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Step out of the Twilight!

von Fuin
CrossoverHumor, Parodie / P12
26.09.2014
26.09.2014
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2.251
 
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Hallo zusammen und herzlich Willkommen zu meiner Prämiere was den Crossover-Bereich angeht!
Die Idee kam mir wegen der Überschneidung des Titels Twilight und dem Twilight/Zwielicht aus Wächter der Nacht.
Ich hoffe, euch gefällt der OS!

Spoilerwarnung: Geringfügige Spoiler für Wächter der Ewigkeit und New Moon.
Disclaimer: Die Figuren in dieser Geschichte sind nicht mein geistiges Eigentum. Ich leihe sie mir nur für ein paar Minütchen aus und verdiene selbstverständlich kein Geld mit dieser Fanfiktion.


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Step out of the Twilight!



     Der vorliegende Text nutzt der Sache des Lichts
     und seine Verbreitung wird dringend empfohlen.
                                            Die Nachtwache

     Der vorliegende Text ist beschämend für die Sache des Dunkels
     und seine Verbreitung daher strengstens untersagt.
                                            Die Tagwache



In zehn Kilometern Tiefe tauchte Land auf. - Europa.
Doch Edward Cullen hatte nur einen kurzen Blick dafür übrig. Kein Anblick der Welt konnte ihn mehr aus seiner überwältigenden, tödlichen Trauer reißen. Er brachte seinen Sitz in eine liegende Position und schloss die Augen. Das einzige, was ihn jetzt noch in seinem Leben erfreuen konnte, wäre der Anblick von Volterra. Die Gewissheit, endlich von seinen unendlichen Seelenqualen erlöst zu werden. Ohne Bella konnte und wollte er einfach nicht Leben. Die Schuldgefühle schienen ihm das Herz in seiner Marmorbrust zu zerreißen!

Doch es war ihm nicht vergönnt, sich noch länger seinem Selbstmitleid hinzugeben:
"Entschuldigung!", krähte die Frau in der Reihe hinter ihm schrill, "Ich hätt' gerne mehr Platz! Sie stören mich hier!"
"Einen Moment bitte, das tut mir sehr Leid", gab Edward zurück und brachte gentlemanlike seinen Sitz wieder in eine aufrechte Position.
Das hätte er gleich wissen müssen, wenn er nur in den Gedanken der Dame gelesen hätte. Doch momentan beachtete er die geheimen Träume, Wünsche und Beschwerden der anderen Passagiere nicht, er blendete sie aus, um seine Vorstellungskraft ganz allein seiner über alles geliebten - und nun leider offensichtlich verstorbenen - Bella zu widmen.
Erneut stellte er sich schlafend, es störte ihn gar nicht, dass es diesmal etwas ungemütlicher war.
Immerhin konnte kein noch so dramatisch verspannter Nacken der Welt das schreckliche Leid in seinem Inneren übertreffen ...

Er rechnete sich aus, dass es nicht mehre lang dauern würde, bis das Flugzeug in Italien landete.
Doch die Zeitspanne bis dahin erschien ihm sehr viel größer als zunächst gedacht. Kein Wunder, so sehr sehte er sich doch seinem baldigen Dahinscheiden entgegen! Da mussten sich die Stunden ja qualvoll in die Länge ziehen.
Zeit ist relativ. Im Moment war sie relativ zähflüssig und ließ Edwards Herzschmerz in nie gekannte Höhen steigen.

Doch jede Stunde endet einmal. Jedes Flugzeug muss am Ende zum Boden zurückkehren. Runter kommt man immer.
Und so war es nun auch Edward erlaubt, sein Ziel zu erreichen. Wenn er erst einmal in Italien war, war es für ihn nur noch ein Katzensprung bis nach Volterra, wo sich dann endlich sein Schicksal erfüllen sollte.
Die Lautsprecher über seinem Kopf knackten kurz, bevor eine Stimme zu hören war.

"Sehr geehrte Fluggäste,
wir haben soeben unsere Reiseflughöhe verlassen und beginnen nun mit dem Landeanflug auf Moskau-Scheremetjewo.
Bitte vergewissern Sie sich ..."


