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Gotham Chronicles

GeschichteDrama, Thriller / P16
Carmine "The Roman" Falcone Harvey Bullock James "Jim" Gordon Maria Mercedes "Fish" Mooney Pinguin / Oswald Cobblepot Riddler / Edward Nigma
16.10.2014
27.06.2015
4
6.686
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16.10.2014 1.492
 
"Du machst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter", murmelte Harvey Bullock, lehnte sich in seinem Schreibtischstuhl zurück und nippe genüsslich an seinem Kaffee. Die wievielte Tasse es heute schon war, konnte Jim nicht sagen und ehrlich gesagt war es ihm auch egal. Harvey war alt genug, um selber zu wissen, was er tat und Gordon war nicht sein Kindermädchen.

"Ich glaube einfach nicht, dass der Mord irgendwas mit Drogen zu tun hat", erwiderte er jüngere Detective und bemühte sich um einen neutralen Gesichtsausdruck.

"Du und dein Bauchgefühl …", nuschelte Bullock in seine Tasse und warf seinem Partner einen skeptischen Blick über den Rand der Tasse zu.

"Hat es mich im Wayne-Fall getäuscht?"

Ein paar Sekunden lang erwiderte Harvey nichts, während er Jim nachdenklich musterte. "Nein …", sagte er dann schließlich zögernd und leise.

Gordon wollte gerade ansetzen, seinen älteren Kollegen darauf hinzuweisen, dass er ihm auch bei diesem Fall vertrauen sollte, als ein Streifenpolizist in Uniform und grimmigen Gesichtsausdruck auf die Schreibtische der beiden Detectives vor dem Büro von Captain Essen zugestiefelt kam.

"Ihr habt den Drogenmord in Chinatown?", fragte der Polizist und Harvey nickte mit gerunzelter Stirn und fragendem Gesichtsausdruck. "Dann hab ich was für euch", fügte der Polizist vielsagend hinzu, setzte ein Grinsen auf und deutete mit dem Daumen über seine Schulter hinweg zum Eingangsbereich des GCPD, wo auf einer der Bänke vor dem »Officer of he Desk« eine junge Frau mit langen dunklen Haaren gefesselt in Handschellen saß und sich unsicher umsah.

"Wer ist die Kleine?", fragte Bullock, bevor Gordon es tun konnte.

"Ich hab sie nicht weit vom Tatort auf der Straße aufgelesen. Auf ihren Klamotten ist Blut. Ich dachte, sie könnte was mit dem Mord zu tun haben, aber sie weigert sich sogar, mir ihren Namen zu nennen", erklärte der Polizist, auf dessen Namensschild Miller zu lesen war. "Viel Spaß mit ihr", fügte er mit einem wissenden Grinsen hinzu, ehe er sich kurz an die Mütze tippe, auf dem Absatz kehrt machte und Anstalten machte, das Polizeirevier wieder zu verlassen.

Einen Moment lang sahen sich Jim und Harvey an, ehe der Ältere knapp mit den Schultern zuckte und seine halbvolle Kaffeetasse auf den Schreibtisch stellte. "Mal gucken, was die Kleine zu sagen hat", sagte er und bedeutete seinem Partner mit einem Kopfnicken, dass er mitkommen sollte. Und da Gordon ihn inzwischen gut genug kannte, um zu wissen, dass Bullock dazu neigte, Informationen auf seine ganz spezielle Art und Weise aus Personen herauszukitzeln, beeilte sich der jüngere Detective, dem Älteren zu folgen.

Wenn sich Jim in diesem Moment auf sein Bauchgefühl verlassen sollte, dann war das Mädchen, das mit Handschellen an eine Armlehne der massiven Holzbank gefesselt war, allerhöchstens eine unbeteiligte Zeugin. Wenn überhaupt. Blut auf ihrer Kleidung konnte in einer Stadt wie Gotham immerhin alles Mögliche bedeuten. Und Gordon befürchtete, dass sie am Ende noch als Sündenbock herhalten musste, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war.

"Hey", beeilte sich Jim zu sagen, als er fast zeitgleich mit Harvey an der Bank angekommen war und verhinderte so erfolgreich, dass sein Partner als Erster das Wort ergreifen konnte. "Ich bin Detective Gordon, dass ist Detective Bullock", fuhr er fort, nickte kurz in Richtung Bullock, der neben ihm stand und musterte seine Gesprächspartnerin, um ihr die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern.

Am Auffälligsten waren mit Abstand ihre eisblauen Augen, die seinen forschenden Blick stumm erwiderten. Das dunkle Augen-Make-up, das wie vom Weinen verschmiert war, konnte nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Kleine nach Gordons Schätzung höchstens achtzehn Jahre alt war, vielleicht sogar noch jünger. Auch ihre Kleidung ließ sie älter wirken, doch wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass man es hinter den gestreiften Kniestrümpfen, dem karierten Faltenröckchen und der mit roten Tropfen besprenkelten weißen Rüschenbluse mit einer jungen Frau zu tun hatte, die fast noch ein Kind war. Auch ihr hübsches Gesicht, das von dichtem dunklem Haar mit markanten gold-braunen Strähnen umrahmt war, wirkte sehr jugendlich.

Besonders die vermeintlichen Blutspuren musterte Gordon ganz genau. Durch seine bisherigen Erfahrungen als Polizist und beim Militär war er sich fast zu einhundert Prozent sicher, dass es wirklich Blut war und dass die Anordnung der Tropfen charakteristisch dafür war, dass man in der Nähe war, als eine andere Person erschossen wurde.

