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Das gestohlene Kleid

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Dr. Helen Magnus Nikola Tesla
03.10.2014
03.10.2014
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Hallo, zusammen! :D
Meinen Geburtstag hab ich gut überstanden und hier ist eine neue Übersetzung.
Dazu sollte ich wohl erwähnen, dass diese Story hier eine andere Version von 'Zurück in die Dunkelheit' ist.
Der Autor ging von der Idee aus, dass Adam ein weiteres Zeitreisegerät besitzen würde und hatte sich überlegt, ob und wie Helen es wohl schaffen würde, die Maschine zum Laufen zu bringen.
Ich persönlich finde die Idee ziemlich genial und hoffe, dass euch die Geschichte auch gefällt. :)
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
~1898~

Helen stoppte und fiel zu Boden, ein erschöpftes Seufzen entwich ihren brennenden Lungen. Adam war endlich tot und sie hatte ein zweites Gerät gefunden, welches sie zurück in ihre eigene Zeit bringen könnte.

Das einzige Problem: Sie wusste nicht, wie sie die nötige Energie erzeugen konnte, um die Maschine zu aktivieren.

Die Xenobiologin wusste nicht, wieso sie den Drang gehabt hatte, zu fliehen. Sie hatte sich nur plötzlich so gefangen und verängstigt gefühlt und bevor ihr wirklich klar war, was um sie herum geschah, hatten ihre Beine sie bereits in einen der schlechteren Teile der Stadt getragen.

„Miss? Sind Sie in Ordnung?“
Ihr Atem stockte, sie wagte nicht, sich umzudrehen.
„Die Straßen von Whitechapel sind kein Ort für eine Dame. Bitte, gestatten Sie mir, Sie nach Hause zu geleiten?“
„Es geht mir gut. Machen Sie sich keine unnötigen Schwierigkeiten, Sir.“, flüsterte sie.

Der Mann trat näher und da spürte sie es. Die Wissenschaftlerin senkte eilig den Kopf, sodass er sie nicht erkennen konnte. Ihr Herz hämmerte stakkatoartig in ihrem Brustkorb. Sie hatte es geschafft dem Rest der Fünf aus dem Weg zu gehen, doch konnte sie den Wunsch nicht verleugnen, jetzt die Hand nach einem von ihnen auszustrecken und um Hilfe und Komfort zu bitten – Und Nikola wäre ein mehr als große Unterstützung!

Es schien, als hätte das Schicksal sich einmal mehr in ihr chaotisches Leben eingemischt.

„Sie sitzen dort im Schmutz, ruinieren ein wundervolles Kleid und sie scheinen auch verletzt zu sein.“, sprach er erneut und sah auf das Blut auf ihrem Rock. Was er nicht wusste war, dass nicht alles von ihr war.

„Erlauben Sie mir wenigsten, Ihnen aufhelfe.“

Sie konnte seine ausgestreckte Hand in ihren Augenwinkeln sehen und eine Unterhaltung, die sie vor vielen Jahren mit ihm geführt hatte, schoss ihr in den Kopf.



„Ich habe heute Abend jemanden getroffen, als ich durch die Straßen patrouilliert bin. Sie schien in Schwierigkeiten zu sein, also habe ich ihr meine Hilfe angeboten.“



Ein leichtes Keuchen entrang ihr, als die Erkenntnis sie traf. Dieser jemand, den er getroffen und geholfen hatte, war sie gewesen. Etwas beruhigt darüber, dass ihre Interaktion mit ihm keine nachteiligen Auswirkungen auf die Zeitlinie haben würde, ergriff sie seine Hand und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen.

„Vielen Dank.“

Nikola musterte die Frau vor ihm mit intensivem Blick und der Drang, ihre Identität ihm gegenüber preiszugeben, war überwältigend für die Kryptozoologin.

Ihr Blick war weiterhin nach unten gesenkt, was seine Sorge etwas vergrößerte und er hob die Hand, um ihr die dunklen Locken aus dem Gesicht zu streichen. Die verschüchterte Frau wich zurück, doch er hatte den Schnitt auf ihrem Wangenknochen bereits bemerkt.