Edward interessierte sich nicht mehr dafür, was er mit seinem Handgepäck oder seinen elektronischen Geräten tun sollte und seinen Sitz hatte er ohnehin schon zuvor wieder in die Senkrechte bringen müssen.
Alamiert blickte er sich in der Maschine um. Doch bis auf dieses schreiende Kind weiter hinten verhielten sich die übrigen Passagiere erstaunlich ruhig, dafür, dass sie gerade einen völlig falschen Flughafen ansteuerten.
Moskau-Scheremetjewo. - Das klang so gar nicht nach Italien!
Er blickte durch das Fenster nach draußen und mit seinen unglaublich scharfen, weitblickenden, goldfarbenen Vampiraugen erkannte er, dass das hier auch gar nicht aussah wie Italien.
Zumindest nicht, solange man den Kreml nicht in den letzten Tagen nach Rom verpflanzt hatte.

Verzeih mir, Bella, dachte Edward und eine Sorgenfalte zeichnete sich auf seiner sonst so übermenschlich makellosen Stirn ab.
Doch für den Moment musste er sie aus seinem Kopf verbannen, denn er wollte sich auf die Gedanken der Menschen um ihn her konzentrieren. Auch wenn er sich nichts sehnlicher wünschte, als dass sein Schmerz ihn am Ende doppelt treffen mochte, weil er für eine Sekunde vergaß zu leiden.

Erschrocken stellte Edward fest, dass die Leute sich gar nicht über die Ankunft in Moskau wunderten. Der Geschäftsmann zu seiner Linken freute sich darauf, nach Hause zurückzukehren und seinen kleinen Sohn wiederzusehen. Einige Reihen weiter vorne plante eine ältere Dame gerade, ihrer Enkelin eine Postkarte aus dem Urlaub zu schicken, als ihr plötzlich einfiel dass sie deren Adresse vergessen hatte. Das schreiende Kind wollte Schokolade. Mit gehackten Haselnüssen.

So viel stand fest: Er, Edward Cullen, makellos marmorbrüstiger und liebeskümmerlich leidender Vampir, hatte einen falschen Flug gebucht.

Er schluckte und musste sich erst einmal beruhigen. Dabei half ihm, sich wieder in sein nun schon gewohntes Selbstmitleid sinken zu lassen. Er stellte sich Bellas Duft vor, so süß und verlockend ... Er bekam Hunger. Aber nicht auf Schokolade mit Nüssen! Seine Gedanken wälzten sich weiter und weiter, doch sie hatten immer diesen einen Mittelpunkt, um den sie kreisten, wie die Planeten um die Sonne. Doch seine Sonne war für immer verloschen. Schade eigentlich, dabei brauchte er ihr Licht doch dringend, um vor den Volturi glänzen zu können.

Schlussendlich - nachdem er sich seinen eigenen Tod in all seinen glitzernden Facetten ausgemalt hatte - kam Edward zu dem Schluss, dass es sich bestimmt auch in Moskau ganz wunderbar sterben lassen würde.

Vierundvierzigeinhalb Minuten später war er im Begriff, den Flughafen zu verlassen. Gepäck hatte er keines, die einzige Last die er trug war jene, die auf seiner Seele ruhte. Ein Visum besaß er auch nicht, doch das sollte für ihn kein Problem darstellen, konnte er sich doch so schnell bewegen, dass ein Mensch ihn nicht wahrnehmen konnte.
Er setzte zum Sprint nach draußen an. Dabei kam es ihm eigentlich gar nicht so vor, als würde er selbst seine Schritte beschleunigen. Vielmehr wirkte es so, als würden Leute, Tiere und Objekte durch eine seltsame, graue Substanz gebremst, in der sie sich nur wie in Zeitlupe bewegen konnten. Wie dem auch sei, Edward machte sich keine weiteren zwielichtigen Gedanken, sondern stürzte hinaus auf die Straßen Moskaus.

*** *** ***

Ich verließ die Metrostation Ploschtschad Rewoljuzii kurz vor Sonnenuntergang. Noch war ich ein wenig zu früh dran für die Nachtwache, aber das machte nichts. Es konnte nicht schaden, sich vor der Arbeit noch ein wenig Ruhe zu gönnen.
Ein wenig mulmig war mir allerdings schon zumute: Lass passte an diesem Abend auf Nadja auf, bis Swetlana wieder von der Theateraufführung zurück war, zu der sie ihre Mutter begleitete. Ich war mir eigentlich noch nicht sicher, ob das gut gehen konnte. Aber nun hatte ich der Sache schon einmal zugestimmt und konnte sie nicht mehr rückgängig machen. Es wäre auch vollkommen unhöflich gewesen, jetzt umzukehren und verlauten zu lassen, dass Lass möglicherweise nicht der ideale Babysitter war ...
Wie auch immer, ich hatte mir doch zuvor die Schicksalsfäden der beiden angesehen. Es würde nichts passieren.

