Wie auf Erden, so im Himmel

von Arzani92
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
Ben Beckman der Rote Shanks Monkey D. Ruffy
02.10.2014
02.10.2014
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Er hörte den Schuss in seinen Ohren knallen und erschrocken riss er die Augen auf. Alles um ihn herum rückte in weite Ferne, das Getümmel, das Chaos, die viel zu vielen Angreifer, alles war einfach nicht mehr da, als er graue Haare fallen sah und Rot in die Luft spritzte.
Er konnte nicht reagieren, es ging nicht. Die Sekunden flogen wie in Zeitlupe an ihm vorbei und er registrierte trotzdem nicht, was grade passiert war. Registrierte die geschockten Gesichter seiner Crew nicht, schaffte es nicht sich zu bewegen. Alles was er tat, war das ihm so vertraute Gesicht anzuschauen, das fiel und fiel und fiel. Kurz bevor es auf dem harten Boden aufschlagen konnte, kam Bewegung in ihn und er streckte seinen Arm nach seinem Freund aus, fing ihn auf, drückte ihn an sich. Doch obwohl es Shanks niemand gesagt hatte, obwohl es keiner bestätigte, wusste er in genau dem Moment, in dem er den Körper auffing, dass es zu spät war. Es war zu spät und er hasste sich jetzt schon dafür. Hasste sich, hasste sich noch mehr und immer mehr.
Denn die Kugel die Ben das Leben kostete, war eigentlich für ihn bestimmt gewesen.

Er schrie, er wusste, dass er schrie, aber er konnte nicht damit aufhören. Er schrie sich die Seele aus dem Leib, die Verzweiflung und die Schuld, die ihn mit kalten Klauen packte. Ob er danach je wieder würde reden können? Er wusste es nicht und es war ihm auch egal.
Ben starb, hier in seinen Armen und er … er konnte nichts tun außer schreien.
Shanks merkte nicht, wie alle um ihn herum umfielen, auf der kalten Erde aufschlugen, Schaum im Mund. Er merkte nicht, dass er sein Haki entfesselt hatte, tausendmal stärker als je zuvor und nun effektiv, wo es vorher keine Wirkung gezeigt hatte. Er merkte noch nicht mal, dass er damit sogar seine eigenen Mitglieder attackierte, die, die nicht stark genug waren um der geballten Macht Stand zu halten. Alles was er registrierte war sein durchdringender Schrei und Bens Leben, das unaufhörlich aus ihm heraus sickerte, wie das Blut aus seiner Brust.
Erst als ihn eine schwache Hand packte hörte er auf, starrte in das schmerzverzerrte Gesicht seines besten Freundes, drückte ihn noch fester an sich.
„Ben … Ben, was machst du da?“
Er war wie von Sinnen und wollte eigentlich etwas ganz anderes sagen, aber die passenden Worte wollten sich nicht in seinem Mund formen. Seine Kehle war staubtrocken. Doch Ben packte nichtsdestotrotz seinen Ärmel, drückte zu.
„Käpt …‘n.“, er hustete, Blutströpfchen stoben aus seinem Mund.
„Ich bin da … ich bin da, Ben. Ich bin da!“, schluchzte der Rothaarige, verzweifelt wie er war. Sein Blick unaufhörlich auf das Gesicht seines Freundes gerichtet. Es war ihm so vertraut. Er kannte jeden Millimeter.
„Du musst … leben. Hörst du?“, hustete Ben. Seine Worte undeutlich. Doch Shanks hörte jedes einzelne. „Lebe … für … für Luffy. Du hast … es … ihm … versprochen.“ Erneut hustete der Grauhaarige. Sein Gesicht vor Schmerz verzerrt. Doch er schaute Shanks unverwandt an.
„Lebe!“

Es war das letzte Wort, dass Shanks aus Ben Munds hörte, bevor dieser in seinem Arm starb.
Danach … war nichts mehr, wie es einmal war.

***

Die Rothaarpiraten waren immer für ihre ausufernden Feiern bekannt gewesen, sowie Shanks immer für das breite Grinsen, das er auf dem Gesicht getragen hatte. Jeder Mensch, der dem roten Kaiser in seinem Leben mal begegnet war – außer er hatte das Pech, sein Feind zu sein – konnte das bestätigen. Doch nach Bens Tod änderte sich das schlagartig.
Feiern … gab es nicht mehr.
Alkohol … wurde nur noch getrunken um zu vergessen.
Gelächter … hörte man selten auf der Red Force
und Shanks … Shanks wurde stumm, bitter und kalt. Als wäre alles in ihm mit seinem Vize gestorben.

