Geschichte aus dem SternenClan

GeschichteAllgemein / P12
16.10.2014
15.04.2019
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Bemüht selbstsicher trat Wolfsmond in die Schatten des Anführerbaus ein. Sie war bislang nur selten hier gewesen. Sie fühlte sich eingeengt in der plötzlichen Dunkelheit und durch die Nähe der Felswände. Doch ihre Augen gewöhnten sich schnell an das spärliche Licht. Als sie sich gegenüber von Flechtenstern nieder ließ, konnte sie bereits die Umrisse und die Flecken des Katers erkennen. Seine grünen Augen funkelten sie erwartungsvoll an. Wolfsmond bemerkte eine Bewegung hinter ihr. Wirbelwind hatte sich zu ihr gesetzt. Seine Anwesenheit gab ihr eine gewisse Sicherheit. Dennoch brachte sie kein Wort heraus und konnte ihren Anführer nur unbeweglich anstarren.

Einige Zeit herrschte eine drückende Stille zwischen den drei Katzen. Die schwarze Kätzin grub nervös ihre Krallen in die fest getretene Erde. Schließlich durchbrach Flechtenstern die Stille:
„Also Wolfsmond. Was kann ich für dich tun?“ Seine Stimme klang ein wenig ungeduldig und seine Schwanzspitze zuckte. Wolfsmond schluckte den dicken Klos in ihren Hals runter. Jetzt oder nie. Würde der FlussClan den WindClan vertreiben, wären sie stark genug um es auch noch einmal mit dem DonnerClan aufzunehmen. Wolfsmond dachte an Sonnenpfote, aber auch an Minzflamme, Sturmflut und all ihre anderen Clangefährten. Sie waren in Gefahr und sie musste Flechtenstern überzeugen zum Wohle des Clans einzugreifen.

Überflüssigerweise räusperte die Kätzin sich einmal. Sie legte sich im Kopf die Worte zurecht, fand jedoch keinen wirklichen Anfang. Schließlich sprach sie es einfach aus:
„Ich habe noch einmal über den Angriff des WindClans nachgedacht. Auf Minzflamme und mich. Die WindClan-Katzen sahen allesamt nicht gut aus. Sie waren ziemlich abgemagert, viel mehr als sie es normalerweise sind. Ich wurde neugierig und wollte wissen, warum.“
Wolfsmond wollte noch mehr sagen, doch Flechtenstern redete einfach dazwischen.
„Du machst dir Sorgen um den WindClan? Und das kurz vor der Blattleere?“
„Nein“, miaute die Schwarze sofort. „Aber ich habe Informationen von Baumkralle erhalten, dass -“
„Du triffst dich mit Baumkralle?“ Jetzt war es Wirbelwind, der ihr ins Wort fiel. Wolfsmond zuckte ertappt zusammen. Sie wollte das Ganze anders erklären, doch das Gespräch nahm eine ganz andere Richtung als gedacht.
„Warum triffst du dich mit der zweiten Anführerin des WindClans?“ Der enttäuschte Unterton in Wirbelwinds Stimme ließ sie die Ohren anlegen.
Flechtenstern übernahm das Wort:
„Die Blattleere steht kurz bevor und du hast nichts anderes zu tun als dich um den WindClan zu sorgen, während wir selbst genug Mäuler zu stopfen haben? Baumkralle hat dich letztens noch angegriffen und jetzt triffst du dich heimlich mit ihr?“

Wolfsmond konnte sehen, wie sich das Fell ihres Anführers aufstellte. Seine Augen funkelten wütend und ein dunkles Knurren hallte durch den Bau. Dann stellte er sich auf seine Pfoten und fixierte die Kriegerin genau.
„Sag mir nicht, dass du dem WindClan erlaubt hast auf unserem Territorium zu jagen.“
Fassungslos sah Wolfsmond ihren Anführer an. Er stellte sie gerade als Verräterin dar. Wut und Enttäuschung breiteten sich in ihr aus, ließen sie vergessen vor wem sie stand. Sie bleckte die Zähne und starrte mit vor Wut sprühenden Augen zurück.
Dann knurrte sie: „Wenn ihr mir endlich zuhören würdet, könnte ich euch alles erklären. Doch ihr hört in euren Köpfen nur den Wind des Waldes rauschen und lasst mich nicht einmal zu Wort kommen.“
Abwechselnd funkelte sie die beiden Kater an. Wirbelwind sah erschrocken, jedoch auch wütend aus. Flechtenstern dagegen schien mit seiner Fassung zu ringen. Schließlich setzte er sich mit immer noch gesträubtem Pelz hin und nickte Wolfsmond auffordernd zu. Diese versuchte sich ebenfalls zu beruhigen und zwang ihr Fell dazu sich glatt hin zu legen. Dann atmete sie einmal tief ein und verlor keine weitere Zeit.

„Ich wollte herausfinden, warum die WindClan-Katzen so schlecht aussehen. Deshalb machte ich mich auf den Weg in ihr Territorium in der Hoffnung den Grund zu finden. Denn was den WindClan bedroht, könnte auch eine Bedrohung für den DonnerClan werden. Das war letzte Nacht, während des Sturms.“
„Deshalb hast du so lange geschlafen“, murmelte Wirbelwind. Sein Blick war in weiter Ferne gerückt und er schien über die Worte seiner Tochter genau nachzudenken.
„Genau“, bestätigte ihm Wolfsmond mit einem Nicken. „Doch wegen des Sturms konnte ich keine Gerüche erkennen. Ich lief bis zu ihrem Lager um dort vielleicht auf einen Grund zu stoßen. Dort begegnete ich Baumkralle. Sie saß am Hang über dem Lager und hielt Wache.“
„Sagtest du nicht, dass sie beim Angriff bei den Sonnenfelsen dabei war? Sie muss doch ziemlich verletzt gewesen sein.“ In Flechtensterns Blick konnte Wolfsmond genau die Skepsis sehen. Er glaubt ihr nicht. Doch sie musste ihn überzeugen.
„Ja, sie war beim Angriff dabei und ja, so wie sie aussah gehörte sie definitiv in den Heilerbau.“ Das zerfurchte Gesicht der zweiten Anführerin erschien vor ihren Augen. Ein schlechtes Gewissen machte sich in Wolfsmond breit, doch für Schuldgefühle hatte sie später noch genug Zeit.

„Ich trat zu ihr und konnte sie davon überzeugen, mir von den Problemen des WindClans zu erzählen.“
„Warum sollte sie das tun? Sie ist zweite Anführerin und sie gibt die Schwäche ihres Clans einfach so preis?“ Das war Wirbelwind. Er stellte diese Frage nicht, weil er an Wolfsmond zweifelte, sondern weil er aus dem Verhalten von Baumkralle nicht schlau wurde.
„Das habe ich sie auch gefragt“, erzählte Wolfsmond weiter. „Sie sagte mir, dass Himmelsstern die Probleme des WindClans unterschätzen würde. Sie jedoch würde das nicht tun.“
Wolfsmond sah den beiden Katern abwechselt in die Augen. Jetzt kam der entscheidende Teil.