„Ich habe eine Freundin, die Sie versorgen könnte. Vermutlich könnten Sie auch etwas saubere Kleidung erhalten. Sie scheinen die gleiche Größe zu haben.“

Helen lachte angesichts der Ironie seines Kommentars. Sie wusste, dass er von ihr sprach – Nun, ihrem vergangenen Ich zumindest.

„Oder wenn nicht, dann bin ich sicher, dass ich Sie selbst verarzten könnte, wenn Sie gestatten würden.“
„Das müssen Sie nicht tun.“, lehnte sie ab und ließ seine Hand los.
„Sie scheinen offensichtlich in Schwierigkeiten zu sein. Lassen Sie mich helfen. Ich würde mir niemals verzeihen, wenn Ihnen etwas geschehen würde und ich nicht einmal die Möglichkeit gehabt hätte, Ihnen zu helfen.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob Sie mir helfen können, selbst wenn ich Ihnen mein Leid klage.“

„Lassen Sie mich das beurteilen. Ich bin ein Genie, wissen Sie.“

„Nikola…“, begann sie, doch wurde sie sich ihres Fehlers umgehend bewusst, als er scharf die Luft einzog, als sie ihn bei seinem Namen nannte.

„Woher…?“

„Vielleicht könnten Sie mich verarzten. Ich wäre sehr dankbar, wenn ich aus der Kälte kommen könnte.“

Nikola biss sich auf die Zunge. Seine Fragen konnten warten.

„Natürlich. Kommen Sie mit mir.“

Die Frau griff nach seinem Arm und ließ sich von ihm aus der Gasse führen. Sie wusste, dass er sie zu seinem Hotelzimmer bringen würde.

*~*~*~*

Als sie sein Zimmer betraten, konnte die Ärztin nicht anders, als sich etwas zu Hause zu fühlen.

Nikolas Erfindungen und Notizen lagen überall in dem Raum verstreut. Doch dann fiel ihr etwas anderes ins Auge – ein Foto von ihr! Sie hob es auf und studierte es, während er mit etwas Wasser und einem Waschlappen zurückkam.

„Oh… dass…“, er nahm das Bild aus ihrer Hand und verstaute es mit erröteten Wangen in seiner Tasche.

„Verzeihen Sie.“

„Nein, es… es ist schon gut. Setzen Sie sich.“

Sie ließ sich auf der Bettkante nieder und der Serbe hob den nassen Lappen, um das Blut und den Schmutz von ihrer Wange zu entfernen. Ihr Duft stieg ihm in die Nase und erst jetzt bemerkte er, dass sich auch das Blut von jemand anderem auf ihrer verdreckten Kleidung befand. Er erwartete nicht, dass sie antworten würde, sollte er fragen.

Die Frau hielt weiterhin den Kopf gesenkt und glaubte felsenfest daran, dass er sie nicht erkennen würde. Es würde so schwer werden, ihm zu sagen wer sie war und sie war sich noch immer nicht sicher, was das für Auswirkungen auf ihre Zeit haben würde.

Doch er war auch nicht dumm.

Nikola bemerkte, wie eine Träne sich einen Weg über ihre Wange bahnte und strich sie instinktiv weg. Er fühlte sich so stark zu dieser fremden Frau hingezogen, fast als wäre sie ihm gar nicht so fremd.

Ihr Duft.
Ihre Haltung.
Ihre Stimme.

Sie war ohne Frage wunderschön und auch wenn er es sich nicht erklären konnte, plötzlich wusste er, wer sie war.

Fast als ob sie seine Gedanken gespürt hätte, hob die dunkelhaarige Frau das erste Mal ihre tränenden Augen und sämtlicher Zweifel verließ seinen Verstand.

„Helen?“

Sie nickte: „Ja.“

„Aber… wie ist das… wie bist du…“

Nikola Tesla war sprachlos. Er hatte seine Helen vor nicht einmal einer Stunde in James‘ Obhut gelassen, aber selbst ohne dieses Wissen bestand kein Zweifel, dass die Helen vor ihm nicht dieselbe Frau war. Die Unterschiede waren sehr subtil, doch sie waren da. Diese Helen war wesentlich älter.

