Ice Bucket Challenge – Harveys sozialer Tag

von Madita123
GeschichteAllgemein / P12
Donna Paulsen Harvey Specter Jessica Pearson Louis Litt Michael "Mike" Ross
03.10.2014
03.10.2014
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Harveys sozialer Tag

Schon vor dem Eintritt in den Konferenzraum stutzte Harvey, der Glasfront sei Dank. Jessicas Rundmail am Morgen hatte kryptisch geklungen: eine lapidare Bitte, alle Mitarbeiter mögen sich um 14 Uhr versammeln. Jetzt war es viertel nach zwei und die ganze Mannschaft von Pearson Hardman hatte sich in dem großen zentralen Büro eingefunden. Louis stand mit einem Eimer auf einem Stuhl. Leise drückte Harvey die Türklinke herunter und schlich sich an Donnas Seite. „Was soll das denn hier?“, raunte er seiner Sekretärin zu, die versiert ihre iPhone-Kamera auf Jessica hielt. Im nächsten Moment hob Litt den Arm und goss der Chefin unter lautem Gejubel der Kollegen den Inhalt des Eimers – Wasser und Eiswürfel – über den Kopf. Harvey stöhnte. „Ice Bucket Challenge? Jessica? Nicht im Ernst …“

Donna drückte die Stoptaste, um die Aufnahme zu beenden. Hart stupste sie den Anwalt in die Rippen. „Harvey! Das ist eine gute Sache und ich finde es toll, dass sich Jessica der Herausforderung gestellt hat“, zischte es an seinem Ohr. Er verdrehte die Augen. „Ja ja, ganz toll. Ich gehe dann jetzt mein persönliches gutes Werk tun und gewinne meinem Klienten ein paar Millionen Schadenersatz.“ Er wollte sich gerade umdrehen um sich den weiteren Verlauf von Jessicas Rede zu ersparen, da hörte er die kommenden Nominierungen.
Ha, Daniel hatte es erwischt! Harvey freute sich diebisch und grinste Hardman unverhohlen spöttisch an. Der zweite Genannte war einer der älteren Seniorpartner, der unter der Aussicht einer eiskalten Dusche angstvoll mit seinen arthrosegeplagten Knochen zuckte. „Und als letzten nominiere ich Harvey Specter!“ Gelassen lächelte Jessica ihm entgegen, während er im Augenwinkel den vor Begeisterung – und vermutlich Schadenfreude – weit aufgerissenen Mund seines Protegés Mike erkennen konnte. Seinem Mienenspiel war nicht zu entnehmen, was er dachte. Harvey Specter, Meister des Pokerfaces! Er schaffte es tatsächlich, trotz der Wut, die gerade wie heißer Kaffee durch seine Adern schoss, sein 100-Watt-Smile anzuknipsen und Jessica charmant zuzunicken.
„Die Herausforderung nehme ich natürlich gern an. Allerdings muss ich mich jetzt unserem Hauptjob widmen. Ich lasse Dir meine Spendenquittung zukommen und versichere, sie wird nicht gering ausfallen.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ endgültig das lächerliche Spektakel.

Am Schreibtisch in seinem überdimensionierten Büro angekommen, stieß er erst einmal heftig die Luft aus. Jessica hatte sie ja wohl nicht mehr alle, wenn sie wirklich dachte, er ließe seinen „diese-Haare-werden-alle-drei-Wochen-vom-besten-und-teuersten-Coiffeur-in-ganz-NYC-frisiert“-Schopf mit einem Eimer Wasser ruinieren. Wer weiß, vielleicht hätte der Kälteschock sogar spontanes Ergrauen einzelner Strähnen zufolge?! Harvey schüttelte entschieden den Kopf. Nein, das würde definitiv nicht passieren. Er öffnete seinen Email-Account.

Von: The Closer (harvey.specter@pearson-hardman.com)
An: jessica.pearson@pearson-hardman.com
Betreff: Kontoverbindung für ALS-Spende
Text: Hi J.,
lässt Du mir bitte die Kontodaten des ALS-Fonds zukommen? Ich werde umgehend 10.000 Dollar überweisen und hoffe, das ist in Deinem Sinne. Wir können dann gern die Spendensumme auf der PH-Homepage veröffentlichen. Wobei wir vielleicht nicht zu sozial rüberkommen sollten. Schließlich haben wir schon genug Pro-bono-Fälle zu bearbeiten. Und wir sind nicht die Wohlfahrt …
H.