„Der FlussClan ist das Problem. Nachdem sie bei uns keinen Erfolg hatten, haben sie Teile des WindClan-Territoriums eingenommen.“ Sie verstummte um sich zu vergewissern, dass die anderen ihr zuhörten. Flechtenstern nickte ihr auffordernd zu. Jetzt hatte sie endlich sein Interesse.
„Der WindClan findet nicht mehr genug Beute auf dem verbliebenden Territorium. So sind sie nicht stark genug um den FlussClan zurück zu drängen und sich ihr Territorium zurück zu erobern. Baumkralle erzählte, dass Schiefzahn bereits verhungert sei und Ahornglanz kaum noch Milch für ihre Jungen hätte.“
Dann senkte Wolfsmond ihre Stimme ein wenig um ihr einen bedeutungsvolleren Klang zu geben.
„Sie hätten Glanzhimmel fast umgebracht, als dieser Kräuter in ihrem alten Territorium sammeln wollte. Baumkralle weiß nicht, ob er überlebt und Käferfell muss sich jetzt um ihn kümmern. Vielleicht ist er mittlerweile auch schon tot. Flechtenstern, der FlussClan hat einen Heiler angegriffen. Sie verstoßen gegen das Gesetz der Krieger.“

Der DonnerClan-Anführer blickte die schwarze Kriegerin nur weiterhin aufmerksam an.
„Dann hat Baumkralle mich um Hilfe gebeten. Sie schaffen es nicht alleine den FlussClan zu besiegen. Ich bin dann direkt zurück gelaufen.“
Wieder senkte sich Stille im Bau des Anführers. Flechtenstern schien nachzudenken. Auch Wirbelwind hatte einen konzentrierten Gesichtsausdruck. Dann brach Flechtenstern selbst die Stille:
„Hast du Gerüche des FlussClans gefunden?“
„Nein, der Wind muss sie verweht haben“, miaute Wolfsmond.
„Weiß Himmelsstern von eurem Gespräch?“
„Nein, außer Baumkralle hat ihm mittlerweile davon erzählt.“
„FlussClan-Katzen sind zu langsam um Kaninchen zu jagen. Was könnten sie mit dem Gebiet wollen?“
„Ich weiß es nicht.“ Wolfsmond wurde die Fragerei langsam unangenehm. „Baumkralle sagte, dass sie keine Kaninchen fangen können. Vielleicht wollen sie den WIndClan nur vertreiben um ihre Macht zu demonstrieren.“

„Aber das sind alles nur Vermutungen“, schaltete sich Wirbelwind ein. „Wir wissen nichts Konkretes.“
„Was könnte der WindClan für einen Vorteil ziehen, wenn wir den FlussClan angreifen?“ Dieses Mal richtete sich Flechtenstern an seinen Stellvertreter.
„Vielleicht ist der WindClan an unserem Territorium interessiert. Dann wäre ein Kampf zwischen DonnerClan und FlussClan ein guter Anfang um uns zu schwächen.“
Wolfsmond hatte eine böse Vorahnung.
„Ihr glaubt, dass Baumkralle gelogen hat?“
Flechtenstern sah nachdenklich auf seine breiten Pfoten.
„Möglich wäre es.“
Wieder wurde es still im Bau. Wolfsmond konnte es nicht glauben. Baumkralle hatte sie nicht angelogen. Ihre Verzweiflung war echt gewesen. Doch sie konnte nicht eigenmächtig handeln. Flechtenstern war immerhin ihr Anführer. Die Stille zerrte langsam an ihren Nerven. Nervös grub sie erneut die Krallen in die Erde, bis sie eine Berührung an ihrer Schulter spürte. Wirbelwind sah sie sanft an. Seine Augen glühten in der Dunkelheit des Baus.

Eine Bewegung vor ihr lenkte Wolfsmonds Aufmerksamkeit wieder auf Flechtenstern. Er sah mit einem Male uralt aus, trotzdem strahlte er eine unglaubliche Autorität aus.
„Wir warten bis zur großen Versammlung. Dort mache ich mir ein Bild des Ganzen und schaue, wie sich die WindClan-Katzen und die FlussClan-Katzen verhalten. Dann treffe ich eine Entscheidung.“
Wolfsmond nickte nur. Was blieb ihr auch anderes übrig. Bis zur großen Versammlung dauerte es nicht mehr lange. Zwar hatte sie sich ein anderes Ergebnis erhofft, doch mit dieser Lösung konnte sie sich erst einmal zufrieden geben.
„Du kannst gehen. Ich möchte noch mit Wirbelwind sprechen.“

