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Awesome Heroes, genau wie du und ich

OneshotHumor / P12 / Gen
Amerika Bayern England Österreich Preussen Spanien
14.10.2014
01.04.2020
55
25.563
6
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21.01.2016 501
 
Österreich warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr und unterdrückte ein Seufzen. Er hatte immer noch jede Menge Zeit, bis die Weltkonferenz anfing. Wie immer (häufig, häufig nicht immer, schalt er sich) hatte er Deutschland begleitet, der viel zu früh angekommen war. Leider bot das Hotel, in dem die meisten Länder sich einquartiert hatten, seinen Gästen keinen Zugang zu einem Klavier und er hatte keines seiner eigenen Musikinstrumente mitgebracht. Zumindest bot das Hotel in seiner Lobby kostenlosen Zugang zu Zeitungen aus fast allen Orten der Welt, also konnte er die Wartezeit mit Lesen verbringen.

Nach einer Weile gesellte sich Spanien zu ihm und begann ebenfalls zu lesen. Für seine Verhältnisse war er für die Konferenz überraschend früh da, aber Österreich hinterfragte weder seine Gegenwart noch sein Verhalten. Sie grüßten sich noch nicht einmal—Österreich betrachtete es als unnötig und Spanien dachte anscheinend dasselbe.

„Rodrigo?“, sprach ihn Spanien nach einer Weile an.

„Hm?“, war Österreichs einzige Reaktion. Er sah nicht einmal auf.

„Wenn die Umstände es erforderten, würdest du dann noch einmal heiraten?“

„Wie bitte?“ Österreich fiel beinahe die Zeitung aus der Hand. Nachdem er sich von seinem anfänglichen Schrecken erholt hatte, fing sein angeborener Sarkasmus wieder an zu wirken und er erwiderte: „Weißt du, als unsere Heirat annulliert wurde, habe ich meine Stellung als militärisch erfolgreicher Reichsstand verloren, und als meine Heirat mit Elizaveta geschieden wurde, habe ich den größten Teil meines Reichs verloren. Am Ende einer weiteren Heirat würde ich vermutlich aufhören zu existieren. Also nein, herzlichen Dank auch, ich würde nie mehr heiraten, wenn ich dabei auch nur irgendetwas mitzureden hätte.“

„Selbst wenn die Heirat gar nicht echt wäre?“ Ein kleines Lächeln umspielte Spaniens Lippen, als er Österreich die spanischsprachige Zeitung zeigte, die er gerade las.

„Falsas bodas—falsche Hochzeiten?“ Österreich blinzelte.

„Ja. Scheint so, als würden die jungen Leute bei Argentinien zu Hause nicht mehr heiraten, aber trotzdem lieben sie Hochzeitsfeiern. Deshalb haben sich ein paar entschieden, mit allem dem Anlass gebührenden Glanz und Gloria zu feiern und dabei nur das eigentliche Ehegelübde auszulassen. Der Artikel sagt, dass so etwas immer beliebter wird.“ Spanien schmunzelte. „Die Hochzeitsfeier zu bekommen, aber nicht noch einen Ehering—wäre das für dich nicht die Ideallösung?“

Österreich lachte, wenn auch hauptsächlich vor Erleichterung. Dann erwiderte er kurz: „Nein.“

„Nein?“, fragte Spanien geknickt.

„Nein“, wiederholte Österreich. „Bedauerlicherweise haben weder du noch ich noch irgendein anderes Land Geld übrig, um es für diese Art von Charade zu verschwenden. Außerdem macht eine falsche Hochzeit aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt keinen Sinn, außer für die Leute, die damit ihr Geld verdienen.“

Spanien schmollte. „Du bist so unromantisch! Ich kann gar nicht glauben, dass es immer noch Leute gibt, die sich ernsthaft fragen, ob du und Schweiz blutsverwandt sind.“

Österreich zuckte nonchalant mit den Achseln und las weiter.

——————————

Anmerkungen:

Die Informationen über die falschen Hochzeiten habe ich wieder aus dem „Weltspiegel“ (vom 20.12.2015): http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/schnappschuss-argentinien-104.html Reichsstand bezieht sich auf die „Staaten“ des Heiligen Römischen Reichs.
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