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- Rotkäppchens Schuhe-

von Candybale
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Lucius Malfoy
19.10.2014
26.10.2014
2
2.730
 
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19.10.2014 1.042
 
- Rotkäppchens Schuhe -

Knirschend brachen die noch nassen Stöcke unter seinen dicken Stiefeln. Die Bäume waren bereits kahl und das bunte Laub lag wild am Boden verteilt. Selbst jetzt, am späten Nachmittag, lag nahe dem Waldrand noch ein kalter Nebeldunst eng über dem Boden. Es schien als wäre es ihm unmöglich sich von der feuchten Erde zu trennen.

Am Ende des Pfades erblickte er das windschiefe Haus, in dem sie wohnte.
Sie, Rowena. Ein Lächeln huschte dem 21-Jährigen Fenrir Greyback über das Gesicht. Er freute sich darauf, seine jüngere Freundin zu sehen. Wenngleich er nicht wusste, wie er es ihr beibringen sollte.

Es. Der Biss des Werwolfs, der ihn am Arm erwischt hatte. Fenrir spürte bereits die ersten Anzeichen der Verwandlung. Noch nie hatte er sich gleichzeitig so stark und schwach gefühlt.
Stark, das war nur das Monster, das in ihm immer mehr Kraft erlangte und schwach war er. Denn er wusste, er würde sich von ihr verabschieden müssen. Zumindest für die erste Zeit.
Auch wenn er nicht immer im Unterricht zugehört hatte, er wusste wie es um die Opfer von Werwölfen stand.
Gerade da er es so genau wusste, musste er sie beschützen. Sie würde ihn nicht verlassen, dessen war er sich absolut sicher aber er musste Abstand gewinnen.
Er war stehen geblieben. Kein einziger Vogel gab ein Zwitschern von sich, nur ein leises Knistern zwischen den Bäumen verriet die Anwesenheit von Mäusen und Eichhörnchen. Noch einmal atmete er tief ein und aus, um sich zu beruhigen.
Hoffentlich riss sie ihm nicht den Kopf ab, wenn er mit dieser Geschichte kam.

Schnellen Schrittes ging er zu dem Haus.
Jetzt oder nie.
Er brauchte nicht einmal zu klopfen, sie hatte ihn, wie immer, schon vorher bemerkt.
Ehe er sich versah, hatte sie ihm bereits einen stürmischen Kuss aufgedrückt und sich an ihn geschmiegt.

"Du lässt mich dich ja gar nicht begrüßen."

Genüsslich brummend vergrub er seinen Kopf in ihren schwarzen Locken und sog ihren vertrauten Geruch ein. Jetzt erschien er ihm noch viel intensiver und betörender als je zuvor. Fenrir seufzte und zog sie noch ein wenig näher an sich.
Er würde sie vermissen. Ohne Zweifel.

"Was hast du wieder angestellt...?"

Rowena schien seine angespannte Art sofort zu bemerken und strich ihm besorgt durchs Haar.
Er wünschte sich mehr als alles andere, dass es dieses Mal etwas von ihm verschuldetes gewesen wäre.
Unruhig biss er sich auf die Lippe, wagte es kaum ihr in die grünen Augen zu sehen.

"Na los, spuck's aus. So schlimm kann es nicht sein."

Sie hatte ihn mit hinein genommen und ihm einen Tee auf den Tisch gestellt, den er aber nicht anrührte. Fenrir setzte sich auch nicht, wie er es sonst tat.
Regungslos stand er am Fenster und blickte hinaus. Er hatte sich das alles einfacher vorgestellt, eine Sache von Minuten. Doch jetzt in ihrer Anwesenheit erschien es ihm viel einfacher, ihr eine Lüge aufzutischen und schnellstmöglich zu verschwinden.

Doch konnte er ihr diese Ungewissheit antun?
Nein, konnte er nicht.
Es würde ihr nur das Herz brechen.

Fenrir ballte seine Hände zu Fäusten und erzählte ihr was geschehen war. Er sah erst Erstaunen, Entsetzen. Dann kurze Resignation, nachdem er sagte, er müsse gehen, für eine Weile. Nun begann sie zu weinen und klammerte sich an ihm fest. Wimmerte und heulte, er sollte nicht fortgehen. Er sollte ins St. Mungos, die könnten bestimmt helfen.
Egal welche Erklärung er gab, sie wollte nicht glauben. Wollte nichts wissen von einer Trennung oder einer bestehenden Gefahr. Der Schmerz und die Liebe machten sie blind und taub.

Bei jedem kläglichen Laut, den sie von sich gab, bekam seine Fassung einen Riss. Es verletzte ihn innerlich. Die Wahrheit war niemals eine gute Idee. Niemals.
Sie bemerkte nicht, wie sehr ihm das zusetzte und ebenfalls bemerkte sie nicht, dass es bereits umsonst war, etwas ändern zu wollen.
Das Herz wurde ihm noch schwerer, als er sie von sich stoßen musste. Er musste gehen, fort von diesem Ort. Allein. Allein mit sich und dem Monster.



Der Vollmond stand leuchtend hell am Himmel und er taumelte gequält von Gier und Schmerz durch den Wald. Er spürte wie seine Knochen sich verbogen und wie sich seine Haut spannte, schon beinahe unter dem Druck riss. Brennender Schmerz breitete sich in seiner Brust aus und er krallte sich fest in einen Baum.
Knochen brachen und prallten wieder aufeinander, wuchsen erneut zusammen. Sie bildeten ein völlig neues Gerüst. Auch seine Krallen wuchsen schmerzhaft genauso wie sich seine Reiszähne durch das Zahnfleisch schoben. Überall wuchs im Fell und es kribbelte an seinem ganzen Körper.
Grell heulend musste er sich dem Monster beugen. Er keuchte, sank auf den Boden und gab nur noch ein Wimmern von sich.

Die Welt war klar geworden. Er roch die Erde und ihr Innenleben. Das Rauschen des Windes und die Geräusche der Tiere umspielten seine  Ohren. Jede kleine Brise Wind spürte er prickelnd auf seiner Haut, er bemerkte auch aus welcher Richtung er kam. Es war still und dennoch glich es einem Orchester aus Tönen,welche nur er wahrnehmen konnte. Eine Weile war ihm die Ruhe vergönnt.

Dann schalteten sich seine Gedanken ab.
Fenrir witterte Menschen, einen Geruch, dem er unmöglich wiederstehen konnte. Mit einem lauten Krachen, hob er die Holztür aus den Angeln und zertrümmerte sie in wenigen Augenblicken.
Der süße Geruch stieg ihm stärker als zuvor in die Nase, aufgeregt blähte er seine Nüstern und schaute sich um.


Dort stand sie. Aus dem Schlaf gerissen, mit vor Angst geweiteten Augen. Zitternd. Sie bewegte sich nicht. Rowena war vor Angst gelähmt und hielt sich so stark am Treppengeländer fest, dass ihre Fingerknochen weiß hervortraten.
Sie schien nicht zu realisieren was geschah, auch nicht, als Fenrir die ersten Schritte auf sie zu tat.
Die harte Pranke des Werwolfs traf sie mitten in die Magengegend. Sie fiel sofort zu Boden und konnte nur flüchtig die Risse an ihrem Bauch betrachten, die anfingen zu bluten. Rowena kroch über den Boden ehe sie erneut zurückgezogen wurde. Diesmal schnappte er zu. Seine spitzen Zähne bohrten sich in ihren Hals und erst, als sie in seine Augen sah, wusste sie was passierte. Vor ihren Augen tanzten Lichter und sie versank in dröhnender Finsternis.


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Candy
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