Für alle Zeit, mein Engel

GeschichteRomanze / P16 Slash
30.09.2014
30.09.2014
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Es war ein herrlicher Sommertag – ideales Wetter für ein Fest. Nicht irgendein Fest, sondern das Ereignis des Jahres – das Scheunenfest. Ich freue mich jedes Jahr wie verrückt auf das Scheunenfest, denn es ist jedesmal die ideale Gelegenheit für mich, meinem Schwarm näherzukommen. Ihr Name ist Zweiton und sie ist mit Abstand der schönste Dalmatiner, der mir je begegnet ist. Letztes Jahr wäre es fast zu einem Kuss zwischen uns gekommen, wären wir nicht von Mooch gestört worden. Wer Mooch ist? Um es kurz zu machen: Ein egoistischer, hinterhältiger Schäferhund, der absolut alles versucht, nur um mich dumm dastehen zu lassen. Dass ich für ihn keine sonderliche Sympathie hege, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Weißt Du, was er letztes Jahr getan hat? Gerade als ich Zweiton küssen wollte, hat er sie an die Hand genommen und von mir weggezerrt. Natürlich wusste er genau, dass mich das rasend machen würde. Noch ehe ich irgendetwas dagegen tun konnte, ist er mit ihr zur Tanzfläche hinüber gegangen und hat mit ihr den Tango getanzt, den ich eigentlich mit ihr tanzen wollte. Dabei sah er breit grinsend zu mir herüber, was mich noch rasender machte. Zweiton und er haben sich den ganzen Abend hindurch blendend amüsiert, nur ich blieb stehen wie bestellt und nicht abgeholt. Zur Krönung hat er sie dann auch noch geküsst. Aber dieses Jahr wird es anders, das habe ich mir geschworen. Dieses Jahr werde ich nicht zulassen, dass er mir ein weiteres Mal die Zuneigung meiner Liebsten stiehlt. Dieses Jahr werde ich derjenige sein, der mit ihr über die Tanzfläche schreitet und sie fest in den Armen hält. Ich war gerade dabei, die letzten Dekorationen anzubringen, als mein Bruder Rolly plötzlich wie verrückt auf mich zustürmte. „Lucky! Gut, dass ich dich treffe. Ich muss unbedingt mit dir reden!“, rief Rolly völlig außer Atem und setzte sich erschöpft auf den Boden. „Was ist los?“, wollte ich wissen, während ich die Gästeliste noch einmal durchging. „Ich mache mir Sorgen wegen Mooch“, antwortete Rolly, bemüht, wieder zu Atem zu kommen. „Warum?“, fragte ich nach. „Dippy, Wizzer und er haben sich gerade in ihrem Hauptquartier getroffen. Ich glaube, sie planen etwas für heute Abend“. Ein verächtliches „Tz“ entrang sich meiner. „Keine Sorge, Rolly“, sagte ich nach einer kurzen Pause, „dieses Jahr wird Mooch mir den Abend nicht verderben“. „Warum bist du dir da so sicher?“, wollte Rolly wissen. „Ich habe einen Plan und der ist so gut wie narrensicher“, antwortete mit einem triumphierenden Lächeln im Gesicht. „Und der wäre?“, fragte Rolly neugierig. „Goliath und Spot werden sich schon darum kümmern, dass Mooch mir keinen Strich durch die Rechnung macht“, antwortete ich und mein Lächeln verwandelte sich in ein diabolisches Grinsen. „Was hast du vor? Sag es mir!“, drängelte Rolly. „Hast du eine ungefähre Ahnung davon, wie lange man braucht, um rote Farbe wieder aus seinem Fell zu bekommen?“, fragte ich, nach wie vor teuflisch grinsend. „Farbe?“, fragte Rolly verwundert. „Wie meinst du das?“. „Das wirst du dann schon sehen“, sagte ich und wandte mich selbstzufrieden wieder der Gästeliste zu. „Ähm, okay, äh, bis dann“, sagte Rolly und trabte davon. Hatte ich ihm mit meinem Grinsen etwa Angst gemacht? Gerade als ich anfangen wollte, die Gästeliste fertigzumachen, kam Spot zur Scheune herein. Spot ist eine sehr gute Freundin von Rolly und mir. Sie ist bei jedem Blödsinn gleich dabei und schreckt auch nicht vor gefährlichen Abenteuern zurück. Obwohl sie ein Huhn ist, ist es ihr größter Traum, wie einer von uns – also wie ein Dalmatiner – leben zu können. Warum das so ist? Ich weiß es nicht. Vermutlich liegt es daran, dass sie mehr Zeit mit uns Dalmatinern als mit den anderen Hühnern auf der Farm verbringt. „Lucky, wie weit bist du mit der Gästeliste?