Landurlaub

von Schafi95
KurzgeschichteAllgemein / P12
20.10.2014
20.10.2014
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Disclaimer: Das Trek-Verse gehört Paramount, der Plot gehört mir und das Lieschen kann sich noch immer nicht entscheiden, ob es lieber #teamflauschig oder #teamplastik gehören möchte.





Nach „Sovereign Teil IV“.
T'Liss lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und beobachtete Lore neugierig dabei, wie er den Tisch abräumte. Nach den Ereignissen auf DS3 und ihrem anschließenden Patrouillendienst entlang der Romulanischen Neutralen Zone waren sie zwecks Missionsdebriefings zur Erde zurück beordert worden und durften sich nun an einem zweiwöchigen Landurlaub erfreuen.
Nun hatte T'Liss die Erde aber nie wirklich als Heimat ansehen können – sah man von den drei Jahren auf der Akademie ab, hatte sie fast immer abseits der Erde gelebt. Dementsprechend wäre ihr nichts anderes übrig geblieben, als auf dem Schiff zu bleiben und sich höchstens für einige Besichtigungstouren auf die Erde beamen zu lassen, so wie es viele der nichtmenschlichen Besatzungsmitglieder, die keine Familie auf der Erde hatten, taten. Doch dann war Lore an sie herangetreten und hatte ihr angeboten, ihn in seine bescheidene Dienstwohnung außerhalb San Franciscos zu begleiten.
Sie wusste nicht genau, wie Lore an das Haus gelangt war – die Flottenregularien sahen als Dienstwohnsitz selbst für Captains in der Regel nur ein Apartment innerhalb der Grenzen San Franciscos vor – aber im Grunde war es ihr auch egal. Besser als die Sovereign war es auf jeden Fall.
„Und, zufrieden hier? Oder wärst du doch lieber auf dem Schiff geblieben?“, fragte Lore, als ob er ihre Gedanken erraten hätte.
„Mir fehlt ganz eindeutig das Holodeck für meine allabendlichen Caitianer-Orgien. Aber ansonsten kann ich mich nicht beschweren. Sogar das Klima erinnert mich an die Region um Ki Baratan auf Romulus.“ T'Liss seufzte, während sie sich an den Beginn ihrer Karriere zurückerinnerte.
„Ach ja, du hast ja während deiner Ausbildung an der Akademie auch ein Jahr auf Romulus verbracht“, erinnerte sich Lore an den entsprechenden Eintrag in T'Liss' Dienstakte.
„Ja. Und exakt 47 Tage, nachdem ich den Planeten verlassen hatte, hörte das Herz der romulanischen Zivilisation auf, zu schlagen, weil ein Ereignis eingetreten ist, das laut den führenden romulanischen Wissenschaftlern nicht hätte passieren dürfen“, merkte T'Liss in düsterem Tonfall an. „Die Horbus-Supernova hat nicht nur die romulanische Heimatwelt zerrissen, sondern auch das romulanische Volk ein weiteres Mal in einen Bürgerkrieg stürzen lassen.“
„Bereust du es eigentlich, dich an der Sternenflottenakademie und nicht doch an der romulanischen Kriegsakademie eingeschrieben zu haben?“ Lore räumte den letzten Teller ihres gemeinsamen Frühstücks in den Replikator und setzte sich dann T'Liss gegenüber an den Tisch.
Die Romulanerin nippe nachdenklich an ihrem Kaffee, bevor sie antwortete. „Hätte ich das getan, wäre von mir jetzt nicht mehr übrig als ein Häufchen Asche. Von daher sehe ich es rückblickend als richtige Entscheidung an.“
„Und wenn es nicht zu der Supernova gekommen wäre?“ Lore rührte etwas Zucker in seinen Kaffee.
„Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Risiko gescheut, mich auf eine Kultur einzulassen, die mir ja im Grunde mehr oder weniger fremd war – schließlich bestand mein vorheriges Leben aus wenigen Monaten auf einem abtrünnigen Schiff der Sternenflotte.“ Gedankenverloren starrte T'Liss in ihren Kaffee. „In den letzten Jahren habe ich aber immer wieder darüber nachgedacht, den Dienst zu quittieren, um meinem Volk durch diese schwere Zeit zu helfen. Vielleicht hätte man der Tochter Admiral Syvaks ja zugehört. Aber dann habe ich mich doch immer wieder nur darauf beschränkt, meinen spärlichen Urlaub für Kurztripps in das Romulanische Sternenimperium – oder besser: in das, was davon noch übrig ist – zu unternehmen.“
„Du fühlst dich also durchaus auch als Romulanerin?“, hakte Lore interessiert nach.
