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Awesome Heroes, genau wie du und ich

OneshotHumor / P12 / Gen
Amerika Bayern England Österreich Preussen Spanien
14.10.2014
01.04.2020
55
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14.10.2014 448
 
„Was für ein schöner Ort“, sagte Österreich, als sie vor der Fatih-Moschee in Istanbul standen. „Danke, dass du ihn mir gezeigt hast, Sadık.“

Die Türkei gehörte zu den wenigen Ländern, die Österreich lieber beim Vornamen nannte, wenn auch nur, um ihn nicht versehentlich „Osmanisches Reich“ zu nennen. Ihre Geschichte der wechselseitigen Kriegszüge lag lange zurück, doch auf einer persönlichen Ebene war ihr Verhältnis zueinander nie normal gewesen, was auch immer dieses Wort bedeutete. Sie respektierten einander, aber zwischen ihnen lag immer eine gewisse unangenehme Spannung, die sich sehr von der zwischen Österreich und der Schweiz unterschied. Eine gewisse ... Distanziertheit. Wenn Österreich im Allgemeinen schon zuvorkommend war, waren seine Manieren extrem höflich, wenn er mit dem Maskierten zu tun hatte.

„Ich freue mich, dass du ihn geschätzt hast“, erwiderte die Türkei, die Österreich gegenüber nicht weniger höflich war. „Ich zeige die Kultur meines Landes gerne Personen, die sich wirklich dafür interessieren.“ Er unterbrach sich, schien mit sich zu kämpfen. „Aber vielleicht gibt es ... andere Seiten dieser Stadt ... von der die Menschen wissen sollten. Würdest du mir erlauben, dir etwas zu zeigen ... das nicht in den Reiseführern steht?“

Österreich nickte nur.

~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~

Sie mussten nicht lange gehen. Bald hatten sie einen Ort erreicht, an dem die Hälfte der Häuser bereits abgerissen war, während die meisten anderen windschief und jenseits jeder Reparaturmöglichkeit waren. Einige waren dagegen immer noch unbeschädigt und schön anzusehen.

„All das wird bald zerstört sein“, sagte die Türkei. „Sie bauen hier ein neues Viertel, hauptsächlich Geschäftshäuser. Die früheren Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Sie könnten sich ohnehin keine der neuen Wohnungen leisten.“

„Das ist traurig“, sagte Österreich still. „All diese Häuser ... Sie müssen über einhundert Jahre alt sein.“

„Vielleicht werden die Menschen nach ein paar Jahrzehnten bereuen, was hier und an anderen Orten dieser Stadt zerstört wird“, spekulierte die Türkei. Was die Konaks betrifft ... die Holzhäuser, die schon auseinander fallen: Es ist hier so etwas wie eine Tradition, sich die Abrisskosten zu sparen, indem man wartet, bis sie von selbst einstürzen ... oder zu warten, bis Politiker und Baufirmen sich dafür entscheiden, das ganze Viertel niederzureißen.“ Er seufzte. „So ist das hier eben. Denkst du immer noch, dass Istanbul eine schöne Stadt ist, Roderich?“

„Ja“, sagte Österreich fest. „Deine Politiker sollten sich mehr darum kümmern, dein kulturelles Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren, aber die Tatsache, dass sie es anscheinend nicht tun, macht Istanbul nicht weniger schön.“ Er lächelte. „Danke, dass du mir genug vertraut hast, um mir auch diese Seite deiner Stadt zu zeigen.“

Unter seiner Maske lächelte die Türkei zurück. Beide Länder hatten den Eindruck, dass sie einander nun etwas besser verstanden.
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