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hita vona :: warmth and hope

von T0HYA
KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Nine / Kokonoe Arata Twelve / Hisami Toji
21.10.2014
21.10.2014
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„Du Nine.“
„Hmm..?“
„Ich habe darüber nachgedacht, dass…. wir das alles eventuell nicht mehr tun sollten.“
„Du willst aufhören?“
„Wenn wir so weitermachen, könnte es passieren, dass…“
„Hast du Angst?“
„Huh?“
„Oder ist es wegen Lisa? Twelve. Schau zurück. Schau woher wir sind. Was wir sind. Es gibt etwas, was wir tun müssen. Oder denkst du daran diesen Ort zu vergessen? Ein falscher Schachzug und Lisa hätte von der Bombe getötet werden können. Wir sollten sie nicht noch mehr in die Sache hineinziehen.“
„Das…ist richtig aber… es ist nicht wegen ihr. Es ist.. wegen uns. Wir.. haben nicht mehr viel Zeit.“

*

Die Nacht begann nebelig und kühl zu werden und ihr neuer Rückzugsort war nicht gerade das, was sich Nine als einen wunderbaren Haushalt vorstellen konnte. Hätten er und Twelve Lisa nie kennengelernt, hätte Twelve nicht so viel Mitleid mit dem Mädchen gehabt. Sie wäre nie bei ihnen eingezogen und ihr Quartier wäre nicht in Einzelteile zerbombt worden. Nine zog sich die Decke bis zum Kinn und schnalzte einmal wütend mit der Zunge. Als er mit den Kombinitüten auf dem Arm die Explosion vom Boden aus sehen musste, hätte er Lisa am liebsten den Hals umgedreht. Nur Twelve zuliebe hatte er sich zurückgehalten, da Nine langsam verstand, wie sehr Twelve Lisa mochte. Wieder schnalzte er und grub sich mehr und mehr in die Decke hinein. Lisa nahm ihm alles weg, was er noch hatte. Und das Leben war so viel angenehmer, als er sie noch nicht kannte. Andererseits war Nine selber Schuld daran, dass Twelve eine Bindung zu ihr aufbauen konnte.
„Wir sollten uns aus Austauschschüler in die Schule einschleusen. Beide Klassen haben bereits einen Ausflug ins Metropolitan Building geplant. Wir wären anschließend mehr als außer Verdacht.“ Nine haute mit der Faust auf den Boden. Er war so naiv. Er hätte wissen sollen, dass es dazu kommt, dass Twelve vergeblich versucht neue Kontakte aufzubauen. War er doch bereits früher ein aufgewecktes kleines Kerlchen, was sich immer die Kinder zum Spielen aussuchte, die nur wenige Tage später mit leblosen Körpern in ihren Betten lagen. Immer wieder musste Nine Twelve beruhigen, seine Tränen trocknen, wenn diesem die Welt erneut unter dem Boden entrissen worden war. Die Fakultät... Nine hatte einen solchen Hass auf sie. Doch kaum dachte er wieder daran holte ihn das hochfrequente Piepen wieder ein. Blitzartig zog er seine Hände aus der Decke und hielt sie gegen seine Ohren. Seine Schmerzen wurden von mal zu mal unerträglicher. Er sah die Bilder vor seinem Kopf wie einen schlechten Film auf großer Leinwand. Feuer, Rauch, abgebranntes Gras, seine Wunden auf seinem und Twelves Körper – Five war unmittelbar hinter ihnen – und dann versperrte der Zaun das gesamte Blickfeld beider.