Zufrieden drückte er den Senden-Button. 10.000 Dollar! Das machte was her. Damit hatte er sich locker das Warmduschen erkauft.
„Hey Harvey, da hat es Sie also erwischt, ich bin ja schon so gespannt auf Ihr Gesicht, wenn es soweit ist und wissen Sie schon …“ Harvey hob genervt die Hände und stoppte so den Redefluss Mikes, der unangekündigt – und unwillkommen! – in sein Büro gestürmt war. „Wo ist Donna?“ – „Hiiier“, tirilierte es von rechts und die Rothaarige tänzelte mit einem Eimer hinter Mike vor Harveys Schreibtisch. „Noch ist er leer, aber baaald…“ Sie wackelte mit dem knatschgrünen Kunststoffbehälter verheißungsvoll vor der Nase des Staranwalts hin und her.
Angewidert verzog Harvey das Gesicht. „Ich habe gewiss nicht vor …“, begann er arrogant, doch schon klopfte es erneut an seine Tür. Jessica, frisch umgezogen und wieder wie aus dem Ei gepellt, konnte Harvey durch das Glas erkennen. Wahrscheinlich kam sie, um ihm für seine Großzügigkeit zu danken. Siegessicher lächelte er und nickte zum Zeichen, dass sie eintreten solle. Wäre es vielleicht besser, Mike und Donna hinauszuschicken? Ach nein, sie konnten ruhig hören, dass er ein üppiges Geldsümmchen locker gemacht – und sich natürlich ganz specter-like um die Wasserschlacht herumgedrückt hatte. Sollten andere sich nass und lächerlich machen. Er hatte das dank seines gut gefüllten Bankkontos nicht nötig …

„Harvey! 10.000 Dollar, das ist wirklich sehr spendabel. Die Stiftung wird sich freuen“, lächelte Jessica. Moment, oder war da ein falscher Zug um ihren Mund herum? Nein, er musste sich täuschen. Mike schluckte und seine Augen traten fast aus ihren Höhlen. „Wow“, staunte er leise ob der im Raum stehenden Summe. Harveys Mundwinkel zuckten erfreut in die Höhe. „Aber glaub ja nicht, dass Du Dich so aus der Verantwortung stehlen kannst. Der Eimer wartet trotzdem auf Dich, mein Bester…“ Die Mundwinkel sackten wieder ab.
Jetzt war Harvey sich sicher, dass es sich bei dem Grinsen auf dem Gesicht seiner Chefin um reine Schadenfreude handelte. „Hardman hat sich schon spontan mit einem ‚plötzlichen Unwohlsein’ aus dem Staub gemacht, dieser erbärmliche Feigling. Gut, dass Du hier bist! Um 17 Uhr ist es soweit.“

Harveys Lächeln erreichte seine Augen nicht, als er scheinbar bedauernd erwiderte: „Jessica, leider muss auch ich diesen Termin verschieben. Ich treffe mich um 18 Uhr mit Michael Jordan und werde mir vorher auf keinen Fall meinen 3.000 Dollar-Anzug ruinieren lassen.“ Er hoffte, dass mit dieser Ansage – sein Ton war geschäftsmäßig und bestimmt – das unsägliche Thema endlich vom Tisch war.
„Uuups“, machte Donna und ihre Kulleraugen verhießen ebenso wenig Gutes wie ihre Lippen, die vor unterdrücktem Lachen zuckten. Stirnrunzelnd betrachtete der Jurist seine Sekretärin. „Was, Donna …?“, fragte er argwöhnisch. Unschuldig plinkerte sie mit den Wimpern. „Ich fürchte, ich habe ganz vergessen, dass Michael gestern angerufen hat, um den Termin vorzuverlegen. Er kann leider nur um 17 Uhr, weil um 19 Uhr schon sein Flieger nach Minneapolis geht. Und statt im 'Sette Mezzo' trefft Ihr Euch gleich hier, da er so schneller zum Airport kommt.“
Mike blickte scheinbar unbeteiligt aus dem Fenster, Jessica versuchte, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten.
„Ihr steckt alle unter einer Decke!“ Harvey fiel es wie Schuppen von den Augen. „Das ist hier ein abgekartetes Spiel, ja?“ „Du hast es erfasst, mein Lieber. Du hast uns durchschaut. Nur leider etwas spät…“ Jessica zwinkerte ihm zu und drehte sich um. An der Tür lächelte sie verschmitzt. „Dann bis nachher...!“ Auch Donna wandte sich zum Gehen. „Ich muss dann auch dringend mal die Kaffeemaschine entkalken“, flötete sie und verließ eilig mit ihrem grünen Eimer den Raum. Harveys Blick aus zusammengekniffenen Augen glitt an ihr ab wie Fett an einer Teflonpfanne. „Darüber reden wir noch“, zischte er ihr wütend hinterher.

