Two-Lane Blacktop

KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
18.10.2014
18.10.2014
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Two-Lane Blacktop ist ein Autorennfilm von 1971 von Monte Hellman (der Klassiker unter dem Autofilmen) und echt schön.
Es gibt tolle Bilder und anbetungswürdige Charaktere (auch wenn die keinen Namen haben), kann man also jedem nur ans Herz legen.
Ansonsten, es gibt vier Hauptcharaktere („Der Fahrer“, „Der Mechaniker“, „Der Fahrer des GTO“, „Das Mädchen“) und handelt von einem Rennen quer durch die Staaten, wobei der Gewinn das Auto des Verlierers ist.

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Viel Spaß am Lesen :>

     
„Du hast das Mädchen gevögelt.“
„Und wen soll das jetzt interessieren?“
Der Mechaniker hat seinen Kopf gegen die Scheibe auf der Beifahrerseite gelehnt und beobachtet die Regentropfen, die an dem Glas entlang gleiten.
Der 55er Chevy schnurrt wie die Raubkatze, die er ist, nur mit einer blechernen Note im Klang. ‚Wahrscheinlich der Vergaser‘, denkt der Mechaniker.
Das Mädchen hat sich auf dem Rücksitz zwischen Schraubenschlüsseln und zwei alten Coladosen zusammengerollt.
„Mich interessiert das.“, macht der Fahrer weiter, „weil, ach verdammt! Ist das der scheiß Vergaser oder was?!“
„Kann schon sein.“
„‘Kann schon sein‘, sagt er, na toll.“
„Willst du jetzt zynisch werden? Man ich bin müde.“
Der Fahrer schnaubt, „wenig Schlaf gehabt die Nacht, was?“
„Ich rede nicht mehr mit dir.“, meint der Mechaniker und schließt demonstrativ die Augen.
„Ich muss mal.“, sagt das Mädchen.

Der Fahrer hat natürlich die Bedürfnisse des Mädchens ignoriert und ist weitergefahren bis zur nächten Werkstatt, denn es ist ihm egal. Wenn sie sich in die Hosen macht, hat er wenigstens einen Grund sie aus seinem Auto zu werfen.
„Ey, du musst ganz dringend runterkommen.“, meint der Mechaniker zu ihm als er die Motorhaube zurückklappt um an das glühende Herz des Chevys zu kommen.
„Und du musst-“, der Fahrer bricht ab und streicht sich das lange Haar aus der Stirn. Wenn der verdammte Regen nicht wäre…
„Was?“
„Keine Ahnung. Mach mein Auto nicht kaputt. Ich hol was zu essen.“
„Unser Auto!“, brüllt der Mechaniker ihm noch nach.

Der GTO kommt knurrend neben dem Chevy zum stehen, es raucht unter der Motorhaube.
„Die verdammten Zündkerzen!“, ruft der Fahrer des GTO als er aussteigt und die Haube hochwirft.
„Wenn du weiterhin dein Auto zu Schrott fährst, dann lohnt es sich für uns ja gar nicht mehr die Karre zu gewinnen.“, ärgert ihn der Mechaniker, der ein wenig zerknirscht der Reparatur nachkommt.
„Wie wär´s wenn du die Backen hältst, Junge?!“, wird er angefahren.

In der nächsten Stadt essen sie einen Happen zusammen.
Der Mechaniker sieht den jungen Kellner nur eine Sekunde zu lange an, da reicht es dem Fahrer.
Er steht auf, stürmt aus dem Diner (knallt die Tür hinter sich zu), springt in den Chevy und fährt los, einfach die Straße weiter Richtung Osten.
Er ist schon 30 Meilen weiter, da beschließt er umzukehren. Er kann seinen Mechaniker doch nicht zurücklassen in diesem Kuhkaff, er kann ihn generell nirgendwo zurücklassen.
Er hatte ihn vor fast zwei Jahren bei einem Dragsterrennen aufgegabelt. Damals war er noch alleine unterwegs, aber er hatte bereits den Chevy.
Er hat den damaligen Gefährten des Mechanikers in Grund und Boden gefahren.
„Wenn du mich mal an deinen Motor lässt, kann ich machen, dass du noch besser wirst.“, war das Erste was der Mechaniker zu ihm gesagt hat. Er lehnte lässig am Chevy, grinsend, ein bisschen provokant, aber auch unsicher. Offensichtlich verschossen in den Fahrer dieser Rarität.
Der Fahrer hat es ein bisschen ausgenutzt, schließlich schwer genug um 1970 einen Mann zu finden, der so offensichtlich vorging. Also hat er ihn in diesem Motel geliebt, ist weitergefahren, kam am gleichen Tag wieder zurück, hat sich entschuldigt und den Mechaniker schließlich mitgenommen.
So war das gewesen.
Und eine Zeitlang ging das auch gut.
Sie hatten das Auto, sie hatten nicht immer genug Geld, aber Rennen gab es überall mal, und sie hatten sich.
Die erste Zeit hatten sie sich sogar noch unterhalten, hatten einander kennengelernt, aber um viel mehr als Motoren und Autos ging es selten und bald wurde es beiden zu viel, das ganze Gerede. Also haben sie gelernt sich stumm zu verständigen.

