Ich zeige Dir die Angst in einer Handvoll Staub - Remake "The Stand" von Stephen King

GeschichteAbenteuer / P16
15.10.2014
25.08.2015
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10. September 2006
Für Leah war es unglaublich schwierig geworden, seit Logan in den Westen gegangen war. Die Kinder mussten ständig mit Lügengeschichten beruhigt werden, während sie sich selbst grässliche Sorgen machte und dann war da auch noch Mike ...
Er war ihr nicht unsympathisch, aber sie hatte nicht vergessen, wie er am Tag von Logans Verschwinden über ihn gesprochen hatte, und sie ... war sich nicht sicher, ob sie überhaupt einen anderen Mann als Logan in ihrem Leben haben wollte.
Sie fand keine Ruhe mehr, fragte sich ständig, ob sie ihn zum Dunklen Mann getrieben hatte, und ob sie es hätte ändern wollen - ob sie die harsche Abfuhr zurücknehmen wollte, die sie ihm erteilt hatte.
Sie hatte seine Argumente gehört und begriffen, aber sie war sich nicht sicher, ob es seine wahren Gründe waren. Nur zu gut hatte sie seine anfängliche Ablehnung im Ohr, die ihr Frannie auf ihr Drängen hin verraten hatte: ‚Oscar hat schon seine Mutter verloren, ich will ihn nicht vollends zum Waisen machen! Und wenn der Teufel aus dem Westen herkommt, will ich wenigstens hier sein, um Leah und die Kids verteidigen zu können!’
Tags darauf hatte er mit ihr schlafen wollen ... und eine Woche später war er in den Westen aufgebrochen.
Hatte sie ihm Unrecht getan? Sie hatte ihn mit der Abfuhr verletzt, das war ihr schon klar gewesen, aber sie hatte geglaubt, es ginge ihm nur um Sex, den er an jenem Abend eben von ihr hatte haben wollen.
Inzwischen war sie sich da so gar nicht mehr sicher.
Sie hatte lange mit sich gerungen, hatte in jeder freien Sekunde darüber nachgedacht und stand jetzt vor dem Haus, das Dayna mit einigen anderen bewohnte.
Auf ihr Klopfen blieb es einen langen Augenblick still, aber schließlich rief Dayna ein „Ich komme schon!“ und Leah verschränkte nervös die Arme unter den Brüsten.
„Hi!“, begrüßte Dayna sie fröhlich, als sie ihr die Tür öffnete. „Was treibt dich denn her?“
„Kann ich mit dir reden?“, bat Leah schlicht und Dayna bat sie herein, wo sie ins Wohnzimmer gingen.
„Es ist ernst, hm?“ Die beiden waren nie Freundinnen gewesen und hatten sich seit ihrer Ankunft in Boulder nur noch zufällig getroffen, dennoch sah Dayna sie offen an.
„Es tut mir leid, es ist vor allem dumm!“ Sie hatte sich eben erst gesetzt und wollte schon wieder aufspringen, aber Dayna griff nach ihrer Hand und hielt sie zurück.
„Lass das bitte mich entscheiden“, bat sie weiterhin freundlich und Leah spürte Tränen in den Augen brennen.
„Ich bin hier, weil ich ...“ Sie schluckte. „Ich muss etwas wissen, verstehst du?“
„Kein Wort“, gab Dayna zurück, lächelte aber dabei.
„Hast du auf der Reise mit Logan geschlafen?“ Jetzt war es raus und konnte nicht mehr zurückgenommen werden. Leah starrte ihre Füße an, während ihre Wangen brannten.
„Bitte?“ Dayna blinzelte irritiert. „Ob ich mit Logan geschlafen habe? Liebes, wie kommst du darauf? Ich denke, er ist dein Mann?“
„Nein, und das weißt du auch.“ Leah sah sie wieder an. „Jeder in unserer Gruppe hat doch am Ende gewusst, dass wir nur Weggefährten waren, oder?“
„Kann schon sein.“ Dayna hob die Schultern. „Aber das spielt keine Rolle. Nein, ich habe nie mit ihm geschlafen, und auch keine der anderen ... Wie kommst du auf die Idee?“
„Wie du ihn angesehen hast“, begann Leah nach einer Erklärung zu suchen, obwohl sie sich lächerlich vorkam. „Und ... ich hab eine fast leere Packung Kondome in seiner Tasche gefunden ... Außerdem war er in einer Menge Nächte lange nicht an meiner Seite.“
„Hmm, okay, das kann ich verstehen.“ Dayna schmunzelte nicht einmal. „Aber ich glaube, ich weiß, was es mit den Kondomen auf sich hat.“
„So.“ Leah klang misstrauisch, aber Dayna nickte nur bekräftigend.
„Aaron hat mit Patty geschlafen“, erklärte sie schlicht. „Und wir waren damals auf freier Strecke, weit weg vom nächsten Drugstore. Ich denke, er hat sich bei Logan bedient.“
„Und weswegen - zum Teufel - sollte der welche haben?“, fauchte Leah, was Dayna leise lachen ließ.
„Wegen dir, Dummerchen!“ Sie hob nur eine Augenbraue steil an. „Hattest du nie das Gefühl, dass er ... nun, Gefühle für dich hat? Zumindest in der Hose?“
„Wir waren lediglich zwei halbe Familien, die sich zusammengetan haben“, murmelte Leah leise. „Beide gerade verwitwet ...“
„Und warum interessiert es dich dann, ob er mit einer anderen Sex hatte?“ Dayna amüsierte sich sichtlich. „Leah, Schätzchen!“
„Ich hab ihn abgewiesen ... wegen dir. Oder wegen dem, was ich dachte, dass zwischen euch war.“ Auf einmal wusste sie, dass sie Logan sehr verletzt haben musste.
„Und jetzt ist er weg.“ Dayna musterte sie forschend. „Im Westen, richtig?“ Leahs Tränen waren Antwort genug. „Und du hast Angst, dass er wegen deiner Abfuhr gegangen ist.“ Sie hob die Schultern. „Ich kenne ihn lange nicht so gut, wie du, aber ... ich hätte ihn für härter gehalten.“
„Nein, da irrst du dich.“ Leah schniefte leise. „Logan Howlett ist nicht sein richtiger Name ... Vor der Seuche hieß er Hugh Jackman.“
„Der Hugh Jackman?“ Echtes Erstaunen war in Daynas Augen, obwohl sie sich immer schon gefragt hatte, an wen er sie erinnerte. „Der Gentleman aus ‚Kate & Leopold’?“
„Ja, auch.“ Leah spürte auf einmal brennende Sehnsucht in den Eingeweiden. „Und er spielte mal einen ganz harten Knochen, einen wütenden, fast unzerstörbaren Mutanten namens Wolverine, ziviler Name ‚Logan’ ...“ Sie sah Dayna fest in die Augen. „Verstehst du? Hugh hat diese Identität angenommen, um die Kinder und mich auf der Straße besser beschützen zu können! Aber sein wahres Ich, der weiche Gentleman, ist immer noch in ihm.“
„Wie auch immer.“ Dayna legte leicht den Kopf schief. „Selbst wenn er wegen dir gegangen ist - du kannst es nicht mehr ändern, hab ich recht?“
Das half Leah auch nicht, besser zu schlafen.