Eine tröstende Schulter

von Dumai
GeschichteDrama, Romanze / P12
Elijah Mikaelson Hayley Marshall
13.10.2014
28.10.2014
5
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Ein verdammt trüber und verregneter Tag ging langsam zu Ende und Elijah fragte sich unwillkürlich, ob sich seine eigene Stimmung wohl an diesem tristen Wetter orientiert hatte. Der wie immer in einem edlen Anzug gekleidete Urvampir seufzte und kam zu dem Entschluss, dass er heute keinen Fuß mehr vor die Tür setzen würde. Dazu war er dank dem schrecklichen Wetter überhaupt nicht in der Lage, weil er so träge geworden war.
Generell gab es für ihn momentan kaum einen Lichtblick am Ende des Tunnels. Auch wenn mittlerweile schon einige Wochen vergangen waren, seit Hayley ihr Kind hatte Rebekahs Obhut übergeben müssen, ging es ihr furchtbar dreckig und es tat Elijah unbeschreiblich in der Seele weh, sie so zu sehen. Auch wenn das kleine süße Mädchen Hope nur seine Nichte war, fühlte er eher so etwas wie richtige Vaterliebe und er verstand den Schmerz von Hayley vollkommen. Es gab einfach nichts Schlimmeres für eine Mutter, als sein eigen Fleisch und Blut unmittelbar nach der Geburt für die vermutlich nächsten Jahre zu verlieren. Hayley würde Hope erst wieder zu Gesicht gekommen, wenn sie schon ein herangewachsenes Mädchen war. Wenn überhaupt. Zunächst musste New Orleans wieder sicher für ihre Rückkehr sein und wie lange das dauern würde, wusste Elijah beim besten Willen nicht und er wollte Hayley auch keine falschen Hoffnungen machen, das wäre nicht richtig. In diesem Fall würde er ihr etwas versprechen, was nicht in seiner Macht stand. Vielleicht würde Hope schon früher zurückkehren können, vielleicht aber auch nicht und vielleicht auch noch später, als er annahm. Es war eine mehr als furchtbare Situation für sie alle.
Auch sein Bruder Niklaus litt sehr unter dem Entzug von seiner Tochter. Elijah hätte nie gedacht, dass Klaus wirklich in der Lage war, so stark für jemanden zu empfinden und doch war er unbeschreiblich glücklich, dass er durch seine Tochter wenigstens seine Gefühle wieder offen zuließ und sie wieder für sich entdeckt hatte. Etwas Positives musste das ganze Drama ja dann doch haben, dachte er verbittert. Wenn er nur wüsste, wie er den trauernden Eltern helfen könnte. Auch wenn er selbst kein Vater war, fühlte er auch einen großen Schmerz und er vermochte sich nicht auszudenken, wie Mutter und Vater tief in ihrem Inneren alles noch verstärkt wahrnahmen. Nichts was er hätte sagen oder tun können, wäre dem gerecht.
Hayley hatte sich völlig in sich zurückgezogen und ließ niemanden an sich heran, nicht einmal Klaus, der ihren Verlust noch am besten verstand. Klaus selbst verhielt sich aber haargenau so wie Hayley, was Elijah an seinem Bruder noch nie erlebt hatte. Noch nie hatte ihn etwas so aus der Bahn geworfen wie der Verlust seiner Tochter und das, obwohl ihm diese am Anfang völlig gleich gewesen war, bis er ihn davon überzeugt hatte, dass dieses Mädchen der Hoffnungsträger ihrer Familie war. Ironischerweise trieb eben dieses Mädchen sie gerade jedoch eher noch mehr auseinander, weil sie nicht hier war, um ihre Eltern glücklich machen zu können. Sie alle wussten, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, Hope an Rebekah zu übergeben und doch war diese Last noch schwerer, als sie angenommen hatten.
Sie hatten sich alle vollends aus allem Leben in New Orleans zurückgezogen und weder Hayley noch Niklaus hatten seitdem einen Fuß vor die Tür gesetzt. Lediglich er, Elijah, verließ ab und zu das Haus, um auf andere Gedanken zu kommen und eine baldige Lösung für ihr Dilemma zu finden, was sich, wie sich schnell herausstellte, jedoch lange nicht so einfach war, wie er gehofft hatte.