Mike wurde es mulmig. Ausgerechnet er stand jetzt allein bei seinem Boss und fürchtete, nun den geballten Ärger für sie alle drei abzubekommen. Dabei war er der einzige gewesen, der wirkliche Bedenken gegen Jessicas Plan gehabt hatte, den sie ihm und Donna gestern bei einem konspirativen Treffen im Archiv mitgeteilt hatte. „Aber Harvey liebt doch seine Frisur“, hatte er eingewendet und später noch einmal „aber Harvey legt doch so viel Wert auf seine Anzüge“ angeführt, doch die beiden Frauen hatten die Zweifel des Welpens natürlich einfach beiseite gewischt.
„I...ich... also... zu meiner Verteidigung, das war nicht meine Idee“, stotterte er verlegen. Sein Chef zog die Augenbrauen hoch. „Was denn, erst fallen Sie mir in den Rücken und dann verstecken Sie sich auch noch hinter Jessica und Donna?“ Harveys stechender Blick verunsicherte Mike. War er wirklich sauer?
„Wissen Sie, so schlimm ist es jetzt auch nicht“, brachte der Associate mit dem Mut der Verzweiflung hervor. „OK, es ist kalt und nass und demütigend und Michael Jordan sieht Ihnen dabei zu, wie Ihr fantastischer Haarschnitt und der Maßanzug ruiniert werden, aber...“ Mike sah, wie sich die Kiefer seines Vorgesetzten aufeinanderpressten und verstummte. Diese Taktik ging offenbar vollkommen in die Hose. Plötzlich kam dem Wunderkind eine Idee. „Hey, nominieren Sie einfach Donna und mich im Gegenzug! So können Sie sich doch hervorragend an uns rächen!“ Erfreut über den Geniestreich seines Gedankens strahlte Mike Harvey hoffnungsvoll an. Er hatte sich selbst wie ein Opferlamm zur Schlachtbank geführt. Jetzt konnte der Ältere nicht mehr böse sein, oder?

Harvey schüttelte den Kopf. „Dass Sie gerade Donna ans Messer liefern wollten, werde ich ihr petzen, glauben Sie mir. Es wird Sie Bagel-Holdienste auf Lebenszeit kosten, wenn Sie das wieder gut machen wollen.“ Mike sah ihn an wie ein Ballon, dem man die Luft abgelassen hatte. Doch Harvey beließ es nicht dabei; er musste seinem Ärger schließlich irgendein Ventil geben. Abschätzig betrachtete er seinen Assistenten von oben bis unten. „Und Sie nominieren? SIE? Was glauben Sie denn, wer sich dafür interessiert, wenn Sie einen Eimer Wasser über den Kopf kriegen? Glauben Sie mir, niemand. Kein Schwein würde dabei zusehen. Keiner würde es filmen und ins Netz stellen. Und selbst wenn es Ihr armseliger Kifferfreund Trevor hinkriegen würde, die Kamera gerade drauf zu halten, dann würde hinterher garantiert niemand anschauen wollen, wie sich der minderwertige Witz, den Sie Anzug nennen, in Wasser auflöst. Stell dir vor, es ist Ice Bucket Challenge mit Mike und keiner geht hin“, er schnaubte spöttisch.

Mike atmete tief durch. Harveys Worte hatten ihn getroffen. Denn auch wenn er wusste, dass sein Chef wütend war über die Heimlichtuerei und er deshalb gerade diese Predigt bekommen hatte, wurde ihm gleichzeitig klar, dass der Anwalt Recht hatte. Es gab tatsächlich NIEMANDEN, der sich für seine Eiswassertaufe interessieren würde. Keine Freundin, keine Freunde – und selbst seine Kollegen im Cubicle würden vermutlich keine Sekunde ihrer Arbeitszeit dafür opfern. Es gab niemanden, weil er selbst ein Niemand war. Mit einem Schlag fühlte der Welpe sich einsam. „Alles klar, verstanden“, gab er knapp zurück und ging, so hoffte er, gemessenen Schrittes aus Harveys Büro, obwohl er am liebsten gerannt wäre.