„Sieh dir die spitzen Ohren und die Stirnwülste an. Für die meisten ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich Romulanerin bin“, schmunzelte T'Liss. „Aber ja, ich sehe mich durchaus auch im politischen, gesellschaftlichen und soziologischen Sinne als Romulanerin. Und das liegt ganz sicher nicht nur an meinem Äußeren.“
„Und, welche Fraktion würdest du unterstützen? Praetorin Sela oder die Widerstandsbewegung?“
„Ganz eindeutig Sela. Sie mag zwar eher ablehnend gegenüber der Föderation eingestellt sein, aber sie ist die rechtmäßige Praetorin – zumal sie Militär und Tal Shiar, die beiden Standbeine der romulanischen Macht, hinter sich hat. Und nach dem romulanischem Ehrenkodex ist jeder romulanische Bürger in erster Linie dem Senat, dem Praetor und dem romulanischen Kaiser verpflichtet ist.“
Lore nickte nachdenklich. „Wo du gerade die nicht sonderlich föderationsnahe Haltung der Praetorin ansprichst - es ist ja allgemein bekannt, dass einige Sternenflottenoffiziere mit ihrer Meinung nicht ganz einverstanden sind und ihr diese sogar recht … übel nehmen, wenn du verstehst, was ich meine“, setzte er dann an.
„Du willst auf die Frage hinaus, ob ich manchmal auch schief angesehen werde, nicht?“, hakte T'Liss ein.
Wieder nickte Lore.
„Es hält sich doch sehr in Grenzen. Und wenn ich doch mal angestarrt werde, liegt das oftmals eher daran, dass spitze Ohren ohne das ganze logische Drumherum sehr anziehend wirken können.“ T'Liss schmunzelte.
„Ja, anscheinend auch auf den Sohn eines gewissen Admirals.“ Lore setzte ein wissendes Grinsen auf.
T'Liss sank in ihren Stuhl. „Erinner mich bloß nicht an Neil Jellico. Der ist wirklich eine Katastrophe in jeder Hinsicht, zumindest, wenn man lediglich auf sehr bestimmte Tätigkeiten aus ist.“
„Lass mich raten: Das absolute Gegenteil seines Vaters, der ja allgemein als recht erfolgloser Fraunheld gilt.“
„Aber sowas von. Erst wollte er nur kuscheln und dann...“ Frustriert legte T'Liss ihr Gesicht in ihre Hände. „Er hat doch tatsächlich großspurig verlauten lassen, Sex käme für ihn nur nach der Ehe in Frage. Und dann fing er auch schon direkt vom Heiraten und der Gründung einer Familie an. Und selbst wenn er diese meines Erachtens absolut veraltete Haltung nicht zur Schau getragen hätte, hätte er sich wahrscheinlich als ganz schwerer Fall von erektiler Dysfunktion oder ähnlichem herausgestellt. Glaub mir, den habe ich schneller aus meinem Quartier geschmissen, als der einen hoch bekommen hätte. Und dann … ja. Wie heißt es doch so schön? Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, mach es am besten selber.“ T'Liss grinste vielsagend.
„Wo wir schon beim Thema sind, ich habe gehört Romulaner hätten etwas andere Vorstellungen von Sex, Ehe und romantischen Beziehungen im allgemeinen als zum Beispiel Menschen“, wechselte Lore nun wieder das Thema.
„Na ja, die romulanische Gesellschaft war halt insbesondere in ihren Anfangsjahren stark matriarchalisch geprägt, was zumindest latent noch bis heute durchschlägt. Und so schlecht finde ich ess ehrlich gesagt gar nicht mal, dass der Mann für Haushalt und Kinder zuständig ist, während man sich als Frau in Ruhe seiner Karriere widmen kann.“ T'Liss straffte die Schultern, um ihrer Aussage Ausdruck zu verleihen.
„Dann will ich lieber gar nicht wissen, was passiert, wenn ein romulanischer Mann mal keine Lust im Bett hat“ schmunzelte Lore. „Hast du denn schon mal an Kinder gedacht?“
T'Liss schüttelte den Kopf. „Nein. Und das liegt nicht nur daran, dass ich bisher noch nicht den richtigen Partner dafür gefunden habe, sondern auch daran, dass ich aufgrund des Warpkernunfalls, der auch für meinen kleinen Alterssprung verantwortlich war, keine Kinder mehr bekommen kann.“
„Und was ist mit Adoption? Gerade auch wegen des Bürgerkrieges dürfte es doch genug Kinder geben, die auf eine neue Familie warten.“ Lore legte den Kopf schief.
„Ich weiß nicht. Eine gute Mutter wäre ich auf jeden Fall nicht, zumal ich denke, dass Kinder nichts auf Raumschiffen verloren haben – wenn die Sovereign in die Luft fliegt, dann weiß ich, dass das ein Risiko ist, dass ich für meine Sternenflottenkarriere bereit war, einzugehen. Würde ich ein Kind adoptieren, müsste ich es gezwungenermaßen auch mit auf das Schiff nehmen und dementsprechend hatte es keine Chance, bewusst zu entscheiden, ob es bereit ist, für die Karriere seiner Mutter in die Luft gesprengt zu werden. Und, wie schon gesagt, ich will das Kind nicht alleine aufziehen müssen.“
Lore schwieg.