Ziellos verließ Elijah sein Zimmer und trat in den Flur. Es herrschte absolute Ruhe, wie so oft in den letzten Wochen. Seit Klaus das Anwesen völlig von der Außenwelt abgeschottet hatte, kam kein Fünkchen Leben mehr hierher und sein Bruder und Hayley sah er, wenn er sie nicht selbst aufsuchte, praktisch nie. Sie verkrochen sich in ihren Ecken und wirkten völlig abwesend und leer. Zutiefst verletzt und überwältigt von ihren Gefühlen. Badend in ihrem Selbstmitleid.
Um sich selbst wieder zurück aus seinen Gedanken zu holen, rieb sich Elijah mit den Händen müde durchs Gesicht. Er musste plötzlich daran denken, wie fern er und Hayley sich mittlerweile wieder waren und das, obwohl sie sich zuletzt so nah standen, wie noch nie zuvor. Seit sie sich das erste Mal geküsst hatten, war er nur noch mehr von ihr besessen und doch hatte es solch eine oder eine ähnliche Situation nie mehr zwischen ihnen gegeben. Sie wusste längst, dass er sie liebte, auch wenn es nie laut ausgesprochen worden war und er wusste schon seit langem, dass sie ihn ebenfalls liebte und doch war es so kompliziert. Hayley hatte keinen Platz für ihn in diesem Augenblick, denn ihr Herz zwar gebrochen. Elijah hatte vollstes Verständnis dafür, dass sie Ruhe und Abstand brauchte und doch wünschte er sich nichts sehnlichster, als sie wieder in seinen Armen halten zu dürfen und ihr zu zeigen, dass nicht alles verloren war. Dass er immer noch hier war und sich um sie sorgen würde. Er könnte schreien vor Wut, weil er ihr so gerne dabei helfen würde, ihren Verlust besser zu verarbeiten, doch sie gab ihm keine Chance. Sein Kopf sagte ihm, dass er das akzeptieren musste und es auch richtig so war, aber sein Herz sagte ihm immer wieder, dass er diese Frau brauchte und sie ihn. Er litt ebenfalls Tag um Tag, weil er nicht wusste, ob er sie nun für immer verloren hatte und ob ihr Kuss für nichtig erklärt worden war oder ob sie, wenn sie irgendwann ihren Verlust etwas verdaut hatte, ihn wieder bei sich haben wollte.
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hatte er gesagt, dass er für Hayley nur das Beste wollte, auch wenn dies bedeuten sollte, dass sie ihr Leben ohne ihn verbringen würde. Jetzt erkannte er, dass das ziemlich blödes Gerede gewesen war. Er konnte nicht mehr ohne sie, das war ihm spätestens seit dem Kuss klar. Was konnte er nur tun?
Eine schnelle Bewegung unmittelbar neben ihm, ließ ihn herumfahren. Augenblicklich erkannte er das trauernde Gesicht von seinem Bruder Niklaus. Er wirkte sehr abwesend und seine Augen spiegelten eben diese Leere wider, die Elijah auch von Hayley nur zu gut kannte.
„Wie geht es dir, Niklaus?“, fragte Elijah unvermittelt und bereute es direkt, weil diese Frage sehr taktlos gewesen war, denn sie beantwortete sich von selbst. Verlegen biss er sich auf die Unterlippe. Das Problem war einfach, dass er längst nicht mehr wusste, wie er mit ihm ein Gespräch anfangen sollte.
„Verzeih mir, Bruder. Das war dumm“, erklärte Elijah und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Klaus schüttelte nur den Kopf.
„Kein Grund sich zu entschuldigen, Elijah.“ Auch dieser Moment war wieder einer der vielen in den letzten Wochen, die Elijah mehr als verwunderlich fand. Es schien ihm so, als sei sein Bruder tatsächlich wie ausgewechselt. Wer hätte gedacht, dass Hope all diese neuen Charakterzüge und bisher kaum vorhandenen Emotionen bei Niklaus hervorrufen würde. Ab und zu erkannte Elijah Klaus gar nicht mehr wieder. In diesem Moment drehte sich Klaus zu seinem Bruder um und sah ihm prüfend ins Gesicht.
„Du siehst aber auch nicht viel besser aus“, bemerkte Klaus, als ihm auch an seinem Bruder die getrübten traurigen Augen auffielen.
„Ich weiß. All das ist auch für mich sehr schwierig“, bestätigte Elijah mit schleppender Stimme. Einige Zeit herrschte Stille zwischen den Brüdern und man konnte nur die Autos hören, die auf der Straße vor dem Anwesen vorbeifuhren. Langsam ging Elijah diese Ruhe doch schon sehr auf die Nerven. Es trieb einen nur noch mehr in die unruhigen Gedanken zurück.
