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Reisen eines Magiers - Ankunft in Makaha

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
Zauberer & Hexen
18.10.2014
04.08.2017
20
43.200
3
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
18.10.2014 2.440
 
Hallo ihr da draußen!

Ich darf euch zu meiner Geschichte "Ankunft in Makaha" willkommen heißen, dem zweiten Teil von "Flucht aus Movain" (ebenfalls gerade noch in Arbeit)
Wir befinden uns im Moment in Makaha, der Hauptstadt des gleichnamigen Inselreichs.
Nicht wundern, wenn meine Geschichte ein paar Parallelen zu meinen Lieblingsbüchern (Harry Potter und Der Name des Windes) aufweist. Ich habe versucht mich zurückzuhalten, aber bei Büchern, die sich um Zauberer und Magie drehen, hat man zwangläufig immer einige Ähnlichkeiten drin.
Ich wünsche euch jetzt ganz viel Spaß und würde mich freuen, wenn ihr mir ein Review dalassen würdet.  :D




Als der alte Mann die Gestalt erblickte, die zusammengesunken auf dem Boden ihres zwingerartigen Gefängnisses saß, konnte er sich eines Anflugs von Mitleid nicht erwehren.
Der junge Mann, dessen Haare ihm fettig ins Gesicht hingen, hatte vor Kälte blaue Lippen und die schmuddelige Hose wie auch das Hemd, das er trug, standen vor Schmutz.
Plötzlich sah der Gefangene auf und der alte Mann stockte. Der Blick, der ihm aus den dunklen Augen entgegengebracht wurde, war fest und analysierte jede seiner Bewegungen. Dennoch zwang sich Soren weiterzugehen und blieb erst vor der Türe des Käfigs stehen, wo er sich mühsam in die Hocke sinken ließ, um mit dem Gefangenen auf Augenhöhe zu sein.

„Guten Tag. Kannst du mich verstehen? Sprichst du unsere Sprache?“

„Ja.“ Der junge Mann verzog beim Sprechen keine Miene, sondern fixierte sein Gegenüber nur stumm.

„Wie heißt du?“

„Sollte nicht der Besucher sich zuerst vorstellen?“, fragte der junge Mann statt einer Antwort.

Soren musste den Jungen unwillkürlich für seinen Mut bewundern. Mit leichtem Schmunzeln antwortete er:

„Ich bin Soren Somaru. Ich bin einer der Lehrer und Großmagier der Akademie und ich bin gekommen, um dir ein Angebot zu machen, wie weiter mit dir verfahren wird.“

„Wegen meiner 'Verbrechen' oder meiner magischen Kräfte?“

„Beidem. Du bist dir also deiner Kräfte bewusst?“

Zum ersten Mal verzog der Junge die Stirn und seine Brauen zogen sich zusammen.
„Wie könnten sie mir nicht bewusst sein. Sie sind schließlich der Grund, warum ich von Gefängnis zu Gefängnis wandere.“

Soren bemerkte den leichten Akzent, den der junge Mann beim Sprechen hatte. Er sprach weicher und ein wenig melodischer, als es in der Gegend üblich war und er fragte sich, ob es sein konnte, dass sein Gegenüber tatsächlich vom Festland stammte.

„Hör zu, Junge. Ich kann dich hier herausholen. Du könntest lernen die Magie zu kontrollieren und sie bewusst einzusetzen. Du wirst deine Strafe anderweitig aussitzen und du wärst an die Regeln der Akademie gebunden. Oder, ich kann wieder gehen, du bleibst hier und wartest auf deine Gerichtsverhandlung und hoffst, dass deine Strafe so kurz wie möglich ausfällt.“

Er machte eine Pause und wartete bis der Gefangene wieder zu ihm aufsah. Erst jetzt fielen dem alten Mann die zwei frischen Verletzungen auf, die auf der Wange des jungen Mannes prangten. Zwei Schnitte, wie von einem Messer, zogen sich untereinander von der Nase schräg über die Wange. Sie waren genäht worden und sahen gut aus, wenn man bedachte, wo sie sich gerade befanden.

„Du hast einen Tag, um es dir zu überlegen“, meinte Soren und stemmte sich auf die Knie und dann langsam hoch. Im Stillen verfluchte er seinen alten Körper und wollte schon seiner Wache einen Wink geben zu gehen, da erhob sich die Stimme des jungen Mannes hinter ihm noch einmal.

