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Oma und die Nominierung

von Kelara
KurzgeschichteHumor, Fantasy / P12 / Gen
Agnes Nitt Esmeralda Wetterwachs Nanny Ogg
30.09.2014
30.09.2014
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Hallo,

es hat mich auch mit Kelara getroffen, eigentlich wollte ich ja nur einmal,
aber nachdem ich hier schon zweimal nominiert wurde, werde ich mich der Aufgabe stellen.

Und eine Idee, die aus einem anderen IBC-OS entstanden ist, weiterverfolgen.

Den Ursprung könnt ihr hier auch finden, unter UnderCoverCat.
Und jetzt wird mein Alter Ego noch einen der Scheibenweltcharaktere nass machen *kicher*

Knuddel und Danke, MartyMcFly und JaneIrina, für die Nominierung,
Kel

Achja: Ich nominiere niemanden mehr. Alle die ich kenne, haben schon … :(

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Oma und die Nominierung

“Ich bin was?”

Granny sah nicht mal richtig auf, während Agnes vor ihr stand und ihren stammelnden, fast verzweifelt hervorgequietschten, Bericht abgeliefert hatte.
“Nominiert, Oma. Ähm. Ja.”

Oma stopfte weiter die Socke, während sie bei jedem Stich der Nadel mit dem Schaukelstuhl, in dem sie vor dem Haus saß, einen Ruck nach vorn tat, um beim Hervorholen des Fadens dann nach hinten zu wippen. Sie nähte mit einer tödlichen Präzision und Genauigkeit, die einem Assassinen bei näherem Hinsehen das Blut in den Adern gefrieren lassen würde. Wahrscheinlich auch beim einem flüchtigen Blick aus der Ferne.

Agnes ging es nicht besser, auch sie war starr vor Schreck. Was hatte sie sich nur gedacht? Die Schnapsidee war von Nanny gekommen, die ja wie immer jeden Blödsinn mitmachte (1), und natürlich Agnes nominiert hatte. Das Zusammenspiel von Nanny, kaltem Wasser und der Tatsache, dass sie nervös war, hatte sie Oma nominieren lassen.

Klatschnass hatte ihr dann Nanny mit ihrem offen Grinsen mitgeteilt, dass sie es natürlich Oma sofort sagen müsste. Sie selbst schien auf einmal einen dringenden Termin zu haben und so stand Agnes nun hier und wünschte sich, sie wäre … egal wo, nur nicht hier. Omas ganzes Verhalten drückte ihre Missbilligung aus und Agnes war zwar eine Hexe, aber leider in Omas Nähe eine Hexe mit dem Selbstbewusstsein eines Stück Käses. Eines sehr schüchternen Stücks Käse.

Der Schaukelstuhl stoppte abrupt und das Ausbleiben des Geräusches war wie ein lautloser Knall, der die nächste Runde einläutete. Nur Oma schaffte es, mit Stille Menschen zusammenzucken zu lassen.

Oma sah auf und ihre blauen Augen richteten sich auf Agnes, die noch ein wenig kleiner wurde.
“Warum sollte jemand das tun? Sich Eiswasser über den Kopf kippen? Ich halte nichts von diesem neumodischen Quatsch. Ich sehe keinen Sinn darin, warum es helfen soll, eine Krankheit zu heilen, indem man die ganze Scheibe mit Erkältungskranken überschwemmt.”

Agnes versuchte gar nicht darauf hinzuweisen, dass sie auch eine Hexe war, und somit keine Rechenschaft abgeben musste. Den Fehler hatte sie einmal begangen und festgestellt, dass eine Diskussion mit Oma ungefähr so effektiv war, wie einen Berg zum Wandern zu überreden. (2)

“Oma, es ist für einen guten Zweck. Und da wir Hexen sind, sollten wir mit guten Beispiel vorangehen.”
Oma schnaubte erneut und Agnes senkte den Kopf, als sie Omas Blick sah.
“Allein dadurch, dass wir Hexen sind, sind wir schon ein gutes Beispiel. Ich muss überhaupt nirgends vorangehen. Wo ich bin, ist meist vorne.”
Diesem Satz hatte Agnes nichts hinzuzufügen. Sie drehte sich um und ging, nachdem sie einen kleinlauten Abschiedsgruß gemurmelt hatte.

Vor Omas Häuschen wurde es wieder ruhig und sie nahm ihre Näharbeit und das Geschaukel wieder auf.
“Eiswasser”, brummte sie ein paar Mal.
Sie sah nicht hoch, als eine weitere Hexe auf der Lichtung landete und nähte verbissen und mit höchster Konzentration weiter.

“Du hast Agnes ganz schön eingeschüchtert, Esme”, sagte Nanny, als sie ihren Besen neben dem Haus abstellte.
“Eiswasser. Das du bei so was mitmachst, war klar, aber Agnes sollte sich ein wenig zurückhalten. Sie ist eine Hexe und wir machen nicht jeden Blödsinn mit, sie sollte ernsthafter an alles herangehen. Und was soll dieses Nominieren? So etwas gab es früher nicht, da hat man einfach angepackt und Gutes getan, wenn es notwendig war, nicht als Freizeitvergnügen an die Freunde weitergegeben, wie ein Taschentuch”, nörgelte Oma und schaukelte schneller.