Harvey versuchte, sich auf seinen Fall zu konzentrieren. Es gelang ihm nicht. Er bekam den Gesichtsausdruck seines Schützlings einfach nicht aus dem Kopf. Nicht einmal wütend auf Mike war er mehr. Zu elend hatte sein Assistent bei seiner – zugegebenermaßen nicht allzu netten – Ansprache ausgesehen. Dabei hatte er gar nicht den eigentlichen Grund genannt: Harvey wusste, dass die Kanzlei von den Nominierten Blut sehen wollte. Nein, kein echtes, rotes Blut, sondern den Lebenssaft, der die Wirtschaft am Laufen hielt: Geld. Nur eine satte Spende hatte repräsentative Außenwirkung und diesen Zweck verfolgte Jessica, das war Harvey klar. Natürlich kam das Forschungsgeld auch Menschen wie Quentin, ihrem Exmann, der selbst an ALS erkrankt war, zu Gute. Aber wenn Jessica sich vor laufender Kamera für die Homepage beim Eisbad filmen ließ, dann war dies in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit für die Kanzlei. Und wie würde sich wohl Mikes Video auf www.pearson-hardman.com machen, wenn daneben die beeindruckende Spendensumme von 50 Dollar stand?
Trotzdem, Harvey spürte, dass er seinen Mitarbeiter verletzt hatte. Und dieses Gefühl war ihm genauso unangenehm wie die Tatsache, dass er sich überhaupt Gedanken darüber machte.

Die Uhr war vorgerückt auf 16.50 Uhr und Harvey wappnete sich für das Unvermeidliche. Er wusste, dass seit Jessicas Rundmail, die über den Vollzug seiner Challenge um 17 Uhr informierte, die Kollegen schon den Konferenzraum okkupierten. Einige Fanatiker hatten sich sogar einen halben Tag Urlaub genommen, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Doch diese Schadenfreude störte ihn nicht. Ein guter Anwalt muss eben damit leben, nicht von allen gemocht zu werden. Und sein unterer Wert auf der Beliebtheitsskala im Kollegium machte Harveys Status als Top Dog deutlich.
„Hey Buddy!“ Ex-Basketballer Michael Jordan trat durch die Glastür ins Anwaltsbüro. Die Männer begrüßten sich mit herzlichem Handschlag. „Und gleich geht’s zur Taufe?“, grinste der Sportler amüsiert. „Ach klasse, Du weißt es also auch schon?“ Die Mundwinkel des Anwalts verzogen sich genervt. „Ja klar. Nachdem Donna mich gestern angerufen hat, musste ich erstmal meine Dates umlegen, damit ich pünktlich zu Deiner Dusche komme.“ Was, Donna hatte sogar eigenmächtig Termine umgeschmissen? Harvey kochte kurz. Doch dann gewann seine Eitelkeit: Wer konnte schon von sich behaupten, dass Michael Jordan seinen Kalender nach ihm richtete...? „Dir ist schon klar, dass ich Dich nominieren werde?“, fragte er also stattdessen. Doch Jordan zuckte nur bedauernd mit den Schultern. „Sorry, aber ich war schon dran. Und gespendet hab ich auch.“ Harveys Lippen entwich ein pfeifender Laut. „Mist! Jetzt muss ich meine Nominees noch mal überdenken ...“

Die Meute johlte, als Harvey um 20 Minuten nach fünf den Raum mit Michael Jordan betrat. Der Anwalt lächelte und genoss das Bad in der Menge, dem gleich ein deutlich nasseres folgen sollte. Er stand im Mittelpunkt des Interesses (okay, manch einer staunte auch den Basketball-Champion an, aber da der ja Harveys Klient und fast so etwas wie ein Kumpel war, fiel also auch ein gewisser Anteil dieser Aufmerksamkeit wieder auf ihn zurück) und genauso liebte er es. Dass es ausgerechnet Louis war, der den riesigen Eimer in der Hand hielt, kratzte Harvey nicht. Hoch erhobenen Hauptes ging er zu dem deutlich kleineren Seniorpartner hin. „Soll ich ihn für Dich hochheben?“, fragte er grinsend seinen Widersacher und machte eine Kopfbewegung, die den sichtbaren Größenunterschied zwischen ihnen noch mehr betonte. Louis verzog das Gesicht zu einem maliziösen Grinsen. „Danke, nicht nötig.“
Mit diesen Worten zog er sich den bereits bei Jessica erprobten Stuhl heran und bestieg ihn erstaunlich graziös. Während Harvey rasch den Blick schweifen ließ und von der schmerzenden Erkenntnis durchzogen wurde, dass er Mike nicht zwischen den Anwesenden erkennen konnte, leerte Louis den Inhalt des Eimers ankündigungslos und plötzlich über seinem Intimfeind aus.