„Ich kann dir nicht alles erklären, Nikola.“

„Aber das ist nicht… Ich meine, es sollte nich möglich sein, aber…“

„Du darfst es niemanden sagen.“, bestand sie und griff nach seinen Händen. „Ich weiß, worum ich dich bitte, aber wenn irgendjemand wissen sollte, dass ich hier bin, könnte das zu irreparablen Schäden in der Geschichte führen. Ein Schaden, den ich mir gar nicht ausmalen möchte.“

„Helen.“, seufzte er, sein Verstand lief alle möglichen Variablen innerhalb weniger Sekunden durch.

Natürlich würde er niemals einer Seele davon berichten können, wenn sie wirklich aus der Zukunft stammte.

Er hatte so viele Fragen, doch er wusste, dass er keine Antwort erhalten würde.

„Bitte, Nikola. Ich kenne dich. Ich weiß, dass du Geheimnisse bewahren kannst und ich… ich hoffe, dass du fähig bist mir zu helfen. Da ist diese… Maschine… Ich brauche deine Hilfe, um sie in Gang zu bringen.“

„Ich tue alles für dich, Helen.“
„Ich weiß.“, erwiderte sie ohne Zweifel in der Stimme und lächelte leicht. „Ich weiß das jetzt.“

Er wischte ihre Tränen von den Wangen.
„Weine nicht. Du kannst mir den Grund für deinen Schmerz nicht nennen, deshalb kann ich dir dabei nicht helfen und ich kann es nicht ertragen, dich weinen zu sehen.“

Erneut entrang ihr ein Lachen. Verzweifelt versuchte sie, wieder Herr über ihre Emotionen zu werden.



„Wie viele Nächte hast du mit dieser so genannten Dame verbracht?“, fragte sie und hoffte, dass er die Eifersucht in ihrer Stimme nicht wahrnahm.

„Es war absolut unschuldig, Helen. Sie wusste nicht wohin.“

„Nun, dann hättest du sie doch hierher zu mir bringen können. Ich hätte nach ihr sehen können.“

„Nein. Nein, das hätte ich nicht tun können.“



„Ich bin okay.“, versicherte sie ihm. „Aber denkst du, dass ich… heute Abend hier bleiben könnte?“

„Natürlich.“, nickte er und sah sie besorgt an. „Fühl dich wie zu Hause und ich besorg dir einige Dinge.“

Der Physiker zögerte einen Moment: „Hast du schon gegessen?“

Sie lächelte angesichts seiner Sorge und nickte: „Ich hab gegessen.“

Sie überlegte, dass sie ein Bad nehmen könnte, während er unterwegs war, doch hatte sie nichts zum Anziehen.

„Könnte ich mir eines deiner Hemden borgen? Um darin zu schlafen?“

Der Vampir stockte bei dem Gedanken an sie in so wenig Kleidung: „S-sicher.“

Er ging zum Schrank, zog ein Hemd hervor und legte es ihr aufs Bett.

„Ich bin in etwa einer Stunde wieder da.“

Helen nickte und sah ihm gedankenverloren hinterher, als er durch die Tür verschwand.

*~*~*~*~*

Als er zurückkam hatte sie gerade das Hemd zugeknöpft, das er ihr gegeben hatte und ihre Blicke trafen sich, als er die Tür hinter sich schloss. Er war durch und durch von ihr verzaubert. Es lagen eine Traurigkeit und ein Leid in ihren Augen, welches eine Tiefe besaß, den seine Helen noch nicht besaß – Trotz dessen, dass sie erst vor wenigen Wochen erfahren hatte, dass John der Ripper war. Nikola war sich nicht sicher, ob er wissen wollte, wie lange diese Helen gelebt hatte und was sie alles erlebt haben muss, damit ihre Augen einen derartig gequälten Ausdruck annehmen konnten. Zweifellos besaß diese Helen eine immense, mentale Stärke, doch schien sie in seiner Gegenwart zu schwanken.

Er konnte und durfte nicht so viel darüber nachdenken.

Er konnte nicht all ihre Geheimnisse wissen oder alles richtig machen, doch er konnte ihr helfen, sich sicher und komfortabel zu fühlen, wenigstens für jetzt. Nikola hielt ein Kleid in seinen Händen, sowie einige andere Kleinigkeiten. Sie sah auf das Kleid und eine weitere Erinnerung bahnte sich ihren Weg an die Oberfläche.