„Wartet bitte.“

„Ja?“

„Ich brauche keinen ganzen Tag. Ich werde mit Sicherheit nicht noch mehr Zeit meines Lebens in stinkenden eiskalten Löchern verbringen. Ich will hier raus. Lieber heute, als morgen. Ich komme mit.“

„Es freut mich das zu hören. Ich werde die Wache anweisen, dich zu holen, damit du dich dem Rat vorstellen kannst.“



Frierend sah ich dem alten Mann hinterher, der gefolgt von seinem Wächter, gerade den Raum verließ. Mir war noch nicht ganz klar, was ich von der neuen Situation halten sollte. Es war so unerwartet gekommen und ich wollte auf keinen Fall auch nur noch einen einzigen Tag in diesem Käfig zubringen, eingesperrt wie ein Tier.
Bevor ich mir weiter Gedanken machen konnte, wurde erneut die Kerkertür geöffnet und ein bärtiger Wachmann, den ich nicht kannte, trat ein.

„Los, steh auf“, forderte er, während er die Tür zu meinem Zwinger aufschloss.

Ich tat, was er sagte und er griff nach meinem Arm, kaum dass ich den Käfig verlassen hatte. Sein Griff war zwar fest, aber wenigstens waren seine Hände warm, sodass ich mir nicht die Mühe machte mich dagegen zu sträuben. Er führte mich aus dem Raum an der Wärterstube vorbei, hinauf in die Kaserne.

Dort unterhielt sich gerade der Hauptmann angeregt mit Soren Somaru und warf mir nur einen kurzen Blick zu, als ich an ihm vorbeimusste. Überrascht stellte ich fest, dass ein Mann in dunkelviolettem Umhang, der wohl der Begleiter des Großmeisters war, meine wenigen Habseligkeiten auf dem Arm trug und ich wollte schon stehenbleiben, doch die Wache zog mich weiter.
Wir traten hinaus ins helle Sonnenlicht und der Bärtige deutete auf ein Fuhrwerk, wie das, mit dem ich auch hergebracht worden war.
Er bedeutete mir aufzusteigen, was sich dank der Ketten an meinen Händen als fast unmöglich herausstellte und so sah er sich ein weiteres Mal genötigt mir zu helfen, bis ich schließlich auf der Bank auf der Ladefläche saß und er neben mir Platz nehmen konnte. Ich genoss die Sonnenstrahlen auf meiner Haut und streckte meine Beine, um sie wieder zu durchbluten und die Kälte daraus zu vertreiben.

„Ich hoffe, du nutzt diese Chance, mein Junge“, meinte der Wachmann und sah mich an. „So eine Gelegenheit bekommt man nur einmal im Leben.“

Ich hätte nicht gewusst, was ich antworten sollte, doch das Zukommen der beiden Magier ersparte mir eine Antwort. Wortlos kletterten sie ebenfalls zu uns und wir rumpelten fast augenblicklich los, weg von der Kaserne durch das Tal, um auf den anderen der beiden Gipfel zu gelangen, wo die Akademie lag.

Wir brauchten nach meiner Schätzung etwa eine halbe Stunde, bis wir an dem gewaltigen hellgrauen Gebäudekomplex ankamen, hinter dessen alten Mauern die Geheimnisse der Magie lagen.
Der Fuhrmann hielt unmittelbar vor dem großen offenstehenden Tor, vor dem zwei Kampfmagier der Akademie den Einlass beaufsichtigten. Einer von ihnen verließ seinen Posten, als er uns kommen sah und wartete bis Soren Somaru abgestiegen war, ehe er leise seinen Anweisungen entgegennahm.

„Komm“, winkte mich der Großmagier und zusammen mit meiner Wache stand ich auf, um von der Kutsche zu klettern. Etwas unsicher blickte ich zwischen den Wartenden hin und her, bis Somaru den Wink gab, meine Ketten zu lösen.

„Ich übergebe den Gefangenen hiermit in eure Verantwortung“, sagte der bärtige Wachmann förmlich, als er meine Ketten löste und einen Schritt zurücktrat.
Somaru nickte und die Wache stieg wieder auf die Kutsche.

„Nun denn, treten wir ein, in den Tempel der Gelehrsamkeit“, meinte der Großmagier scherzhaft und der Zauberer der Akademie, der bis jetzt reglos neben ihm gestanden hatte, griff mich am Arm.

„Ich würde sagen, wir bringen dich nun erst einmal zum Waschhaus, damit du ein Bad nimmst. Ich werde dann mit dem Rat reden und ich denke bei Sonnenuntergang werden wir zusammentreten, um über dich zu entscheiden. Verstanden?“

„Ja, Herr.“

Der Großmagier nickte zufrieden und ging davon, der Kampfmagier und Somarus Begleiter blieben bei mir.

