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Die Schleife

von Altais
GeschichteMystery, Sci-Fi / P18 / Het
Commander Shepard Javik
26.09.2014
07.05.2019
8
13.114
17
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
26.09.2014 1.626
 
Ich weiß, die Idee hat schon einen kilometerlangen Bart (und nicht nur in diesem Fandom). Auf FF.net ist sie mir zumindest schon ein paar Mal untergekommen. Ich finde sie aber trotzdem zu gut, um darauf zu verzichten, selber eine Version davon zu schreiben:
Als Spieler erinnert man sich zumindest teilweise an die Fehler, die man beim ersten Mal Durchspielen gemacht hat, die Entscheidungen, die man versehentlich getroffen hat, wie gewisse Feinde am schnellsten und mit möglichst wenigen Fehlversuchen umgenietet werden können – aber nicht an alles. Nicht schon beim ersten Mal. Aber was, wenn der Charakter Shepard sich erinnert? Was, wenn sie in einer Zeitschleife feststeckt, die sich wiederholt, bis sie endlich alle richtigen Entscheidungen trifft?
Hier gebe ich meiner Shepard - War Hero, Spacer, Paragon (im Herzen manchmal ein bisschen renegade) – etwas mehr Freiheiten, als dem Charakter im Spiel. Dementsprechend verleihe ich ihr auch mehr Entscheidungsfreiheit, als sie tatsächlich im Spiel hat. Charaktertod-Verhindern mit inbegriffen. Ich kennzeichne die FF also als AU.
Pairing: ich warne, dass es auf jeden Fall kein typisches sein wird. Ich schwanke noch zwischen Javik/Shepard und Nihlus/Shepard ...
Genres (außer den angeführten): Drama, (Galgen)Humor, wie ich mich kenne auch Horror und ein bisschen Romanze.
Nur kurz noch: die ersten paar Kapitel haben ein sehr schnelles Tempo.
Falls sich jemand durch die elendslange Author’s Note geplagt hat (ich verspreche, das kommt nicht wieder vor):
Mass Effect gehört selbstverständlich nicht mir. Leider. Ich hätte gerne die Kohle, die dieses wunderbare Kunstwerk eingespielt hat. Habe ich aber nicht :(








Ihr ganzer Körper war eine einzige Wunde. Ihr dickes, warmes Blut sickerte kontinuierlich in das kratzende Neopren ihrer Unterbekleidung, die Ränder des Lochs in ihrer Rüstung drückten in ihr zerrissenes Fleisch. Ihre Zunge fühlte sich doppelt so dick an, als gewöhnlich und ihr Hals war rau. Das „Kind“ oder die Kreatur, die die Gestalt des Kindes angenommen hatte, flackerte still vor sich hin, als sie endlich fertig war mit ihrer Ansprache. Ihr Blick war flehend.
Eine Maschine, die Angst hatte, vernichtet zu werden. Ganz wie die Geth. Ganz wie Legion.
Eine Maschine, die die Ernte tausender Zivilisationen, die Zerstörung tausender Welten befohlen hatte. Gedankenlos ein Programm durchlaufend, wider ihre Programmierung, wenn man dem Leviathan Glauben schenken wollte.
Die Kreatur hatte die Augen des Kindes, das seit sie die Erde verlassen hatte ihre Albträume beherrschte, mehr als die zahlreichen, teils so sinnlosen Tode so vieler guter Leute, die sie kannte.
Ein Reaper. Die Kreatur war ein Reaper. Schlimmer. Sie war die Einheit, die alle Reaper kontrollierte. Und sie verlangte jetzt von ihr, dass sie sich entweder an ihre Stelle setzte, oder mit den Maschinen verschmolz, um sämtliche lebende Kreaturen zu Halbmaschinen zu machen – ohne deren Erlaubnis.
Sie taumelte nach rechts, immer nach rechts, immer dem wabernden Rot nach. Der Boden war schwammig und nachgiebig und sie musste ein paar Mal blinzeln, dass der Schleier vor ihren Augen sich lange genug lichtete, sodass sie mit ihrer schweren, schweren Hand die Waffe heben und die Energieversorgung des Vaters aller Reaper abschneiden konnte.
Sie traf, und das Geräusch war ohrenbetäubend.
Scherben flogen ihr entgegen. Schmerz zuckte wie Feuer über ihre Haut zu ihren Nerven bis zu den Knochen. Sie öffnete den Mund um zu schreien, aber das Feuer drang in ihren Mund ein und zerstörte ihre Stimmbänder. Gleißendes Licht. Sie versuchte, ihre Augen zu schützen, aber sie spürte ihre Hände nicht. Farben explodierten hinter ihren Lidern.
Das war das Ende. Sie wollte weinen, aber ihre Tränen verrauchten. Bitte, bitte, bitte nicht.

