11. - Vereint

von Chahoz
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Allan A Dale Little John Robin Sir Guy of Gisborne
08.10.2014
15.10.2014
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Allan sammelte Feuerholz, der Winter stand bevor. Und hoffentlich auch die Rückkehr des Königs.
Robin war seit gestern Vormittag verschwunden. Niemand hatte eine Ahnung, wo er abgeblieben sein könnte. Much hätte fast einen Anfall bekommen. Ebenso wie Kate. Gut, dass Tuck da gewesen war, um die Gemüter zu beruhigen. Robin war erwachsen und konnte selbst auf sich aufpassen. Was war eigentlich aus Gisborne geworden? War ihm die Flucht gelungen oder hatte ihn Isabella wieder geschnappt?
Allan vertrieb die dunklen Gedanken und schaute gut gelaunt in die Baumkronen hinauf, durch die die Strahlen der morgendlichen Sonne blitzten. Wie würde er den Wald und ihr Camp vermissen, wenn wieder alles in Ordnung war! Wo würde er überhaupt unterkommen? Als er sich mit Much mal wieder scherzhaft gezankt hatte, hatte dieser ihm gedroht, ihn als seinen Leibdiener einzustellen. Eine grausame Vorstellung, jeden Morgen, Lord Much sagen zu müssen, ihm die erlesensten Speisen aufzutragen, dabei zuzusehen wie er immer fetter und fetter wurde ... und da er in seinem Leben ja nie mehr gezwungen war vor Wachen davonzulaufen, würde er das Fett auch behalten. Und irgendwann musste er ihn dann durch die Gegend rollen.
Allan grinste. Das könnte diesem so passen! Lieber betätigte er sich als Babysitter für Robin of Locksley den Zweiten.
Da ließ ihn plötzlich ein Geräusch aufhorchen. Allan wandte seinen Kopf herum und erspähte in einiger Entfernung ihren Anführer. Mit Gisborne!
Der Schreck zuckte durch die Glieder des einstigen Verräters. Die beiden kämpften miteinander! Ohne Waffen, aber immerhin. Eingreifen? Nein, lieber Verstärkung holen! Das Lager war nicht allzuweit entfernt. Also schmiss Allan seine gesammelten Äste auf den Boden und hetzte davon.
„Hey, kommt schnell! Beeilt euch! Robin ist in Schwierigkeiten!“, rief er den anderen entgegen, noch ehe er die Höhle erreicht hatte.
John und Kate schliffen ein Schwert, Tuck und Much saßen herum. Aufgeschreckt richteten alle ihre Blicke auf ihn.
„Hey, Robin und Gisborne prügeln sich hinter dem Hügel. Ich weiß nicht, wer sonst noch da ist. Kommt schon, na los!“
Wie von einer Wespe gestochen sprangen die Vier auf. Allan rannte voraus. Er hatte bis jetzt noch keine Zeit gehabt, sich zu fragen, wo Gisborne auf einmal hergekommen war. Und wie Robin so dumm sein konnte, ihm in die Arme zu laufen! Er keuchte wie verrückt.
Der Weg zurück kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Doch Gott sei Dank war Robin nichts passiert! Much spannte seinen Bogen und schoss einen Pfeil ab, um Gisborne zu erledigen. Aber er verfehlte sein Ziel, da Robin seinen Kontrahenten zu Boden stieß.
Keine Zeit für Worte! So schnell, wie es das unwegsame Gelände zuließ, eilten die Outlaws ihrem Anführer zur Rettung herbei. Entkräftet lag dieser auf dem Boden. Aber auch Gisborne. Und bevor sich dieser aufrichten konnte, hatten sie ihn erreicht.
„Finger weg!“, belferte dieser, als Tuck ihn mit einem Kampfgriff auf den Rücken drehte.
Kate hob ihr Schwert, sie wollte kurzen Prozess machen.
„Nicht!“, schrie Gisborne verzweifelt.
„Nein!“, rief Robin dazwischen und hob beschwichtigend seine Hand.
„Er hat meinen Bruder ermordet!“, keifte Kate hasserfüllt.
„Er gehört jetzt zu uns!“
„Was?!“ Little John begriff die Welt nicht mehr.
Auch jeder andere Gesetzlose war nach diesen Worten erstarrt. Ungläubig gafften sie zu ihrem Anführer hinüber.
„Ich hab gesagt, er gehört jetzt zu uns“, wiederholte dieser den Satz noch einmal eindringlich, sodass kein Zweifel mehr bestehen konnte, dass er es ernst meinte.
Kate blitzte wütend auf den ihr ausgelieferten Mörder ihres Bruders herab. Mit einem frustrierten Schrei bohrte sie ihr Schwert wenige Zentimeter von dessem Kopf in den Waldboden.
„Warum denn das?!“, wollte Much ratlos wissen.
„Robin?“, bellte Tuck ohne großes Verständnis.
„Er ist unser Feind!“, protestierte John.
„Das ist schon ein bisschen komisch.“ Auch Allan verstand nichts mehr. Was war nur in ihren Anführer gefahren? Wie kam er zu dieser abenteuerlichen Entscheidung?
„Ich erkläre es euch“, lenkte Robin ein, während er sich erhob.
Gisborne rappelte sich ebenfalls auf. Er stellte sich an die Seite des Bogenschützen.