Es war nur ein Moment, ein kurzer Augenblick. Und doch geschah es, dass Harvey Specter sein legendäres Pokerface verlor. Eiswürfel und Wasser ließen paradoxerweise die sonst immer professionelle Maske schmelzen und Harveys Gesicht verzog sich grotesk, während ein gellendes „aaaaahhh“ durch den Konferenzraum schallte. „Er sieht aus wie auf dem Bild ‚Der Schrei’ von Edvard Munch“, flüsterte sein Assistent, der gerade noch rechtzeitig zum Höhepunkt der Veranstaltung in den Raum geeilt war und sich neben Donna platziert hatte.
Harvey, durch dessen edles Outfit sich das eiskalte Wasser im Nu seinen Weg gebahnt hatte und der in Sekundenschnelle von Kopf bis Fuß mit Gänsehaut überzogen war, wurde es bei Mikes Anblick auf magische Weise wieder warm. Und auch das Lächeln, das sich breit auf seinem von Tropfen bedeckten Gesicht zeigte, wirkte erstaunlich echt.

Er fuhr sich lässig durch das quietschnasse Haar, während der Anzugstoff an seinem Körper klebte, und nahm den obligatorischen Applaus der Menge entgegen. Erst als das Klatschen langsam verebbte, ergriff er das Wort. „Zuerst einmal möchte ich Jessica danken, dass sie mich nominiert hat und mir so die Gelegenheit gab, eine fantastische Aktion zu unterstützen. Es war mir wichtig, zusätzlich zu meiner Spende von 10.000 Dollar“, hier machte Harvey eine kurze dramaturgische Pause, die den Kollegen Gelegenheit zum Staunen und Raunen lassen sollte, „auch den symbolischen Akt der Ice-Bucket-Taufe abzulegen, um die Wichtigkeit der Challenge zu untermauern.“
Er sah das amüsierte Grinsen Jessicas als Reaktion auf seine Worte und zwinkerte ihr zu, bevor er fortfuhr. „Natürlich möchte ich auch drei weitere Menschen berufen, Teil der Idee zu werden. Als erstes nominiere ich sehr gerne meinen geschätzten Kollegen Louis Litt, der sich ja schon bestens mit dem Ablauf vertraut gemacht hat.“ Der Angesprochene nickte säuerlich, als hätte er mit diesem Schicksal gerechnet. „Louis, ein guter Rat: Der Brioni-Anzug, den Du an dem Tag getragen hast, als Du zum Seniorpartner ernannt wurdest – der wäre die perfekte Badebekleidung. Die Farbe macht Dich so blass und ungesund im Gesicht.“
Harvey drehte sich in die andere Richtung und konnte die Messer, die Louis aus seinen Augen sendete, nicht sehen, aber sicher in seinem Rücken spüren. „Auch Nummer Zwei meiner Nominees ist eine Kollegin: Dana Scott. Sie gehört zwar – bisher – nicht zu Pearson Hardman, ist aber eine engagierte Dame, die diese gute Sache sicherlich sehr gern unterstützt. Ich werde sie später persönlich informieren und ihrer Challenge auch beiwohnen, wenn sie annimmt. Wobei ich da keinerlei Zweifel habe“, Harvey lächelte und Donna fühlte bei diesem Anblick ungebeten einen Stich ganz tief in ihrer Magengrube.
„Da ich keine Freunde habe, wie allgemein bekannt ist, stammt auch Nummer Drei aus unseren Reihen“, gab Harvey bekannt und schob erneut eine künstlerische Pause ein. Er scannte die Reihen durch, bis sein Blick den seines Assistenten kreuzte. Er sah, dass Mike versuchte unbeteiligt auszusehen, doch es gelang dem Welpen mehr schlecht als recht. „Es handelt sich um Mike Ross, meinen äußerst talentierten Associate. Tut mir leid, Mike, auch Sie gehen baden“, schloss er, doch diese letzten Worte gingen unter in dem lauten Jubel des Nominierten. „Ja! Danke Harvey!“ Überrascht flogen die Köpfe in seine Richtung und Mike wurde schlagartig klar, dass Freudenschreie wohl eine eher untypische Reaktion auf eine solche Nominierung waren. Puterrot räusperte er sich, während Harvey sich einen Weg durch die Menge zu ihm bahnte. „Ähem, ja. Also, ich wollte eigentlich nur sagen, ich nehme die Herausforderung natürlich gern an“, antwortete er verlegen. Harvey, der seinen Schützling erreicht hatte, klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Das hatte ich gehofft, Mike.“
„Wunderbar, dann nehmen wir doch die zwei weiteren Challenges gleich morgen hier vor“, Jessica klatschte in die Hände. „Wieder um 17 Uhr, würde ich sagen – und damit wir genügend Zeit haben, gehen wir jetzt alle wieder an unsere Arbeitsplätze ...“