“, fragte sie und begutachtete die Dekoration. „Schön geworden“, meinte sie, nachdem sie jeden Winkel überprüft hatte. „Danke“, entgegnete ich geschmeichelt. „Die Gästeliste habe ich gleich durch, weißt du zufällig, ob Blaze auch kommen will?“. „Blaze?“, fragte Spot erstaunt. „Du hast noch Kontakt zu ihm?“. Blaze lebte lange Zeit bei uns auf dem Hof, bis er für einen Hundefutterwerbespot engagiert wurde. Seitdem sehe ich ihn nur noch selten, er und ich halten aber immer noch per Brieftaube Kontakt. Wenn Du Dir jetzt denkst, das wäre altmodisch, dann versuch Du mal ohne Daumen zu telefonieren. „Natürlich habe ich noch Kontakt zu ihm und er hat mir versprochen, heute Abend hier zu sein“. „Okay“, erwiderte Spot mit einem Achselzucken. „Ich geh dann mal wieder. Ich habe Goliath versprochen, ihr in der Küche zu helfen“. „Ist gut, ich überprüfe dann nochmal alle Plätze und die Anlage“, sagte ich und legte das Klemmbrett mit der Gästeliste ab. „Bis später“, verabschiedete sich Spot und huschte zum Scheunentor hinaus, ehe ich etwas entgegnen konnte.
Nachdem ich alles nochmal sorgfältig überprüft hatte, machte ich mich auf den Weg zu Zweiton, um mit ihr über das Scheunenfest zu sprechen. Voller Aufregung und Vorfreude klopfte ich an ihre Tür. Nach kurzem Warten öffnete Zweiton und ich war schier sprachlos. Sie sah absolut umwerfend aus. Sie trug eine goldene Perlenkette um den Hals und hatte ihr Fell mit Glitzer besprüht. „Ha-hallo Zweiton“, brachte ich mühsam hervor. „Hi Lucky – na, nervös wegen dem Fest?“, fragte sie mit ihrer zarten, warmen Stimme. „Ähm, naja...“. Ich wusste nicht, was ich darauf hätte antworten sollen. „Du siehst toll aus“, sagte ich nach kurzem Schweigen. „Danke, du auch“, erwiderte Zweiton und trat einen Schritt auf mich zu. „Ich dachte, dass ich so zu dem Fest gehe, was meinst du dazu?“, fragte sie mich. „Wow“, war alles, was ich antworten konnte. „Gefällt es dir?“, fragte sie und lächelte mich an. „Fantastisch“, antwortete ich und trat einen Schritt näher an sie heran. Langsam legte ich meine Hände um sie und zog sie ganz nah an mich. „Lucky, was...?“, fragte sie irritiert, doch ehe sie den Satz beenden konnte, küsste ich sie auf den Mund. Ich schloss meine Augen und legte meine Hände enger um sie. Nach einigen Sekunden löste ich langsam den Kuss. „Toller Kuss, Romeo. Das war ja rekordverdächtig“, hörte ich plötzlich jemanden sagen und kurz darauf ein höhnisches Lachen. Diese Stimme würde ich aus tausenden erkennen: Mooch. Er lehnte am Baum neben Zweitons Hundehütte und grinste mich hämisch an. „Das hast du toll gemacht, Luckylein. Nur schade, dass deine Eltern das nicht gesehen haben. Sie wären bestimmt stolz auf dich. Schließlich hast du zum ersten Mal jemand anders geküsst als deine Mami“. Ich spürte, wie ich blutrot anlief. Warum musste er mir das immer wieder antun? Und dann auch noch vor Zweiton! „Mooch, lass mich in Ruhe!“, stieß ich wütend hervor. „Achje, habe ich etwa deine Gefühle verletzt? Das tut mir aber Leid“, sagte Mooch scheinheilig. „Du kannst mich mal“, erwiderte ich schroff und wandte mich wieder Zweiton zu. „Wir sehen uns heute Abend, Zweiton“, sagte ich. „Bis heute Abend, Lucky. Ich warte in der Scheune auf dich“, rief sie mir nach, als ich mich auf den Weg zur Weide machte. Ich wollte mich unbedingt mit Goliath und Spot treffen. Denn nun wollte ich es Mooch richtig heimzahlen – mehr denn je.
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