ALS - Ice Bucket Challenge - Amber

von Myera
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P6
Amber Hei
01.10.2014
01.10.2014
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Ja, da bin ich schon wieder - diesmal mit einem Beitrag zur Ice Bucket Challenge!
Ich wurde von KuroSP dazu nominiert, Amber nass zu machen. Eigentlich bin ich kein Fan von Projekten solcher Art (Ich habe eine Abneigung gegen jegliche Vorgaben und vor allem Zeitlimits) aber das hier ist ganz gut gelaufen. Ich hatte gleich nach der Nominierung eine Idee im Kopf und hab sofort angefangen zu schreiben... und ja, hier ist es. Es ist wie üblich typisch für mich, gleich Hintergrundgeschichten zu erfinden - ich kann es einfach nicht lassen. Ich hoffe, es stört nicht allzu sehr.

Es ist ein Alternatives Universum, in dem Hei und Amber gemeinsam einige Zeit untergetaucht sind, nachdem das mit Südamerika passierte. Und so sehr die beiden auch behaupten, keine Gefühle zu haben, hier haben sie welche. Beide. Weil ich glaube, dass Contractor längst nicht so emotionslos sind, wie sie immer tun.

Es hat einen eher düsteren Touch, aber das haben ja die meisten Sachen bei mir. Ich sah auch kaum eine andere Möglichkeit, Amber authentisch mit Wasser zu übergießen. Also tut sie es einmal im Video und einmal mit Hei.  Wie immer konnte ich die Chance nicht verstreichen lassen und die beiden trösten sich etwas, verarbeiten Südamerika und sind sich ganz nah. Eben weil ich denke, dass die beiden mehr als nur Freunde sind; daher ganz leicht HeixAmber angedeutet.

Hier die Regeln:


ALS Ice Bucket Challenge, Liebe Leser, sicher habt ihr auch alle in den letzten Wochen und Monaten verfolgt, wie sich sowohl ganz normale Leute wie auch Promis gegenseitig herausgefordert haben, sich Eiswasser über den Kopf zu gießen um damit auf eine wirklich schlimme Nervenkrankheit aufmerksam zu machen und für die Erforschung dieser Krankheit Geld zu sammeln. Auch ich habe das natürlich verfolgt, und als ich auf Facebook einen Beitrag von Ralph Rute gesehen habe, bei dem seine beiden Cartoonfiguren Biber und Baum herausgefordert wurden und er einen entsprechenden Cartoon dazu gezeichnet hat, kam ich auf die Idee, das können wir doch auch! Die Challenge in unsere Welt tragen!
Die Welt der Fanfictions! Eigentlich geht es doch nur darum, so viel Menschen wie möglich auf diese Aktion aufmerksam zu machen! Und wenn ich mir mal so die Zugriffzahlen einiger meiner Geschichten anschaue, also, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich niemals so viele Menschen erreichen würde, wenn ich mir einfach nur einen Eimer Wasser über die Birne kippen würde! Aber wenn ich eine Geschichte darüber schreibe, wie es einer unserer Helden tut, dann lesen das sicher einige Leute mehr! Und wenn ich dann auch noch andere Autoren nominiere, ebenfalls eine Geschichte zu schreiben, dann könnten wir sicher zusammen eine ganze Menge Menschen erreichen!
Also werte FF-Junkies, wollen wir zusammen die Herausforderung annehmen und zeigen, dass die sprichwörtliche „Feder“ immer noch einige Macht besitzt? Zu unserem Zweck sollten wir die Regeln aber ein klein wenig anpassen: Das Spenden sollte Ehrensache sein, nicht jeder hat es so dicke, dass er 10 bzw. 100€ entbehren kann! Aber mindestens 1€ sollte in jedem Fall drin sein! Jeder weitere ist jedem selbst überlassen. (Kleinvieh macht auch Mist!)
Spenden z.B. hierhin: http://www.dgm.org/ice-bucket-challenge-als-2014 oder hier: http://www.als-charite.de/VM/Spenden/tabid/603/Default.aspxde/HM/IceBucketCallenge2014/tabid/2763/Default.aspx
Die Zeit sollten wir auf 48 Std. erhöhen! Schreiben dauert nun einmal länger als filmen! Jeder herausgeforderte nominiert 3-5 Autoren und weist jedem eine Figur zu, die sich die Eisdusche abholt! (Nominiert auch ruhig Autoren aus einem anderen Fandom! Es soll sich ja verbreiten!)... bevor ich es vergesse, es ist wohl einfach fair, die Nominierten auch per Mail über ihre Nominierung zu informieren und vielleicht auch in der Mail einen Link zu eurer Nominierung hinterlassen.
(Der obige Text wurde von Selina M verfasst!)