Obwohl sich nichts an dem Status des Mannes mit den roten Haaren änderte – er war immer noch Pirat, immer noch Yonko, immer noch mit seiner Crew unterwegs, die Meere zu befahren – traf es Luffy wie einen Schlag, als er sein einstiges Vorbild nach gut fünfzehn Jahren – also fast zweieinhalb Jahre nach dem Vorfall – wiedersah. Denn nichts erinnerte mehr an den Mann, der damals mit einem breiten Grinsen von Dawn fortgesegelt war um die Welt zu erkunden. Nichts außer einem fehlendem Arm und drei Narben über dem linken Auge.

***

„Shanks …?“
Luffy traute seinen Augen nicht, als er den roten Kaiser sah, als er die Red Force betrat um sein Versprechen einzulösen und seinen Strohhut seinem rechtmäßigem Besitzer zurück zu geben. Die Stille die ihn empfing war eisig und obwohl er gedacht hatte, dass ihn nun, da er Piratenkönig war, nichts mehr schocken konnte, so wurde er sich bewusst, wie sehr er sich getäuscht hatte. Denn damit hatte er nicht gerechnet.
Der Kaiser erschien vor ihm, doch seine Miene war düster und instinktiv wusste Luffy, dass Shanks schon seit Monaten … seit Jahren nicht mehr gelacht hatte. Warum? Was war passiert?
Er wollte doch nur sein Versprechen einlösen. Aber nicht so.
„Piratenkönig …“
Der Rothaarige deutete eine Verbeugung an, aber Luffy ließ ihn nicht. Stattdessen packte er ihn an der Schulter und schüttelte ihn. Er schüttelte ihn und schüttelte ihn, doch keine Reaktion kam. Shanks ließ es einfach stumm über sich ergehen, als würde ihn sowas lapidares wie sein Körper nicht interessieren. Geschockt über diese Erkenntnis ließ der Strohhutjunge von ihm ab und scannte die Menge. Die Gesichter alle gleich … grau, aschfahl, eingefallen. Warum unternahmen sie nichts, wenn sie doch sahen, wie es ihrem Kapitän ging? So kannte Luffy die Crew nicht. Wo war … und dann fiel es ihm auf.
„Wo ist Ben?“

Luffy hatte sich die Übergabe des Strohhutes immer anders vorgestellt … aber in seinem Szenario hatte Ben noch gelebt und Shanks war der gewesen, der er damals gewesen war, als er Dawn verlassen hatte und nicht der, der er heute war. Nichts war so, wie er es sich immer ausgemalt hatte. Wie er seiner Crew erzählt hatte, dass es sein würde.
So nahm er mit zitternden Händen und stumm den Strohhut von seinem Kopf und legte ihn sachte auf die roten Haare. Kurz thronte er dort, dann griff Shanks danach, zog ihn ab und betrachtete ihn.
„Du hast es wirklich weit gebracht, Luffy …“ kurz blieb es stumm, Shanks sah in den Himmel, eine Träne kullerte ihm über die Wange, dann schaute er den Gummijungen wieder an. „… Glückwunsch.“
Mit einer runden Bewegung landete der Strohhut wieder auf seinem Kopf, schief und wackelig. Ein schwaches Grinsen zierte Shanks Miene, doch es war nur ein verunglücktes, kümmerliches Abbild seiner früheren Gestalt. Nach Sekunden verblasste es wieder.
„Ich brauch ihn nicht … gib ihn irgendjemanden, der es verdient ihn zu tragen und forder ihn dann wieder ein, wenn er dich übertroffen hat. Ich hoffe, wenn du ihn zurück kriegst, bekommst du die Party die du verdienst. Es tut mir leid.“
Mit diesen Worten drehte sich Shanks um, wollte gehen. Doch Luffy ließ ihn nicht. Er griff nach dem schwarzen Mantel, zog daran, drehte den Rothaarigen mit Schwung wieder zu sich um.
„Was soll das heißen? Rede, Shanks!“. Er schrie, weil er genau wusste, dass etwas nicht stimmte und weil sich die Worte des roten Kaisers wie ein Abschied in Luffys Ohren angehört hatten. Wieder setzte sich ein schwächliches Lächeln auf die Lippen des Anderen, dann rollten erneute Tränen über Shanks Wange.
„Es ist vorbei … ich kann nicht mehr, Luffy. Ich habe mein Versprechen gehalten, jetzt hält mich nichts mehr hier … ich will Ben wiedersehen. Verstehst du das?“
Nein, Luffy verstand nicht und trotzdem ließ er ihn gehen.