„Wie kommst du dazu, eines meiner Kleider zu stehlen?“

Der Vampir druckste verlegen unter ihrem Blick herum. Er hatte nicht erwartet, in ihrem Zimmer erwischt zu werden.

„Ich stehle es nicht – Ich borge es nur. Du bekommst es umgehend zurück.“

Sie schnaubte ungläubig: „Borgen, aus welchem Grund?“



„Ich habe heute Abend jemanden getroffen, als ich durch die Straßen patrouilliert bin. Sie schien in Schwierigkeiten zu sein, also habe ich ihr meine Hilfe angeboten.“



„Danke.“, sagte sie und lächelte sanft. Mit einem kurzen Blick in seine Richtung schritt sie auf das Bett zu und stieg hinein.

„Ich ähm… ich kann woanders schlafen.“

„Bitte nicht!“, rief sie etwas verzweifelter, als sie ursprünglich geplant hatte. „Was ich meine… du warst so entgegenkommend, ich würde dich nur ungern aus deinem eigenen Zimmer scheuchen.“

Der Vampir bemerkte den verletzlichen Blick in ihren Augen und nickte zustimmend. Um ganz ehrlich zu sein, hatte er sowieso nicht vorgehabt, sie erneut irgendwo allein zulassen.

„Ich werde im Sessel schlafen.“

„Mir wäre es lieber, du tätest es nicht.“, erwiderte sie, rutschte ein Stück zur Seite und schlug die Decke auf der anderen Betthälfte zur Seite. „Ich weiß es ist selbstsüchtig von mir, aber ich kann vielleicht nicht in meine eigene Zeit zurück und ich könnte eine Umarmung gebrauchen, wenn es dir nichts ausmacht.“

Der Serbe sah etwas nervös angesichts ihrer Bitte aus. Sie wusste wie dreist sie für ihn klingen musste, aber sie musste ihm zugestehen, dass es ihn nicht abgeschreckt hatte.

„Wenn es dich tröstet, natürlich.“, antwortete er verlegen.

Er legte sein Jackett ab und zog seine Schuhe aus, dann legte er sich neben sie – So fühlte es sich weniger unangebracht für ihn an.

Helen drehte sich auf die Seite, sodass ihr Rücken an seiner Brust lag. Sie versuchte nicht daran zu denken, wie blind sie all die Jahre gewesen war, dass sie nicht bemerkt hatte, wie sehr Nikola sie immer geliebt hatte und was ihr für Möglichkeiten blieb, sollte ihr genialer Freund Adams Gerät nicht zum Laufen bekommen.

Seine Arme legten sich vorsichtig um sie, doch sie fühlte, dass ihm diese ganze Situation – verständlicherweise – unangenehm war.

„Etwas näher, so.“, ermutigte sie ihn, schlang seine Arme näher um ihren Körper und sie fühlte, wie er sich etwas entspannte.

Als sie seinen Atem über ihren Nacken streichen fühlte, kam eine weitere Erinnerung zum Vorschein.



„Ich weiß nicht, was ich tun soll, Nikola.“

„Komm, leg dich hin.“

Helen wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und warf ihm einen nervösen und unsicheren Blick zu.

Schließlich legte sie sich neben ihn und sanft zog er sie in seine Arme. Sie konnte nicht glauben, dass sie sich augenblicklich besser fühlte.



Es fühlte sich an, als hätte er sie schon einmal so gehalten.

Als hätten sie schon immer so perfekt zusammengepasst.



Vor all diesen Jahren hatte ihr bester Freund ihr angeboten sie zu umarmen und all die Zeit danach hatte sie sich gefragt, woher er so genau wusste, wie sie gehalten werden musste und wann. Sie hätte sich niemals, nicht eine Sekunde, träumen lassen, dass sie es war, die es ihn gelehrt hatte. Sie hatte ihm gezeigt, was sie brauchte.

Das Paradoxon dieser ganzen Geschichte löste ein Schwindelgefühl in der Ärztin aus.

„Schlaf jetzt.“, wisperte er. „Wobei auch immer du meine Hilfe brauchst, wir schaffen das schon.“

Sie schloss die Augen und gestattete sich, dahin zu gleiten.