Wenn jetzt alles klar ist:
Viel Spaß beim lesen.


ALS – Ice Bucket Challenge


„Wie alt warst du?“

  Amber seufzte. Immer wieder dieselbe Frage. Nie dieselben Antworten. Sie log und log und manchmal glaubte sie fast selbst daran. Wie konnte Hei sie das fragen? Er wusste doch selbst, dass man so etwas nicht sagte. Und dass es egal war, wie alt sie gewesen war. Sie konnte alles sagen. Hei würde ihr glauben müssen, weil er keinen Beweis hatte, niemals haben würde. Schließlich konnte sich ihr Alter ändern.

  „Vierundvierzig“, sagte sie. Vielleicht war es sogar die Wahrheit. Sie wusste es schon lange nicht mehr.

  Hei betrachtete sie aus großen, ausdruckslosen Augen. Er wirkte müde, aber das wunderte Amber nicht im Geringsten. Schließlich war Pai fort. Mit einem Hauch von Eifersucht fragte Amber sich, ob er um sie auch so getrauert hätte wie um Pai. Aber was hätte es auch gebracht, das zu wissen? Wissen erdrückte. Amber hätte gerne einmal nicht gewusst, was die Zukunft brachte. Es war so ermüdend, zu wissen.

  Zu wissen, dass Pai niemals wiederkehren würde und Hei das nicht einsehen konnte.

  Zu wissen, dass so viele sterben würden, um ihre Ziele zu erreichen.

  Zu wissen, dass sie Hei belügen würde, wieder und wieder, bis er irgendwann nicht einmal ihr mehr glauben würde.

  Aber Amber war daran gewöhnt. Sie log ständig, weil sie die Wahrheit nicht mochte. Hatte sie noch nie. Es war traurige Ironie, dass ausgerechnet sie die Wahrheit niemals verleugnen würde können. Man konnte durchaus behaupten, dass ihre Gabe nützlich war, aber niemand wusste, dass sie auch all die Dinge sehen konnte, die kein Mensch oder Contractor jemals sehen wollte – das Blut, die Schreie, die Sinnlosigkeit. Interessanterweise kam Amber mit den Toden besser klar als früher. Sie erinnerte sich an die Dinge, die ihr passiert waren als sie ein Kind gewesen war.

  Und vielleicht war das ja der Auslöser gewesen?

  Als das Gate erschienen war, hatte sie um Hilfe gerufen, gebettelt, gefleht, weil alle, die ihr jemals etwas bedeutet hatten, fort waren. Fort, weil sie sich um einen Rollstuhl scharrten, ein altes, kaum bewegliches Teil, weil ihre ganzen Ersparnisse für Medikamente drauf gegangen waren. Und was hatte Luke davon gehabt? Er hatte alle mit in den Tod gerissen. Er und seine dumme Krankheit.

  Und als sie tot gewesen waren – oder weg oder was auch immer, in der Nähe des Gates war nichts so, wie es sein sollte – war Amber auf die Knie gefallen. Sie war… jung gewesen. Sehr jung. Bestimmt nicht älter als sechzehn. Sie hatte geschrien und um sich geschlagen, weil sie etwas bewirken wollte. Ihr Blut hatte gekocht, ihre Augen gebrannt. Aber sie war weiter dort geblieben, hatte weiter dieses riesige Ding angeschrien und gefleht, dass sie ihre Eltern zurück haben wollte, ihren Bruder, ihre Welt.

  Das Gate war stumm geblieben.

  Und dann hatte sie gedacht: Wenn ich es nur gewusst hätte. Wenn ich es gewusst hätte, dann wären sie nicht tot. Wissen wäre alles gewesen, was nötig gewesen wäre.

  Diesen Wunsch hatte ihr das Gate natürlich erfüllt.

*


Hei surfte im Internet. Das tat er oft, vor allem, wenn er nicht schlafen wollte. Amber wusste nie, ob er wenigstens ein paar Stunden schlief oder die ganze Nacht an dem ramponierten Laptop verbrachte, den Amber aufgetrieben hatte. Wenn sie schlafen ging, saß er so da, und wenn sie aufwachte, war er auch da. Er schien sich kaum zu bewegen, nur wachsende Ansammlungen an leeren Colaflaschen deuteten darauf hin, dass er trank.