***

Am Tag nach der Übergabe des Strohhuts löste der rote Kaiser die Rothaarpiraten offiziell auf. Sein letzter Befehl war unmissverständlich:
„Greift nicht ein, lebt und erinnert euch an die Zeit davor.“
Dann drehte er sich um und ging. Die Entschuldigung auf seinen Lippen, unausgesprochen … aber jeder einzelne seiner Männer hatte sie in seinen Augen klar und deutlich lesen können.
Zwei Tage nach der Übergabe des Strohhuts wusste die ganze Welt, dass der Yonko „Shanks“ sich der Marine ausgeliefert hatte und angesichts seiner unzähligen Verbrechen hingerichtet werden würde.

***

Shanks hatte sich früher immer unzählige Gedanken gemacht, wie er wohl mal sterben würde. Jedes Jahr aufs Neue, wenn sich der Todestag von Roger genähert hatte und nicht selten hatte er in seinem betrunkenen Zustand, der sich zu dieser Zeit im Jahr zum Dauerzustand entwickelt hatte, diverse Barkeeper damit vollgequatscht. Solange bis … bis … Ben ihn wieder aus der Bar rausgeholt hatte.
Nun, im Angesicht seines Todes, konnte es ihm nicht egaler sein.
Dass man ihn jedoch in Louge Town hinrichten würde hatte ihn dann doch ein klein wenig überrascht. Die Marine war wirklich so dumm zu glauben, sein Tod könnte den von Roger überschatten, indem man ihn einfach wie seinen alten Käpt’n hinrichtete. Er konnte die Gemeinsamkeiten nicht leugnen … trotzdem war das hier etwas ganz anderes. Er hatte nicht die Größe von Roger und schon gar nicht irgendwelche Worte parat, die die Welt verändern konnten. Zudem Luffy lebte und Rogers Geist in sich trug.
Alles was er wollte, war endlich sterben und aufhören jede Nacht immer und immer wieder zu sehen wie Ben in seinen Armen starb. Er konnte nicht mehr und dem Tod ins Auge blicken schien ihm wie eine Erleichterung. Vielleicht gab es ja sowas wie ein Leben nach dem Tod … er wollte noch nicht mal in den Himmel. Was sollte er da? Er nahm die Hölle gerne in Kauf, solange Ben dort auch war … und wenn nicht. Dann war Nichts immer noch besser als ein Leben ohne ihn.

Er hatte nie gedacht, dass so viele Menschen kommen würden. Seine Augen blickten über ein Meer aus Köpfen und unwillkürlich stellte er fest, dass es Roger damals ebenso ergangen sein musste. Das war doch nicht wahr. Für was waren die Menschen hier? Er war niemand, nur ein alter, zerbrochener Mann, der mal gefürchtet gewesen war.
Er wurde auf die Knie gedrückt, konnte die zwei Naginata kurz aufblitzen sehen, denn die Sonne strahlte heiß auf die Stadt herunter.
Vielleicht war es gar nicht so schlecht hier zu sterben, immerhin hatte hier auch alles seinen Anfang genommen … hier hatte er Ben kennen gelernt …
Dann raunte eine Stimme im lauten Ton, „Hast du noch etwas zu sagen, Rothaar?“.
Vielleicht hätte Shanks etwas sagen sollen oder können, aber er wusste nicht was. Deswegen sagte er nichts. Bevor er jedoch den Kopf schütteln konnte, teilte sich die Menge vor ihm und mit großen Augen konnte er erkennen, wie ein Mann auf die Exekutionsplattform zuschritt. Das konnte nicht sein …