Wieder nickte Wolfsmond einfach. Die Worte ihres Anführers duldeten keine Wiederrede. Als sie sich erhob und aus dem engen Bau trat fühlte sie eine bleierne Müdigkeit in ihren Pfoten. Sie wusste, dass sie das Vertrauen von Flechtenstern verloren hatte. Doch sie hatte dem WindClan zumindest eine Möglichkeit verschafft.
Langsam ließ sie ihren Blick durch das Lager schweifen. Die Sonne war bereits komplett unter gegangen und nur einige Gestalten waren noch außerhalb der Baue. Darunter Sonnenpfote. Er saß mit Fliegenpfote und Rosenpfote in der Nähe des Frischbeutehaufens und teilte sich etwas Frischbeute mit ihnen.
Auch Hagelpelz und Samenpelz saßen in einer Ecke. Sie hatten die Köpfe nahe beieinander und tuschelten aufgeregt.
Eispelz saß bei Bachfarn. Vater und Sohn schwiegen sich an, beiden schienen ihren eigenen Gedanken nachzugehen.
Wolfsmond warf noch einen Seitenblick zum Farntunnel, doch ihr Bruder war nicht zu sehen. Mit schweren Pfoten schlurfte sie zum Kriegerbau, schob sich durch bereits schlafende Katzen und blickte anschließend auf ihr zerstörtes Nest herab. Schwer seufzte sie. Sie hatte ganz vergessen sich neues Nestmaterial zu holen. Grob schob sie die Moosstücke mit der Pfote zusammen und nahm sich fest vor, am Morgen nach neuem Moos zu suchen. Vielleicht könnte sie Tigerstreif begleiten und mal wieder etwas Zeit mit ihrem Bruder verbringen. Mit diesem Gedanken ließ sie sich in ihr Nest fallen und war beinahe sofort eingeschlafen.


_.-~-._


Der volle Mond stand hell am Himmel, tauchte das Gras und die Bäume in Silber. Der Geruch und das Getuschel vieler Katzen drangen aus der Kuhle, in der die 4 großen Eichen standen, zu den Katzen oberhalb des Hangs. Sie alle warteten auf das Zeichen ihres Anführers. Ungeduld ließ manche den Schweif aufplustern, während andere aufgeregt miteinander tuschelten. Dann richtete der weißbraun gefleckte Kater seinen Schweif auf und die Katzen stürmten wie eine Einheit den Hang hinab, ergossen sich unter die anderen Katzen und verteilten sich schließlich.

Wolfsmond sah sich aufmerksam um, doch ihre Nase hatte sie nicht getäuscht. Bis jetzt waren nur der FlussClan und der SchattenClan anwesend. Doch noch war die Nacht jung und der Himmel klar. Der WindClan war nicht zu spät.

Wolfsmond hatte erst befürchtet, dass Flechtenstern sie nicht mit zur großen Versammlung gehen lassen würde. Schließlich hatte sie ihn offensichtlich enttäuscht. Doch zu ihrem Glück, hatte ihr Anführer anders entschieden. Sie sollte sich freuen, auf eine friedliche Nacht mit den anderen Clans. Doch eine tonnenschwere Last ruhte auf ihren Schultern und ließ sie immer wieder nervös zum WindClan-Territorium blicken.

