Der Rabe und die Nachtigall

GeschichteMystery, Romanze / P16
10.10.2014
02.01.2015
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Es war mal wieder einer dieser seltenen Tage, an welchem man das Schicksal wahrhaft neben sich stehend glaubt.
Man seine ganze Kraft zu spüren bekommt - es nahezu anfassen kann.
Oder besser, es war eine dieser NÄCHTE!

Denn zu späterer Stunde klopfte es hektisch an die Tür des Follys.
Nightingale war außer Haus - und wäre ohnehin nicht an die Tür gegangen - und Molly wütete in der Küche.
Also war es an Peter murrend aufzustehen und nachzusehen, während Toby wild kläffend durch die Eingangshalle sprang, wie ein Eichhörnchen auf LSD.
" Klappe, Toby!",  brummte Peter unwirsch, schob den Terrier mit dem Fuß beiseite und öffnete.
Vor der Schwelle stand eine Frau von geschätzt Anfang, vielleicht auch Mitte 40.
Sie reichte Peter gerademal bis zur Brust und trug ein langes, schwarzes Kleid.
Irgendwie schien sie ihm, wie aus einem anderen Zeitalter oder einem Historiendrama entlaufen zu sein.
Der dunkle Farbton ließ die zierliche, aber feminine Lady noch blasser wirken.
Aber ihre ozeanblauen Augen strahlten heller, als die langsam aufziehenden Sterne und im einfallenden Licht des Flurs bekamen ihr honigblondes Haar einen warmen Schimmer.
Es floss in einer sanften Dauerwelle offen ihre schmalen Schultern herab.
Die Unbekannte wirkte nervös und schien im ersten Moment wohl jemand anderen als Peter an der Tür erwartet zu haben.
Sofort erwachte dessen Polizei-Instinkt.
" Kann ich Ihnen helfen?", fragte er ruhig, doch mit Nachdruck.
Er hatte das Licht im Rücken, was ihn noch größer als ohnehin schon erscheinen ließ.

Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass er dadurch drohend auf sie wirken konnte.
Normalerweise war ihm das sogar Recht - bei der Fremden erstaunlicherweise nicht.
Im Gegenteil, deswegen griff er sich Toby, der protestierend knurrte, und nahm ihn auf den Arm.

"Ich ... ich suche Chief Inspector Thomas Nightingale. Ist ... ist er da?!", erwiderte die Lady und ein kurzes Lächeln huschte bei Tobys Anblick über ihr Gesicht.
Aber dennoch hielt sich der Ausdruck von Spannung.
> Sie ist nervös. Entweder Opfer oder Täter.  Aber vor allem: VERDÄCHTIG! <, notierte Peter im Geiste.
Toby auf seinem Arm, streckte sich, machte sich lang und länger, um die Lady zu erreichen.
Mit einem leisen, freudigen Bellen leckte er ihr über die Wange und sie kraulte ihn gedankenverloren hinter den Schlappohren.
Peter musste sich zwingen, nicht unverhohlen zu gaffen.
Die kleine Terrorzelle auf vier Pfoten war sanft wie ein Unschuldslämmchen!
" Es ... es tut mir leid, aber er ist gerade außer Haus, Mrs ...?!"
" Raven. Victoria Raven.", lautete die Antwort.
" Tut mir leid, Mrs. Raven. Soll ich ihm etwas ausrichten?! Ich bin Peter Grant und in gewisser Weise der Kollege von Nightingale."
Die Tatsache, dass sein Boss nicht da war, schien sie sehr zu bekümmern und mit einem Mal war sie regelrecht auf der Flucht!
" Ja. Ja, das können Sie. Sagen Sie ..."
Sie suchte einen Augenblick nach den passenden Worten.
" Sagen Sie ihm, dass ich seine Hilfe brauche!"
Ein gehetzter Blick über die Schulter folgte.
Schon wieder und seit sie hier vor ihm stand.
" Sagen Sie ihm das! Ja, Mr. Grant?"
> Als würde sie verfolgt. <, meldete sich der Polizisten - Instinkt.
" Natürlich. Aber wollen Sie nicht lieber reinkommen, Madam?", bot Peter an.
Sollte die Lady wirklich verfolgt werden, konnte er sie nicht einfach gehen lassen.
Allein schon um der britischen Ehre willen - Nightingale würde ihn umbringen!
" Wir haben auch ein, zwei Gästezimmer. Morgen früh ist Nightingale wieder zurück, ganz sicher!"
> Hoffe ich. <
" Nein. Nein, ich muss gehen!", antwortete die Dame gehetzt.
Irgendwo krächzte ein Rabe.
Oder war es eine Krähe?!
Es klang zumindest unheilvoll.
Da schnellte die Frau herum und rannte davon.
Fast, als sei der Ruf des Vogels ihr ein Zeichen gewesen...
" So warten Sie doch! HEY! Madam! HE!", schrie Peter und Toby bellte aufgeregt.
" Raven. Victoria Raven. Sagen Sie ihm meinen Namen!", rief sie im Laufen.
Es klang fast verzweifelt.
Und schon verschluckten Dunkelheit und Londons üppige Bevölkerung die geheimnisvolle Lady.
Peter war zu verblüfft, um ihr nachzusetzten, und so verschwand er kopfschüttelnd wieder im Haus.

Eines war klar: Er würde Nightingale hier von erzählen!
Allein schon, weil diese Mrs. Raven von Vestigia, also magischen Spuren, nahezu EINGEMAUERT gewesen war...
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