*

Sie fuhr hoch. Einem lauten Pochen folgte ein scharfer Schmerz. Stöhnend rieb Shepard sich die Stirn. Das würde eine Beule geben.

Hatte sie etwa ... hatte sie überlebt? Hatte sie es irgendwie von der abstürzenden Citadel heruntergeschafft, am ganzen Leib brennend?

Ihre Arme fühlten sich normal an. Wie ... Arme.

Sie wollte ihren Körper ansehen, aber es war stockdunkel bis auf ein fahles Funkeln zu ihrer Linken und das weiche orangene Licht ihres Weckers. Ihres Weckers ...
Sie griff danach. Es war drei Uhr Standardzeit.
„Licht“, murmelte sie zögerlich und stand auf.
Ihre Kabine. Nicht die, an die sie gewöhnt war, seit geraumer Zeit. Aber sie kannte diese Kabine.

Es war ein Traum. Sie befand sich in der Hölle, im Fegefeuer, in einer Art Zwischenwelt, oder sie war in ihrem eigenen komatösen oder sterbenden Körper gefangen. Aber das war unmöglich. Sie war in die Luft geflogen, mit der ganzen verdammten Citadel. Sie war verbrannt, mit Haut und Haar. Nichts durfte mehr übrig sein. Oder hatte ihr die Angst einen Streich gespielt?

Das hier war die Normandy. Die SR 1. Sie würde dieses Design überall erkennen. Menschliches und turianisches Design in überraschendem Einklang.
Wie war das möglich?

Sie betrachtete ihren Wecker.

2183. Der sechste Mai. Sie befand sich nicht einmal in der Kabine des Captains. Das hier war die Kabine des Executive Officers und die Normandy war auf dem Weg nach Eden Prime.

Shepard hatte wie jeder Mensch ihres Alters, der eine anständige Schulbildung genossen hatte, auch eine Grundausbildung in dem Fach Physik. Zeitreisen waren nicht unmöglich, nach neuestem Wissensstand, soweit sie sich erinnerte, aber in dieser Zeit hoch theoretisch. Keine der bekannten Spezies hatte sich bisher praktisch damit auseinandergesetzt, jedenfalls ihrer Kenntnis nach. Es war zu gefährlich.

Sie war keine Physikerin, sie war überhaupt keine Wissenschaftlerin. Sie war ein Soldat.
Und ihr war schwindelig.

Shepard taumelte zurück  und ihre Kniekehlen stießen an das Bett. Sie ließ sich auf ihren Hintern fallen und barg das Gesicht in den Händen.

Sie war froh, dass sie sich nicht einfach im Äther aufgelöst hatte. Mit Schaudern erinnerte sie sich an ihren Tod. Nie wieder wollte sie in ein solches Loch stürzen. Wenn sie wählen könnte, würde sie ewig leben. Ewig.

Sie biss die Zähne zusammen um nicht anzufangen zu heulen und atmete tief durch. Wenn dieser Tag der sechste Mai 2183 war, dann hatte sie irgendwie eine zweite Chance erhalten.

Aber was – der Gedanke kam wie ein Eimer eiskaltes Wasser, der über ihren Kopf geschüttet wurde – wenn sie gefangen in der Indoktrination der Reaper war? Was, wenn das alles nur in ihrem Kopf geschah?

Ihr Herz schlug bis zum Hals. Rasend vor Angst verließ sie das Zimmer, darauf vergessend, dass sie nur ein dünnes Unterhemd und einen Slip trug, und fühlte den kalten Boden der Normandy unter ihren Füßen. Draußen befanden sich die Lounge und die medizinische Station. Niemand war hier – es war auch mitten im Nachtzyklus.
Blindlings lief sie los, auf der Suche nach irgendetwas, irgendeinem Anhaltspunkt, einem Beweis, dass sie nicht alles nur träumte.