„Hast du einen Verehrer im WindClan oder warum kannst du ihre Ankunft nicht erwarten?“
Als Wolfsmond diese Stimme hörte, verdrehte sie genervt die Augen. Warum musste sie auch auf jeder großen Versammlung sein, zu der auch Wolfsmond ging?
„Ich halte meinem Clan die Treue, Blitzkralle.“ Möglichst elegant drehte die schwarze DonnerClan-Katze sich um die eigene Achse und funkelte die FlussClan-Kriegerin herausfordernd an.
„Und ich halte mich an das Gesetz der Krieger“, fügte Wolfsmond noch hinzu.
Beide Kätzinnen starrten sich an, keine wollte den Blick senken.
„Was willst du damit sagen?“, knurrte Blitzkralle.
„Das weißt du ganz genau“, antwortete Wolfsmond. Eine gewisse Spannung lag in der Luft, dennoch wagte keine Katze es, noch einen Schritt auf die andere zuzugehen. Schließlich befanden sie sich immer noch auf einer großen Versammlung.

„Hallo Wolfsmond.“
Überrascht wendete die Schwarze den Kopf und unterbrach den Blickkontakt mit der Schwarzweißen.
Eine strahlend weiße Kätzin schlängelte sich durch die Menge und blieb schließlich neben Wolfsmond stehen. Ihr Fell leuchtete im silbrigen Licht des Vollmondes und ihre blauen Augen strahlten sie warm an.
„Schneeherz.“  Die schwarze Kätzin nickte kurz mit dem Kopf. Auch wenn Wolfsmond es nicht zeigte, freute sie sich doch sehr die weiße Kriegerin wohlauf zu sehen. Schließlich war sie auch eine gute Freundin von Falkenfeder gewesen.
„Ich freue mich dich zu sehen“, ergänzte Wolfsmond noch kurz. „Wie geht es dir?“
Sie hatte keine Lust mehr auf Blitzkralle und versuchte sie daher auszublenden.
„Mir geht es sehr gut“, schnurrte die weiße Kriegerin. Sie beugte sich ein Stück näher zu Wolfsmond und flüsterte verschwörerisch: „Ich habe endlich einen Gefährten gefunden.“

Wolfsmond fing ebenfalls an zu schnurren.
„Das freut mich sehr für dich. Wer ist es denn?“ Neugierde machte sich in der schwarzen Kätzin breit. Endlich gab es einmal gute Neuigkeiten.
„Es ist Feuermaul“, schnurrte Schneeherz und ihre Augen nahmen einen verträumten Ausdruck an.
„Feuermaul“, wiederholte Wolfsmond und sah sich nach dem weißroten Kater um. Er saß unter dem Großstein, bei den anderen zweiten Anführern. Als ob er den Blick merken würde, drehte er den Kopf und blickte zu der Gruppe Katzen. Dann nickte er Wolfsmond kurz zu. Sie nickte zurück. Sie hatte noch nicht viel mit dem zweiten Anführer des SchattenClans zu tun gehabt, doch er genoss ein hohes Ansehen unter den Clans. Wolfsmond schenkte ihre Aufmerksamkeit wieder Schneeherz.

„Ihr passt sehr gut zusammen.“
„Danke, Wolfsmond. Vielleicht kann ich mich bald in die Kinderstube begeben.“
Wolfsmond berührte die Kriegerin mit dem Schweif an der Schulter.
„Wenn du es möchtest, dann dauert es sicher nicht mehr lange.“
Dann trat Blitzkralle plötzlich unerwartet einen Schritt näher an die zwei Kätzinnen heran.
„Da hast du aber einen guten Fang gemacht. Hast dir direkt den nächsten Anführer gekrallt.“ Auch sie hatte ihren Blick auf Feuermaul gerichtet. Schneeherz legte die Ohren ein wenig an.
„Ich hoffe Rabenstern hat noch zahllose Blattwechsel vor sich“, miaute sie und gab ihrer Stimme dabei einen arroganten Unterton.
„Wenn du meinst“, miaute Blitzkralle nur. Aufmerksam blickte sie zwischen den zwei Kätzinnen hin und her. Schließlich wurde es Wolfsmond zu viel.