Der Mechaniker und das Mädchen stehen im Regen. Das Diner hat geschlossen und alles ist dunkel bis auf die zwei Laternen, die auch noch flackern.
Sie sind nass bis auf die Knochen als der Fahrer sie einlädt.
Das blonde Haar des Mechanikers klebt ihm in dicken, tropfenden Strähnen im Gesicht, bis er es nach hinten streicht und seinen Fahrer ansieht.
„Du musst echt ganz dringend von diesem Trip runterkommen, klar?“, brummt er.
„Ich? Ich muss runterkommen?“
„Ja, du. Ganz dringend.“
„Wie wäre es wenn du einfach aufhörst alles zu vögeln was nicht schnell genug weglaufen kann?“
Der Mechaniker schnaubt verächtlich.
„Mach nicht so ein Geräusch!“, wird er angeknurrt, „weißt du was? Wenn wir den GTO gewonnen haben, dann nehme ich den und du kannst den Chevy haben. Dann kannst du dich durch ganz Amerika ficken. Viel Spaß.“
„Das meinst du nicht ernst…“
„Ich meine es ernst. Mir reicht´s.“
Eine Hand legt sich auf das Knie des Fahrers und fährt ganz langsam aufwärts, bis sie grob gepackt und ihrem Eigentümer in den Schoß geworfen wird.
„Hör verdammt nochmal auf damit!“
Das Mädchen will, dass die Heizung angemacht wird.
„Mein Auto hat keine scheiß Heizung.“, brummt der Fahrer.
„Unser Auto.“, verbessert der Mechaniker ihn.

Die nächste und letzte Rast verbringen sie in einem muffigen Motel am Highway. Es ist stockfinster im Zimmer.
Der Fahrer liegt auf der harten Couch, der Mechaniker neben dem Mädchen im Bett.
Aber als sie schläft steht er auf und tappt mit nackten, kalten Füßen rüber zur Couch.
„Kannst du ein bisschen rutschen, Baby?“, flüstert er seinem Fahrer ins Ohr.
„…verpiss dich…“, kommt es verschlafen zurück, aber der Mechaniker gluckst nur leise.
„Dann muss ich mich auf dich legen…das willst du doch nicht, oder?“
„…leck mich, du Penner…“
Schließlich legt er sich tatsächlich auf ihn drauf, der Fahrer ächzt genervt, schließt ihn aber dennoch in seine Arme.
„Morgen holen wir uns die Kohle und nachmittags den GTO.“, haucht der Mechaniker ihm ins Ohr und küsst ihn, „okay?“


Die einzige Brücke weit und breit, die über den einzigen Fluss weit und breit führt, und das Rennen muss natürlich auf genau dieser Strecke stattfinden.
Der Mechaniker macht den Wagen bereit.
„Ist nur ein lächerlicher Pontiac.“, sagt er zu dem Fahrer, „die Blechbüchse verrauchst du locker.“
„Na klar.“
„Du bist doch nicht mehr sauer auf mich, oder?“
„Muss ich das denn sein?“
Er wird angelächelt, jenes verliebte Lächeln, das ihnen die erste gemeinsame Nacht beschert hat.
„Manchmal mag ich es wenn du sauer auf mich bist.“
„Konzentrier dich lieber auf den Wagen.“
„Aye-Aye, Baby.“

Der Chevy knurrt, bockt kurz auf beim Zeitnehmen, vibriert dann aber ganz brav an der Startlinie.
Als Grün erscheint macht der Fahrer einen perfekten Start, die Reifen quietschen auf dem heißen Asphalt. Er sieht nicht zurück in den Rückspiegel, wo er seinen Mechaniker stehen gesehen hätte wie der immer kleiner wird umso weiter er wegfährt.
Der Pontiac ist nur kurz neben ihm bevor er an ihm vorbeizieht. Aber das macht nichts, er holt ihn auf dem Rückweg sicher wieder ein.
Plötzlich, er ist bereits halb auf der Brücke, sieht er an dem Heck des Pontiacs vorbei das unverkennbare Licht eines Polizeiwagens, nein zwei.
Kurz überlegt er, Umdrehen oder-
Aber da ist der Fahrer des Pontiacs schon auf die Bremsen gestiegen, Reifengummi hinterlässt schwarze Spuren, es qualmt. Doch so schnell kann er gar nicht bremsen, er reißt nur das Lenkrad herum, der Bürgersteig bockt ihn auf und der Schwung wirft ihn über die kleine Brüstung, direkt 20 Meter hinab in den Fluss.
Der Aufschlag ist wie gegen eine Mauer zu fahren.
Gütige Schwärze umgibt ihn, damit das Ertrinken ihm keine Angst machen kann.
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