft und ich machte keinen Schritt ohne Reue zu fühlen. Wan würde das aufhören? Ich konnte nicht mehr… jeder Atemzug fühlte sich an als hätte ich ihn jemandem gestohlen.

Ich wollte hier raus, egal was es mich kosten würde, denn es würde nie schlimmer sein könne, als das was ich fühle. Aber aus dieser Hölle gibt es kein entrinnen und kein entkommen.
Also wandle ich durch die Gänge dieses Labyrinths und denke nach. Was tue ich hier? Was ist meine Aufgabe hier, es muss doch etwas geben, das ich machen kann.
Fest umklammere ich die gelbe Rose in meinen Händen. Unsichtbare Tränen tropfen auf ihre Blütenblätter und Perlen ab.

Wer bin ich?

Einzigartig. Besonders. Eine Ausnahme. Ein junges Mädchen. Ein nach Liebe strebendes Wesen. Traurig. Zerrissen. Alleine.

Ich bin Mary

*~*~*~*

Auf meiner alten Festplatte hab ich doch tatsächlich diesen OS wieder gefunden *___*
Der Anstoß für die Geschichte war diese Version von Marys Thema: https://www.youtube.com/watch?v=4sEfeTmj7dw