T'Liss sackte in sich zusammen. „Jetzt kommt die Frage nach dem 'wir', nicht wahr?“
Lore nickte.
„Wenn ich ehrlich bin: Ich weiß es nicht. Und das ganz sicher nicht nur, weil die Sternenflottenregularien eine dauerhafte Beziehung zwischen dem Captain und seinem Ersten Offizier untersagen. Ich war schlicht und einfach extrem triebgesteuert, als wir … man könnte schon fast sagen, dass wir wie Tiere gedankenlos übereinander hergefallen sind.“ T'Liss errötete. „Ich weiß nicht woher das kam und ob ich im Moment einfach nur die Nachwirkungen spüre. Außerdem...“ T'Liss stockte.
„M'nor“, merkte Lore knapp an.
„Ja“, bestätigte die Romulanerin. „Ich kenne sie schon seit der Akademie und … ich mag sie, auch wenn ich mir selbst bei ihr nicht sicher bin, ob ich wirklich eine feste, längerfristige Beziehung möchte. Dafür bin ich in Beziehungsdingen einfach zu unstet.“
Wieder nickte Lore. Wirklich betrübt wirkte er dabei nicht. „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich eine längerfristige Beziehung auch nicht in Betracht gezogen, schon allein weil das früher oder später zur Konsequenz gehabt hätte, dass wir auf verschiedene Schiffe versetzt worden wären. Kaffee?“
„Gerne. Ich bin auch, wenn ich ehrlich bin, beruhigt, dass ein 'nein' zu einer längerfristigen Beziehung kein Weltuntergang für dich ist.“ T'Liss lächelte. „Außerdem heißt das ja nicht, dass wir nicht doch hin und wieder … außerdienstlichen Aktivitäten nachgehen könnten.“
Lore hielt auf halbem Weg zwischen Küchentisch und Replikator inne. „Und M'nor hätte da auch kein Problem mit?“ Der Android drehte sich fragend um.
„M'nor hat absolut kein Problem damit, die Lufthoheit im sexuellen Bereich abzutreten, schon allein, weil sie eh nur alle paar Wochen rollig ist.“ Mit einem breiter werdenden Lächeln war T'Liss aufgestanden, mit wenigen Schritten auf Lore zu getreten und hatte ihre Arme um ihn geschlungen. „Sie haben Abschussfreigabe, Sir.“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Lippen, bevor sie ihn mit einem geübten Griff auf den Küchentisch beförderte. „Und immer schön dran denken, Captain, dass Widerstand nicht nur gegenüber den Borg zwecklos ist“, verkündete sie, bevor sie sich auf ihn stürzte.
Lore wehrte sich nicht.








AN: So, dass war er also, mein zugegebenermaßen etwas verspäteter Jubiläums-One-Shot.
Ich darf nämlich stolz verkünden, am 18.10. vor zwei Jahren mein erstes Kapitel ins Netz gestellt zu haben – und wenn mir damals jemand erzählt hätte, dass ich es in dieser Zeit eine kleine Fangemeinde aufzubauen, ich hätte es ihm nicht geglaubt. Schließlich waren die ersten Monate ja – insbesondere was Reviews anging – eher holprig. Da kann ich mich durchaus glücklich schätzen, dass inzwischen 30 Geschichten mit mehr als 200 Kapiteln und über 400 Reviews sowie die durchaus beeindruckende Zahl von 13.500 Aufrufen und 14 Abonnenten zusammengekommen sind.
Und ich glaube, ich hätte nicht so lange durchgehalten, wenn meine fleißigen Reviewer nicht gewesen wären. Und ich denke, zumindest diejenigen, die meine Werke mehr oder weniger lange begleitet haben, haben meinen aufrichtigen Dank und eine namentliche Nennung verdient:
VGer; Oriane; Rennkuckuck; ViJay; Tiziana; mbfan und Robi.
Und ich hoffe, dass ich jetzt auch wirklich alle erwischt habe, ansonsten einfach noch mal bei mir melden, fehlende User setze ich dann noch mit auf die Liste :)
Obwohl, eine Leserin fehlt tatsächlich noch und die habe ich keineswegs vergessen, sondern mir für eine gesonderte Nennung aufgehoben. Schließlich ist sie nicht nur die Review-Schreiberin, die meine werke am längsten verfolgt hat, ich habe die Zusammenarbeit mit ihr wirklich schätzen und lieben gelernt, weshalb ich sie auch nicht mehr missen möchte. Von daher: Danke, Telai, dass du noch immer dabei bist, auch wenn ich dir nicht mehr bieten kann als Kekse auf Lebenszeit und hin und wieder mal einen leicht bekleideten Androiden :)