Luffy schritt mit festem Schritt über den Platz, um seine Schultern der Kapitänsmantel, auf seinem Kopf ein Kapitänshut. Nichts erinnerte an den früheren Strohhutbengel, er strahlte Würde aus. Ehrfürchtig machten ihm die Menschen Platz, weil er, trotz seiner Jugend, mit erhabener Macht die Rolle des Piratenkönigs vertrat. Hinter ihm schritt seine Mannschaft, stolz wie sie waren, ebenfalls mit festem Schritt. Sie schnitten eine tiefe Schneiße in die Menschenmenge. Mitten auf dem Platz blieben sie stehen und mit messerscharfem Blick fanden seine Augen die von Shanks.
„Ich habe noch was zu sagen!“, rief er, so dass jeder es hören konnte und augenblicklich wurde es auf dem ganzen Platz ruhig. Alle Augen richteten sich auf den Piratenkönig. Doch dieser zog nur seinen Hut vom Kopf und schaute immer noch nach oben, direkt in Shanks Augen.
„Diesem Mann verdanke ich alles.“, donnerte es über den Platz, dann drückte er den Hut an seine Brust. „Er war mein Leben lang mein Vorbild, mein Antrieb und meine Inspiration. Ohne ihn würde ich jetzt nicht hier stehen. Danke!“

Und mit diesen Worten verneigte sich der Piratenkönig vor dem roten Kaiser, beugte sein Haupt und seine komplette Mannschaft folgte ihm. Es war das letzte Bild das Shanks sah, bevor er hingerichtet wurde und endlich, nach zweieinhalb trostlosen Jahren, lächelte er wieder. Lächelte, weinte und lächelte … nein grinste, weil er wusste, dass Luffy ihn soeben unsterblich gemacht hatte … alles wegen einem geopferten Arm.

***

Wer auch immer die Märchen mit dem weißen Licht erzählt hatte, war wohl nie gestorben. Denn Shanks sah kein weißes Licht, er flog auch nicht und sicherlich waren da keine Engelschöre oder Posaunen und Trompeten. Nein, das erste was er in seinem Tod vernahm war eine laute, durchdringende Stimme, die verdammt wütend war. Das Zweite waren Schläge, die immer noch ziemlich weh taten, wenn auch nicht so richtig. Aber er wusste, dass es weh tun musste, wenn ihm mit einem Gewehr eins übergezogen wurde, weswegen er den Schmerz nur allzu deutlich fühlen konnte.

„Du verblödeter, bescheuerter IDIOT!“ und der erste Schlag traf ihn am Kopf, bevor er die Augen aufmachen konnte. „Warum kannst du nicht einmal … EINMAL auf mich hören, wenn ich dir was sage?“ Der nächste Schlag folgte, die Augen immer noch nicht offen. „Was hast du an dem Wort lebe nicht verstanden? Was? Das kann doch nicht so schwer zu verstehen gewesen sein!“ Ein neuer Schlag, kräftiger. Inzwischen hatte er seine Augen offen. Er sah weiß. „Da schmeiß ich mein Leben für dich weg und du dankst es mir, indem du vor dich dahinvegetierst?“ Noch ein Schlag, der ihn zurück auf den Boden drückte, obwohl er aufstehen wollte. Er lag auf allen vieren … ähm, dreien. „So einen Scheiß mach ich nie wieder. NIE WIEDER!“ Noch ein Schlag. Er versuchte gar nicht mehr aufzustehen. Die Augen hatte er auch wieder zu. „Weißt du wie viele, verdammte Sorgen ich mir um dich gemacht habe?“ Schuld drückte seine Kehle zu. Ein weiterer Schlag blieb aus. „Mach das nicht nochmal … nie mehr …“ Tränen rannen seine Wange hinab. „Käpt’n?“ und ein heilloses Schluchzen füllte seine Kehle.
„Ich hab dich so vermisst, Ben. Ich hab dich so vermisst!“