“Es ist ja keine Pflicht, Esme. Bisher kenne ich allerdings keinen, der nicht mitgemacht hat. Aber ich hab Magrat schon gesagt …”, Nanny grinste verschlagen, während sie eine lange Gesprächspause machte und wie zufällig einen dicken Fussel von ihrem Hexenhut entfernte.

“Spucks schon aus, Nanny. Was hast du unserer Königin mitgeteilt?”, knurrte Granny, die immer noch nicht verstand, dass Magrat die Mutterschaft und das Königin sein dem Beruf der Hexe vorgezogen hatte. Obwohl auch Hexen Kinder bekommen konnten, es war nicht ungewöhnlich. Allerdings hielt Oma es für eine unnötige Ablenkung vom Beruf, sich mit Kind und Mann zu belasten. (3)

“Magrat meinte, du würdest eh nicht mitmachen. Sogar der König hat mitgemacht, und Shawn auch. Aber Magrat meinte, du würdest dir nie einen Eimer mit Wasser überkippen, nicht mal, wenn du lichterloh in Flammen stehen würdest.”
“Pah”, der Ausruf wurde von einem nun deutlich energischerem Schaukeln begleitet.
“Flieg heim, Nanny. Ich tu jeden Tag Gutes, manchmal nur damit, dass ich nicht aus dem Haus gehe.”
“Ja, Esme, da sind dir oft einige Leute dankbar dafür”, grinste Nanny und Esme warf ihr einen Blick zu, der jedem anderen das Fürchten gelehrt hatte, aber an Nanny einfach abprallte, wie die meisten Dinge. Nanny war das Hexenäquivalent zum Lotuseffekt.

Sie grinste gutmütig, ging zu ihrem Besen, überlegte, und ging dann zum Brunnen, wo sie den Holzeimer, mit dem Oma das Wasser ins Haus holte, füllte. Dann stellte sie den vollen Eimer neben Omas Stuhl ab.
Diese tat so, als würde sie es nicht bemerken.
“Du hast noch nie die Gelegenheit, etwas Gutes zu tun, ausgelassen. Nicht, weil du gut bist, sondern weil du es nicht ertragen könntest, wenn jemand anderes besser wäre.”
Mit diesen Worten verschwand Nanny und Oma schnaubte.

Das Schlimme war, dass Nanny Recht hatte. In Omas Innern tobte der Kampf, aber nur ein aufmerksamer Beobachter würde die verstohlenen Blicke in Richtung des Eimers bemerken, jedesmal, wenn Oma mit dem Schaukelstuhl vor schnellte wie eine Viper auf dem Sprung.

Als Oma alle Socken im Korb neben dem Schaukelstuhl geflickt hatte, stand sie auf und starrte auf den Eimer.
Dann nahm sie ihn, leerte ihn auf der Wiese aus und ging zum Brunnen. Langsam füllte sie ihn mit frischen, kaltem Wasser.

Dann warf sie einen verstohlenen Blick auf die Lichtung, aber sie war - wie oft - allein.
Wirklich tun wollte sie es nicht, aber herrje, Nanny hatte Recht.
Fast zornig packte sie den Eimer, kippte ihn über sich aus und schüttelte sich kurz.

Sie war nicht wirklich nass, an Oma prallten Wasser, Ironie und gute Ratschläge ab. (4)

Dann wurde ihr Gesicht verschlagen, während sie darüber nachdachte, wenn sie nominieren wollte.

“Ich nominiere: A’tuin, die Revisoren und Azrael. Das sollte genügen.”
Grinsend ging Oma ins Haus. Sie wollte doch mal sehen, wie eine Sternenschildkröte das hinbekommen würde. Allein das war es wert gewesen.


(1)     Das ist gelogen. Angeblich hat sie das Schlammkuchenessen in Klatsch nicht mitgemacht, weil sie keine Einladung erhalten hatte. Es handelte sich um ein böses Versehen mit einer halbblinden Brieftaube, einem besoffenen Gott und einem grenzdebilen Tierarzt, den sie bis heute nicht aufklären konnte. Aber wir kennen Nanny, sie bleibt am Ball.

(2)     Stimmt nicht. Eher wanderten Berge, als dass man eine Diskussion gegen Oma gewann. Und selbst wenn es gelang, irgendwie stellte man am Ende dann doch fest, dass man verloren hatte.

(3)   Außerdem war die Tatsache, dass in einer der parallelen Realitäten eine Esme Wetterwachs geheiratet hat und Kinder hatte, für Oma ausreichend. Sie hatte nach ihrer Definition somit ihre Pflicht in mehr als einer Hinsicht erfüllt.

(4)     Offensichtlich hatte jede Hexe einen Lotuseffekt. Bei Agnes prallte das Selbstbewusstsein ab.
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