Als sie an der Konsole vorbeikam, an der Lt. Alenko normalerweise gewerkelt hatte, holte sie ihr Verstand ein. Die Möglichkeit, dass sie mitten in der Indoktrination steckte, bestand. Sie war groß. Shepard wollte sich nicht selbst belügen. Die Chance, dass sie tatsächlich irgendwie durch die Zeit gereist war, war absurd. Und dennoch existierte sie.
Sie zwang sich dazu, ruhig zu atmen, während ihre Finger sich in die Wand gruben. Sie musste sich zusammenreißen. Wie ein kopfloses Huhn durch die Gegend zu rennen half niemandem. Ihre Gedanken waren in Aufruhr, aber ihr Körper erschöpft, müde, als sei sie viel zu früh aufgestanden. Ihr Kopf schmerzte immer noch dort wo sie ihn angeschlagen hatte, und ihre Augenlider fühlten sich schwer an.

„Ist etwas nicht in Ordnung, Shepard?“

Sie sprang beinahe zur Decke vor Schreck, als die ruhige, dunkle, zweitönige Stimme direkt neben ihr erklang. Eine Stimme, von der sie gewusst hatte, dass sie sie nie wieder hören würde.

„Entschuldigen Sie. Ich wollte Sie nicht erschrecken.“ Sein Blick wanderte an ihrem Körper hinunter. Seine Kieferplatten zuckten und die Brauenplatten hoben sich. Er grinste. „Haben Sie nicht etwas vergessen?“

Shepard sah an sich herunter. Ach ja, genau. Ihre leichte Bekleidung. Sie war noch zu sehr durch den Wind, um rot zu werden, zudem war sie Soldat. Dennoch trat sie hinter den Balken, an dem die Konsole angebracht war.
„Ich ... dachte, hier befände sich niemand um diese Zeit." Ihre Stimme klang beschämend dünn. Was würde er von ihr denken? Dass sie Albträume hatte? Emotional instabil war?

Sie lief in einer Alibi-Handlung zur Küchenzeile, um sich ein Glas Sojamilch einzugießen. Dann ging sie zurück in ihre Kabine, ohne sich noch einmal nach ihm umzusehen.

***

Der Versuch Kryik zu retten stellte sich als absolutes Disaster heraus.
Sie schlief zu lange, um Nihlus vor Anderson zu treffen, wie beim ersten Mal, in einem anderen Leben, in einer anderen Zeitlinie, einem anderen Universum. Ihr Körper war der alte, aber ihr Gehirn wog schwer mit all den Erinnerungen, erschöpft über alle Maßen.
Sie fand nicht die richtigen Worte. Überhastet fing sie an, vom abtrünnigen Spectre Saren zu sprechen, noch bevor Anderson sie über die Zusammenarbeit mit Nihlus belehren konnte, nur um zu verhindern, dass sie durch die SOS-Meldung unterbrochen wurde und er doch starb. Sie überlegte nicht, dachte nicht nach. In diesem Moment kam ihr nicht in den Sinn, dass sie sich selbst höchst verdächtig machte, sie wollte nur diesen Turianer retten.

Anderson ließ sie von Chakwas sedieren.

Nihlus starb auf Eden Prime.

Shepard landete im Gefängnis. Zusammenarbeit mit Saren, lautete die Anklage, denn woher zum Geier sollte sie diesen Namen überhaupt kennen? Ihre Beteuerungen, aus einer anderen Zeit zu kommen, brachten das Allianzgericht nur dazu, sie statt in einem Hochsicherheitstrakt für Kriegsverbrecher in einer Psychiatrie für ebensolche unterzubringen.

Shepard - die meiste Zeit vollgepumpt mit psychoaktiven Substanzen - konnte auf Datenpads, die sie mit News versorgten, lesen, dass ein anderer Spectre, eine Asari namens Tela Vasir, ihre Aufgabe übernahm. Der Name kam ihr dunkel bekannt vor. Niemand ihres alten Teams half ihr dabei.

Keine drei Monate später überrannten die Reaper die Galaxie.

Shepard spürte nur den Sog der Tiefe, als ihre Anstalt von einem Reaper-Beam förmlich zerrissen wurde.

***

Sie wachte auf und schlug sich den Kopf. Verdammt noch eins.

Auf ein Neues.
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