„Komm Schneeherz, ich muss dir unbedingt Sonnenpfote vorstellen. Ich glaube ihr habt euch noch nicht kennengelernt.“
„Gerne. Ich bin gespannt, wie er ist und was er zu erzählen hat.“
Die beiden Kätzinnen wandten sich ab. Kurz ließ Wolfsmond ihren Blick schweifen, eher sie ihren Sohn bei einigen anderen Schülern erblickte. Zielgerichtet schritt sie los, merkte jedoch sofort, dass Blitzkralle ihr zögernd folgte. Die Kätzin hatte ihre schwarzen Ohren leicht angelegt und schien verunsichert. Dann bemerkte sie den Blick von Wolfsmond und blickte ertappt zu ihr. Genauso schnell wandte sie den Blick jedoch wieder ab, drehte sich ebenfalls um und verschwand zwischen ihren Clangefährten. Schneeherz hatte das ganze beobachtet, Wolfsmond schnaubte nur. Dann schlängelte sie sich weiter durch die Katzenmenge, Schneeherz dicht neben ihr. Während sie den Abstand zu Sonnenpfote verringerten, blickte Wolfsmond sich noch einmal genau um. Sie hatte gar nicht darauf geachtet, wer alles heute Nacht hier war.

Sie erkannte Forellenschweif und Blütentanz aus dem FlussClan. Sie saßen bei Eichelpelz und Sturmflut. Die Kätzinnen schienen über etwas heiß zu diskutieren. Dann waren da noch Flussfell, Leopardenkralle und Kaninchensprung. Die drei SchattenClan-Katzen tuschelten aufgeregt miteinander. Die Ältesten Finsterpelz, Hirschkralle und Morgenröte lagen etwas abseits der anderen und gaben sich die Zungen. Dann erblickte Wolfsmond im vorbei gehen noch Löwenschweif und Kratzpelz aus dem FlussClan, Leuchtstreif, Dachsbart und Traumgesicht aus dem SchattenClan und Nordlicht, Fleckenfell und Bachfarn aus ihrem Clan. Es befanden sich noch weit mehr Katzen auf der großen Versammlung, doch Wolfsmond verlor den Überblick, als Schneeherz sie ansprach:

„Meinst du, Blitzkralle wäre gerne mitgekommen?“
Wieder schnaubte die schwarze Kriegerin nur, doch die Weiße schien sich davon nicht beirren zu lassen.
„Ich glaube nicht, dass sie viele Freunde im FlussClan hat.“
Wolfsmond warf ihr einen Blick zu, eher sie meinte: „Blitzkralle war auch nie besonders freundlich zu mir.“
Ein nachdenklicher Ausdruck erschien auf Schneeherz Gesicht. Dann öffnete sie wieder das Maul.
„Vielleicht ist das einfach ihre Art. Manche Katzen können ihre Gefühle nicht zeigen und neigen dann zu solchen Sachen.“
„Du meinst zum Nerven und zum Provozieren?“
„Genau das meine ich“, antwortete Schneeherz zufrieden.
„Ich kann damit nicht umgehen“, grummelte Wolfsmond. „Sie hätte ja was sagen können.“
„Ich sage dir, sie ist einsam. Und auf einer verdrehten Art hat sie ja versucht freundlich zu sein.“
„Wenn du meinst“, miaute Wolfsmond nur und beschleunigte ihr Tempo ein wenig. Sie wollte nicht noch länger über Blitzkralle reden.

Schließlich erreichten sie Sonnenpfote. Der Schüler saß mit Fliegenpfote, Rosenpfote und drei Schülern die nach SchattenClan rochen am Rande der Versammlung. Gerade zeigte Fliegenpfoten den anderen Schülern das Jagdkauern für die Mäusejagt. Wolfsmond schnurrte belustigt. Sie sah genau, wie die weißgrau gefleckte Schülerin vor Anspannung zitterte. Dennoch war das Jagdkauern korrekt. Die SchattenClan-Schüler versuchten es ihr nachzumachen, während Sonnenpfote und Rosenpfote sie dabei korrigierten. Als die Schüler schließlich die zwei Kriegerinnen bemerkten, unterbrachen sie ihr Training und setzten sich auf.