*~*~*~*~*

Am nächsten Tag brachte sie ihn zu Adams Gerät und erklärte ihm, wie er in der Lage war, Energie zu erzeugen und zu kontrollieren. Der Vampir war erstaunt über das Potential, das er besaß, über die vielen Fähigkeiten, die ihm das Ursprungsblut gegeben hatte. Er hatte noch nicht alles über die Sanguine Vampiris entdeckt und seine Fähigkeit Elektrizität zu kontrollieren, begeisterte ihn wirklich.



„Du wirst nicht glauben, was ich entdeckt habe, Helen!“

Die Ärztin lächelte angesichts seiner Aufregung, als er eine Glühbirne hervorholte und ein paar Schritte zurücktrat.

„Nikola, ist das gefährlich?“

„Pass einfach auf.“, grinste Tesla und konzentrierte sich. Umgehend fühlte er einen Schwall Elektrizität in die Glühbirne in seiner Hand fließen und umgehend leuchtete sie auf.



Helen keuchte überrascht auf und mit einem stolzen Grinsen legte das Genie die Glühbirne auf den Tisch.

„Das ist unglaublich! Wie um alles in der Welt hast du herausgefunden, dass du das kannst?“



Erneut druckste er etwas herum, bei dem Gedanken an seine Begegnung mit einer Zukunfts-Helen und ihrer Ermutigung.

„Es war ein Unfall. Dann hatte ich mir gedacht, dass ich etwas damit herum experimentieren könnte. Ich bin eine wandelnde Energiequelle für alle Arten von Geräten.“



Es hatte nur wenig Übung und herumexperimentieren gebraucht, bevor Tesla herausgefunden hatte, wie er die ausreichende Menge Energie in das Gerät speisen konnte. Innerhalb weniger Tage hatte sich Helens Hilflosigkeit in neuen Mut verwandelt und sie war zuversichtlich, dass sie in ihre eigene Zeit zurückkehren konnte.

Doch als sie schließlich vor dem Gebäude standen, in dem das Gerät so lange versteckt wurde, fühlte sie Nervosität in sich aufsteigen. Ungewollt bildete sich Angst in ihr – Angst, dass es womöglich doch nicht funktionieren würde. Sie dachte an das Foto von ihr, das Nikola bei sich trug und etwas in ihr trieb sie dazu, ihm etwas zu gestehen – Ihm wenigstens etwas Hoffnung zu geben, an die er sein Leben lang festhalten konnte.

„Für den Fall, dass es nicht funktioniert… Es gibt da etwas, das du wissen solltest.“

„Es wird funktionieren. Ich weiß das einfach!“, unterbrach er sie selbstsicher.

„Nikola, lass mich aussprechen.“

Verwirrt und besorgt sah er sie an.

Unsicher biss sie sich auf die Unterlippe: „Gib mich nicht auf. Gib… Helen nicht auf.“

Sie verzog etwas das Gesicht. Es fühlte sich seltsam an, von sich selbst als jemand anderes zu sprechen.

„Eines Tages wird sie in die Vergangenheit reisen und sie wird endlich begreifen, wie sehr sie in dich verliebt ist. Genau wie du in sie.“

Seine Augen weiteten sich merklich bei ihrem Geständnis.

„Ihr wird endlich klar werden, wie lange du gewartet hast und wie lange du ihr Geheimnis bewahren wirst. Wie verschwiegen du doch sein kannst.“

Ein leichtes Schluchzen entrang ihr und sie fühlte seine Arme nach ihr greifen. Verlegen und etwas schuldig senkte sie den Blick.

„Helen.“, murmelte er.

„Wenn ich wieder in meiner eigenen Zeit bin, dann werde ich es dir sagen. Ich werde es dir endlich sagen. Ich verspreche es.“, flüsterte sie entschlossen.



Sie stoppte hinter einer Ecke und beobachtete aus dem Schatten heraus. Nikola war unglaublich ausweichen, was diese Frau betraf, mit der er sich traf – Darüber wer sie war und inwiefern er ihr half.

Deshalb war sie ihm diesen Abend zu diesem abgelegenen Gebäude gefolgt und erhaschte nun zum ersten Mal einen kurzen Blick auf seine geheime Freundin.



Sie konnte das Gesicht der Frau nicht sehen, aber sie konnte die Sorge und die Liebe in Nikolas Augen erkennen und die Eifersucht – die sie normalerweise sehr gut ignorieren konnte – kam mit neuem Eifer zum Vorschein.



