Meine Babysitterin, unser Geheimnis und ich

GeschichteAllgemein / P16
Cleo Sertori
05.10.2014
05.10.2014
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Es sollte ein ganz normaler Tag werden. Ich wollte mit meinem Freund frühstücken, danach mit meinen Freundinnen ein bisschen shoppen gehen und abends zurück zu meinem Schatz aufs Sofa oder ins Bett und kuscheln. Soweit meine Planung.
Meine Eltern waren zur Zeit im Urlaub und hatten mich über die Sommerferien hinweg in Deutschland in ihrem Haus allein gelassen. Na gut. Meine Babysitterin war da. Zumindest.. körperlich. Warum dachten Eltern denn eigentlich, dass ihre 16 ein halb Jahre alte Tochter einen Babysitter braucht? Nur weil sie einmal eine House-Party geschmissen hat ohne ihre Eltern davon in Kenntnis zu setzten?
Wahrscheinlich... Naja. Wie dem auch sei.
Was entscheidend ist, ist dass sie mir eine alte, verrückte Frau als Babysitter engagiert haben.
Frau Carsten. Sie war in dem Sinne verrückt, als das sie ständig von Magie und Zauber redete. Himmel, als ob es so was in unserer Gesellschaft noch geben würde... Wir leben immerhin im 21 Jahrhundert!
Ich sah mich im Spiegel an und bemerkte wieder einmal, dass ich nicht zufrieden mit mir selbst war. Ich war aufgeklärt und für alle logischen Vorgänge und Geschehen zu haben. Vielleicht war das mein Problem. Ich sah in allen Dingen nur das Mögliche und Rationale, ich wusste nicht mal, ob ich meinen Freund wirklich liebte... Es war sehr verwirrend. Außerdem kam noch hinzu, dass mein Aussehen so ganz und gar nicht meiner Kämpfernatur und der rationalen Denkerin entspricht.
Große grüne Augen, die meine Freundinnen gerne Kulleraugen nannten und mich darum beneideten, eine schmale Taille, einer vernünftige Oberweite und Füße in Größe 38/39. Soweit zum Positiven.
Etwas, wie ich fand, fülligere Oberschenkel, eine große Nase und ein bisschen mehr Bauch, als mir lieb war – auch wenn ich immer zu hören bekam, dass dem gar nicht so sei.
Ich seufzte und steckte mir schnell meine Lieblingsohrringe ins Ohr. Sie funkelten und sahen richtig teurer aus – was sie auch waren. Zum Glück hatte ich auf diese gespart, denn hergeben würde ich sie niemals wieder.
Schminken wollte ich mich nicht. Das taten nur Tussen und Schlampen, die gerne so aussahen, als wären sie in eine Farbpalette gefallen. Nein, nein. So musste ich ja nun nicht aussehen.
Mir reichte Maskara und Labello. Und das wars. Auch sonst war ich nicht das Mädchen, das die Trends setzte oder sie annahm. Ich zog an, was ich wollte und wonach mir war.
Ich glaube immer noch, dass ich mit dieser Einstellung einer aussterbenden Rasse angehörte.
„Amanda! Das Frühstück ist fertig!“, rief meine Babysitterin nach oben in mein Zimmer.
Hörte die eigentlich nie zu? Verdammt ich hatte doch gesagt, dass ich heute mit meinem Freund frühstücken wollte! In einem Café! Genervt stand ich auf und stieg die Treppe hinunter in den Salon. Hatte ich erwähnt, dass meine Eltern angesehene Bürger mit stattlichem Einkommen waren und häufig zu irgendwelchen Empfängen mussten?
Nein? Tja, jetzt schon.
Mein Dad war Zahnarzt und meine Mom managte eine große Hotelkette, in der ab und zu auch mal ein Sternchen ein Zimmer haben wollte. Aber der ganze Kram interessierte mich nicht. Ich musste schon oft genug für meine Eltern das liebe, brave Kind spielen und die House-Party in unserer Villa hatte  wohl nicht unbedingt zu diesem Bild beigetragen. Ups.
Ich war im Salon angekommen und sah Frau Carsten vorwurfsvoll an.
„Ich hatte Ihnen doch schon gesagt, dass ich heute woanders frühstücken werde!“
Mein Babysitter lächelte und drehte mir den Rücken zu. Sie sprach einfach nicht mit mir! Unerhört! Ich bin ja generell kein Prinzesschen, aber wenn es drauf ankam, konnte ich verdammt zickig und hochnäsig reagieren.
„Hallo? Ich rede mit Ihnen! Ist ja auch egal!“ Immer noch keine Reaktion. Jetzt wurde es mir aber zu bunt. Ich ging zur Tür und wollte sie öffnen, doch es ging nicht. Der Türgriff war vereist! Im Spätsommer!
Erschrocken drehte ich mich um und sah meine Babysitterin an. Frau Carsten lächelte milde und bat mir an mich an den gedeckten Frühstückstisch zu setzten.
„Du isst heute hier. Wie ich es will. Ich habe etwas mit dir zu besprechen, Amanda.“
Ich wollte schreien. Das grenzte doch sicher an Kidnapping oder so was. Und mein Handy hatte ich in meiner Jacke, die am Treppengeländer in der Eingangshalle hing und von all dem merkwürdigem Zeugs hier drin nichts mitbekam.

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Kurzes erstes Kapitel. Sagt mir was ihr davon haltet. :)
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