Ich zeige Dir die Angst in einer Handvoll Staub - Remake "The Stand" von Stephen King

GeschichteAbenteuer / P16
15.10.2014
25.08.2015
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18. Juni 2006
Sie folgten jetzt seit zwei Tagen dem Highway 78 in Richtung Harrisburg in Pennsylvania und Logan wollte heute einen Abstecher in eine größere Stadt machen, fehlten ihnen doch immer noch einige Campingartikel, die er dort besorgen wollte.
„Da hinten liegt Bethlehem“, erklärte er Leah, als sie mittags auf einer Hügelkuppe standen und zum ersten Mal seit einer Weile wieder den verstopften Highway sehen konnten. „Ich werde gleich nach dem Mittagessen hinreiten und denke, dass ich bis zur Dämmerung wieder da sein werde.“
„Du willst uns alleine lassen?“ Das ließ nackte Angst in Leahs Augen erscheinen, aber er nickte nur und sah sie fest an.
„Ihr seid hier sicher“, versicherte er ihr so überzeugend, wie er nur in der Lage war. „Und ... die Kiddies sollten nicht unbedingt mitkommen, das verstehst du doch, oder? Es ist nichts für sie.“
„Nein, wahrscheinlich nicht.“ Leah war sich natürlich darüber im Klaren, dass in einer größeren Stadt weit mehr Tote auf sie lauern würden, als das in diesen Kuhdörfern der Fall war, an denen sie bisher vorbeigekommen waren. Und das würden sie nicht vor den Kindern verheimlichen können. „Aber es muss mir nicht gefallen, richtig?“
„Du bist ein stures Weibchen!“ Dabei klang ein gewisses Maß an Ärger in seiner Stimme mit und seine Augenbrauen zogen sich auf die Art zusammen, die immer Wolverine ausgemacht hatte, was Leah ausnehmend gut gefiel, weswegen sie ihm auch nur einen Augenaufschlag schenkte.
„Das ist mein Privileg als Frau“, ließ sie ihn einfach wissen und Logan sagte gar nichts mehr dazu, sondern trieb seine Stute wieder an und ritt auf ein paar Bäume zu, die ihnen in der Mittagshitze Schatten spenden würden.

*.*.*

Früher hatte Hugh Jackman als einer der nettesten Männer des Showbusiness gegolten, aber er selbst spürte ganz genau, dass er sich in den Tagen und Wochen der Supergrippe verändert hatte.
Für ihn war es vollkommen richtig, dass er jetzt einen anderen Namen trug, denn im Augenblick fühlte er sich weit mehr wie Logan, denn wie der alte Hugh Jackman! Eine Art Panzer war über seinem weichen Kern gewachsen, hatte ihn härter und entschlossener werden lassen und er war sich sehr wohl bewusst, dass er nur durch diese Veränderung die Erlebnisse im Tunnel so gut weggesteckt hatte.
Leah war vielleicht der Meinung, dass er eine Rolle spielte, aber für ihn waren diese Veränderungen sehr real, er hatte eine andere Identität angenommen und fühlte sich damit im Augenblick auch sehr wohl.
Er war sich nicht sicher, ob es je wieder einen Mann namens Hugh Jackman geben würde.
So ritt er auch jetzt mit einer Furcht einflößenden Ausstrahlung in die verlassene Stadt, das Gewehr locker in der linken Hand, während er seine Stute eher mit den Schenkeln denn mit den Zügeln lenkte. Seinen Hut hatte er so tief in die Stirn gezogen, dass man seine Augen nicht sehen konnte, und er musterte unablässig die Häuserfronten, während er die Hauptstraße entlang ritt.
Hier in der Stadt war es relativ einfach, ein großes Geschäft für Campingbedarf zu finden, und er nahm seine Stute einfach mit hinein. Die Tür war bereits eingeschlagen gewesen und er schob mit dem Stiefel sorgfältig alle Glassplitter aus dem Weg, ehe er das Pferd hinter sich herzog.
Er band die Stute hinter dem Tresen an, außerhalb der Sicht von jemandem, der zufällig hineinsehen sollte, dann machte er sich daran, die Dinge zu besorgen, die sie noch brauchten.
Wenig später hatte er zwei kleine Zelte ausgesucht, ein Einmannzelt für die Kinder, ein Zweimannzelt für sich und Leah - er genoss es inzwischen sehr, die Nächte mit ihr zusammen zu verbringen, auch wenn er noch lange nicht bereit war, sich das auch einzugestehen. Was sprach auch dagegen? In diesen verrückten Zeiten war es ein großer Luxus, einen anderen Menschen an seiner Seite zu haben. Ganz ohne Hintergedanken, einfach nur so, schlicht und schnörkellos.
Er suchte ihnen noch ein paar Dosen Brennpaste heraus, die es ihnen um vieles leichter machen würde, ein Lagerfeuer zu entzünden, um dann auch noch zwei Zippos und ein paar Dosen Nachfüllbenzin einzustecken.
Schließlich hatte ihm Leah auch noch ein paar Kleinigkeiten in Auftrag gegeben, die sie selbst für sich und die Kinder haben wollte, und Logan band alles zu zwei Bündeln zusammen, die hinter dem Sattel liegen würden.
„Fast alles erledigt, meine Schöne.“ Er streichelte den Hals seiner Stute, ehe er sie aus dem Geschäft führte und sich wieder in den Sattel schwang, um ein paar persönliche Besorgungen zu machen.
Die ganze Zeit war er sich der Blicke bewusst, die ihm aus dem Verborgenen folgten - er hätte nicht sagen können, dass es ihm gefiel!
Ebenso wenig, wie der Stute sein unbewusstes Knurren gefiel.