  Essen sehen hatte sie ihn schon lange nichts mehr. Amber fragte sich, wie lange es dauern würde, bis er zusammen klappte und bemerkte dabei überrascht, dass ihr der Gedanke nicht gleichgültig war. Allerdings war es nichts wirklich Neues; sie hatte sich schon immer um Hei gekümmert.

  Als Pai schon lange aufgegeben hatte zu versuchen, ihn aus Südamerika zu verjagen, hatte Amber weiter gemacht, gebettelt und gefleht. Aber Hei war wie das Gate gewesen, still und stumm. Und er hatte Amber wütend gemacht. So unglaublich wütend, dass ihre ruhige Stimme aus dem Takt gekommen und ihn angefaucht hatte. Sie würde nie vergessen, wie entsetzt er gewesen war. Und da wusste sie, dass sie in seiner Nähe nicht die Beherrschung verlieren durfte. Sie war sein Ruhepol, mehr noch als Pai, weil Pai alles verkörperte, was er verloren hatte. Er konnte nicht an Pai glauben, weil das Mädchen, das er gekannt hatte, sich so unglaublich verändert hatte.

  Amber dagegen war neu und unbekannt gewesen. Sie hatte mit ihm immer in der gleichen Art und Weise gesprochen; ruhig, sanft, stets darauf bedacht, nicht zu schnell zu reden und sich niemals zu verhaspeln. Vielleicht hatte sie das getan, weil sie seine Zukunft in dem Moment gesehen hatte, in dem sie ihn zum ersten Mal getroffen hatte. Hei war wirklich bemitleidenswert, aber Amber hatte dies nie zeigen wollen.

  Vielleicht hätte sie ihm alles zeigen sollen.

*


   „Was siehst du dir an?“, fragte sie irgendwann. Auch Amber überfiel die Langeweile, aber sie konnte nicht gehen, nicht so. Hei konnte nicht zum Syndikat zurück, nicht nach dem, was passiert war. Sie waren aus Südamerika geflohen, ganz kurz nach der Katastrophe. Und nun waren sie irgendwo am Ende der Welt, versteckten sich und versuchten damit klar zu kommen, dass all die Menschen, die mit ihnen gekämpft hatten, fort waren. Genau wie Pai.

  Manchmal fragte Amber sich, ob er sich so große Vorwürfe machte wie sie. Aber das konnte nicht sein. Immerhin hatte Amber von ihrem Plan gewusst. Sie hatte ihn mit Pai entworfen. Es konnte gar keine größere Schuld geben als das.

  Hei warf ihr einen kurzen, beiläufigen Blick zu. „Videos.“

  Amber nickte. Es überraschte sie nicht. Hei war zwar nie ein Computerfreak gewesen, aber sie wusste ganz genau, dass er durchdrehen würde, wenn sie es ihm verbot. Es war ungesund, aber noch ungesünder wäre es für ihn, sich der Tatsache zu stellen, dass alles, was von seiner Familie übrig war, ihn verlassen hatte.

  „Was Interessantes dabei?“
 Hei zögerte. Amber vermied es, seine Antwort vorher zu sehen. So viel war sie ihm schuldig.

  „Ich… hab was gefunden, ja. Vielleicht solltest du es dir mal ansehen.“

  Amber ging zu ihm. Irgendetwas sagte ihr, dass ihr das Video nicht gefallen würde. Aber Hei wollte ihr etwas zeigen. Das war mehr Kontaktversuch als sonst. Manchmal sprach er tage-, wochenlang nicht. Und dann auf einmal brach etwas aus ihm hervor, als ob er es zurück gehalten hätte. Amber glaubte, dass er ihr vormachen wollte, dass er jetzt ein Contractor war. Weil Pai das gesagt hatte – sie hatte ihm gesagt, dass er ihren Platz einnehmen würde.

  Amber fragte sich immer noch, warum sie dabei gelächelt hatte.

  Hei deutete auf ein Video, das er in einem Nebenfenster offen hatte. Mit einem Klick brachte er es zum Laufen, bevor er es vergrößerte. Amber saß nun fast auf Heis Schoß, aber es schien ihn nicht zu stören.