Shanks hatte keine Ahnung, wie lange er einfach nur in Bens Armen lag, den Kopf an seiner Brust vergraben, die Tränen unaufhörlich fließend. Zeit war etwas irrelevantes, wenn man tot war und der Kapitän hatte zweieinhalb verlorene Jahre aufzuholen. Doch irgendwann … irgendwann stoppten seine Tränen und er löste sich von Ben, schaute diesen zum ersten Mal richtig an.
Der Ältere hatte wie gewohnt eine Zigarette in seinem Mundwinkel und sah so aus wie Shanks ihn kannte … nur dass er nicht mehr der Ältere war. Also doch schon, aber er sah nicht so aus.
Er hatte seine langen, schwarzen Haare zu seinem üblichen Pferdeschwanz gebunden, die x-förmige Narbe in seinem Gesicht konnte man nur durch zwei wage, feine Striche erkennen und er wirkte wie in der Blüte seiner Jugend. Wie … wie damals auf Dawn. So wie Shanks ihn immer geliebt hatte.
Aber eigentlich durfte das nicht sein. Wobei … sie waren tot. Von daher.
Mit einem Grinsen schnipste Shanks die lose Haarsträhne, die seinem Vize ins Gesicht hing, an und wickelte sie dann um seinen Zeigefinger.
„Du siehst schick aus.“, war sein lapidarer Kommentar, dann fasste er sich an die Schulter, wie als wäre ihm ein Licht aufgegangen. Ob er wohl …?
Ben war die Bewegung natürlich nicht entgangen und ein Feixen huschte ihm über das Gesicht.
„Willst du ihn wieder? Du musst es dir einfach nur vorstellen … ziemlich praktisch, um ehrlich zu sein.“, kam es trocken von ihm. Er strich über Shanks Gesicht, fuhr die drei Narben entlang. „Deine Jugend, deine Unversehrtheit … alles was du willst.“
Doch Shanks winkte nur ab, ein spitzbübisches Grinsen auf den Lippen. Dann sah auch er auf einmal wieder aus wie zu Zeiten auf Dawn. Er hatte sich Bens Alter angepasst. Nur sein Arm … der blieb immer noch verloren.
„Wäre Luffys Andenken gegenüber nicht fair. Außerdem hab ich mich dran gewöhnt und jetzt bist du ja wieder da, der mir helfen kann.“, lachte er.

„Wo sind wir hier eigentlich?“, neugierig schaute Shanks sich um. In seinen Augen lag der Glanz eines neuen Abenteuers. Der Glanz, den Ben die zweieinhalb Jahre mehr als nur schmerzlich vermisst hatte.
Es hatte ihn fertig gemacht seinen Käpt’n so zu sehen … hilflos, bitter, verzweifelt …
Es war das schlimmste, was Ben jemals hatte durchmachen müssen, denn als er noch gelebt hatte, hatte er Shanks immer helfen können. Er war da gewesen und auch wenn es damals nicht immer leicht gewesen war, so war er zumindest in Reichweite gewesen … doch mit seinem Tod und Shanks am Leben, aber stumm und dumpf, konnte er nichts tun. Nichts außer zuschauen und sich wünschen, dass irgendetwas … irgendjemand kam, der ihn erlöste. Doch sein Freund hatte erst seinem Leben ein Ende setzen müssen, damit dies passierte und alles nur wegen ihm. Diese Pille würde immer eine bittere sein, das wusste Ben, egal ob im Leben oder im Tod. Doch er schob die Gedanken beiseite, weil es nicht zu ändern war und weil er Shanks lieber tot und fröhlich, als lebendig und verzweifelt sah.
„Im Himmel? Keine Ahnung, es ist kein Engel vorbeigeflattert, der es mir erklärt hat.“, meinte er trocken, zog an seiner Zigarette und ließ den Rauch langsam aus seinen Lungen schwinden. „Die Hölle wird’s nicht sein, da hätten sie dich niemals hineingelassen. Die haben alle Angst vor dir.“
„Vielen lieben Dank!“, kam es beleidigt von Shanks zurück und er drehte sich einmal im Kreis. „Wenn das der Himmel ist, ist er stinklangweilig. Es ist ja alles nur weiß.“
Der maulende Ton ließ Ben auflachen und zauberte ihm auch noch danach ein Grinsen ins Gesicht. Wie hatte er das vermisst. So kannte er seinen Kapitän. Jetzt fehlte eigentlich nur noch der Rest der Crew … aber die würden sicher noch ein paar Jährchen brauchen, bis sie hier ankamen. Zumindest hoffte Ben das. Wenn nicht, würde er ihnen den Hintern versohlen.