Sie konnte nicht hören, was sie sprachen, doch sie sah, wie Nikola plötzlich die Arme zu dieser Frau ausstreckte, fast als wolle er sie auffangen, eine Hand legte sich unter ihr Kinn und er hob ihr Gesicht zu dem seinen.

Und dann geschah es – Diese Frau war doch dreist genug, ihrem besten Freund einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen zu geben! Seine Hand wanderte umgehend in das dunkle, lockige Haar der Frau, fast als hätte er lange Zeit darauf gewartet, dieses zu tun.

Helen konnte nicht mehr länger zu sehen und verschwand in die Nacht hinein.



Helen fühlte, wie ihr Herzschlag Spitzenrekorde erreichte, als ihr diese Erinnerung in den Sinn kam. Jetzt erst würde ihr diese absurde Lächerlichkeit ihrer Eifersucht bewusst. Ihre Entscheidung, sich ihr blondes Haar brünett zu färben, hatte sie getroffen, nur weil sie gesehen hatte, wie ihr Nikola Tesla diese eine Frau geküsst hatte – Dieser eine Moment.

Doch wenigstens wusste sie jetzt, dass sie ihm einen Abschiedskuss geben konnte.

Sie fühlte, wie seine Fingerspitzen mit sanfter Gewalt ihr Kinn anhoben und sie ergriff die Chance.

Helen zog ihn zu sich und versiegelte seine Lippen, sie genoss diesen Moment mit einer Liebe, die sie in der Vergangenheit nicht aufbringen konnte, als sie gedacht hatte, dass er irgendeine Fremde küssen würde.

Jegliche Eifersucht und das Gefühl des Verrates verschwanden augenblicklich.

Sie wusste, dass ihr vergangenes Ich längst verschwunden war und gab ihm einen weiteren, dieses Mal sanfteren und süßeren, Kuss, bevor sie sich von ihm löste und mit entschlossener Miene zurücktrat.

„Zeit für mich zu Gehen.“
„Ich werde es niemanden erzählen.“, versprach Tesla erneut.
„Ich weiß.“, erwiderte sie lächelnd.

*~*~*~*~*

~Heute~

Der Trip zurück nach 2011 war genauso verstörend, wie das erste Mal, als sie durch die Zeit gereist war und erneut war ihr Erscheinungsbild vollkommen unangebracht, wofür sie erneut neugierige Blicke von Passanten erhielt, als sie sich aufrappelte und zu ihrem Sanctuary lief.

Als sie in das Gebäude lief, war sie verzweifelt darauf aus, Nikola zu finden – zu sehen, dass er auf sie wartete – und zu entdecken, dass die Geschichte keinerlei irreparablen Schaden genommen hatte.

„Magnus? Sie sind zurück!“, rief ein sichtlich erleichterter Will und als sie sich umsah, erblickte sie Henry, Kate und Bigfoot, welche bei dem Aufschrei umgehend angerannt kamen.

„Ist Nikola hier?“
„Schickes Kleid.“, meinte Kate etwas abgelenkt.
„Nikola, ist er hier?“, wiederholte sie, eindringlicher als zuvor.
„Ich bin hier.“

Sie wirbelte herum und erblickte ihn hinter sich. Ihre Blicke trafen sich in noch nie dagewesenem Verständnis, das ihr beinah den Boden unter den Füßen wegriss.

„Nikola…“
„Ich fand schon immer, dass dieses Kleid dir steht.“

So viele Dinge ergaben nun einen Sinn!

Das Kleid, das er 1898 von ihr gestohlen hatte, mit dem Versprechen es zurückzubringen – Nun war es wieder da.

Warum er immer wusste, wann sie Trost brauchte und wann nicht. Er schien immer instinktiv gewusst zu haben, wann sie gehalten werden musste, und wie.

Es war kein Unfall, dass er herausgefunden hatte, dass er die Fähigkeit besaß Elektrizität zu lenken – Es war ihre Versicherung, dass er dazu in der Lage war. Sie brauchte diese Gabe, um Adams Gerät mit genügend Energie zu speisen, um in die Zukunft zurückzukehren.

