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Zweite Chance

von Nirvelli
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
27.09.2014
29.09.2014
2
2.723
 
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27.09.2014 1.027
 
Er reißt die Augen weit auf. Schreit. Schreit als würde er den Zug damit zum Anhalten bewegen können. Als könnte er so irgendetwas an seinem sich rasend schnell nähernden Schicksal ändern. Blanke Panik ergreift ihn. Er zerrt an seinen Fesseln. Keine Chance. Zorro hat ganze Arbeit geleistet. Der Prellbock wird größer und größer vor seinen Augen. In den Waggons klappern die Flaschen. Flaschen bis zum Rand gefüllt mit Nitroglycerin. Sein Leben zieht an ihm vorbei. Genauso schnell wie der Tod auf ihn zukommt. Er sieht Elena vor sich. Wie sie lächelt. Wie sie ihn küsst. Wie sie lacht. Und wie sie weint. In einem einzigen lauten Schrei verflucht er die Welt und sein ganzes Leben. Der Zug nähert sich weiter unaufhaltbar dem Schienenende. Nur noch wenige Meter zwischen ihm und seinem sicheren Tod. Seine Hände krampfen sich zusammen. Plötzlich spürt er etwas Kaltes. Seine Finger haben sich fest darum geschlossen. Es schneidet tief in seine rechte Handfläche. Ein Messer. Das Messer, das er immer bei sich trägt. Immer greifbar in der Hosentasche. Für Situationen in denen von ihm verlangt wird, dass er seinen Degen ablegt. Als Selbstschutz sozusagen. Als Lebensretter. Er reißt das Messer nach oben. Trennt die Fesseln in einem Ruck durch. Springt. Landet auf hartem Boden, stürzt und rollt viele Meter weit einen Abhang herab. Unten bleibt er benommen liegen. Das Letzte was er hört ist ein ohrenbetäubender Knall. Holzsplitter fliegen überall durch die Luft. Dann schwinden seine Sinne und er stürzt in rauschende Schwärze.

