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Gruppe 13: Morgens halb zehn in Deutschland

von MDU-Story
KurzgeschichteMystery / P12
12.10.2014
19.10.2014
10
6.598
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12.10.2014 730
 
Hallihallo und herzlich willkommen zur MDU-Story Nummer 13, die schon eine Weile fertig auf meiner Festplatte rumliegt und nun doch noch das Licht der großen, weiten Welt von FF.de erblicken darf.
Mitgemacht haben folgende Autoren und hatten beim Schreiben hoffentlich genauso viel Spaß wie ich beim Lesen - denn ich hätte aus meiner Vorgabe was ganz anderes und wesentlich langweiligeres gemacht...


Gruppe 13:
Gruppenleitung:
nessa-elhen

01: nessa-elhen
02: Puzzleteil
03: FoolishWriter
04: Pauch
05: Gartenzaun
06: whatsoever
07: AuctrixMundi
08: Love-Piece-Hope
09: Wegweiser
10: Eulinchen

Ich werde zusehen, dass ich täglich ein neues Kapitel hochlade.
In diesem Sinne:
Viel Vergnügen!


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Kapitel 1 - nessa-elhen


Nils setzte den Blinker und fuhr auf den Parkplatz, langsam, damit seine Winterreifen griffen. In der Nacht waren mehr als fünfzehn Zentimeter Neuschnee gefallen und er hatte keine Lust, das Auto irgendeines anderen Studenten zu schrotten, weil er etwas zu schwungvoll in den Parkplatz einbog. Es kam nun mal nicht so gut an, wenn man ein Auto anfuhr, egal, wie spät man auch dran sein mochte oder wie rutschig der Schnee war.
Im Schritttempo klapperte er den Parkplatz ab, musste aber feststellen, dass keine freie Lücke zu finden war. Er wollte schon fast den Parkplatz wieder verlassen und irgendwo an der Straße parken, als er das Mädchen sah. Sie stakste und schlitterte auf schmalen fünf-Zentimeter-Absätzen durch den Schnee; eine prall gefüllte Umhängetasche brachte sie zusätzlich aus dem Gleichgewicht. Sie blieb vor einem lavendelfarbenen VW Beetle stehen, zerrte sich die senfgelben Fäustlinge von den Händen und begann in der Tasche zu wühlen, ganz offensichtlich auf der Suche nach dem Autoschlüssel.
Nils setzte den Wagen zurück und ließ das Beifahrerfenster herunter. „Fährst du raus?“, rief er ihr zu und beugte sich über den Sitz zu ihr hinüber.
Sie beugte sich vor und grinste ihn an. „Jap.“ Unter ihrer schlichten, schwarzen Baskenmütze  quoll eine Flut feuerroter Haare hervor, die sich herrlich mit dem Türkis des Schals biss und ganz offensichtlich gefärbt oder zumindest getönt war. Dieses Mädchen war mit Anlauf und aus purer Absicht in einen Farbkasten gesprungen, wie es schien. „Falls ich jemals meinen Autoschlüssel finde und zufälligerweise meinen Eiskratzer dabei habe.“
Er spürte förmlich, wie ihre dunklen Augen seine Locken, Gesichtszüge und den Mantel abtasteten, hin zu seinen blassen, schlanken Händen am Lenkrad. Plötzlich machte es ihm nichts mehr aus, zu spät in seine Vorlesung zu kommen. „Ich habe Zeit.“, verkündete er mit einem amüsierten Lächeln.
Sie lachte und suchte gleichzeitig weiter nach ihren Schlüsseln. „Hast du frei?“
Mit einem triumphierenden „Ha!“ zog sie jedoch gleich darauf ihre Schlüssel aus der Manteltasche und schien sich nicht wesentlich für seine Antwort zu interessieren. Als wäre die Musterung zuvor aus Versehen erfolgt.
Und dieses Desinteresse interessierte ihn. Kluges Mädchen.
Sie schloss den Wagen auf, pfefferte die schwere Tasche auf den Beifahrersitz und machte sich auf die Suche nach dem Eiskratzer, wobei sie ihm mehrfach ihre durchaus ansehnliche Kehrseite präsentierte.
Die Mütze schief auf den geglätteten Haaren tauchte sie schließlich wieder an seinem Beifahrerfenster auf. „Kannst du mir deinen leihen? Ich glaub, meiner liegt noch zu Hause.“
„Da liegt er gut.“ Nils reichte ihr das Teil.
Sie schenkte ihm wieder ein strahlendes Lächeln. Ihre langen Wimpern lagen direkt auf den hohen Wangenknochen auf, wenn sie so blinzelte. Die etwas zu breite Nase verlieh ihr etwas Exotisches.
Sie wischte schwungvoll den Schnee von Front-, Heck- und Seitenscheiben, klopfte den Besen an ihrer engen Jeans ab und gab ihm den Kratzer zurück. „Dafür hast du ‘nen Kaffee gut.“ Sie grinste ihn breit an und zog einen gefalteten Zettel aus der Manteltasche, den sie ihm auf den Schoß schnippte. „Wenn du mich findest.“ Dann stakste sie davon, zurück zu ihrem Auto. Sorgfältig parkte sie aus, winkte ihm zu und brauste viel zu schnell davon.

Die Augenbrauen so weit hochgezogen, dass sie unter seinen dunklen Locken verschwanden, entfaltete Nils den hastig aus einem College-Block gerissenen Zettel, nachdem er in seine Vorlesung gerauscht war und sich einen unfreundlichen Blick seines Dozenten eingefangen hatte. Kein Wunder, dass die Suche nach dem Eiskratzer so lange gedauert hatte, wenn sie zwischendurch noch geheime Botschaften verfasste. Aber dafür, dass die Rothaarige so lange gebraucht hatte, stand erstaunlich wenig Brauchbares auf dem Zettel. Wie zum Teufel sollte er sie damit finden, um seinen Kaffee einzulösen?
Morgens halb zehn in Deutschland, kein Knoppers.
George Clooney: What else?
Frag nach Anina.
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