  Sie starrte das Video an. Das Mädchen darin. Diese kleine, dünne Zwölfjährige mit den hellen Augen und den Zöpfen. Blinzelte. Und traute ihren Augen nicht.

  „Also“, begann das Mädchen in dem Video und Amber erkannte erstarrt ihre eigene Stimme. „Ich wurde nicht für die Ice Bucket Challenge nominiert, aber ich habe beschlossen, so ein Video trotzdem zu machen. Weil ich glaube, dass jeder mitmachen sollte, der eine Stimme hat. Ich will nicht auf eine Nominierung warten, weil es auf jede Sekunde ankommt. Und die Leute von der ALS-Forschung können alles Geld und alle Zeit gebrauchen!

  „Sie sieht dir ziemlich ähnlich“, meinte Hei beiläufig, aber er beobachtete sie viel zu aufmerksam. Amber schloss kurz die Augen.

  „Finge ich nicht“, log sie.

  Heis Finger schwebten über der Maus, aber er zog seine Hände zurück. „Das ist vor vierzehn Jahren veröffentlicht worden. Ich erinnere mich nur vage daran“, meinte er. „Da war ich acht oder so.“

  Amber sagte nichts dazu, aber das schien Hei zu genügen.

  „Amyotrophe Lateralsklerose ist eine ernstzunehmende Krankheit. Und ich finde es absolut unmöglich, dass kein Geld in eine Heilung investiert wird, obwohl man sie vielleicht retten könnte. Egal, wie viele es sind – es sterben Menschen! Und sie sterben qualvoll! Also, wenn ihr der gleichen Meinung seid wie ich, dann spendet und dreht ein Video oder schreibt oder was auch immer ihr wollt! Ihr solltet nur helfen, die Krankheit bekannt zu machen! Und deswegen werde ich auch niemanden nominieren, weil alle sich ihrer Verantwortung als gesunde Menschen bewusst sein sollten. Und wenn euch das nicht reicht: Stellt euch vor, ihr wärt das! Und niemand würde Geld in eure Heilung investieren! Wir sind alle gleich, wenn wir krank sind. Wir wollen gerettet, geheilt werden! Und deswegen werde ich heute den Anfang machen.

  Amber schloss die Augen und lächelte. Sie sah nicht, wie das Mädchen die Hand hob und an einer Schnur zog. Sie hörte nur das Wasser, das auf das Mädchen traf. Bei dem Geräusch bekam sie Gänsehaut. Wie albern. Es war vierzehn Jahre her.

  Es fühlte sich an wie gestern.

*

 
Hei stand auf und zog Amber nach draußen. Sie hatte die Augen geschlossen und behielt sie zu, vielleicht, damit er ihre Tränen nicht sehen konnte. Aber sie lächelte. Nicht jenes traurige Lächeln, das er von ihr gewöhnt war, sondern ein echtes. Er glaubte nicht, dass sie schon einmal wirklich gelächelt hatte – ihr Lächeln war wie ihre Worte, meist gelogen, fast nie echt. Hei hatte schon lange den Verdacht, dass sie Angst hatte, an der Wahrheit zu ersticken.

  Er wusste ganz genau, wie das war, wenn man die Wahrheit nicht vertrug, lügen und betrügen wollte, weil man die qualvollen Dinge nicht aussprechen wollte, nicht konnte, weil das bedeutete, dass sie wahr waren und wirklich passiert.

  Pai hatte ihn im Stich gelassen.

  Es führte kein Weg daran vorbei, aber er konnte es nicht zugeben. Was sollte er tun, wenn es wahr war? Wenn das alles war, was blieb? Wohin sollte er gehen? Denn Amber konnte nicht bleiben, niemals. Sie war zu sehr Contractor, um Pais Welt zu verlassen. Sie konnte ihre Verantwortung nicht ablegen. Auch wenn sie sie zerschmettern würde, sie würde weiter machen müssen. Das lag in ihrer Natur.

  Genau wie in Heis.

  Aber er dachte daran, sich mit ihr in den Pool des verlassenen Hotels fallen zu lassen. Zu sinken, bis sie am Grund ankamen und nie wieder Luft holen. Aber das konnte er nicht tun. Vor allem nicht, weil der Anblick des Pools so weh tat. Pai hatte ihn damals immer in jedes sich bietende Wasserbecken gestoßen, manchmal sogar im Winter. Er erinnerte sich an diese Tage – trotz Kälte waren sie voller Lachen. Manchmal war es mehr, als er ertrug.