Licht dringt durch seine Lider. Um ihn herum ist es still. Benommen öffnet er die Augen. Sofort  wird er durch das grelle Tageslicht geblendet. Er muss lange bewusstlos gewesen sein, der Morgen ist bereits angebrochen.  Seine Augen brauchen eine Weile, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnen. Langsam beginnt er sein Umfeld wahrzunehmen. Um ihn herum ist alles mit kleinen, feinen Splittern bedeckt. Hinter der nächsten Bergkuppe qualmt Rauch hervor. Vermutlich noch die letzten Überreste der Explosion. Sie muss gewaltig gewesen sein. Wäre er nicht den Berg hinab gerollt, so wäre mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr sehr viel von ihm übrig. Zumindest nicht an einem Stück. Ihm wird übel. Allein bei dem Gedanken muss er würgen. Nachdem sein Kreislauf sich wieder beruhigt hat, fühlt er sich bereit dazu aufzustehen. Langsam stemmt er sich hoch, bis er sitzt. In dieser Position angelangt wartet er kurz. Die Übelkeit kehrt nicht zurück. Seine Umgebung bleibt gestochen scharf, sie verschwimmt nicht mehr vor seinen Augen. Vorsichtig richtet er sein rechtes Bein auf. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Nichts gebrochen. Es folgt das Linke. Er winkelt es an. Ein gequälter Schrei kreucht aus seiner Kehle. Sein Atem geht schneller, viel zu schnell und flach. Es flimmert vor seinen Augen. Langsam erlangt er seine Beherrschung zurück. Er beugt sich nach vorne um sein Bein zu begutachten. Seine Augen weiten sich vor Entsetzen. Das gesamte linke, ehemals beige Hosenbein ist blutrot gefärbt. Verantwortlich dafür ist ein gewaltiger Holzsplitter, der sich tief in seine Wade gebohrt hat. Er würde keinen Meter gehen können, nicht mit dieser Verletzung.  
‚Vielleicht werde ich auch nie wieder gehen können, vielleicht werde ich auf immer und ewig wie ein Krüppel durch die Straßen hinken!‘
Der zweite Gedankengang macht ihm zwar sehr zu schaffen, ist im Moment aber eher irrelevant. Viel dringender ist das Problem, die nächste Siedlung zu erreichen. Er weiß nicht einmal wo er ist. Ist er noch in Mexico, oder schon in Amerika? Eigentlich ist es gleich. Selbst wenn das nächste Dorf nur wenige Kilometer, oder gar Meter entfernt ist, ohne fremde Hilfe wird er es nicht erreichen. Er schaut sich um. Die Gegend sieht nicht so aus, als ob sich oft ein Wanderer hierher verirren würde. Der Boden ist von rötlichem Sand bedeckt. Die einzigen Pflanzen weit und breit sind riesige Kakteen. Schlagartig spürt er wie seine Kehle trocken wird. Seine Augen suchen nach Wasser. Ein Teich, ein Fluss, irgendwas? Nichts. Nichtmal eine Wolke am Himmel, die Regen versprechen könnte. Und die Sonne steigt auch bedrohlich weiter heran. Bald würde es entsetzlich heiß werden. Der Splitter in seinem Bein sticht und pocht. Er beißt die Zähne zusammen. Er kann das zersplitterte Holzstück nicht in seiner Wade lassen. Eine Blutvergiftung wäre garantiert. Falls er nicht schon eine hat. Mit beiden Händen umfasst er das Holz. Seine Hände zittern. Er holt tief Luft. Es würde nicht schlimm sein. Er hat schon weitaus schmerzhaftere Dinge erlebt. Zumindest hält er daran fest. Dann zieht er. Mit einem Ruck. Ein leises Stöhnen, der Splitter ist draußen. Stattdessen klafft nun ein großes Loch in seiner Wade. Das Blut quillt in einem regelrechten roten Strom heraus. Klebrig und heiß fließt es an seinem Bein herab. Er muss die Blutung stoppen und zwar möglichst schnell. Sonst wäre es sehr bald um ihn geschehen.
Ohne lange zu zögern öffnet er sein vollkommen verdrecktes, verschwitztes und zudem zerrissenes Hemd und lässt es sich von den Schultern gleiten. Einen kurzen Moment lang betrachtet er mit vor Wut zusammengepressten Zähnen das große Z, das in den Stoff geschnitten wurde. Dann konzentriert er sich wieder auf das Notwendige. Der Ärmel lässt sich leicht abtrennen. Er hofft bloß, dass durch das schmutzige Hemd die Wunde nicht noch mehr verdreckt wird. Möglichst fest knotet er sich den Hemdsärmel um die Wade. Der Stoff reibt an der Verletzung. Nach wenigen Sekunden ist er durchgeblutet. Es hat keinen Sinn. Dennoch zieht er den behelfsmäßigen Verband noch etwas fester. In unfassbarer Geschwindigkeit färbt sich der weiße Stoff rot. Verzweiflung packt ihn. Er ist gerade erst dem sicheren Tod entkommen, sollte er jetzt wegen etwas so lapidaren wie einem Splitter zu Grunde gehen? Das würde er sich nicht gefallen lassen. Er war Graf Armand d’Argenau, Ritter und zudem eines der höchsten Mitglieder des geheimen Ordens. Wenn er stirbt, dann so wie sich das gehört! Auf dem Schlachtfeld. Oder bei einem Duell. Nicht hier, irgendwo im Nirgendwo. In den Tod gestürzt vom einem verdammten Banditen, der sich selbst als „der Fuchs“ bezeichnet.

Soo... es ist schon ziemlich lange her, dass ich die Geschichte begonnen habe. Und bis jetzt ist sie auch noch unvollendet. Aber falls ein, zwei Gefallen an ihr finden werde ich sie gern weiterschreiben. ;)
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