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Awesome Heroes, genau wie du und ich

OneshotHumor / P12 / Gen
Amerika Bayern England Österreich Preussen Spanien
14.10.2014
01.04.2020
55
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15.08.2015 541
 
Madrid, einige Zeit nach dem 2. Februar 1602

Spanien durchschritt den Raum wie ein Tier im Käfig. Er hielt einige Papierblätter in seiner Faust und zerknitterte sie dabei.

Österreich unterbrach sein Spiel auf dem Clavichord und seufzte. „Spanien, ich kann mich nicht konzentrieren, wenn du das machst. Würdest du mir freundlicherweise sagen, was das für Papiere sind, die du so unbedingt zerstören möchtest? Ich weiß, dass sie von einem deiner Spione aus England stammen, aber ich kann nicht wissen, was in deinem Kopf vorgeht, wenn du mir nichts sagst. Sind es schlechte Neuigkeiten?“ Österreichs Frage war nur logisch, denn England war praktisch seit der Entdeckung des amerikanischen Kontinents zu einem Hauptrivalen Spaniens geworden.

„Nein“, knurrte Spanien mit zusammengebissenen Zähnen. „Das ist eine Mitschrift von einem dieser dummen Theaterstücke, die Arthur so sehr liebt. Einer meiner Spione hat während einer Vorstellung eine Mitschrift angefertigt.“

„Ein Theaterstück?“ Österreich hob eine Augenbraue.

„Er macht sich über mich lustig!“, brach es aus Spanien hervor. „Dieses Blag, dieser dumme kleine Emporkömmling auf seiner dummen kleinen Insel macht sich über mich lustig!“ Für gewöhnlich beschrieb Spanien England mit sehr viel farbigerem Vokabular, wenn er sich auf einem seiner Schiffe befand, aber er wagte es nicht, solche Worte in Gegenwart seines höflichen Ehemannes zu verwenden. Spanien wusste schließlich auch, was sich gehörte.

„Inwiefern?“ Österreichs Gesichtsausdruck änderte sich nicht. Manchmal hasste Spanien es, dass es so schwer war, zu erahnen, was er dachte.

„Weißt du, es gibt da so einen Schreiberling namens William Shakespeare, der am englischen Hof schon seit einer Weile recht beliebt ist“, begann Spanien. Dann fing er an zu schreien: „Ich wette, Arthur hat ihm gesagt, dass er alle seine Charaktere, die in andere Männer verliebt sind, ‚Antonio’ nennen soll! Zuerst war da dieser venezianische Kaufmann, der sein Leben für jemanden namens Bessanio riskiert, aber dieser Bessanio heiratet am Ende eine Frau namens Portia. Antonio ist der einzige, der am Ende des Stücks allein bleibt. Jetzt habe ich die Mitschrift eines weiteren Stücks erhalten, in dem es einen Seemann gibt — ganz genau, einen Seemann! — der den Bruder der Heldin, Sebastian, rettet. Dieser Antonio riskiert sein Leben auch für den anderen, aber Sebastian verliebt sich anscheinend grundlos auf den ersten Blick in eine Frau namens Olivia! Und wieder bleibt Antonio am Ende allein! Da gibt es ein Muster, Rodrigo, ein Muster!“

„Es tut mir leid, Antonio, ich weiß, dass wir uns zu selten sehen“, sagte Österreich sanft. Er nahm Spaniens Hand in die seine und sorgte damit dafür, dass sich dessen Ärger in Luft auflöste.

~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~

Viele Jahre später fragte Spanien sich insgeheim, ob England und sein Bühnendichter ihn verflucht hatten.

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Anmerkungen

Das Clavichord ist ein Vorläufer des Klaviers. Die Stücke, die Spanien erwähnt, sind Der Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice, Erstdruck 1600) und Was ihr wollt (Twelfth Night, erste belegte Aufführung am 2. Februar 1602) von William Shakespeare (1564-1616). Die „vielen Jahre später“ könnten sich auf die „Scheidung“ Österreichs und Spaniens während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-14), auf Österreichs Heirat mit Ungarn im Jahr 1867 oder auf beides beziehen.

NepheleNilfhain hat mich mit ihrer Bemerkung, dass England Shakespeare gekannt haben muss, darauf gebracht, diesen kleinen Headcanon mal niederzuschreiben. Danke!
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