„Was hättest du denn gerne?“, kam es feixend von Ben, als Shanks ihn wieder anschaute. Dieser grinste und seine Augen leuchteten in einem hellen Glanz.
„Meer!“, kam es sofort und bevor Ben etwas sagen konnte, fielen sie und landeten mit einem Platsch im Wasser. Es war nicht richtig kalt und auch nicht richtig nass, aber da er wusste, dass es so sein musste, spürte er es trotzdem. Daran würde er sich nie gewöhnen.
„Himmel, hättest du mich nicht warnen können, bevor du dir das vorstellst?“, kam es in einem mürrischen Ton über seine Lippen. Er paddelte mit den Beinen, damit er nicht unterging. Wobei … ertrinken konnte er ja wohl kaum. „Wünsch dir mal ein Boot.“
„Ach … warum denn?“ kam es lachend von dem Rotschopf und mit einem Grinsen schlang er beide Arme … ja, jetzt waren es auf einmal wieder beide, Spielverderber … um Ben und zog ihn unter Wasser. Noch bevor er unter der Oberfläche war verdrehte der Schwarzhaarige die Augen.

Sie kämpften und rangelten und das sie nicht zu atmen brauchten stellte sich nur als Vorteil heraus. Auch hier war Zeit wieder unglaublich irrelevant und doch, irgendwann kamen beide wieder prustend und nach Luft schnappend hoch. Shanks lachte, wie er seit Jahren nicht gelacht hatte. Dann stellte er sich allerdings doch ein Schiff vor, was auch augenblicklich erschien. Es erinnerte an die Red Force, jedoch viel kleiner. Immerhin waren sie nur zu zweit. Noch. Aber das konnte man sicher ausbauen, im Laufe der Zeit.
An Deck wünschten sie sich einfach wieder trocken und mit einem Grinsen stellte der Rothaarige fest, dass auch das wunderbar funktionierte. So langsam fand er Gefallen an der Wünscherei und Macht der Vorstellungskraft. Es machte teuflisch viel Spaß. Mit einem breiten Lächeln lehnte er sich mit dem Bauch an die Reling und starrte in den Horizont, auf der Suche nach dem Anzeichen einer Insel. Wobei … wenn es keine gab, konnte er sie sich ja herbeiwünschen.
Doch bevor er sich etwas vorstellen konnte riss ihn eine tief vertraute Stimme aus seinen Gedanken.
„Käpt’n?“
Mit einem Lächeln drehte er sich um, sein Blick fiel auf Ben, der einfach nur da stand. Die schwarzen Haare wehten um sein Gesicht, die Zigarette hing ihm zwischen den Lippen und der weiße Rauch stieg in den Himmel hinauf.
„Mh?“
„Haben wir einen Kurs?“
Kurz zog sich sein Herz zusammen, bei dieser vertrauten Frage … vertrauten Geste. Eine Träne schimmerte in seinem Augenwinkel, doch Shanks wischte sie mit einer lapidaren Bewegung weg. Dann lachte er und sprang behände auf die Reling und hielt sich an einem der Taue der Takelage fest. Seine roten Haare schimmerten im Licht der Sonne.
„Natürlich. Abmarsch. Segel setzen … der Tod soll besser aufpassen, denn jetzt machen ihn die Rothaarpiraten unsicher!“, grinste er und dann sprang er zu seinem Vize um ihm dabei zu helfen, die nötigen Handgriffe zu erledigen, die sie nach all den Jahren in- und auswendig kannten. Hier musste er sein, hier gehörte er hin. Seite an Seite mit seinem besten Freund, auf dem ewig freien Meer.

Mit Ben an seiner Seite erschien Shanks, egal ob Himmel oder Hölle, sogar der Tod wie ein unwiderstehliches Abenteuer. Außerdem … vielleicht traf er ja Roger wieder.
Der Gedanke zauberte ihm ein teuflisches Grinsen aufs Gesicht … wer weiß, vielleicht irgendwann? Sie hatten ja alle Zeit der Welt …


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Ich hatte das noch nie, dass ich so viel geheult und gelacht habe, während ich einen Text geschrieben hab. Ich hatte wirklich teilweise Probeleme weiter zu schreiben, weil mir schlicht und ergreifend die Tränen über die Wangen gelaufen sind.
Und dann ein paar Abschnitte weiter hatte ich wieder ein mega Grinsen auf dem Gesicht.
Ein Achterbahnfahrt, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Text war wirklich emotionsreich ...

Ich hoffe trotzdem (oder grade deswegen) das er euch gefällt. Und an alle Ben-Fans da draußen (Astargore ;-D) es tut mir Leid. Ich hab Ben nicht gerne umgebracht ... und Shanks auch nicht!

Liebes Grüßle
Arzani
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