Gordon gab dem Mädchen mehrere Sekunden lang Zeit, etwas zu sagen, aber sehr zu seinem Missfallen zog sie es vor, ihn weiterhin misstrauisch anzusehen und zu schweigen. Jim seufzte lautlos und setzte an, etwas zu sagen, als sich Harvey einmischte. "Ich kenne die Kleine", sagte er mit fast triumphierender Stimme und grinste Jim kurz an. "Aus Fish Mooneys Nachtclub", fügte er hinzu, da der auffordernde Blick seines Partners Bände sprach. "Nina, richtig?", fragte Bullock an das Mädchen gewandt, die einen kurzen Moment zu überlegen schien, ehe sie zaghaft nickte. "Siehst du", sprach Harvey an Jim gerichtet weiter. "Alles gut. Die Kleine ist harmlos. Wir können sie gehen lassen."

"Bitte was?", erwiderte Jim ein wenig zu laut und offensichtlich mit etwas zu viel Schärfe in der Stimme, denn die Kollegen an den Schreibtischen in unmittelbarer Nähe hoben erstaunt die Köpfe und sahen das ungleiche Trio irritiert an. Um den Polizisten keinen Grund zum tratschen zu geben, packte Gordon seinen Partner am Ärmel seines Jacketts und bugsierte ihn ein paar Schritte weiter aus dem Hörbereich allzu neugieriger Ohren.

"Spinnst du? Sie ist eine potenzielle Tatverdächtige, aber auf jeden Fall eine Zeugin. Da kannst du sie doch nicht einfach mit der blutbespritzen Bluse hier wieder raus marschieren lassen!" Jim hatte sichtlich Mühe, seine Stimme leise zu halten.

"Ganz ruhig, du Jungspund", erwiderte Harvey ruhig und gelassen. "Die Kleine ist in Ordnung. Sie tanzt für Mooney und serviert Cocktails an der Bar. Sie ist harmlos."

"Und selbst wenn sie Moses im Schilf wäre", protestierte Gordon sofort. "Dass ist Blut!" Zur Verdeutlichung seiner Worte zeigte er auf das Mädchen, das ihr Gespräch mit gerunzelter Stirn und misstrauischem Blick verfolgt hatte.

"Jim, du siehst Gespenster", versuchte Harvey an die Vernunft seines Partners zu appellieren. "Fish wäre nicht erfreut, wenn eines ihrer Mädchen heute Abend nicht da wäre, weil du sie in eine unserer Zellen gesteckt hast", fügte er vielsagend hinzu.

"Ich habe nicht vor, sie zu verha-", setzte Gordon an, doch er kam nicht dazu, seinen angefangenen Satz zu beenden, da Bullock ihm ins Wort fiel.

"Prima!", sagte er erfreut und klatschte kurz in die Hände, ehe er zurück zu dem gefesselten Mädchen ging. Jim entging nicht, dass ihr Blick mit jedem Schritt, den sein Partner auf sie zu machte, fast unmerklich ängstlicher wurde. Harvey schien das jedoch nicht aufzufallen und als ob es das Normalste auf der Welt wäre, eine potenziell tatverdächtige Person ohne weitere Untersuchung oder Ermittlung gehen zu lassen, befreite er sie von den Handschellen. "Du kannst gehen. Nichts für ungut und sag Fish einen schönen Gruß von mir." Mit diesen Worten beförderte Harvey die Handschellen in die Taschen seines Jacketts.

Nina, die immer noch kein Wort gesagt hatte, sah Bullock nach wie vor mit deutlichem Argwohn an, ehe sie wieder knapp nickte, sich erhob und einen Schritt Richtung Ausgang machte. Genau in diesem Moment, schaltete sich Gordon wieder ein.

"Hier geblieben!", sagte er laut und deutlich, was bewirkte, dass Nina wie angewurzelt stehen blieb und sich vorsichtig zu Gordon umdrehte.

"Jetzt komm schon", mischte sich Bullock sofort wieder ein, sah seinen Partner auffordernd an und klang dabei ein wenig ungehalten. "Verschwinde", fügte er mit einem kurzen Blick über die Schulter in Richtung Nina hinzu, ehe er wieder Gordon mit einem Blick ansah, als ob er ihm gleich eine Standpauke halten wollte.

"Stop!", bellte Jim, dem Bullocks Blick natürlich nicht entgangen war, in dem Moment, als das Mädchen der Aufforderung seines Partners Folge leisten wollte. Sofort hielt sie wieder in ihrer Bewegung inne und man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie nicht wusste, was sie eigentlich machen sollte.

"Jim, es reicht", meldete sich Harvey wieder mit unverhohlener Schärfe in der Stimme zu Wort.

"Da hast du recht, Harvey", erwiderte Gordon mit ernstem Gesichtsausdruck. Doch statt das Mädchen ihrer Wege gehen zu lassen, wie Bullock es aufgrund der Worte erwartete, trat Jim auf die verschüchterte Nina zu. "Ich bringe sie zur Forensik, danach kann sie gehen", sagte er, ehe er dem Mädchen eine Hand auf den Rücken legte und sie so freundlich, aber bestimmt zu den Treppen im hinteren Bericht des Präsidiums lotste.

Harvey seufzte genervt und deutlich frustriert, sah seinem Partner einen Moment lang nach, ehe er sich beeilte, zu seinem Schreibtisch zu kommen, sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen ließ und nach dem Telefonhörer griff.
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