Das war eine andere Sache, bei der mir nicht ganz wohl war: Jetzt war ich ein Hoher Magier. Es würde einige Zeit dauern, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Deshalb hatte ich mich auch selbstverständlich bereit erklärt, diese Woche als Urlaubsvertretung für einen anderen anderen Wächter der Nacht einzuspringen. Ich erinnerte mich momentan noch gern an die relativ einfache Zeit als geringerer Lichter zurück.

Ich schlenderte gemächlichen Schrittes in Richtung Roter Platz, wo meine Schicht später beginnen würde. Im Laufen schaltete ich meinen iPod ein. Ja, richtig. Ein dritter Punkt, der mir Unbehagen bereitete: Ich hatte mich von meinem MD-Player getrennt. Oder besser: Nadja hatte uns getrennt, als sie dem unwiderstehlichem Drang nicht widerstehen konnte, an den aus meiner Jackentasche baumelnden Kopfhörern zu ziehen und das Gerät damit für immer in die ewigen Jagdgründe zu befördern.
Natürlich existieren die ewigen Jagdgründe nicht wirklich. Das hatte die Nachtwache schon vor Urzeiten bewiesen. Stattdessen befand sich der MD-Player selbstverständlich in einem völlig realen Müllcontainer. Und in meiner Jackentasche steckte ein neuer iPod, der soeben Debussy spielte. Clair De Lune. - Merkwürdig, ich konnte mich gar nicht daran erinnern, dieses Lied aufgespielt zu haben.

Ich erreichte den Roten Platz, der überfüllt war mit Touristen. Auren in allen Regenbogenfarben vermischten sich zu einer gleichmäßigen Suppe. Doch da war noch etwas anderes, stellte ich fest, obwohl ich eigentlich nur beiläufig, rein gewohnheitsmäßig, durchs Zwielicht spähte. Dort, etwa in der Mitte des Platzes entdeckte ich eine Gruppe von Asiaten, die sich gegenseitig fotografierten. Sie waren es jedoch nicht, die meine Aufmerksamkeit erregt hatten.
Ich spürte einen Vampir direkt hinter diesen Menschen.
Und keinen, dessen Aura mir bekannt vorkam!
Dabei gab es nicht viele Vampire in Moskau und selbst deren Zahl nahm ab ...

Er bewegte sich schnell durchs Zwielicht. Eigentlich sollte meine Wache erst beginnen, nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war, doch mein Pflichtbewusstsein verbot mir, den Fremden nicht zu überprüfen.
Ich entschied, mich ihm in den Weg zu stellen.
"Halt, Anderer!", rief ich ihm entgegen, "Anton Gorodezki, Nachtwache. Treten Sie aus dem Zwielicht!"
Der Vampir bremste vor mir ab, so dicht, dass ich seinen Atem hätte spüren können, wenn Vampire denn atmen würden. Während er seine Bewegung verlangsamte, verließ er das Zwielicht. Auf seinem Gesicht zeigte sich ein Ausdruck der Verwirrung.
"Entschuldigung, wer sind Sie?", fragte er auf Englisch.
"Anton Gorodezki, Nachtwache", wiederholte ich, ebenfalls auf Englisch. "Ihre Registriermarke, bitte!", forderte ich ihn dann auf, da er von selbst offensichtlich nicht auf den Gedanken kam.
"Edward Cullen", stellte sich der Vampir knapp vor. "Was für eine Wache? Und welche Marke? - Halten Sie mich etwa für einen Hund?", hakte er dann nach und machte dabei eine Miene, als sei jemand gestorben.
"Sind Sie Tourist?", fragte ich scharf und der Fremde nickte. "Wo ist dann Ihre temporäre Registrierung?"
Mein Tonfall klang drohend. - Mit einem unregistrierten Vampir ist nicht zu Spaßen!
Er versuchte nun, nach meinen Gedanken zu greifen, doch gegen meine magische Abschirmung hatte er keine Chance.
Der Vampir straffte die Schultern. "Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden? - Ich habe heute noch etwas zu erledigen!"
Mir war klar, was er damit meinte: Er wollte auf die Jagd gehen.
"Dann kann ich also davon ausgehen, dass Sie den Großen Vertrag nicht achten, dass Sie Menschen ohne Lizenz töten?"

