Eine heimliche Liebe

KurzgeschichteFantasy, Sci-Fi / P12
05.10.2014
11.10.2014
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„Ich verstehe das nicht“, sagte Doktor Beckett und trat von einem Bein auf das andere, was ihm einen schiefen Seitenblick von Rodney einbrachte.
„Was verstehen Sie nicht?“, fragte Weir und deutete mit einer allgemeinen Handbewegung auf die Stühle des großen Konferenzraumes.
„Die Frau!“
„Wraithanbeterin!“, intonierte Ronon scharf.
„Unter normalen Umständen“, führte Doktor Beckett aus, „würde ich Ihnen zustimmen, Ronon, aber hier liegt der Fall ein wenig anders. Ich habe neben einigen anderen Untersuchungen auch ihr Blut untersucht und sie hat 45,7 Prozent Wraithblut in sich. Bei Sheppard liegt der Anteil gerade einmal bei 0,001 Prozent.“
„Ich habe Wraithblut in mir?“, fragte John und richtete sich kerzengerade auf.
„Wahrscheinlich durch das, was der Wraith...“
„Todd, zumindest kam mir das Gebrabbel so vor.“
„... bei der Umkehrung des Nährungsprozesses gemacht hat. Oder wie auch immer man das medizinisch bezeichnen soll“, fügte Beckett leiser hinzu.
„Er hat sich an Sheppard genährt!“, fuhr Ronon auf und John bemerkte, dass seine Augen vor Gefährlichkeit glänzten. Er stand kurz davor dem Wraith den Hals umzudrehen.
„Das war nur Mittel zum Zweck“, sagte John. „Ein Zweckbündnis.“
Und unter den gegeben Umständen hatte er ihm sogar das Leben gerettet. Es war zwar eine temporäre Allianz, aber sie hatten überlebt und nur das zählte. Kolya hatte seine Schergen postiert und nur weil Todd sich verlaufen hatte, waren sie so gut wie unbeschadet davon gekommen.
„Zumindest sind einige Falten bei ihnen weg, Sheppard“, sagte Rodney.
Er hatte ein geradezu bissiges Talent einen aufzumuntern. John verzog die Mundwinkel, aber er hatte recht, er fühlte sich wie neugeboren, voller Tatendrang.
„Gibt es eine...?“
„Eine Erklärung?“, unterbrach Beckett Weir und wandte den Kopf. „Normalerweise müsste sie bei der Konzentration tot sein. Das ist so, als wenn jemand bei einer Transfusion die falsche Blutgruppe mit Hochdruck bekommt. Der ganze Körper wäre zwar voll, aber es verträgt sich nicht und führt unweigerlich zum Tod. Außerdem hat sie an ihrer linken Hand so etwas, was wie eine Transferstelle aussieht. Besser kann ich es nicht beschreiben, dazu müsste ich neue medizinische Wörterbücher schreiben.“
Weir legte die Arme auf den Tisch und beugte sich leicht vor. „Aber bei der Frau gibt es keine Anzeichen, dass sie dieses Blut nicht verträgt.“
Beckett nickte. „Mir ist das ein Rätsel, aber daran sollte ich eigentlich gewöhnt sein, nur nicht in dieser Kombination. In einer Übertragung zu einem Menschen würde ich sagen, dass ihr Immunsystem dieses Blut nicht als fremd ansieht. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall; sie braucht es.“
Rodney zog scharf die Luft ein. „Was hatte Todd gesagt, als er nach der Frau gefragt wurde.“
„Für mich“, sagte John, „klang es nach etwas Essbaren.“
„Nein, nein, nein“, sagte Rodney hastig, „das ist ein alter Ausdruck, ein sehr alter Ausdruck und zwar von den Antikern und bedeutet so etwas wie Gemahlin, Gefährtin aber viel es ist viel intimer zu sehen. Geliebte, aber selbst das entspricht nicht einmal annähernd der Grundbedeutung des Wortes.“
„Was?“, fuhr Ronon auf. „Das soll seine Gefährtin sein?“
„Mehr als das“, erwiderte Rodney und wedelte kurz mit den Arm in Richtung von Beckett.
„Geht das überhaupt?“, fragte Beckett und sah sich in der Runde um, suchte den Blick von Ronon.
Ronon sagte etwas, aber Johns Gedanken hingen bei etwas anderem fest, wie hatte Todd gesagt, es gibt vieles was sie über die Wraith nicht wissen. Sollte eine Verbindung mit einem menschenähnlichen Wesen dazu gehören? Vielleicht sogar eine Ehe?
„Wie ist ihr allgemeiner Zustand?“
„Todd“, warf John ein, „hat auch sie verjüngt und zwar ohne, dass sie Angst gezeigt hat, im Gegenteil, sie hat um sein Leben gefleht.“
„Körperlich scheint ihr nichts weiter zu fehlen. Neben der Wirkung der Energieentlandung durch Ronons Waffe, würde ich sagen, dass die Bewusstlosigkeit eher eine Form von Überanstrengung ist. Ich gehe davon aus, dass sie in einer Stunde wieder zu sich kommt.“
„Ich will mit ihr sprechen, wenn sie bei Bewusstsein ist“, sagte Weir und stand auf. „Mit beiden.“
John tat es ihr nach und hielt Rodney mit einem Blick zurück.
Als alle anderen den Raum verlassen hatten, fragte er. „Gibt es über etwas derartiges Aufzeichnungen?“
„Wir haben gerade einmal 0,0001 Prozent aus dem Speicher übersetzt und wir sitzen Tag und Nacht daran, bisher war es meist nur technischer Kram über die Stadt.“
„Also nein.“