„Was verschafft mir eigentlich die Ehre?“, wollte Elijah nun wissen und versuchte gleichzeitig das Gespräch etwas aufzulockern. Klaus seufzte.
„Nun ja, ich habe in den letzten Tagen viel nachgedacht und bin zu einem Schluss gekommen.“ Nun war Elijahs Neugierde geweckt und er sah Niklaus fragend an.
„Ich werde New Orleans für einige Tage verlassen“, sagte Klaus schließlich. Nun hellwach, richtete sich Elijah auf und musterte Klaus nachdenklich.
„Darf ich fragen wieso?“, wollte er nun wissen, auch wenn er sich den Grund bereits gut vorstellen konnte.
„Ich muss hier einfach mal raus, Elijah. Es liegt nicht an dir oder an Hayley, es ist einfach… Ich werde überall an meine Tochter erinnert, verstehst du? Es zerreißt einen förmlich und mit diesem Haus verbinde ich mittlerweile auch nur noch schlechte Erinnerungen. All das wird bald wieder besser werden hoffe ich. Spätestens dann, wenn wir anfangen uns New Orleans zurückzuerobern, aber zuvor brauchte ich Abstand und Ruhe.“ Elijah verstand ihn vollkommen und er hatte sich schon oft gefragt, wieso Klaus das nicht schon viel früher getan hatte. Das würde ihm sicher gut tun und auch wenn er schon so oft gewisse Differenzen mit seinem Bruder gehabt hatte, wäre er trotzdem irgendwie froh, wenn er seinen alten, gut gelaunten Bruder wieder haben könnte.  
„Natürlich verstehe ich dich, Niklaus. Geh du nur, ich passe solange auf Hayley auf und halte die Stellung.“ Elijah klang plötzlich sehr einfühlsam.
„Das wird das Beste sein, schätze ich“, meinte Klaus und legte ihm nun einen Arm um die Schultern. „Versprichst du mir etwas?“
„Selbstverständlich, was immer du willst“, erwiderte Elijah und wirkte leicht irritiert. Wann bat Klaus ihn schon um einen Gefallen?
„Beschäftige dich mit Hayley“, sagte er und sah Elijah vielsagend an. Dieser öffnete bereits den Mund um etwas zu erwidern, doch Klaus kam ihm zuvor.
„Im Ernst, Elijah. Du hast mir vor einiger Zeit mehr als deutlich gemacht, was du für sie empfindest und ich kann dich gut verstehen. Sie ist eine tolle Frau, sie passt perfekt zu dir. Ihr habt meinen Segen, Bruder. Hilf ihr, besser mit unserem Verlust klarzukommen, ich bitte dich. Ich mache mir wirklich große Sorgen um sie. Du bist der Einzige, der das überhaupt ansatzweise schaffen kann. Auch wenn ich ihren Schmerz teile, bin ich nicht derjenige, der vermag ihr zu helfen. Das kannst nur du. Weil du sie liebst.“ Die starken Gefühle, die in der Stimme von Klaus mitschwangen, waren echt und doch kam es Elijah immer noch seltsam vor, wenn sein Bruder so voller Emotionen war. Seit dem Moment, in dem Elijah dachte, er hätte Hayley für immer verloren, hatten die Brüder nicht mehr über seine Gefühle gegenüber Hayley gesprochen. Es wunderte den Urvampir wirklich sehr, dass sein Bruder nun so voller Verständnis und Akzeptanz war. Irgendwann, wenn er seine Nichte endlich kennenlernen würde, würde er sich für alles bedanken, schwor sich Elijah. Auch wenn die Umstände mehr als bedauerlich waren, hatte sie ihm bereits so sehr geholfen und wenigstens hatte die Sache doch tatsächlich mehrere gute Seiten. Schlagartig fehlten ihm die Worte, was sonst äußerst selten vorkam.
„Ich danke dir, Niklaus. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel mir das bedeutet. Ich kann dir nicht versprechen, dass ich es schaffen werde, da ich es schon auf viele erdenkliche Arten versucht habe, aber ich werde alles in meiner Macht stehende probieren, um Hayley zumindest auf bessere Gedanken zu bringen“, erwiderte er schließlich doch, als er seine Fassung wiedergewonnen hatte. Niklaus lächelte ihn nur schwach an und nickte zufrieden.


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