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Pater noctis

KurzgeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
24.09.2014
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Bei irgendwelchen Formfehlern bitte Nachsicht haben, ich habe noch nie gebeichtet und kenne daher die Etikette nicht.

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"Vater vergebt mir, denn ich habe gesündigt.." tönte es von der anderen Seite des Beichtstuhls mit einer eiseskalten Stimme.

"Erzähle mir von deinen Sünden, damit wir dich vor Gott von ihnen reinwaschen können!" antwortete Pater Lucius, ein Gähnen unterdrückend, um seine väterliche Stimme beizubehalten. 'Nach dem werd ich mich erstmal aufs Ohr legen, unglaublich wie ermüdend die Sorgen dieser Bauern auf Dauer sein können' dachte er sich.

"Das will ich nur zu gerne, Vater. Doch mit dem reinwaschen werdet ihr Probleme haben." meinte die Stimme schleppend.

Lucius meinte, eine Spur Belustigung herauszuhören, doch entschied sich, erst einmal nur zuzuhören.
Nach einer kurzen Pause sprach der Besucher dann weiter:

"Vater, ich habe heute die Wirtstochter, ich glaube, Alina war ihr Name, das erste Mal erblickt und sie erregte sofort meine Aufmerksamkeit"

'Aha, unzüchtige Gedanken, Klassiker' still lächelte der Kirchenbruder in sich hinein.

"Ihre, zwar gebräunte, aber nichtsdestotrotz makellose haut, diese wohlgeformten Kurven. Und erst dieser einladende, wunderschöne Hals"

'Einer, der auf den Hals achtet? Den muss ich den anderen erzählen. Der is neu' dachte sich Lucius verwundert. Und stellte sich schon die anderen vor, wie sie auf diese Beichte reagieren würden, als er von den Worten des Fremden aus seinen Gedanken geholt wurde:

"...habe ich sie auf dem Heimweg in die Gasse zwischen der Ruine am Marktplatz und dem Stand des Metzgers gezogen, und worauf ich mich schon den ganzen Abend lang gefreut hatbe, sollte sich mir nun endlich offenbaren..."

'Oh, eine Vergewaltigung, das muss direkt zum Abt, auch wenn damit aufgedeckt wird, dass wir uns nicht an die Schweigepflicht halten' drängte sich in die Gedanken des Paters, während sich ihm die Nackenhaare aufstellten. Wann war es so kalt geworden? Er konnte schon seinen Atem in der Luft erahnen.

"..und ich lag wirklich richtig, ihr Blut war so süß, wie ich es mir erhofft hatte. Wie ein guter Wein, rann es mir die Kehle herunter..."

'WAS?!? Das kann doch nicht sein!' mit vor schreck geweiteten Augen versuchte Lucius aufzustehen, doch sein Körper wollte sich nicht rühren.

"..Ich war nur leider nicht so schnell, wie gewohnt. Ein wenig ängstliche Bitterkeit hatte sich schon in das Blut geschlichen, bevor ich meine Zähne in ihr Fleisch senken konnte. Aber das hatte überraschenderweise die Qualität des Blutes nurnoch gesteigert. Mir ist unerklärlich, wie das vonstatten ging. Dennoch. Diesen Geschmack MUSS ich wieder schmecken, koste es, was es wolle!"

Das Grausen im Beichtvater steigerte sich von Wort zu Wort. Nicht genug, dass er sich das Geständniss eines Mörders anhören musste, jetzt versagte ihm auch noch sein Körper den Gehorsam und er konnte nichts weiter tun, als dazusitzen, und der grausigen Geschichte zuzuhören. Und es wurde immer kälter..

"In meinem Leben hatte ich ja das Vergnügen, viel verschiedenes Blut kosten zu dürfen, aber diese Mischung, dieser köstliche Geschmack ist mir nur aus dem Hals dieses einen Mädchens entgegengeflossen. Wie bedauerlich, dass ich sie nicht behalten habe. Ich hätte sie zu meinem Blutengel machen können. Ja, diese Vorstellung gefällt mir wirklich. Wie bedauerlich..."

'Behalten? Das nun auch noch? Wie will er sie denn behalten, wenn er, wie er gesagt hat, ihr Blut getrunken hat?  Und wie war das danach? Sein Blutengel??' Inzwischen erstarrte der Atem des Priesters fast schon als Wolke in der Luft. Er würde zittern, hätte er noch die Kontrolle über seinen Körper, doch daran verschwendete er inzwischen keinen Gedanken mehr. Zu anstrengend ist sogar denken geworden. Das dunkle Holz des Beichtstuhl überzog sich langsam, aber stetig, vom Beichtfenster aus mit Eis.

"Doch nun, Mönchlein. Was rätst du mir? Wie kann ich mich von dieser süßen, süßen Sünde reinwaschen?" wollte die Stimme nun wissen. Nichtmehr schleppend, reumütig, doch vielmehr voll Spott und Hohn.

Doch der Mönch antwortete nicht. Er hatte aufgehört zu atmen. Mit schreckgeweiteten Augen und zusammengekauert auf seinem Schemel war sein Herz gefroren.

Am nächsten Morgen fand man den gefrorenen Beichtstuhl. Der einzige Hinweis auf einen Beichter ist nur, mit einem Nagel oder ähnlich spitzen Gegenstand, in das Holz geritzt, die Wörter "PATER NOCTIS, QUI ES IN TENEBRIS" 'Vater der Nacht, der in den Schatten ist'

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Lasst hören, wie hat euch das Geschichtchen gefallen? Was geht besser? Wie is die Perspektive? Fehlt noch was? Feedback bitte :)
Lg
Mio
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