Seine Sicherheit darüber, dass er ihr Herz gewinnen würde war keine Arroganz, wie sie oftmals vermutet hatte – Es war das Versprechen, dass sie ihm und sich selbst gegeben hatte. Ein Versprechen, dass ihr eines Tages klar werden würde, dass sie ihn genauso liebte, wie er sie.

Alles war an seinen Platz gerückt und zum ersten Mal wurde ihr bewusst, wie gut Nikola Tesla tatsächlich in der Lage war, ein Geheimnis zu bewahren und wie schwer es ihm gefallen sein musste.

Der wahre Retter in all diesem Chaos war er, weil er jahrelang so diskret gewesen war.

„Erinnerst du dich?“
„Jede Sekunde.“, antwortete er mit sehnsuchtsvollen Lächeln, dass die Tränen wiederspiegelte, die drohten zu fallen. Er hatte eine lange Zeit auf diesen einen Tag gewartet.
„Es tut mir leid.“
„Muss es nicht!“, versicherte er ihr lachend. „Dein Versprechen hat viele Jahre des Zweifels vereinfacht. Dafür war ich sehr dankbar.“

Schließlich lief sie in seine Arme, erpicht auf seine Nähe und seine Zuneigung.

„Ist alles in Ordnung?“, flüsterte sie, als sie sich plötzlich erinnerte, dass es im Moment wichtigere Probleme gaben, als ihr Liebesleben.
„So in Ordnung, wie es eben sein kann.“

Der Vampir wollte sie jetzt nicht mit der Veränderung der Machtverhältnisse belasten – Das konnte warten bis morgen.

„Adam ist tot.“, erklärte sie nun.

Tesla ließ ein Lachen fallen, als einige Dinge in seinem Verstand nun klickten – endlich nach all diesen Jahren.
„Es war sein Blut auf deinem Kleid.“

Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage, dennoch löste Helen sich etwas von ihm und nickte, ihre Hände hoben sich und umrahmten sein Gesicht.

Dann küsste sie ihn, mit derselben Leidenschaft und Intensität – derselben Sehnsucht, wie vor all den Jahren, als sie einen Kuss von ihm stahl, bevor sie ging. Für sie war es erst vor wenigen Momenten geschehen.

„Whoa…“
Henry sprach das aus, was alle Umstehenden dachten.

Helen löste sich von Nikola mit einem verlegenen Lachen, als ihr klar wurde, dass sie nicht allein mit ihrem Vampir war.

„Ich muss mich entschuldigen. Ich fürchte, ich habe mich etwas gehen lassen. Ich bin nur froh, wieder zu Hause zu sein.“

Sie lächelten alle in Akzeptanz und beobachteten, wie Helens Aufmerksamkeit wieder auf Nikola fiel, welcher sie ehrfürchtig ansah.

„Ich hab nie daran gezweifelt, dass du es schaffen würdest.“„Kann ich mir ein Hemd leihen?“

Er lachte lauthals und ignorierte die Verwirrung auf den Gesichtern der anderen.

„Natürlich.“

*~*~*~*~*

Sie gingen durch dieselbe Routine, wie damals. Tesla versorgte ihre Wunden, danach nahm Magnus ein Bad und stieg dann ins Bett mit nichts weiter, als seinem Hemd bekleidet. Jedoch dieses Mal, als sie die Decke für ihn zurückschlug, zögerte Nikola nicht. Sie legten sich in exakt die gleiche Position, wie vor über 100 Jahren, seine Arme lagen warm und komfortabel um sie – Ein Kokon aus Liebe und Verehrung.

Das war der Zeitpunkt, als Helen endlich die Worte aussprach, die sie ihm vor so langer Zeit versprochen hatte.

„Es tut mir leid, dass du so lange warten musstest, aber… ich liebe dich, Nikola. Ich liebe dich über alles.“
„Ich liebe dich auch.“, flüsterte er glückselig und platzierte einen zarten Kuss auf ihren Nacken und ließ sie in einen verdienten Schlaf absinken.

Es hat 113 Jahren gedauert, bis er diese Worte aus ihrem Mund hörte, doch er würde das alles ohne zu zögern wiederholen.
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Und, was meint ihr? Lasst es mich bitte wissen.
LG Helen

P.S.: Übrigens hier ist natürlich der Link zum Original: https://www.fanfiction.net/s/7397843/1/The-Stolen-Dress
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