Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Awesome Heroes, genau wie du und ich

OneshotHumor / P12 / Gen
Amerika Bayern England Österreich Preussen Spanien
14.10.2014
01.04.2020
55
25.563
6
Alle Kapitel
94 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
10.07.2016 415
 
Irgendwann im 16. Jahrhundert

Spanien war der Erste, den Österreich sah, als er am Morgen aufwachte. Sein Ehemann stand im Nachtgewand vor dem Spiegel und inspizierte sein Kinn mit einem selten gesehenen Stirnrunzeln.

„Antonio, was machst du denn da?“, murmelte Österreich schläfrig.

„Ich möchte einen Bart haben, aber meine Haare wachsen einfach nicht. Ich meine, ich sehe nicht mehr wie ein Kind aus, also sollte ich doch langsam mal mehr Gesichtsbehaarung bekommen, oder?“ Spanien legte die Stirn noch mehr in Falten und versuchte anscheinend, ein paar Haare auf seinem Kinn zu entdecken, die so aussahen, als würden sie mit der Zeit mal ein wenig länger wachsen.

„Was spielt das überhaupt für eine Rolle?“, sagte Österreich, rollte sich auf den Rücken und zog die Decke enger um sich.

„Ob das eine Rolle spielt?“, rief Spanien aus. „Natürlich spielt das eine Rolle! Der Bart ist ein Symbol für Ehre, und wenn man seinen Bart verliert, bedeutet das, dass man zugleich auch seine Ehre verliert! Ich meine, in dem Gedicht bleibt niemand ungestraft, der an El Cids langem Bart zieht!“

Österreich seufzte und setzte sich auf. „Spanien“, sagte er. „Sei kein Narr. Glaubst du denn wirklich, dass irgendjemandes Ehre sich über dessen Bart definiert? Es sind die Taten, die darüber entscheiden, ob jemand ein Ehrenmann ist.“

Spanien sah zweifelnd von Österreich zu seinem eigenen Spiegelbild und wieder zurück.

„Wie dem auch sei“, sagte Österreich leicht verärgert. „Ich schlafe jetzt jedenfalls weiter.“ Er rollte sich auf die Seite des Bettes, an der niemand stand, und zog sich entschlossen die Decke über den Kopf.

~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~

Mehrere Jahre später fing Spaniens Gesichtsbehaarung dann tatsächlich an zu wachsen. Als er es bemerkte, stand er minutenlang vor dem Spiegel und überlegte hin und her, ob er sich nun endlich, endlich einen Bart wachsen lassen sollte. Doch alles, was er sah, war die Verärgerung auf Österreichs Gesicht während ihrer Unterhaltung über Bärte.

Schlussendlich rasierte er sich.

——————————

Anmerkungen:

Meine Theorie, warum Spanien glattrasiert ist. (Ein Bart hätte schließlich zum Klischeebild über spanische Männer gepasst.)

El Cantar de Mio Cid (ca. 1201-1207/1235) ist ein Gedicht über die Taten des kastilischen Edelmannes Rodrigo Díaz de Vivar (ca. 1041/47-1099), der als idealisierter mittelalterlicher Ritter dargestellt wird. In dem Gedicht sind Bärte tatsächlich ein Symbol für Ehre und es ist sehr wichtig, nicht seinen Bart zu verlieren—ja sogar, ihn nicht von irgendwem berühren zu lassen, der ihn nicht berühren soll.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast