Des Nachts, wenn die Träume kommen!

GeschichteRomanze, Angst / P12 Slash
Maze
14.10.2014
14.10.2014
1
1.609
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
14.10.2014 1.609
 
Trotz der vielen Zeit die ins Land gegangen war, hatte er sich immer noch nicht an den ganzen Trubel gewöhnt. Er betrat eine Stadt oder ein Dorf und schon jubelten ihm hunderte Menschen zu, scharten sich um ihn,  winkten ihm und wollten mit ihm sprechen. Irgendwie war es ja nett der große Held zu sein, der Zwillingsklinge besiegt und ehrenvoll sein Leben gelassen hatte.

Oder der „Sensenmann“ der in der Arena gekämpft, gesiegt und Wispers Leben großzügig verschont hatte. Es war ein guter Kampf gewesen, ein ehrenhafter und er hatte gewonnen, doch als er dann da stand, Wisper vor ihm im Sand kniend und die Menge laut jubelnd, war ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen. Er hatte diese Macht nie gewollt. Schweigend hatte er seinen Kopf geschüttelt, hatte sich umgedreht und war gegangen. Er hatte die Arena verlassen ohne auf die Zuschauer zu achten. Er hatte sich nicht einmal umgedreht, als sich Wisper, welche immer noch in der Mitte der Arena war, jedoch nun stehend, bei ihm bedankt hatte. Er hatte nur kurz seinen Arm gehoben und war hinter dem Tor verschwunden.

Als er dann in der Statue seine Mutter wieder erkannt hatte, war ihm einiges klar geworden. Er konnte diesem Schicksal nicht entkommen, es lag in seinem Blut. Er hatte schon aus den Verschiedensten Motiven heraus gekämpft. Am Anfang um zu überleben, dann um seinen Meister, der ihn rettete und aufnahm, nicht zu enttäuschen, zuletzt um seine Schwester wieder zu sehen und nun kämpfte er um seine Mutter zu befreien. Manchmal stand er den Schwachen und Hilflosen bei und beschützte sie, doch dafür wollte er weder Lob noch Anerkennung. Er tat es nicht für so etwas.

Noch vor wenigen Monaten war sein öffentlicher Name „Die Maske“ gewesen. Das war nicht daher gekommen, dass er eine Maske trug, ganz bestimmt nicht. Er hatte nur einmal eine Maske getragen und da wollte er in das Lager von Zwillingsklinge. Aber da er nach der Rettung eines Wanderers oder eines Händlers so schnell wie möglich verschwand und die Menschen daher sein Gesicht nicht sahen, nannten sie ihn irgendwann so.

Soweit er konnte, versuchte er stets die Grenzen des Gesetztes zu wahren, doch manchmal war dies selbst für ihn nicht möglich, wenn er an seinem Ehrenkodex festhalten wollte. Er mordete nicht, niemals, das war seine wichtigste Regel. Im Kampf tötete er, doch er griff niemals zum Schwert wenn nicht er oder andere unschuldige Wesen angegriffen wurden.

Er erinnerte sich noch gut an eine Mission die er vor wenigen Wochen aufgetragen bekommen hatte. Eine Stadtwache hatte ihn gebeten, einen Assassinen, den Mörder seines Bruders, zur Strecke zu bringen. Also hatte er sich an dessen Spur gehängt und ihn auch bald ausfindig gemacht. Doch als er ankam und der andere ihn nicht angriff, war er in einer Zwickmühle. Er war gezwungen mit dem anderen zu reden und erfuhr, dass in Wirklichkeit der Attentäter der Bruder war und die Wache ihn wegen einer Geldsache aus dem Weg schaffen wollte. Er hatte dann beschlossen dem jungen Mann zu helfen und hatte dessen älteren Bruder ausgeschaltet. Das hatte ihm zwar Schwierigkeiten mit dem Gesetz eingebracht, aber er hatte ein reines Gewissen und der Assassine versprach ihm, ihm zur Hilfe zu kommen, wenn er ihn brauchen würde.

Mit solchem Zeug ärgerte er sich Tag täglich herum und wurde dafür auch noch berühmt. Er verstand die Menschen einfach nicht. Es war in Ordnung wenn ihn seine Brüder in der Gilde respektierten und sogar ein wenig bewunderten, oder in der Stadt nahe der Gilde, wo er nun das Amt des Bürgermeisters übernommen hatten.  Warum auch immer er das gemacht hatte, er hatte im Moment der Entscheidung das Gefühl gehabt, dass er die Leute nicht einfach zurück lassen könne.Was ja objektiv betrachtet kompletter Schwachsinn war, aber man konnte ja nicht ahnen wer als nächstes zum Bürgermeister hätte gewählt werden können. Und jetzt musste er sich neben den Problemen eines Helden, auch noch mit denen einer ganzen Stadt herumärgern.  Aber er tat es gerne. Er half wo er konnte, sorgte dafür, dass jeder Mensch in seiner Stadt ein Dach über dem Kopf und genug zu essen hatte. Außerdem spendete er der Schule Bücher, um die Bildung nicht zu vernachlässigen.

Und dann war da noch die Sache mit der Hochzeit.

Ständig fragten in die Leute, wann er sich denn endlich eine Frau wählen würde und die Frauen wiederum himmelten ihn an und wollten alle die Auserwählte sein. Doch er wollte keine Frau. Nicht noch einmal. Er war verheiratet gewesen, sogar mehrere Male schon. Doch die Richtige war nie dabei gewesen. Keine konnte ihn seine Sorgen und seine Albträume vergessen lassen. Er hatte es versucht, von der einfachen Schankmaid bis hoch zur adeligen Dame. Entweder sie waren hinter seinem Geld, seiner Macht oder seinem Namen her und das konnte er nicht gebrauchen.

Eine Zeit lang hatte er Frieden in den Armen eines anderen Mannes gefunden. Er war ein Boxkampfchampion gewesen, vom Äußeren her rau, doch er hatte es geschafft ihn zu zähmen. Zu zweit hatten sie einige wunderbare Monate verbracht. Leider hatte es nicht gehalten. Zum einen waren Beziehungen zwischen Männern nicht gerne gesehen und zum anderen hatten die ständigen Reisen, auf die sich der Held begeben mussten, ihr Restliches getan.  Und dann war da noch die Tatsache gewesen, dass er verheiratet gewesen war, nicht dass er sich nicht einfach hätte trennen können, aber es war zu riskant gewesen. Letztlich hatten sie sich lebe wohl gesagt und waren unterschiedliche Wege gegangen. Er hatte lange unter dieser Trennung gelitten, immerhin hatte er den anderen wirklich geliebt. Das erste und letzte Mal, dass er dies getan hatte.

Zumindest dachte er das.

Von da an hatte er keinen anderen Menschen mehr angesehen und war der einsame Held geblieben, zu dem ihn sein Schicksal verdammt hatte, oder doch eher seine Herkunft und das Blut das durch seine Adern floss. Er war alleine und die Träume kamen wieder und hinderten ihn am Schlafen. Er durchlebte den Moment, als er den Leichnam seines Vaters fand, immer wieder und es war grausam. Er fühlte sich wieder wie ein Kind, hilflos, schwach und er hatte schreckliche Angst, wie er sie niemals wieder verspürt hatte. Es gab nur einen Ort an dem er Schlaf finden konnte. Es war nicht sein Zimmer in der Gilde, keines seiner Häuser in den verschiedensten Dörfern und auch nicht sein Bürgermeisterhaus.

Seltsamerweise war es Maze Turm. Hier kam er zur Ruhe und konnte seine Waffen und Sorgen ablegen. Manchmal fragte er sich, ob er solch eine Verbindung zu diesem Ort besaß, weil der ältere Magier in seiner Kindheit der einzige war, dem er vertraute, nach dem was mit seiner Heimat passiert war. Oder hatte es doch etwas mit diesem seltsam flauen Gefühl in seinem Magen zu tun, sobald er seinen Mentor wieder sah. Doch darüber wollte er eigentlich nicht genauer nach denken. Er schlief nur im Turm, wenn Maze nicht da war. Irgendwie war es ihm unangenehm vor überhaupt irgendeinem Menschen zu zugeben, dass er Angst vor Albträumen hatte.

Doch nach einiger Zeit kam es so, wie es kommen musste und Maze kam eines Nachts plötzlich zurück. Von einem leisen Rascheln alarmiert, erwachte der Held. Als er erkannte, was geschehen war, sprang er auf, schnappt sich seine Sachen und verschwand schnell aus dem Raum. Ohne lange nach zu denken, lief er einfach gerade aus und plötzlich stand er vor der großen Steintür, die ihn vor Jahren nicht durch lassen wollte. Das steinerne Gesicht hatte gesagt, dass er noch nicht hell genug war. Er hatte lange darüber gegrübelt und war dann zum Schluss gekommen, dass er noch mehr gute Taten vollbringen musste. Schon wollte er sich wieder abwenden und gehen, da begann das Tor zu sprechen.

„Ich spüre ein sehr starkes und helles Licht in deinem Herzen lodern. Du darfst eintreten.“

Und schon stand ihm das Tor offen. Neugierig trat er ein. Gedämmtes Licht ließ zu, dass er alles erkennen konnte. Da waren Bücherregale, ein Tisch und zwei Sessel. Das musste die versteckte Bibliothek sein, von der der Gildenmeister einst gesprochen hatte. Langsam trat er weiter ins innere der Höhle und erblickte einen kleinen Weiher. Von einer plötzlichen Eingebung geleitet, legte er seine Waffen, seine Plattenrüstung und sein Untergewand ab und stieg in den Teich. Das Wasser war warm und schmiegte sich an seinen Körper. In der Mitte blieb er stehen, das Wasser ging ihm gerade Mal bis zum Bauch. Er schloss seine Augen und genoss die Stille, konzentrierte sich nur noch auf das leise plätschern des kleinen Wasserfalls und seinen Atem. So kam es dass er nicht bemerkte, wie noch jemand dieses kleine Paradies betrat.

Erst als er die unruhigen Schwingungen im Wasser wahrnahm, tauchte er aus seiner Meditation auf. Plötzlich legten sich zwei starke Hände um ihn und er wurde an eine starke Brust gezogen. Ohne sich umzuwenden, wusste er wer hinter ihm stand und ein angedeutetes Lächeln umspielte seine Lippen. Die Anspannung wich aus seinem Körper und er ließ sich gegen den muskulösen Körper hinter sich fallen. Es fühlte sich einfach richtig an. Seit Ewigkeiten fühlte er sich wieder ruhig und entspannt. Sanft wurde er in der Umarmung herum gedreht und sah in die Augen seines Mentors. Nach wenigen Momenten konnte er dem Blick nicht mehr stand halten und senkte seinen Kopf, doch Maze legte zärtlich eine Hand unter das Kinn des Helden und hob es leicht an. Langsam kamen ihre Gesichter sich näher, bis sie sich endlich in einem wunderbaren Kuss aneinander schmiegten.

Ab dieser Nacht war der Held von Oakvale nicht mehr einsam und auch seine Albträume kehrten nie wieder zurück.

-------------------------

Sooo das wars auch schon, hoffe es hat euch gefallen, lasst mir doch konstruktive kritik da und danke fürs lesen ^^
Review schreiben