Harvey schickte den Aufzug seines Penthouses nach unten, als er die Klingel hörte. Er lächelte sein Spiegelbild an. Auch in Jeans und T-Shirt sah er einfach großartig aus, das wusste er. Und schließlich hatte er Feierabend. Außerdem – einen Anzug pro Tag zu versauen, war teuer genug. Dazu die 10.000 Dollar seiner Spende und einen Umschlag, den er Mike heimlich in die Umhängetasche gesteckt hatte. Dieser hatte ihn längst erstaunt gefunden und neugierig geöffnet. Ein Scheck über 5.000 Dollar war darin enthalten, neben einer Karte seines Chefs. „Ihre ALS-Spende. Wer mit den großen Hunden pinkeln will, muss auch das Bein heben können. H.“
Zu den also rund 18.000 Dollar, mit denen dieser Tag bereits im Büro zu Buche schlug, hatte Harvey auf dem Heimweg noch weitere 1.000 investiert – in Getränkeflaschen. Zuhause angekommen benutzte er dann sein futuristisch wirkendes Telefon. Gut, dass sein „Opfer“ gerade für Verhandlungen in der Stadt war, so konnte er seine Pläne kurzfristig in die Tat umsetzen. Und Harvey liebte schnelle und unkomplizierte Abläufe.
„Scottie? Kannst Du heute Abend spontan zu mir kommen? Ich bräuchte Deine Unterstützung in einer bestimmten Angelegenheit. Es geht um einen guten Zweck.“ Natürlich hatte sie zugesagt. Keine Frau konnte ihm wirklich widerstehen – und wenn er auch noch an ihr soziales Verantwortungsgefühl appellierte ...
Zufrieden blinzelte sich Harvey im Spiegel zu, als Dana Scott in einem atemberaubenden Kleid im Glasaufzug auf seiner Bildfläche erschien. Im Bruchteil einer Sekunde änderte er seinen Plan und eine neue Idee nahm in seinem Kopf Gestalt an.

„Harvey Reginald Specter, ich hätte wissen müssen, dass ich Dir nicht vertrauen kann“, seufzte die dunkelhaarige Schönheit und stöhnte leise, als der Anwalt seine kundigen Finger über ihre feuchte Haut wandern ließ. „Na komm schon, Scottie. War es nicht nett von mir, dass ich Dein herausragendes Outfit vor Schaden bewahren wollte?“ Als Antwort lachte sie nur leise und schmiegte ihren Rücken fester an seine Brust. Heißes, sprudelndes Wasser umspielte die Körper der beiden. „Du meinst also, Du hast mich nur deshalb nackt in Deinen Whirlpool komplimentiert, um mein Kleid zu schützen?!“
Sie meinte, sein Grinsen hinter ihr förmlich hören zu können. Sanft biss er in ihre Schulter und küsste das hinterlassene Mal. „Okay, ich habe die Regeln der Ice Bucket Challenge etwas zu meinen Gunsten abgeändert. Andererseits wurdest Du auch nicht mit schnödem gechlorten New Yorker Leitungswasser übergossen, sondern stilecht mit einem Eimer Champagner. Ich denke, wir sind quitt.“ Scottie blieb die Bestätigung des Deals schuldig. Doch Harvey erwartete keine Antwort: Seine Hände waren nämlich schon wieder sehr erfolgreich dabei, eine weitere gute Tat zu vollbringen …
Kurz musste er über sich selbst schmunzeln: Er schien wirklich seinen sozialen Tag zu haben heute – aber wenn er sämtliche Erlebnisse Revue passieren ließ, fühlte es sich insgesamt doch erstaunlich angenehm an, ein guter Mensch zu sein.