„Na dann, sehen wir einmal, ob wir den Gestank wieder von deiner Haut bringen“, ergriff der Magier im violetten Umhang zum ersten Mal das Wort. Er ging los und der Kampfmagier setzte sich mit mir an der Seite in Bewegung.
Wir betraten das Gelände der Akademie und sofort waren meine Gedanken über das Kommende verdrängt. Ich staunte und kam nicht umhin das gewaltige Gebäude in Augenschein zu nehmen. Wir überquerten einen gepflasterten Innenhof, von dem aus Tore und Türen in die verschiedenen Teile des Gebäudekomplexes führten.
Durch einen gemauerten Durchgang ein wenig rechts vor uns, konnte ich sehen, dass die Anlage weiter hinten auch einen Park besaß.
Genau vor uns lag das Hauptgebäude mit dem berühmten Uhrenturm, dessen reich verziertes Ziffernblatt in der Sonne glänzte.

„Das Gebäude, das du da gerade so bewunderst, ist unser Haupthaus. Von dort aus gelangst du in die Unterrichtssäle und die Wohntürme der Studenten“, erklärte mir der Magier, der noch immer meine Kleidung über dem Arm trug. „Hier links“, er deutete auf einen Teil des Gebäudes, das sich an den Turm anschloss, „wohnen die meisten der Professoren und dort ist auch das Sekretariat und das Direktorat untergebracht. Unter dem Hauptgebäude liegt die Bibliothek und rechts“, er zeigte auf den Teil zwischen dem Durchgang zum Park und dem anderen Turm, „hier ist die Mensa untergebracht.“

Ich nickte, während die beiden Männer keine Anstalten machten, sich einem der genannten Gebäude zuzuwenden, sondern auf den Durchgang zusteuerten, der in den hinteren Teil führte.
Der Durchgang war zwar in Weiß gehalten und besaß zahlreiche Nischen, in denen schwache Lampen glimmten, dennoch wurde mir kalt als wir ihn durchschritten, so lang war er. Er ähnelte mehr einem Tunnel und ich stellte mir vor wie viele Zimmer wohl über mir lagen und wie viele Leute wohl in der Nacht auf den Steinen schliefen.

Als wir endlich das Ende erreichten, eröffnete sich vor mir ein gewaltiger Park, in dessen rechten Teil ein paar kleinere und größere Pavillons den Rasen säumten und weiter hinten Obstbäume und Beete von einigen in Umhänge gekleideten Personen gepflegt wurden.
Auf der linken Seite reihen sich mehrere niedrige Gebäude an der Mauer, die die Akademie von der Außenwelt trennte.

„Im ersten Gebäude befindet sich das Badehaus. Dahinter das Waschhaus und ein Teil der Geräteschuppen“, klärte mich erneut der Begleiter des Großmeisters auf. „Die Ställe für die Pferde der Studenten und der Akademie liegen außerhalb. Allerdings denke ich nicht, dass dir der Rat gestatten wird ein Pferd zu besitzen, solltest du an der Akademie aufgenommen werden.“

„Was soll das heißen?“, fragte ich argwöhnisch.

„Wie dir der Großmeister bereits erklärt hat, leistest du hier deine Strafe ab, anstatt sie im Gefängnis zu verbringen. Das bedeutet aber nicht, dass du hier nicht ebenfalls an Regeln gebunden bist. Und da du immer noch als Gefangener giltst und besonders unter der Beachtung der Schwere deiner Schuld, wird es dir wohl nicht erlaubt werden, dich einfach frei zu bewegen. Und solange du dich nicht frei bewegen darfst, solltest du wohl auch kein Pferd besitzen.“

Er warf mir einen eindringlichen Blick zu, doch zu meiner Überraschung war weder Tadel noch Argwohn in seinem Blick zu sehen. Er schien es mir weder übel zu nehmen, dass ich ein Gefangener war, noch hatte er Angst. Vielleicht ahnte er, dass ich keinen Ärger machen würde, da dies ja meine einzige Chance war, nicht wieder in dieses dreckige kalte Loch zurückzumüssen.

Wir gingen in Richtung Badehaus, als uns einer der Akademieschüler entgegen kam. Sein Blick schoss zwischen den Magiern und mir hin und her und blieb schließlich an meiner Kleidung hängen. Als ich schon dachte er würde stehen bleiben und gaffen, scheuchte ihn der Begleiter Soren Somarus weiter. Der Kampfmagier stieß die Tür des Badehauses für mich auf und hintereinander traten wir ein.
Dahinter war es ziemlich dunkel, da der riesige Raum ausschließlich durch ein paar Dachfenster und einige Lampen beleuchtet wurde. Doch wenigstens war es dadurch mollig warm. Der Raum war fast vollständig mit Holz ausgekleidet und mithilfe mehrerer Raumtrenner wurden die Badenden vor den Blicken Neugieriger abgeschirmt.