„Die Alpträume schon wieder?“
Nine nahm plötzlich die warme Stimme des kleineren direkt vor sich wahr und öffnete die Augen. Da war der 17jährige und hockte lächelnd vor ihm. Twelves warme Stimme klang immer so lieblich in seinen Ohren, dass er das Gefühl hatte seine Schmerzen würden ruckartig verschwinden, wann immer er bei ihm war. Nine wusste, dass Nachdenken ihm nicht gut tat; doch er musste es sich immer wieder von Twelve sagen lassen. Kurz nickte er dem kleineren zu und setzte sich vom Boden unter der Decke auf. „Ja.“ Er hielt sich die Schläfe. „Jetzt wo Five in der Nähe ist, wird es immer…“
„Mach dir keine Sorgen.“ fiel ihm Twelve direkt ins Wort. „Ich bin hier, wir haben einen Plan, und er wird aufgehen.“ Wieder lächelte der kleinere. „Und du warst heute noch derjenige, der die großen Töne gespuckt hat!“ Triumphierend blinzelte Twelve seinem Gegenüber zu, und nahm anschließend dessen Hand von der Schläfe, ehe er sanft Nines Finger küsste.
In Nines Körper durchflutete gerade das Blut, sein Adrenalinpegel ging bis ins unermessliche hoch, und er musste heftig schlucken als er merkte, dass allein die Lippen von Twelve an seinem Zeigefinger mehr in ihm auslösten als die Explosion vom Metropolitan Building.
Twelve starrte derweil auf Nines Fingernägel. Es war erstaunlich was für gepflegte Nägel Nine hatte, obwohl er ständig Fingerspitzengefühl beweisen musste, wenn er an den Bomben schraubte, und sich die meisten Nägel durch seine Tastaturtipperei automatisch verkürzten. Der braunhaarige löste daraufhin den Griff, mit welcher er Nines Arm festhielt und presste seine Hand an die des Größeren. Der Schwarzhaarige spürte die Wärme, die von Twelve ausging, während er immer kühl, starr und abweisend wirkte.
„Sieh nur,“ schmunzelte Twelve, „deine Hand ist inzwischen größer als meine. Du… bist inzwischen größer als ich. Aber.. du warst und wirst immer…“ kurz hielt er inne und wurde schlagartig blass. „erwachsener sein als ich.“
Direkt weiteten sich Nine’s Pupillen. Er wusste genau, dass Twelve noch immer sehr viel mehr unter den Erinnerungen litt wie er, sie bei Twelve nur seltener, dafür heftiger auftraten. Twelve hatte die meisten Todesfälle, die Pfleger und all das Versteckspiel mit der cholerischen Five nicht verkraftet.
Nine legte seine Finger in Twelves um seine Hand fest zu drücken, während Twelve fast das Gleichgewicht verlor und dem größeren in die Arme fiel, weshalb  er sich mit den Knien auf dem kalten Boden abstützte. Instinktiv legte Nine seinen Arm um seinen Gegenüber, welchen er immer wie einen Bruder ansah und drückte ihn fest an sich. Er spürte an seinem Nacken feuchte Tränen des kleineren und hatte das Gefühl er würde direkt wieder an die Zeit der Fakultät zurückreisen, in welcher er Twelve ebenso jeden Tag in den Armen gehalten hatte, bevor die Pfleger sie auseinanderrissen.
„Twelve,“ hauchte Nine dem jüngeren ins Ohr. „das ist nicht wahr. Schau wo wir sind. Schau wer wir sind. Und denk daran, wer derjenige war, der den Mumm in der Hose hatte den ersten Schritt zu wagen und mich zu überreden die Atombombe zu stehlen.“ Nine löste die Umarmung und legte beide Wangen Twelves in seine Hände, wischte ihm so die Tränen von der leicht rötlichen weichen Haut. „Du warst schon immer viel menschlicher, erwachsener als ich. Und ohne dich, wäre ich jetzt nicht hier. Ohne dich würde ich nicht überleben.“ Nine wusste nicht, was für ein seltsames Prickeln  ihn gerade überkam, aber er hatte die Vermutung er hatte zum ersten Mal seitdem er seinen Leidensgenossen kannte, diesem seine wahren Gefühle gestanden. Noch immer hatte er Twelves Gesicht in seinen Händen und näherte sich diesem langsam. Vorsichtig gab er ihm daraufhin einen Kuss auf die Stirn und schenkte seinem Gegenüber ein Lächeln.
Es war immer erstaunlich, dachte sich Nine, wie getrennt, und wie verbunden ihre Körper doch waren. Wenn es Nine schlecht ging, reichte es wenn Twelve in seiner Nähe war und ihm Nähe gab. Wenn Twelve begann zu weinen, musste Nine ihn nur kurz in den Armen halten. Twelve war da um Nine zurück in die Realität zu holen, um ihm zu zeigen, wie Emotionen und Gefühle wirklich funktionierten, während Nine der intelligente Beschützer der beiden war.

Sphinx. Twelve war das Herz von Sphinx, Nine das Gehirn. Sie beide waren Sphinx. Aber sollten sie jemals getrennt werden, könnte Sphinx von alleine nicht weiterleben.

Twelve hatte sich inzwischen mit unter die Decke von Nine gekuschelt und lag in dessen Armen. Seine Tränen waren getrocknet und er atmete den Duft Nines an seiner Halsbeuge ein. Mit einem Lächeln auf den Lippen strich er sanft über den Rücken seines Bettpartners, ehe er auf eine verbrannte Stelle stieß, die die Explosion in der Shuto Shinjuku Line bei Nine hinterlassen hatte. Twelve fühlte sich tadellos schuldig für das was am Bahnhof passiert war, totz dessen das ihn überhaupt keine Schuld traf. Kurz seufzte er innerlich und sah daraufhin hoch zu Nine, welcher seine Hand auf Twelves Körperseite platziert und bereits die Augen geschlossen hatte.
„Du, Nine?“
„Hmm..?“
„Bevor wir morgen weitermachen… darf ich dir etwas sagen?“
„Was denn?“
„Du weißt wir… haben nicht mehr so viel Zeit, aber... ich wollte dich wenigstens noch wissen lassen, dass ich dich immer geliebt habe.“
Twelve schaute von der Halsbeuge Nines zu ihm auf, und nahm im Dunkeln wahr, dass dieser seine Augen öffnete.
„Und egal was passiert. Ich werde es immer tun!“
Kaum hatte Twelve seinen Satz beendet, fand er sich in einem sanften Kuss mit Nine wieder und spürte dessen kalte Lippen gegen seine drücken. Schon immer wollte Twelve wissen, wie sich Nines Lippen anfühlten. Schon immer wollte er wissen, ob seine dunkleblaue, kühle Stimme, zu ebenso kühlen Lippen gehörten. Doch desto länger ihre Lippen aufeinanderlagen, desto wärmer wurden sie, und desto mehr wusste Twelve, dass dieser Moment der schönste und unvergesslichste in seinem Leben sein würde.

Als Nine vorsichtig seinen kleinen Freund auf den Boden drückte und sich zum erneuten Kuss über ihn lehnte, schloss Lisa vorsichtig die Tür zum Raum. Ihr Herz war gebrochen. Doch sie wusste, Twelve hatte die richtige Entscheidung zwischen ihr und Nine getroffen. Eine Träne rollte ihr über die Wange, ehe Sie all ihre Sachen packte und in die dunklen Straßen Tokyos verschwand.
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