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ALS Ice Bucket Challenge

Liebe Leser,

sicher habt ihr auch alle in den letzten Wochen und Monaten verfolgt, wie sich sowohl ganz normale Leute wie auch Promis gegenseitig herausgefordert haben, sich Eiswasser über den Kopf zu gießen um damit auf eine wirklich schlimme Nervenkrankheit aufmerksam zu machen und für die Erforschung dieser Krankheit Geld zu sammeln. Auch ich habe das natürlich verfolgt, und als ich auf Facebook einen Beitrag von Ralph Rute gesehen habe, bei dem seine beiden Cartoonfiguren Biber und Baum herausgefordert wurden und er einen entsprechenden Cartoon dazu gezeichnet hat, kam ich auf die Idee, das können wir doch auch!! Die Challenge in unsere Welt tragen! Die Welt der Fanfictions! Eigentlich geht es doch nur darum, so viel Menschen wie möglich auf diese Aktion aufmerksam zu machen! Und wenn ich mir mal so die Zugriffzahlen einiger meiner Geschichten anschaue, also, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich niemals so viele Menschen erreichen würde, wenn ich mir einfach nur einen Eimer Wasser über die Birne kippen würde!

Aber wenn ich eine Geschichte darüber schreibe, wie es einer unserer Helden tut, dann lesen das sicher einige Leute mehr!

Und wenn ich dann auch noch andere Autoren nominiere, ebenfalls eine Geschichte zu schreiben, dann könnten wir sicher zusammen eine ganze Menge Menschen erreichen!

Also werte FF-Junkies, wollen wir zusammen die Herausforderung annehmen und zeigen, dass die sprichwörtliche „Feder“ immer noch einige Macht besitzt??

Zu unserem Zweck sollten wir die Regeln aber ein klein wenig anpassen:

Das Spenden sollte Ehrensache sein, nicht jeder hat es so dicke, dass er 10 bzw. 100€ entbehren kann! Aber mindestens 1€ sollte in jedem Fall drin sein! Jeder weitere ist jedem selbst überlassen. (Kleinvieh macht auch Mist!) Spenden z.B. hierhin: http://www.dgm.org/ice-bucket-challenge-als-2014 oder hier: http://www.als-charite.de/VM/Spenden/tabid/603/Default.aspxde/HM/IceBucketCallenge2014/tabid/2763/Default.aspx

Die Zeit sollten wir auf 48 Std. erhöhen! Schreiben dauert nun einmal länger als filmen!

Jeder herausgeforderte nominiert 3-5 Autoren und weist jedem eine Figur zu, die sich die Eisdusche abholt! (Nominiert auch ruhig Autoren aus einem anderen Fandom! Es soll sich ja verbreiten!)

... bevor ich es vergesse, es ist wohl einfach fair, die Nominierten auch per Mail über ihre Nominierung zu informieren und vielleicht auch in der Mail einen Link zu eurer Nominierung hinterlassen.

© Der obige Text wurde von Selina M verfasst!


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Hallo Ihr Lieben da draußen, da mich der virtuelle Eimer erwischt hat ("danke", liebe Somely! ;-)) und ich Lust habe, ihn ein wenig in andere Fandoms und unter die freien Verfasser  zu bringen, nominiere ich hiermit

CThomas
Fountain
ClaireFraser

und freue mich schon auf Eure Beiträge... :-)

Oben das war meiner und der erste Versuch in Sachen Suits. Ich bin nicht wirklich glücklich damit, aber ich hab jetzt schon fünf Tage gebraucht, weil das RL zu stressig ist im Moment, länger wollte ich nicht mit dem Begleichen meiner Schreib-Schuld warten.

Natürlich gilt auch für die Nominierten die mittlerweile gängige Fristverlängerung von 48 Stunden auf eine Woche, und die Rubrik dürft Ihr Euch natürlich selbst aussuchen! :-)

Viele liebe Grüße!
Steffi
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