Die Drachenrauchberge

von exnabo
GeschichteMystery / P16
06.10.2014
06.10.2014
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06.10.2014 847
 
Rauchig und schwer füllte die Luft die Lungen der Besucher zum grünen Apfel, eine Taverne in die man wohl eher ging, wenn man ein Bier für ein paar wenige Münzen suchte anstatt feine Gesellschaft. Betrieben wurde sie von einer stämmigen Zwergendame, die nicht nur eine beachtliche Anzahl an Bierkrügen auf einmal tragen konnte sondern auch jedem Gast zu jeglichem Thema ihre Sicht der Dinge ungefragt auf die Nase band.

Die Gesellschaft, die sich hier zum abendlichen Umtrunk zusammenfand war gleichwohl bunt aus den Bewohnern von Drellins Fähre zusammengewürfelt. Heute Abend war sogar einer der wenigen Elfen, die sich hier mit den Menschen niedergelassen hatten, zugegen. Er schien, ein wenig abgeschieden vom Rest der Gesellschaft, seinem jungen Halbelf-Lehrling die elbische Sprache beizubringen.  
Zwischen all den Gästen bot sich auch ein eher allabendlicher Anblick. In der anderen Ecke der Schenke wirbelte der junge Halbling Naidor Spitzhand, auf einem Holzschemel stehend,  mit Karten umher.
Geboren und ein Jahrzehnt in der Obhut des Clans der Spitzhands in den fernen Landen Duriends  aufgewachsen, verlebte er eine kurze glückliche Kindheit. Die Spitzhands waren ein mächtiger Clan mit hohem Ansehen und vielen Verwandten. Sie waren geschickte Händler und erfolgreiche Diplomaten. Der Vater Naidors, Galdon, war oberster Kaufmann der Händlergilde in Lorand. Doch eines Tages verfielen die zwei vorherrschenden Menschenkönigreiche Lorand un Thyrst in einen erbitterten Krieg, der durch die Spitze Zunge des niederträchtigen Beraters König Hectors von Thyrst ausgelöst worden war. Als Thyrsts Streitkräfte die Hauptstadt Lorands erreichten hatte Naidor erst 18 Sommer gesehen. Er floh mit seinem Vater und seiner Mutter über das Meer. Sie mussten mit all ihrem Hab und Gut für die Überfahrt bezahlen.  Bei der Überfahrt verprügelte ein halblinghassender, betrunkener Seemann Galdon so sehr, dass seine Beine verkrüppelt blieben. Durch seine Verletzung geschwächt, wurde er dazu auch noch sehr krank. Als die Familie Drellins Fähre endlich erreichten war  Galdons Lebensfaden kurz vor dem Zerreissen. Ob seiner Jugend musste Naidor nun für seine Familie sorgen. Zunächst als Tagelöhner, dann immer mehr durch Taschendiebstähle oder Einbrüche sicherte er das Überleben seiner Familie. Dabei übte er sich Tag für Tag immer mehr in seiner Fingerfertigkeit.

Nach einigen Jahren lernte er bei einer Kneipenschlägerei, bei der er den betrunkenen Schlägern unbemerkt die Goldbeutel abknüpfte, einen Halbork Namens Henk kennen. Nach einem verschmitzten Lächeln und zwei  Humpen schweren Biers waren sie bereits Freunde geworden. Der grobschlächtige Barbar mit seiner kantigen Axt und den riesigen Pranken sorgte fortan für Naidors Sicherheit, wenn er wieder einmal durchreisende Fremde durch Kartenspielertricks über den Tisch zog. Nicht allzu selten hatte ein gezielter Treffer in das Gesicht eines wütenden Betrunkenen mehr Wirkung gezeigt, als die diplomatische Beredsamkeit Naidors.

Heute war wieder solch ein Tag. Die trüben Augen eines offensichtlich betrunkenen Seemanns verfolgten Naidors fliegende Hände. Seit seiner Überfahrt in der frühen Jugend hegte Naidor eine tiefe Abneigung gegenüber den Seefahrern und Seefahrt an sich. Diesen wollte er bis auf sein letztes Hemd ausziehen. Zufrieden spürte er die harte Klinge seines Dolches im Stiefelschaft. Der Seemann hatte schon wieder verloren. Lauthals lamentierend schnippte er seine Silbermünze zu ihm hinüber. Als Naidor seine Hand aussteckte, fiel ihm eine Karte aus dem zusätzlichen Geheimfach in seinem Ärmel. Eine Lasche schien sich gelockert zu haben, denn nun plumpste eine Karte nach der anderen aus dem Ärmel auf den Tisch. Lange Sekunden verstrichen. Im Gehirn des fetten Seemanns ratterte es sichtlich. Nach einer halben Ewigkeit klickte es. Naidor hatte indes seine Habseligkeiten zusammengerafft und befand sich auf dem Weg sich zu verdrücken, als ihn die Faust des Besoffenen ins Gesicht traf.

"Du Betrüger" schrie er. Naidor flog in einem hohen Bogen über den klebrigen Tavernenbogen, der mit einer dicken Schicht aus Dreck und Bier überzogen war, und knallte auf den Rücken. Seine Reflexe waren schnell genug gewesen seinen Goldbeutel festzuhalten. Er sicherte vorsichtshalber den Beutel mit einem schnellen Knoten und stellte sich auf seine Beine.
Ein Tumult war bei dem Aufschrei des Betrunkenen ausgebrochen und zwischen den großen Leibern der herbeigeeilten Schaulustigen verdrückte sich Naidor zu seinem, an einem Tisch sitzenden, Freund Henk. Der betrunkene Fettsack hatte mittlerweile eine Flasche ergriffen und zerschlug das untere Ende am Tisch. "Ich schlitze dir deine verdammte Kehle auf, du dreckiger Halbling-Wurm". Henk schien die Ruhe selbst zu sein. Er leerte seinen Humpen, rülpste laut und erhob sich langsam von seinem Stuhl. Seine große Statur wirkte gegen den 98cm großen Halbling wie die eines Riesen. Mit zwei Schritten war er durch den Raum gelangt, holte aus und schlug mit seiner Pranke in das feiste Gesicht des Seemanns. Dieser knallte, von der Wucht des Angriffes überrascht, mit dem Kopf gegen die Mauer. Während er an der Mauer zu Boden sank, brabbelte er einige unverständliche Worte. Eine handvoll Zähne rutschten ihm über die Lippen und prallten auf den Boden.
In seinem Blickfeld erschien nun Naidor. Mit breitem Grinsen lehnte er sich über den Bauch des am Boden Liegenden und nestelte seinen Goldbeutel hervor. Er packte ihn und verschwand im Getümmel. Der kraftlose Schlag des Fetten führte ins Leere, als auf einmal eine laute Stimme durch die Schenke hallte...
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