   Und er wusste nicht, wie er darauf kam, dass das etwas besser machen sollte, aber er packte Amber und sprang mit ihr in den eiskalten Pool.

   Das Wasser schlug über ihnen zusammen und raubte ihm für einen Moment fast die Sinne. Es war so kalt, dass es beinahe brannte. Für einen kurzen Moment wollte er sich einbilden, dass Pai am Rand stand und lachte, aber da war nichts, und als er auftauchte, war alles genau so trostlos wie zuvor. Er war nicht plötzlich zehn Jahre jünger, und das neben ihm war immer noch Amber.

  Amber, die weinte.

  Hei zog sie an sich, ein kleines, zitterndes Bündel aus Haut und Knochen. Sie war mächtig, ohne Frage, aber auch sie war wahrscheinlich über viele Dinge nicht hinweg gekommen. Es fühlte sich gut an, sie so zu halten. Vielleicht tat er es auch nur, weil er Angst hatte, ohne sie zu ertrinken.

  „Er war siebzehn“, sagte Amber gepresst. Sie drückte sich an seine Brust und sah nicht auf. Hei sagte nichts dazu. „Ich weiß nicht mehr, was Luke hatte. Es ist schon so lange her.“

  Wieder eine Lüge. Aber an der Wahrheit erstickte man irgendwann, also spie man sie aus und erzählte Lügen, die angenehmer waren. Hei verstand das. Er selbst tat es ständig. Sein Lächeln war die größte davon.

  „Aber als das damals mit der Ice Bucket Challenge losging, war er noch am Leben. Es ging nicht um seine Krankheit, aber ich dachte, wenn du dich nicht für die Krankheiten anderer einsetzt, obwohl du die Möglichkeit dazu hast, hast du es auch nicht verdient, dass er gerettet wird.“

  Hei schwieg. Es gab nichts zu sagen. Menschen waren irrational. Und Contractor manchmal auch ein wenig.

  „Ich hab nicht einmal etwas gespendet. Ich hatte kein Geld, weil alles für Luke drauf gegangen ist.“ Amber holte Luft, zischend und scharf, als ob die Kälte sie auch im Inneren zersetzen würde. Hei drückte sie noch fester an sich. „Aber ich wollte, dass die Menschen mit Krankheiten nicht mehr so leiden müssen. Dass Leute sich kümmern. Es war so dumm. Ich hatte Angst, dass er qualvoll dahin siecht und hab mir gewünscht, dass er das nicht durchmachen muss. Und dann kam das Gate und er war fort.“

  Schuld. Noch so etwas, mit dem sich Hei auskannte. Sie waren sich verdammt ähnlich. Er fragte sich, warum ihn das noch überraschte.

  Sie blieben so stehen. Heis Zähne begannen zu klappern und wahrscheinlich unterkühlte er sich gerade, aber es war ihm egal. Alles war egal.

  „Sie wird nicht zurück kommen“, flüsterte Amber irgendwann. Zum ersten Mal klang es nicht nach einer Lüge.

  „Ich weiß.“

  „Es sind nur noch wir beide.“

  „Ich weiß.“

  „Ich würde dir gerne sagen, dass ich bei dir bleibe.“

  „Aber es wäre eine Lüge“, sagte Hei sachlich. Mittlerweile hielt er sich mehr an Amber fest als sie sich an ihm.

  Amber sagte nichts darauf.

  „Ich werde nach Japan gehen“, sagte Hei schließlich.

  „Verstehe.“

  „Ich will nicht wissen, wo du sein wirst“, sagte er. „Aber komm zu mir, wenn du Hilfe brauchst.“

  Er hörte ihr Lächeln mehr als dass er es sah. Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, sie zu küssen, aber Hei hatte nicht die Kraft dazu, so etwas schon wieder zu tun, wenn sie doch letztendlich sowieso gehen würde.

  „Ich werde es mir merken.“

  Und zum ersten Mal, seit Pai gegangen war, tat es nicht weh, an sie zu denken.



AN: Wie immer werden alle Infos bezüglich Staffel 2/OVAs ignoriert.

Ansonsten: Macht mit und spendet :) Ich werde in naher Zukunft auch Autoren nominieren, sobald ich jemanden habe.

Ich hoffe, es hat euch gefallen!

Man liest sich.
Myera
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