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Die letzte Überlebende

KurzgeschichteFantasy / P12 / Gen
Nihal
11.10.2014
14.10.2014
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1.748
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11.10.2014 883
 
Livon schloss die Augen.  ‚Ein Traum.  Nur ein Traum‘, sagte er sich.  Halbelfen.  Zerstörte Dörfer.  Ausgerottete Stämme.  Hatte Soana das wirklich erzählt?  
Doch als er die Lieder wieder öffnete, wusste er, dass es Wirklichkeit war.  Soana blickte ihn traurig an.  
Eine Zeit lang saßen sie, jeder in seine Gedanken versunken, da.  Doch dann raffte Livon sich auf.  
„Und was jetzt?“, fragte er leise.  Seine Stimme klang rau.  
Soana schwieg und blickte erneut auf das Kind, das immer noch schlief.  
„Sie braucht ein Zuhause“, sagte sie dann, fast flüsternd.  
„Ihre ganze Familie ist tot“, erwiderte Livon.  „Wer könnte sich um sie kümmern?  Wieso hast eigentlich du sie mitnehmen müssen, und nicht Rais?“
Soanas Augen füllten sich erneut mit Tränen, als sie an das Schicksal dieses Mädchens dachte, noch so klein und hilflos, aber schon der Familie und aller Hoffnung beraubt.  Die letzte Halbelfe.  
Wer würde sie aufnehmen wollen?  Doch eigentlich wusste sie die Antwort auf diese Frage schon, so oft hatte sie bereits darüber nachgedacht.  
Livon fühlte sich ähnlich hilflos.  Wieso war Soana mit diesem Kind zu ihm gekommen, was hatte er damit zu tun?  Doch irgendwie fühlte er sich dennoch für das Mädchen verantwortlich…
„Also, was jetzt?“, brach er schließlich das Schweigen, als er die Ungewissheit, die auf ihnen lastete, nicht mehr ertragen konnte.  
„Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit…“, sagte Soana leise.
Mehr nicht.  Die Antwort musste Livon schon selbst herausfinden, denn würde sie ihm helfen, würde er sie wohl nicht akzeptieren.  
Livon blickte auf das Kind.  Was für ein schönes Gesichtchen.  Gerade fielen ein paar Sonnenstrahlen darauf und tauchten es in goldenes Licht.  
Soana hatte inzwischen das Tuch, in das das Mädchen eingewickelt war, gelockert, sodass ein paar blaue Strähnen herausschauten und im Sonnenlicht glänzten.  Da flatterten die Augenlieder des Kindes.  Es schlug die Augen auf und blickte Livon direkt an.  Große, violette Augen, voller Neugier, aber auch tiefgründig, wie zwei dunkle Seen.  
Plötzlich fühlte sich Livon hingezogen zu diesem kleinen Geschöpf, das ihn so voller Vertrauen anblickte.  
„Soana“, murmelte er.  „Hat sie wirklich niemanden?  Dann…“
„Ja?“, fragte Soana sanft.  
„Ich könnte doch… Wenn du mir hilfst…“
Er brach ab.  Kurz herrschte Schweigen.  
„Danke, Livon“, sagte Soana schließlich leise.  
Beide schwiegen.  
„Natürlich helfe ich dir“, fügte sie dann noch hinzu.  
Erneut blickte das Mädchen Livon aufmerksam an.  Sie wirkte, als habe sie alles verstanden.  
Da huschte ein zaghaftes Lächeln über Livons Gesicht.  
Und im selben Augenblick begann das Kind zu schreien.  
Livon sprang erschrocken auf.  
„Was hat sie denn?“, rief er Soana über das Geschrei hinweg aufgeregt zu.  Doch diese lächelte.  
„Hunger wahrscheinlich.  Hast du Milch da? Und Wasser?“
Livon lief in die Küche hinüber und fand tatsächlich einen Krug Milch.  Er füllte hastig einen zweiten mit Wasser.  Eilig kehrte er zurück und reichte die Krüge Soana, die inzwischen – zu seiner großen Verwunderung – einen Balg aus Kuhdarm aus der Tasche ihres Mantels gezogen hatte.  Jetzt kippte sie den Krug mit der Milch und schüttete sie in den Darm.  Als er etwa zur Hälfte gefüllt war, nahm sie den Wasserkrug und verdünnte damit die Milch.  Mit einer geübten Bewegung schob sie dem Kind das andere Ende des Darms in den Mund.  Sofort begann es eifrig zu saugen und die Milch im Darm wurde weniger.  
Livon stand hinter Soana und fühlte sich etwas überflüssig.  Dennoch beobachtete er fasziniert das kleine Mädchen.  
„Hier, nimm du sie mal“, forderte Soana ihn auf, als habe sie seine Gedanken gelesen.  Zaghaft legte Livon die Arme um das Kind.  Dann gab sie ihm den Kuhdarm in die Hand.  Ungeschickt schob Livon ihn zurück in den Mund des Säuglings, der ihn neugierig beobachtete.  Livon setzte sich wieder hin.  Und das Mädchen begann wieder zu trinken.  So saßen sie eine Weile da und betrachteten das Kind, auf dessen Gesicht Sonnenstrahlen fielen.  
Auf einmal fiel Livon noch etwas ein.  
„Wie soll sie denn eigentlich heißen?“, fragte er und sah seine Schwester an.  
Doch sie erwiderte nichts.  
Livon überlegte.  Er schaute aus dem Fenster in die Ferne, hinunter in die Ebene nach Osten, wo die Sonne im Steigen begriffen war.  Dann sah er dem Mädchen direkt in die Augen.  Und sie schaute zurück.  Plötzlich tauchte ein Name in Livons Gedanken auf, er konnte sich nicht erklären, woher er kam.  Doch er wusste, es war der Richtige.  
„Nihal“, flüsterte er.  
Kurz blickte er erneut in die Ferne, und urplötzlich durchströmte ihn Freude.  
Noch einmal suchte er den Blick des Mädchens.  
„Nihal, ich werde dich immer beschützen“, versprach er feierlich.  
Soana legte ihre Hand auf Livons.  Und gemeinsam sahen sie glücklich das Kind an.  


So, geschafft!  Das war jetzt meine erste Fanfiction.  Wenn sie jemand liest: Ich hoffe, sie gefällt euch.  Ich fände es auch toll, wenn mir jemand ein Review schreiben würde, auch Kritik nehme ich euch nicht übel, ich möchte mich schließlich verbessern.  
Hoffentlich bis bald,
William
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