An einem Tresen an der Tür saß eine ältere grauhaarige Frau, die überrascht aufblickte, als wir zu Dritt eintraten.
„Molly“, begrüßte sie der Magier, der meine Sachen trug und lächelte. „Könntest du mir wohl einen Gefallen tun? Soren hat heute einen neuen Schüler aufgegabelt, aber leider müsste er so dringend ein Bad nehmen, dass ich nicht erst durch die halbe Akademie laufen wollte, um ihm einen Umhang zu holen. Könntest du das schnell machen?“

Sie kniff die Lippen leicht zusammen, warf mir einen Blick zu und nickte dann. „Natürlich, Romus. Ich bringe dir einen Schwarzen?“

„Ja, und Hose und Hemd.“

Sie nickte und eilte hinaus.

„Nimm gleich den ersten Bottich“, wies Romus mich an. „Du kannst dich hinter dem Paravent umziehen und deine Kleidung ins Regal legen. Ich bringe dir gleich noch ein Handtuch und Seife.“

Ich nickte und tat was er sagte.

Der Bottich war aus Holz und von unten geheizt. Das Wasser war warm und mit Vergnügen ließ ich mich hineingleiten.
Ich hörte, wie Romus etwas zu seinem Begleiter sagte, dann ging die Tür. Er kam hinter dem Paravent hervor und legte mir rasch wie versprochen ein Stück weißer Seife auf den Wannenrand und ein Handtuch ins Regal. Unauffällig zog er sich zurück und ich schnappte mir sofort die Seife.

Es war herrlich einmal wieder richtig zu baden und nicht im Fluss oder in einem lauwarmen schmutzigen Bottich in einem Gasthaus. Ich wusch mich gründlich von oben bis unten, seifte auch meine Haare ein und plantschte ein wenig mehr als nötig in dem warmen Wasser, das über den Beckenrand abfloss und durch Wasser, das von unten in das Becken gepumpt wurde, ausgetauscht wurde.

Als erneut die Tür geöffnet und geschlossen wurde und die Frau, die Molly hieß, zurückkehrte, rief mich der Magier aus der Wanne zu kommen und legte mir Kleidung in das Regal.

Ich tat wie mir geheißen und schlüpfte in die Robe. Sie war bequem, zwar ein wenig zu groß aber wenigstens sauber und warm.
Als ich hinter dem Raumtrenner wieder hervorkam, mein Handtuch noch in der Hand, musterte mich die Frau von oben bis unten.

„Ich war mir sicher, dass du ein wenig mehr auf den Rippen hättest. Jetzt habe ich dir wahrscheinlich zu große Sachen mitgebracht.  Aber wenigstens riechst du jetzt gut. Dein Handtuch kannst du mir geben.“

Ich bedankte mich, nicht sicher, wie ich auf ihren Kommentar bezüglich meiner Größe eingehen sollte und sah wieder zu dem Magier. Den Kampfmagier hatte er offensichtlich weggeschickt.

Er hatte die Stirn in Falten gelegt und musterte mich ebenfalls. „Die Ratsversammlung wurde auf die sechste Stunde festgelegt“, dachte er laut nach. „Wir haben also noch gut eineinhalb Stunden Zeit. Ich möchte nicht, dass du mit den anderen Studenten in Kontakt trittst, bevor du nicht angenommen wurdest, aber du möchtest doch sicherlich etwas essen oder? Den Gefängnisfraß kann ja keiner ertragen.“

„Ich könnte etwas zu essen vertragen“, stimmte ich vorsichtig zu.

Er nickte. „Ich lasse dir etwas nach oben bringen.“

Wir verließen das Badehaus, nachdem Romus sich verabschiedet hatte und er wies den Kampfmagier an, mich zum Ratssaal zu bringen. Ich spürte ein wenig Nervosität, dass in nicht einmal zwei Stunden ein Rat, dessen Mitglieder ich in meinem Leben noch nie gesehen hatte, über mein zukünftiges Leben entscheiden sollte.



Sollte euch das Kapitel gefallen haben, lasst mir doch ein Review da,
ich werde auf jeden Fall noch mehr Kapitel reinstellen,
liebe Grüße, Weltenbummler
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