Ein tiefes, melodramatisches Seufzen drang aus der Kehle des Vampirs uns seine Trauermiene verfinsterte sich noch weiter. "Ich weiß nicht, von welchem Vertrag Sie sprechen. - Aber es stimmt, mich trifft die Schuld am Tod eines Menschen! Stunde um Stunde verfolgt sie mich und lässt mir keine Ruhe mehr bis an das Ende meines Lebens! Die Volturi sollten mich töten, in Italien. Aber da ich leider ein falsches Flugticket gekauft habe, werde ich hier wohl mein Ende finden müssen! - Seien Sie nun mein Richter!" Er breitete die Arme aus und sank auf die Knie.
Überrumpelt trat ich einen Schritt zurück.
"Hier ist niemand!", zischte ich einigen Passanten zu, die uns mit hochgezogenen Augenbrauen anstarrten.
Dann wandte ich mich wieder Edward Cullen zu. Wer waren die Volturi? Etwa eine Untergruppe der Inquisition? Davon wüsste ich! Und was, beim Licht und beim Dunkel, war das bloß für ein Vampir, der sterben wollte, weil er einen Menschen getötet hatte? Weil er Blut getrunken hatte? Plötzlich stellte ich mir, zum ersten Mal in meinem Leben, die Frage, ob Vampire nicht auch Lichte sein konnten. Wer würde sonst so ein Gezeter um einen Menschen veranstalten? - Vermutlich würde Sebulon sich in Grund und Boden schämen, sollte er jemals von diesem Ereignis erfahren!
Fast hätte ich bei dem Gedanken gegrinst, die Vorstellung war amüsant.

"Richten Sie mich!", jammerte Cullen noch einmal.
Ich räusperte mich. "Das würde einfacher sein, wenn Sie eine Registriermarke besäßen! Ich fürchte, so muss ich Sie zuerst der Leitung meiner Wache übergeben."
'Fürchten' war eigentlich eine Übertreibung. In Wirklichkeit hatte ich nämlich nicht die geringste Lust darauf, den Richter für diesen Vampirtouristen zu spielen.
Dieser wurde inzwischen wütend. "Von was für einer Marke reden Sie da eigentlich?!", fuhr er mich aufgebracht an.
"Von dem Siegel, das Vampire auf der Brust tragen sollten", erklärte ich und legte dabei eine besondere Betonung auf das letzte Wort, auf dass ihm nun endlich klar werde, dass er sich registrieren musste, "Es tötet schmerzlos, sobald es entfernt wird."
Cullen klappte der Kiefer herunter. Mit der Verzweiflung eines Verdurstenden, dem gerade der rettende Schluck Wasser vor der Nase weggeschappt wurde, schrie er: "Ich trage aber keine solche Marke auf der Brust! Wenn ich eine hätte, hätte ich sie schon selbst entfernt! - Nein, sehen Sie selbst, was für eine Art Monster ich bin!" Bei diesen Worten krallte er seine Finger in den Stoff seiner Jacke und riss sich mit einer fließenden Bewegung die Kleidung vom Oberkörper.

Was ich dann sah, ließ mir einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter laufen:
Im Licht der Abendsonne glitzerte Cullens Brust, als hätte er sich in Diamantstaub gewälzt.
Ungäubig blinzelte ich. Auch als Hoher Magier, bemerkte ich, hat man noch lange nicht ausgelernt.

Als das Funkeln und Glänzen auch nicht verschwunden war, nachdem ich ihn sogar durch drei Schichten des Zwielichts gemustert hatte, wandte ich mich von dem Anblick ab.
"Ich weiß nicht was Sie sind", sagte ich kopfschüttelnd, "Aber ein Vampir sind Sie sicherlich nicht!"
Ich drehte mich um und ging.

Das hier war ganz offensichtlich kein Fall für die Nachtwache ...
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