„Hallo zusammen“, miaute Wolfsmond in die Runde.
„Das sah ja schon richtig gut aus“, lobte Schneeherz. Wolfsmond bemerkte, wie Fliegenpfote ihre Brust raus streckte und den Kopf stolz anhob. Belustigung machte sich in ihr breit. Hatte sie sich auch mal so verhalten? Dann wandte sie sich an die Schüler des DonnerClans. Dabei deutete sie mit dem Schweif auf die weiße Kätzin neben sich.
„Das hier ist Schneeherz, eine Kriegerin des SchattenClans.“ Schneeherz nickte den Dreien freundlich zu.
„Schneeherz, das hier sind Fliegenpfote, Rosenpfote und Sonnenpfote“, als sie das sagte, deutete sie abwechselnd auf die drei Schüler.
„Freut mich euch kennenzulernen“, schnurrte Schneeherz.
„Freut uns auch“, miauten die drei Schüler im Chor.
Dann wandte sich Schneeherz an Wolfsmond: „Und diese drei hier sind Harzpfote –„ dabei deutete die weiße Kätzin auf einen sandfarbenen und wie Wolfsmond fand ziemlich dicken Schüler.
„Beerenpfote –„ eine schildpattfarbene Schülerin mit aufmerksamen Augen.
„Und Steinpfote.“ Dies war ein etwas kleinerer, grauer Schüler mit einem leichten Streifenmuster im Fell.
„Freut mich auch euch kennenzulernen“, miaute Wolfsmond. Die Schüler nickten schüchtern zurück.
„Es ist ihre erste große Versammlung“, erklärte Schneeherz.
„Ihr seid bestimmt aufgeregt“, miaute Wolfsmond und musste an ihre erst große Versammlung denken. Sie wandte sich an die weiße Kätzin neben sich.
„Ich dachte damals ich könnte es mit dem ganzen SternenClan aufnehmen. Doch dann habe ich die vielen Katzen hier gesehen und ich wurde so nervös, dass ich kaum ein Wort heraus bekam.“
Schneeherz zuckte belustigt mit den Schnurrhaaren.
„Ich kann mich noch genau daran erinnern“, meinte sie. „Falkenfeder kam damals zu mir mit dir an seiner Seite. Er war so stolz endlich einen Schüler zu haben. Du hingegen schienst dich einfach nur in einem Loch verstecken zu wollen.“ Ihre Augen funkelten frech.

„War das damals wirklich so“, Sonnenpfote hatte seine Augen weit aufgerissen und starrte seine Mutter überrascht an. „Das hast du mir nie erzählt Wolfsmond.“
„Das sind auch keine Geschichten, die man aufsässigen Jungen erzählt“, miaute Wolfsmond belustigt und schlug mit dem Schweif nach ihrem Sohn.
„Ich bin froh, dass ich deinen Vater damals an meiner Seite hatte“, ergänzte sie noch schnell.
„Du warst schon fast so groß wie er“, miaute Schneeherz immer noch belustigt.
„Ja, der Größte war er nicht“, antwortete die Schwarze, ergänzte jedoch: „Dafür hatte er ein umso großes Herz.“
„Das stimmt“, seufzte Schneeherz.

Die Gruppe versank in Schweigen, auch die Schüler trauten sich nicht mehr etwas zu sagen. Sie spürten instinktiv die Anspannung, die sich zwischen die Katzen gelegt hatte. Schließlich war es jedoch etwas anderes, das das Schweigen brach. Der Ruf einer Katze hallte laut über die Versammlung.
„Der WindClan kommt!“

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So, hier das neue Kapitel :)
Wie wird es wohl weiter gehen? Wir werden sehen!

Liebe Grüße
Wolf :3
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