„Er ist nun ein Gesetzloser. Genau wie wir“, führte dieser aus. „Isabella ist unser gemeinsamer Feind ...“
„Das macht ihn nicht zu einem guten Menschen!“, ging John dazwischen. „Er war die rechte Hand des Sheriffs. Wir haben gegen ihn gekämpft!“
„Er hat meinen Bruder auf dem Gewissen!“, blaffte Kate.
„Ich weiß“, versuchte Robin zu beschwichtigen. Sachlich fuhr er fort. „Ich habe mich gestern auch aufgemacht, um ihn endlich zu stellen. Ich wollte die Sache zwischen uns ein für alle Mal regeln. Allein. Aber bevor ich es zu Ende bringen konnte, kam mein Vater dazwischen.“
Den fünf Outlaws verschlug es kurz die Sprache.
„Ich dachte, dein Vater ist tot“, brachte Much hervor.
„Das dachte ich auch“, sagte Robin.
„Wir beide sind so gut wie verwandt. Wir haben einen gemeinsamen Bruder“, beteiligte sich Guy an der Debatte.
„Mein Vater. Und seine Mutter“, ergänzte der Anführer der Outlaws auf die verwirrten Mienen seiner Leute hin. „Er sitzt in York im Kerker und wartet auf seine Hinrichtung. Gisborne und ich müssen ihn befreien. Ich habe meinem sterbenden Vater mein Wort gegeben, dass ich nicht brechen werde.“
„Robin, er gehört nicht zu uns und er wird niemals zu uns gehören!“, ließ sich John jedoch nicht so leicht unterbuttern.
„Hört zu“, klinkte sich sich Guy wieder ein. „Ob es euch gefällt oder nicht, wir haben ein gemeinsames Ziel: Isabella zu vernichten. Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Ihr müsst mich nicht mögen, ich mag euch auch nicht. Aber ihr braucht mich.“
„Wir brauchen dich sicher nicht“, meinte Much abschätzig.
„Und wer gibt mir meinen Bruder zurück, Robin?!“, zeterte Kate. „Er ist von diesem Monster ermordert worden! Er ist kein armer, streunender Hund, sondern ein bissiger Köter!“
„Ich will ja nichts sagen, aber da haben sie nicht ganz Unrecht. Hättest du auch den alten Sheriff aufgenommen, wenn du herausgefunden hättest, dass er dein Onkel ist oder so? Und deinen Bruder können wir auch ohne ihn befreien.“ Allan verstand die Denkweise ihres Anführers ebenfalls nicht ganz. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass es innerhalb ihrer Bande einmal einen solchen Streit gegeben hatte. Hoffentlich nahm das ein gutes Ende.
„Und wer beschützt die Menschen hier vor Isabella?“, entgegnete Robin. „Seht es ein, ihr müsst hierbleiben. Während ich und Gisborne nach York reiten und unseren Bruder befreien. Dasselbe würde ich für jeden von euch tun.“
„Wer ist dieser Bruder, Robin?“, stellte Tuck eine neutrale Frage, um die Fronten nicht noch weiter zu verhärten.
„Sein Name ist Archer. Ich hab ihn nie getroffen. Ich weiß nur, dass er weit gereist ist und dass er sich mit exotischen Waffen aus dem Fernen Osten auskennt.“
„Isabellas Truppen sind uns weitaus überlegen“, fügte Guy hinzu. „Durch Archers Waffen wären wir deutlich stärker.“
„Gehen wir jetzt ins Camp. Wir holen Geld und Proviant und brechen dann gleich auf.“ Keine weiteren Widerworte zulassend setzte Robin sich in Bewegung.
Da war sie wieder, diese Sturheit. Allan blickte in die Gesichter der anderen. Es war etwas passiert, dass in der Form noch nie passiert war. Es war ein Graben zwischen ihnen und ihrem Anführer entstanden. Vor allem John wurde mit der Situation nicht fertig. Fast feindselig stierte er auf Robins Rücken.
Und Kate. Der Trickdieb konnte gut mit ihr mitfühlen. Da nahm ihr Geliebter von heute auf morgen den Mörder ihres Bruders in ihren Reihen auf. Er hätte ihr sowas nie angetan. Gut, als er Gisborne da auf dem Henkerspodium gesehen hatte, hatte er schon ein wenig Mitleid mit ihm gehabt. Aber ihn so ohne Weiteres in ihren Bund aufzunehmen, ging einfach zu weit!

Es wurden keine unnötigen Worte mehr gewechselt, für Robin war das Thema entschieden.
„Ich bin bald zurück“, war das Einzige und Letzte, das er sagte.
Zumindest zu ihnen – den gewöhnlichen Mitgliedern der Bande. Kate gegenüber fühlte er sich wohl doch zu mehr verpflichtet. Mitempfindend sah er ihr in die Augen und strich ihr zärtlich durch’s blonde Haar. Was er ihr genau ins Ohr säuselte konnte Allan nicht verstehen, da er zu weit weg stand. Glaubte der Bogenschütze wirklich, dass er sie durch ein bisschen Süßholzraspelei besänftigen konnte? Der Trickdieb stellte sich auf das knallende Geräusch einer Ohrfeige ein und musste sich insgeheim eingestehen, dass ihn dies sogar freuen würde. Aber was war das? Nichts dergleichen geschah! Kein Geschrei, kein Robin der sich die Wange hielt! Die beiden küssten sich.
Allan rollte mit den Augen und wandte sich ab. Was zum Teufel hatte dieses Weib nur für einen Narren an ihrem Anführer gefressen?
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