Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Awesome Heroes, genau wie du und ich

OneshotHumor / P12
Amerika Bayern England Österreich Preussen Spanien
14.10.2014
01.04.2020
55
25.563
6
Alle Kapitel
94 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
22.02.2015 639
 
Wien, Gründungsjahr der Republik Kugelmugel (wohl 1984 oder 1976)

Als Theo den Anruf erhalten hatte, hatte er ja noch an einen schlechten Scherz geglaubt. Eine Mikronation? Ausgerechnet in Österreich? Aber das Datum war eindeutig nicht der erste April und sein Bruder neigte auch nicht zu dieser Art von Scherzen. Also hatte er sich in den nächsten Zug nach Wien gesetzt und war wenige Stunden später bei Roderich aufgeschlagen. Dass Vash und Lily schon vor ihm angekommen waren, zeigte ihm, dass er wohl nicht der einzige gewesen war, den die Neugier gepackt hatte.

Nun fand er sich Auge in Auge mit der kleinen Mikronation, die sein Bruder auf dem Arm hielt.

„Des Butzerl is Kugelmugel?“, fragte Theo ungläubig. Er starrte das Kleinkind mit den violetten Augen, der abstehenden Haarsträhne und dem Schönheitsfleck unter dem linken Auge unverhohlen an. War das jetzt der kleine Bruder seines kleinen Bruders oder doch der Sohn?

„Beton das nicht auf diese Weise“, tadelte sein Bruder und wiegte das Kind beruhigend in den Armen. „Des Zwutschkerl denkt am End noch, es sei hier unerwünscht. Kann ja auch nichts für seine Entstehung.“

„Entstehung is genau der Punkt“, sagte Theo, nachdem er den Kleinen ausgiebig betrachtet hatte. „Du hattst net zufällig vor neun Monaten Staatsbesuch aus der DDR?“

Roderich starrte erst Theo, dann seine blasse, weißhaarige Mikronation und dann wieder Theo zunehmend fassungslos an. „Du weißt schon, dass Länder nicht auf diese Weise entstehen?“, würgte er schließlich hervor.

Dumme Frage, natürlich wusste Theo das, er war schließlich gut fünfhundert Jahre älter als Roderich. Allerdings... „Du, i erinner mi fei no guat an Germania, und i fress an Besen, wenn der net wirkli mit em Ludwig verwandt war. Und dass des Butzerl mit dir verwandt is, des sigt ja a Blinder!“

„Ja, mit mir vielleicht, aber doch nicht mit Gilbert! Außerdem ist das ja wohl biologisch unmöglich!“

„Ha, jetzt widersprichst dir selbst! Wer hat denn grad eben no g’sagt, dass mir auf a ander Weis’ entstehen?“

„Und wer hat mir gerade unterstellt...“

Vash räusperte sich. „Darf ich euch daran erinnern, dass sich in diesem Raum Kinder befinden?“, fragte er gefährlich leise.

In diesem Moment fing Kugelmugel an zu schniefen.

„Das habt ihr jetzt davon!“, sagte Roderich verärgert.

„Gib mir die Kleine mal“, sagte Lily vorwurfsvoll und nahm Roderich das Kind aus dem Arm. „Böser Onkel Roddy. Dabei bist du so ein süßes kleines Mädchen!“, sagte sie und wiegte das Kind sanft hin und her.

„Äh...  Lily, ich will dich ja jetzt nicht enttäuschen, aber ein Mädchen ist der nicht...“

„So, und Roderich Edelstein ist seit neuestem großer Meister im Erkennen des Geschlechts?“, spottete Vash. „Wenn ich dich daran erinnern darf, dass du Feli—“

„Hör mal, Vash, ich hab Kugelmugels Windeln gewechselt, ich weiß—“

„Ma-ma?“, fragte das Kleine in diesem Moment und sah Lily dabei an.

Vashs Augen verengten sich.

Roderich wurde kalkweiß. „Vash, ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, ich würde nie—“

„Würd er wirklich nie“, sprang Theo seinem Brüderchen bei. „Und sei’s nur, um deinem Zorn zu entgehen.“

Vashs Blick wanderte misstrauisch vom unschuldigen Gesicht seiner kleinen Schwester, die die zappelnde Mikronation gerade auf den Boden setzte, zu Roderich und dann weiter zu Theo. „Hm“, machte er dann. „Wahrscheinlich hast du Recht.“

Roderich seufzte erleichtert auf. Theo konnte es ihm nachfühlen: Das hätte auch ganz übel in die Hose gehen können. Insgeheim fragte er sich allerdings, ob Lily mit ihrem überfürsorglichen und etwas zu schießwütigen Bruder je einen Freund finden würde.

Währenddessen war Kugelmugel zu Theo gekrabbelt und zog sich nun an den Strümpfen von dessen Trachtenanzug nach oben. Das Kind warf einen neugierigen Blick auf den Bayern. „Ma-ma?“, schlug es vor.

Roderich fing an zu prusten, als er Theos dummes Gesicht bemerkte. „G’schieht dir recht“, brachte er zwischen zwei Lachanfällen hervor. „I glaub, des sagt’s zu alle.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast